‚Apartheid sichtbar gemacht’

Unter dem Titel „Inside Out“ stellen „palästinensische Studenten Fotos in Köln“ aus. „Auf den Fotos verarbeiteten die Studierenden aus Bethlehem die physischen, emotionalen und spirituellen Konsequenzen angesichts eines Lebens hinter einer Mauer“, zitiert der Kölner Stadtanzeiger den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Und wie lautet der erste Leser-Kommentar dazu? „Apartheit sichtbar gemacht“ – und geht dazu über sich zu wundern, dass diese „politisch unkorrekte“ Ausstellung in Köln überhaupt noch möglich ist. Und wer „die wahren Herren“ sind (nämlich die Juden, die das Jüdische Museum durchsetzen wollen). Dazu das übliche Gefasel vom „Apartheidstaat Israel“ und den wahren Opfern desselben, die von der Öffentlichkeit ausgeblendet würden.

Dass dieses antisemitisch zumindest angehauchte Geseiere auf der Internetseite des Kölner Stadt-Anzeigers steht, ist alleine schon Beleg dafür, dass der Kommentator Stuss von sich gibt; ebenso die „politisch unkorrekte Ausstellung“, die ja wohl viel mehr den Mainstream wiedergibt, als etwas Konstruktives zur Nahost-Debatte beizutragen. Die ganze Wortwahl im Stadt-Anzeiger spricht Bände: „Mit dem Bau des so genannten ‚Verteidigungswalls’ will Israel den Zugang der Palästinenser auf der Westbank erschweren.“ Äh, wie? Zugang wohin? Der Palästinenser in die Westbank? Aus der Westbank? Innerhalb der Westbank? „So genannter“ „Verteidigungswall“? Mit „sogenannt“ schon als Lüge hingestellt und dann noch in Anführungszeichen – schlimmer geht’s nimmer. Die Sperranlage ist eine Schutzmaßnahme gegen die Terroristen – deren Zugang nach Israel erschwert bis verhindert werden soll. Was da in der Zeitung steht, ist zumindestens – tendenziös. Eigentlich ist es grober Unsinn. Angereichert mit fehlender Erklärung der Ursachen für den Schutzwall, ganz zu schweigen davon, wie sich die Juden fühlen, die von den Genossen der „Verarbeiter“ nach Kräften gemordet werden und deshalb in ihrer Verzweiflung das monströse Gebilde errichten. Es wäre ja auch zu viel verlangt, wenn man die Probleme beim Namen nennt, denn dann würden die Juden nicht mehr als die Verbrecher da stehen, die man auf Teufel komm raus auch mehr als 60 Jahre nach dem Holocaust aus ihnen machen will.

Wenn man es genau nimmt, dann wird aber durch den „Verteidigungswall“ doch Apartheid deutlich. Allerdings anders herum. Wer darf denn von wo nach wo reisen, um medizinische Versorgung (in der Regel auch noch kostenlos) zu erhalten? Wer flüchtet denn von wo nach wo, wenn die internen Kämpfe wieder mal zu mörderisch werden? Wer darf denn GRUNDSÄTZLICH NICHT von wo nach wo?

Palästinenser dürfen in Israel arbeiten – jedenfalls eine Reihe von ihnen. Ein Israeli, der seinen Fuß in die Palästinensergebiete setzt, riskiert sein Leben. Kranke Palästinenser können sich in Krankenhäuser nach Israel überweisen lassen – ein Israeli würde von jedem palästinensischen Krankenhaus abgewiesen. Wie viele Israelis sind in die Palästinensergebiete geflüchtet, weil sie Gefahr laufen im eigenen Land von den eigenen Landsleuten umgebracht zu werden?

Und: Wer will sein Land von der anderen Bevölkerungsgruppe klinisch rein halten? In Israel leben rund 1,25 Millionen muslimische Araber, ohne dass ihnen nahe gelegt wird das Land zu verlassen; wie viele Juden wollen die Palästinenser in ihren Gebieten zulassen? Genau: keinen einzigen. „Judenrein“ nannte das ein tausendjähriges Deutschland einmal. Nett, solche Parallelen, nicht wahr?

Der Kommentator im KStA wird sicher weit von sich weisen, dass er rassistisch ist, antisemitisch oder sonst etwas. Nur passt das nicht mit den Realitäten überein – weder mit seiner Wortwahl, noch mit den geäußerten Inhalten. Die Rassisten sind die Feinde Israels. Die Apartheid-Vertreter diejenigen, die eine Gruppe Menschen wegen ihrer Ethnik ausschließen und vertreiben wollen. Bei dem kommentierenden Spinner fehlt jetzt nur noch der Vorwurf des Völkermords – oder der „ethnischen Säuberung“ – an den PalArabern; was vom Streben her auch wieder nur umgekehrt der Fall ist.

Die Lügenbolzen sollten sich wirklich einmal etwas anderes einfallen lassen. Vielleicht können sie neue Lügen produzieren, weniger faktenfremd sind. Dann hätten wir wenigstens etwas Neues, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Aber so weit wollen die Lügenverbreiter wohl nicht gehen. Ihnen reicht es, immer wieder dieselben Lügen zu wiederholen; die doofen Leser werden es schon glauben. Und die Medien reihen sich schön ein in die Phalanx derer, die diese Lügen verbreitet sehen wollen. Qualität nennt man das heutzutage.

Nachtrag: Als eine der „Begründungen“ für die angeblich palästinenserfeindliche Haltung des KStA führte der Kommentarschreiber an, dass Inge Günther und ihre „Berichterstattung“ (Anführungszeichen von mir!) aus der Zeitung verbannt worden seien. Fragt sich nur, wie dann das hier zustande kommt. Man sieht auch hier wieder: Die selbsternannten „Kritiker“ Israels arbeiten nicht mit Fakten, sondern mit Einbildungen, die mit der Realität (vor Ort wie auch hier) ziemlich wenig zu tun haben…