Würde der letzte ehrliche Reporter bitte die Lichter ausmachen?

Vorbemerkung: Orson Scott Card ist Demokrat und Zeitungskolumnist. Er beschreibt den Zustand der US-Medien in diesem Präsidentschafts-Wahlkampf. Aber damit beschreibt er mindestens genauso hart und klar den Zustand der europäischen/deutschen Medien, die sich an Obama berauschen und die Republikaner als das Übel der Supermacht USA schlechthin darstellen. Er führt ein paar sehr dringend zu verbreitende Fakten an, die überall willentlich ignoriert oder unter den Teppich gekehrt werden. Bei uns weiß wohl kaum jemand, wer Freddie Mac und Fannie Mae sind – einfach deshalb, weil niemand darüber informiert wird, dass diese beiden staatlichen Finanzinstitutionen der Anfang der Krise waren und wieso es dazu kommen konnte. Das jetzt im Einzelnen zu erklären, wäre hier zu viel. Die aus Cards Text zu entnehmenden Informationen sollten allerdings ausreichen zu erkennen, was hinter im Groben das Kernproblem des Anfangs dieser Krise war.

Orson Scott Card, Meridian, 22.10.2008

Ein offener Brief an die lokale Tageszeitung – fast jede lokale Tageszeitung in Amerika:

Ich erinnere mich daran, wie ich All the President’s Men las und dachte: Das ist Journalismus. Man tut, was nötig ist, um die Wahrheit zu bekommen und legt es der Öffentlichkeit vor, weil die Öffentlichkeit das Recht hat, das zu wissen.

Diese Immobilienkrise kam nicht aus dem Nichts. Sie war keine vage Auswirkung der bösen Bush-Administration. Sie war direktes Ergebnis der politischen Entscheidung aus den 1990-er Jahren, die Regeln für die Vergabe von Krediten zu lockern, damit Hypotheken für arme Leute einfacher zu bekommen sind. Fannie Mae und Freddie Mac wurden ermächtigt riskante Kredite zu genehmigen.

Was ist ein riskanter Kredit? Es ist ein Kredit, den der Kreditnehmer wahrscheinlich nicht in der Lage ist zurückzuzahlen.

Das Ziel dieser Regeländerung war es, den Armen zu helfen – was besonders Mitgliedern der Minderheiten helfen sollte. Aber wie hilft es diesen Leuten, ihnen einen Kredit zu geben, den sie nicht zurückzahlen können? Sie ziehen in das Haus, ja, aber wenn sie die Rückzahlungen nicht einhalten können, verlieren sie das Haus – zusammen mit ihrer Kreditwürdigkeit.

Am Ende sind sie schlechter dran als vorher.

Das war völlig vorhersehbar und Fakt ist, dass viele das vorher sahen. Eine politische Partei im Kongress und in der Exekutive versuchte wiederholt die Regeln zu verschärfen. Die andere Partei blockierte jeden solchen Versuch und versuchte sie zu lockern.

Darüber hinaus gaben Freddie Mac und Fannie Mae politische Spenden an genau die Mitglieder des Kongresses, die ihnen erlaubten die unverantwortlichen Kredite zu vergeben. (Allerdings ist es mir ein Rätsel, warum Quasi-Bundesbehörden das zu tun erlaubt ist. Das ist so, als würde das Pentagon dem Wahlkampf von Politikern Gelder zukommen lassen, die für die Erhöhung des Verteidigungshaushaltes sind.)

Gibt es hier nicht eine Story? Verlangt nicht der Journalismus, dass unsere Tageszeitungen die Wahrheit darüber bringen, was uns in eine Lage gebracht hat, wo der einzige Ausweg das Vertrauen in unsere Wirtschaft zu erhalten eine 700 Milliarden-Dollar-Rttungsaktion ist? Solltet ihr nicht dem Geld folgen und sehen, welche Politiker persönlich von der Deregulierung der Hypothekenvergabe profitierten?

Ich habe keine Zweifel: Wenn diese Fakten auf die Republikanische Partei oder John McCain als Schuldige gedeutet hätten, würdet ihr das als Riesenskandal behandeln. „Housing-Gate“, mit Sicherheit; oder „Fannie-Gate“.

Statt dessen waren es Senator Christopher Dodd und der Abgeordnete Barney Frank, beides Demokraten, die leugneten, dass es überhaupt Probleme gab, die die Forderungen der Bush-Administration zurückwiesen eine Regulierungsbehörde aufzubauen, die Fannie Mae und Freddie Mac kontrollieren sollten; und es waren sie, die diese beiden Institutionen immer weiter pushten, um immer noch weiter die minderwertigen Hypotheken zu fördern, fast bis zu dem Augenblick, als das zusammenbrach.

