Ein bösartiger Geisteszustand offenbart

Ein gängiges Klischee ist immer wieder, dass „so ein paar Qassam“ (in der Regel mit dem Adjektiv „selbstgebaut“ verharmlost) von den Betroffenen gefälligst nicht so hochstilisiert werden sollen. Sie sind kein Grund für die „völlig übertriebene Reaktion“, wie Israel sie über den Jahreswechsel gezeigt hat. Dazu wird dann gerne Leichenfledderei mit dem Vergleich der Zahl der Toten auf beiden Seiten bemüht. Die sonstigen Auswirkungen des Raketenterrors bezieht bei den „israelkritischen“ „Nahost-Experten“ niemand mit ein. Psychologische Schäden werden allenfalls den „Opfern der israelischen Aggression“ zugestanden. Dieser Haltung widmete Yaakov Lozowick am 25. Januar 2009 einen Eintrag in seinem Blog:

Eines Abends während der Kämpfe kam ein junger Mann aus Sderot hinauf nach Jerusalem und hielt einen Vortrag in einem öffentlichen Forum. Er erzählte von den Kräfte zehrenden Wirkungen des achtjährigen Lebens unter Feuer. Davon, wie Lieferanten seines Lebensmittel-Ladens nicht mehr liefern wollten, so dass die Leute zu den großen Supermarkt außerhalb der Stadt fahren mussten, weil dieser besser ausgestattet ist. Wie er sein Möglichstes tat niemanden zu entlassen, nachdem ein Angestellter, der sein Vater hätte sein können, in Tränen ausbrach, als ihm mitgeteilt wurde, dass es nicht genügend Einkünfte gab, um ihn noch länger zu bezahlen. Wie Familien unter der nie endenden Belastung auseinanderbrachen. Wie seine fünfjährigen Zwillinge, die nie ein Leben ohne die Sirenen gekannt haben, in Panik ausbrachen, als sie auf einer Fahrt in den ruhigen Norden in der Ferne einen Krankenwagen hörten und ihre sichere, geschützte Ecke nicht hatten, in die sie entkommen konnten.

Davon waren seine Zuhörer peinlich berührt, weil sie ihr Leben in Gleichgültigkeit dem allen gegenüber gelebt hatten.

Gideon Levy veröffentlichte am Freitag eine weitere Tirade. Man muss sie nicht gelesen haben, es ist das übliche Wirrwar an Ungenauigkeiten, entgegen der Chronologie der Wirklichkeit aneinandergereihte Fakten, ein Haufen Ideologie und Hass… das Übliche eben. Aber er hatte einen entlarvenden Ausrutscher, den seine Herausgeber in der hebräischen Druckversion als Werbung aus dem Text nahmen und unter das Bild setzten. Er sagt als Beschreibung der Halbwegsruhe der Hudna-Periode seit dem Sommer:

Die Tatsache, dass die Einwohner des Südens eine Zeit der Ruhe erlebten, fast ohne Qassam-Raketen, wurde getrübt…
Ja, es gab Qassams und Mörser – wenige, unnötig, unproduktiv – die in Weisheit hätten vergeben werden sollen.

Die vielleicht wichtigste Einzelfrage der gerade von uns durchgeführten Operation ist, dass wir uns endlich aus unserer grausamen Lethargie erhoben und klar gemacht haben, dass es so etwas wie ein akzeptables Level an Gewalt gegen uns gibt, den der Rest übersehen oder vorgeben kann nicht zu sehen. Wir sind verantwortlich für uns alle.