Was sie sagen ist nicht das, was wir hören

Barry Rubin, Jerusalem Post, 14. Dezember 2008

Der volle Horror der zeitgenössischen Nahost-Politik und –Diskussion wird von wenigen im Westen verstanden, weit gehend, weil die Leute durch ihre politische Führung, die Intellektuellen und die Medien nicht informiert werden. Gelegentlich kommt die Wahrheit durch, so am 11. September 2001, wird aber bald wieder hinter Nebelwänden vergraben. Immerhin war es so, dass der iranische Präsident nach Angaben einer offiziellen iranischen Übersetzung dazu aufrief Israel von der Landkarte zu wischen – und die New York Times veröffentlicht einen Artikel, in dem analysiert wird, ob das jemals gesagt wurde. [Die Süddeutsche Zeitung macht’s ebenso – mehrfach.]

Ich stelle mir den Austausch so vor: Nahostler (auf Arabisch): „Wir werden euch auslöschen, eure Kinder töten und eure Städte zu Staub zertreten!“ Übersetzer (auf Deutsch): „Er sagt, dass gerechtfertigte Gründe zur Klage wegen der amerikanischen Aggression verletzte Gefühle schafft, die nur durch Änderungen in der westlichen Diplomatie gelöst werden können.“

Diese Gedanken wurden von mindestens vier Beispielen dieser Woche inspiriert:

Erstens schreibt mir ein Arabisch-Muttersprachler: „Ich sehe gerade Himan as-Sa’id, den Führer der jordanischen Muslimbruderschaft, der auf Al-Akas-TV eine Rede hält (er tobt eher herum). Er brüllt davon, wie die islamischen Armeen Palästina in einen Friedhof für die Juden verwandeln.“ Dem folgt die Bedrohung der jordanischen Regierung als Verräter, weil sie Frieden mit Israel schloss, und „die üblichen Klischees“. Aber dann schließt mein Freund: „Wie wir alle wissen, ist das nicht die Art von Sprache, die die jordanische Muslimbruderschaft benutzt, wenn sie Englisch spricht.“ Zum Vergleich fügt er einige Links zu westlichen Zeitungen hinzu, die behaupten, dass die jordanische Muslimbruderschaft wirklich eine moderate Organisation ist, mit der westliche Regierungen in Dialog treten sollten.

Dann gibt es zwei erst kürzlich gegebene Interviews des PA-Botschafters im Libanon, Abbas Zaki, der erklärt, dass die PA die USA als Feind betrachtet. Natürlich haben die Amerikaner seit 14 Jahren Zakis Gehalt gezahlt (durch direkte Hilfe und durch die Überredung ihrer Alliierten Geld zu spenden), einen palästinensischen Staat gestützt und Israel zu vielen Zugeständnissen an die PA gezwungen. Aber nichts davon spielt für Zaki und andere hochrangigen Fatah-Führer eine Rolle. Auf Arabisch sind sie weiter Hardliner und Antiamerikaner.

Anfang November hielt Zaki einen Vortrag, in dem er erklärte, dass Moderatheit nur Schein und das Ziel weiterhin Israels Vernichtung sei. Seine Worte angesichts der Schwäche der arabischen Nation und der Stärke der USA: „Die PLO schreitet in Phasen voran, ohne ihre Strategie zu verändern.“ Bald würde sie in einer Position sein Israels Zusammenbruch herbeizuführen und „sie alle aus Palästina zu jagen“.

Eines der Hauptbeispiele dafür, wie Unsinn ernst Analyse ersetzt, ist die Fantasie der Möglichkeit Syrien vom Iran lösen zu können. Diese Vorstellung wird von Syriens effektivem Propaganda-Netzwerk und jede Menge westlicher Helfer bestärkt. Ein libanesischer Freund schickt mir Säcke an Zitaten syrischer Offizieller, die ewige Loyalität mit dem Iran versprechen. Ich glaube ihnen.

Ein Beispiel: Syriens Botschafter in den USA erklärte im Mai im Al-Jazira-Fernsehen: „Syrien wird sich nicht vom Iran distanzieren, denn unsere Verbindungen mit dem Iran sind … durch geschichtliche, kulturelle, soziale und religiöse Verbindungen und gemeinsame Interessen tief [verbunden].“ Ein Artikel von Rime Allaf, einem Fans dieses Regimes, in der Presseagentur Novosti vom 25. November vermerkt: „Seit drei Jahrzehnten hat die syrisch-iranische Beziehung den anhaltenden westlichen Anstrengungen, die Allianz zu brechen und die Politik beider Regierungen zu verschieben, überlebt.“ Aber nichts wird diese Partnerschaft schwächen, außer das Regime in einem dieser Länder stürzt. Zustimmung.