Thomas Sowell zeigt in einem Aufsatz bei Townhall.com (Titel: Do Facts Matter? – Spielen Fakten eine Rolle?) auf: „Alan Greenspan warnte sie vor vier Jahren. Ebenso der Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater des Präsidenten. Genauso wie Bushs Finanzminister.“

Hier sind die Fakten: Es war absolut möglich diese Krise zu verhindern. Die Partei, die jeden Versuch sie zu verhindern blockierte war – die Demokratische Partei. Die Partei, die versuchte sie zu verhindern war – die Republikanische Partei.

Doch als Nancy Pelosi der Bush-Administration und der republikanischen Deregulierung vorwarf die Krise verursacht zu haben, habt ihr von der Presse sie wegen dieser Lüge nicht zur Rechenschaft gezogen. Statt dessen habt ihr die Republikaner kritisiert, die sich an dieser Lüge gestört haben und es ablehnten für die Rettungsaktion zu stimmen!

Wie bitte? Nicht der Lügner, sondern die Opfer der Lüge sind verantwortlich zu machen?

Gehen wir dem Geld nach… direkt zu dem Präsidentschaftskandidaten, der die Nummer zwei der Empfänger der Wahlkampfunterstützung von Fannie Mae ist.

Und nach Freddie Raines, dem CEO von Fannie Mae, der 90 Millionen Dollar machte, während er sie vor die Wand fuhr, wegen seiner Inkompetenz gefeuert wurde, machte ließ sich ein Präsidentschaftskandidat tatsächlich von ihm zur Immobilienfrage beraten. Wenn dieser Präsidentschaftskandidat John McCain gewesen wäre, hättet ihr das einen großen Skandal genannt und wir würden jeden Tag in eurer Zeitung Artikel stehen haben, wie inkompetent und korrupt er sei.

Statt dessen war dieser Kandidat Barack Obama und so habt ihr die Story begraben; und als die McCain-Kampagne es wagte Raines einen „Berater“ der Obama-Kampagne zu nennen – weil diese Wahlkampftruppe seinen Rat gesucht hatte – da habt ihr Obamas Leute damit davonkommen lassen McCain der Lüge zu beschuldigen, nur weil Raines nicht als offizieller Berater der Kampagne Obamas aufgelistet ist.

Solche zweideutigen Pingeligkeiten würdet ihr von einem Republikaner niemals tolerieren.

Wenn ihr, die ihr unsere tägliche Lokalzeitung produziert, wirklich irgendwelche Grundsätze hättet, würdet ihr diese Story hämmern, denn der Wohlstand aller Amerikaner wurde von dem dummen, kurzsichtigen, politischen selbstsüchtigen und möglicherweise korrupten Handeln führender Demokraten riskiert, auch von Obama.

Wenn ihr, die ihr unsere tägliche Lokalzeitung produziert, wirklich persönliche Ehre hättet, würde ihr es unerträglich finden, das amerikanische Volk glauben zu lassen, dass die Republikaner irgendwie für diese Krise verantwortlich zu machen ist.

Es gibt Präzedenzfälle. Obwohl Präsident Bush und seine Regierung niemals sagte, dass der Irak 9/11 gesponsert hat oder damit in Verbindung stand, konntet ihr es nicht ertragen, dass die Amerikaner diese falsche Ansicht hatten – also habt ihr uns mit der Tatsache beprügelt, dass es eine solche Verbindung nicht gab. (Und dabei habt ihr dann den falschen Eindruck erweckt, dass Bush sie belogen hätte und sagte, es habe eine Verbindung gegeben.)

Hättet ihr irgendwelche Grundsätze, dann würdet ihr doch sicher jetzt, wo das amerikanische Volk dabei ist Präsident Bush und John McCain für eine Krise verantwortlich zu machen, die sie zu verhindern versuchten, und sich gerade Barack Obama wegen einer Krise zuzuwenden beginnen, die er zu schaffen half, mindestens genauso schwer daran arbeiten diesen falschen Einbruch zu korrigieren.

Euer Job als Journalisten ist es, die Wahrheit zu sagen. Das behauptet ihr auch zu tun, wenn ihr das Geld der Menschen annehmt, um eure Zeitung zu kaufen oder zu abonnieren.

Aber genau jetzt stimmt ihr einer großen, fetten Lüge zu oder verbreitet sie aktiv – der, dass die Immobilienkrise irgendwie Bush, McCain und den Republikanern zur Last gelegt werden sollte. Ihr habt das amerikanische Volk trainiert für alles Schlechte – selbst für das schlechte Wetter – Bush verantwortlich zu machen und sie antworten so, wie ihr es sie gelehrt habt.