David Ottoway von der Washington Post schreibt davon, wie sehr Syrien die Allianz mit dem Iran braucht und von ihr profitiert. Er fährt aber fort: „Westliche und arabische Quellen … haben nichtsdestotrotz das Gefühl, dass die syrisch-iranische Freundschaft unnatürlich [und] von kurzer Dauer ist.“ Syriens Regime soll zu säkular sein, um es lange mit Teheran auszuhalten. Er liefert aber auch reichlich Zitate syrischer Offizieller, die – mit detaillierten Argumenten – darauf bestehen, dass das Bündnis auf Dauer bestehen soll.

Oh übrigens: Der Artikel trägt das Datum vom 29. September 1983!

Und schließlich: Wenn man das derzeitige Spektrum der öffentlichen Diskussion in der arabischen Welt verstehen will, dann sollte man eine Fernseh-Diskussion zwischen Kamal al-Hilbawi, dem Direktor des London Center for the Study of Terrorism, und dem politischen Analysten Nabil Yassin zu Gemüte führen. Ersterer wird als radikal betrachtet, Letzterer als moderat.

Hilbawi befürwortet die Tötung israelischer Zivilisten, einschließlich Kindern, weil sie, wie er sagt, alle potenzielle Soldaten sind. Er behauptet: „In Grundschulen stellen sie folgende Mathematik-Aufgabe: ‚In deinem Dorf gibt es 100 Araber. Wenn du 40 tötest, wie viele Araber wären noch da, die du töten kannst?’ Das wird im israelischen Lehrplan gelehrt.“

Yassin antwortet damit, dass er gegen die Ermordung von Zivilisten ist: „Ich verurteilte die israelische Regierung dafür, dass sie Kinder solche Dinge lehrt, aber ich verurteile nicht das Kind, das noch nicht weiß, wie er die Araber nach weiteren 20 Jahren töten wird, wenn es Soldat wird.“

Das las ich unmittelbar nachdem ich meinen beiden Kinder bei ihren Rechenhausaufgaben half und ich vermute, dass ich diese Gleichungen verpasst haben muss. In der Schule meiner Tochter lernen sie gerade Islam und Christentum, erwerben ein faires, sich an Fakten haltendes Bild beider Religionen.

Es gibt jedoch Schulen, die auf diese Weise unterrichten. Was Hilbawi beschrieb, ist eine beinahe präzise Verkündung aus einem syrischen Schulbuch der zweiten Klasse, das zum Beispiel viele Rechenaufgaben zur Tötung von Israelis enthält.

Wie auch immer, ihre Diskussion zeigt uns den erlaubten Spielraum für Diskussionen: Der arabische Radikale lügt, dass Israel eine National völkermörderischer Killer ist; der moderate erwidert, dass es natürlich wahr ist, dass die Kinder nicht dafür verantwortlich sind, dass sie von diesen bösartigen Monstern eine Gehirnwäsche erhalten.

Natürlich ist die beste westliche Strategie im heutigen Nahen Osten die Kooperation mit relativ moderaten Staaten und Gruppen, die gegen die Verbreitung des radikalen Islamismus und den iranisch-syrischen Einfluss sind.

Das erste Problem damit ist, dass viele im Westen weit interessierter daran sind die Extremisten zu hofieren, weil sie dem falschen Glauben anhängen, dass diese sich ändern werden.

Das zweite Problem ist, dass selbst diejenigen, deren objektiven Interessen relativ moderat und parallel zu denen des Westens und Israels sind – sie geben diese Tatsache im privaten Gespräch sogar zu – nicht bereit sind sich zu äußern und dementsprechend zu handeln.

Das dritte Problem besteht darin, dass es wenige Moderate gibt und dass das Spektrum der Debatte von den Extremisten und denen dominiert wird, die aus Gründen der eigenen Sicherheit vorgeben radikal zu sein oder die Militanz für ihre eigenen Vorteile ausnutzen.

Oh übrigens: Das Programm, in dem den arabischen Fernsehzuschauern erzählt wurde, dass israelische Schulbücher die Kinder lehren Araber zu ermorden, wurde nicht auf dem Hisbollah-Sender ausgestrahlt, sondern auf dem arabischen Dienst der BBC. Das ist schon Service: Hetze zum Terrorismus Dank britischer Steuergelder. Politischer Irrsinn kann ansteckend sein.

2 Gedanken zu “Was sie sagen ist nicht das, was wir hören

  1. ein Araber lügt macht taqiya jedes Mal, wenn er den Mund aufmacht. Es dient seinem Zwecke dem Schutze seines Lebens und der Veteidigung des Islam.
    Orwells ’newspeak‘ lässt grüssen.

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