Wenn ihr irgendwelche persönliche Ehre hättet, würde jeder Reporte rund Herausgeber darauf bestehen die Wahrheit zu sagen – selbst wenn es den Wahlchancen eures Lieblingskandidaten schaden würde. Denn das ist es, was ehrenhafte Leute tun. Ehrliche Menschen sagen die Wahrheit sogar dann, wenn ihnen die vermutlichen Konsequenzen nicht gefallen. Das ist es, was Ehre bedeutet. So verdient man sich Vertrauen.

Barack Obama ist nur ein weiterer Politiker und kein besonders weiser. Er hat seine Ignoranz und Naivität immer wieder offenbart – und ihr habt das unter den Teppich gekehrt und als Nichts behandelt.

In der Zwischenzeit habt ihr bei der Schmierenkampagne gegen Sarah Palin mitgemacht, brutale Angriffe auf sie wegen der Schwangerschaft ihrer unverheirateten Tochter berichtet – während ihr gleichzeitig den Ehebruch von John Edwards viele Monate lang ignoriert habt.

Also frage ich euch: Habt ihr überhaupt irgendwelche Standards? Wisst ihr überhaupt, was Redlichkeit bedeutet?

Ist die Leute dazu zu bringen für Obama zu stimmen für euch so wichtig, dass ihr alles über Bord werft, für das der Journalismus stehen sollte?

Ihr solltet euch an die Art erinnern, wie die National Organization of Women ihre Integrität über Bord kippte, als sie Bill Clinton trotz seines gut bekannten Musters sexueller Ausnutzung machtloser Frauen unterstützte. Wer hört NOW noch zu? Wir wissen, dass sie für nichts stehen; sie haben keine Grundsätze.

Das ist der Punkt, an dem wir uns genau jetzt befinden.

Es ist nicht zu spät. Ihr wisst, dass wäre die Situation umgekehrt, und wenn sie McCain schaden und Obama helfen würde, ihr Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um die wahre Story hinauszuposaunen.

Wenn ihr eure Ehre erlösen wollt, dann werdet ihr schwer schlucken und eine Liste der Storys machen, die ihr abdrucken würdet, wäre es McCain gewesen, der Geld von Fannie Mae bekommen hätte, wäre es McCain gewesen, dessen Wahlkampf-Kampagne sich von einem diskreditierten CEO hätte beraten lassen, wäre es McCain gewesen, der gegen die Verschärfung der Kreditvergabepraxis gestimmt hätte.

Dann werdet ihr sie drucken, obwohl jede einzelne dieser wahren Geschichten mit dem Finger auf die Verantwortung der unbesonnenen Demokratischen Partei zeigen würde, die den Wohlstand unserer Nation riskierte, damit sie sich gut fühlen konnten, weil sie den Armen helfen; und ihr würdet einen angemessenen Teil der Verantwortung Obama vor die Tür legen.

Ihr werdet auch die Wahrheit über John McCain erzählen: dass er als Senator versuchte zu tun, was nötig war, um diese Krise abzuwenden. Ihr werdet die Wahrheit über Präsident Bush erzählen: dass seine Administration mehr als einmal versuchte den Kongress dazu zu bewegen die Kreditvergabe auf verantwortliche Weise zu regulieren.

Diese Krise ist vom Kongress gemacht, angefangen während der Clinton-Administration, damit, dass Demokraten den Weg in die Krise anführten und jeden Versuch blockierten rechtzeitig aus ihr herauszukommen.

Wenn ihr bei unserer lokalen Tageszeitung weiterhin die Amerikaner dazu bringt zu glauben und so abzustimmen, als hätten Präsident Bush und die Republikaner diese Krise verursacht, dann schliet ihr euch dieser Lüge an.

Wenn ihr nicht die Wahrheit über die Demokraten – einschließlich Barack Obama – sagt und das mit derselben Energie tut, die ihr einsetzten würdet, wenn die Schurken Republikaner wären – dann seid ihr nach keinem Standard Journalisten.

Ihr seit nur die PR-Maschinerie der Demokratischen Partei und es ist an der Zeit, dass ihr alle gefeuert werdet und echte Journalisten geholt werden, damit wir endlich eine Nachrichten-Zeitung in unserer Stadt bekommen.

Werbeanzeigen

3 Gedanken zu “Würde der letzte ehrliche Reporter bitte die Lichter ausmachen?

  1. Herzlichen Dank für die Übersetzung des Artikels. Ich habe ihn gleich an zwei Dutzend Freunde weitergesandt!
    Paul

  2. Selbst Bill Clinton räumt die Fehler der Demokraten ein:

    Aber diese extreme Steilvorlage wird von deutschen Medien natürlich nicht aufgegriffen. Colin P’s Unterstützung für Obama ist ja sooo viel wichtiger als Clintons Dolchstoß an seiner eigenen Partei…

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.