Journalistische Prinzipien-(Aus)Bildung

Es soll sie ja noch geben, die „naiven“ Journalisten, die Anleitungen wie den „kleinen Leitfaden für ‚Israelkritiker’“ noch nicht verinnerlicht haben. Denen muss dringend geholfen werden, wie Yaakov Kirschen zeigt:

Wenn die Naiven dann eingenordet sind, können sie sich irgendwann an richtig schwierigen Dingen versuchen, so z.B. den Überschriften zum heutigen Bombenanschlag auf IDF-Soldaten an der Grenze des Gazastreifens. Da die Terroristen eindeutig die Aggressoren waren, die den Waffenstillstand brachen, indem sie am Grenzzaun einen großen Sprengsatz legten, der einen israelischen Soldaten auf der israelischen Seite tötete und drei weitere verletzte, haben die Qualitätsmedien ein kleines Problem, denn sie können schließlich nicht Israel für den Bruch verantwortlich machen, auch wenn die IDF zurückschlug und dabei ein Palästinenser getötet wurde (den die Hamas umgehend zum Zivilisten erklärte, einem Bauern). Die erfolgreichen Bemühungen um „Neutralität“ sehen folgendermaßen aus:

Guardian: Israelischer Soldat und Palästinenser bei Angriffen an der Grenze des Gazastreifens getötet

Telegraph: Angst um den Gaza-Waffenstillstand, nachdem es zwei Tote gab

Times: Israeli und Palästinenser sterben bei erstem Bruch des Gaza-Waffenstillstands

Hätten die Israelis zuerst geschossen, dann sähen diese Schlagzeilen auf jeden Fall anders aus – „Ross und Reiter“ würden mehr als deutlich in die Welt posaunt und der Aggressor Israel würde in jeder Schlagzeile genannt.

In den Online-Portalen der deutschen Printmedien sah das übrigens so aus:

stern: Neue Gewalt fordert drei Todesopfer
Erster Absatz: Die Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas ist gerade erst neun Tage alt, da gibt es schon wieder Gefechte. Bei einem Anschlag auf eine israelische Militärpatrouille kam ein Soldat ums Leben. Israel feuerte als Antowrt mit Granaten und Raketen und tötete zwei Palästinenser.
Rheinische Post: Barak: „Wir werden darauf antworten“ (Vor-Überschrift: Anschlag auf israelische Patrouille)
Erster Absatz: Ein tödlicher Anschlag auf eine israelische Militärpatrouille hat die Waffenruhe im Gazastreifen schwer belastet. Neun Tage nach dem Ende der Offensive kam ein Soldat ums Leben. Drei Soldaten wurden verletzt. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte: „Wir werden darauf antworten.“
Süddeutsche Zeitung: Anschlag auf israelische Patrouille
Erster Absatz: Verletzte Waffenruhe: An der Grenze zum Gaza-Streifen wurde eine israelische Patrouille angegriffen – mit tödlichen Folgen.
Reuters Deutschland: Tödlicher Anschlag belastet Waffenruhe im Gazastreifen
Erster Absatz: Ein Angriff auf eine israelische Militärpatrouille am Dienstag belastet die Waffenruhe im Gazastreifen. Neun Tage nach dem Ende der Offensive kam ein Soldat durch einen Sprengsatz ums Leben. Drei Soldaten wurden verletzt.
Die Bombe explodierte in der Nähe des Grenzübergangs Kissufim. Kurz darauf töteten israelische Soldaten im Grenzgebiet einen palästinensischen Bauern.
Reuters Deutschland: Israelischer Soldat an Grenze zu Gazastreifen getötet
Erster Asatz: An der Grenze zum Gazastreifen ist einem Fernsehbericht zufolge am Dienstag ein israelischer Soldat bei einer Explosion getötet worden.
Kurz darauf sei ein Palästinenser durch israelischen Beschuss ums Leben gekommen, berichteten Mediziner. Damit wäre die erst vor gut einer Woche von Israel und der radikal-islamischen Hamas ausgerufene Waffenruhe kurz vor dem ersten Besuch des neuen US-Nahostbeauftragten gebrochen worden.
Handelsblatt: Israelischer Soldat am Gazastreifen getötet
Erster Absatz: Neue Gewalt im Gaza-Streifen: Militante Palästinenser haben eine israelische Armeepatrouille an der Grenze angegriffen. Dabei wurde ein israelischer Soldat getötet und drei weitere verletzt. Kurz darauf soll ein Palästinenser durch israelischen Beschuss ums Leben gekommen sein.
Badische Zeitung, Rhein-Neckar-Zeitung:
Neue Gewalt in Gaza – Anschlag am Grenzzaun
Erster Absatz:
Ein neuer Ausbruch der Gewalt im Gazastreifen hat am Dienstag Todesopfer auf beiden Seiten gefordert. Bei dem bisher schwerwiegendsten Schlagabtausch seit dem Ende der dreiwöchigen israelischen Militäroffensive vor neun Tagen starben ein israelischer Soldat und zwei Palästinenser.Ungeachtet des neuen Blutvergießens
Tagesspiegel: Palästinenser greifen Israel an – Ehud Barak droht mit „Antwort“
Erster Absatz: Ein neuer Ausbruch der Gewalt im Gazastreifen hat am Dienstag wieder Todesopfer auf beiden Seiten gefordert. Israel kündigte daraufhin eine „Antwort“ an – eine erneute Eskalation des Konflikts ist nicht auszuschließen.
BILD: Bombe tötet israelischen Soldaten
Erster Absatz: Bei einem Bombenanschlag an der Grenze zum Gazastreifen ist nach Militärangaben ein israelischer Soldat getötet worden.

MDR: Wieder Tote am Grenzstreifen zu Gaza
Erster Absatz: Neue Gefechte belasten die Waffenruhe im Gazastreifen. Nach israelischen Berichten explodierte am Dienstag im Süden des Gazastreifens bei Kissufim auf israelischer Seite eine Bombe. Dabei wurden ein israelischer Soldat getötet und drei weitere verletzt. Unklar blieb, ob der Sprengsatz schon länger dort lag oder erst kurz vor dem Anschlag deponiert wurde. Keine der palästinensischen Organisationen bekannte sich zu dem Überfall.
Fotos: „Israel schließt wieder die Grenzübergänge“; „Gaza-Streifen“

Es gibt also deutliche Unterschiede: Die einen lassen eine von wem auch immer platzierte Bombe hoch gehen, die nächsten lassen auch keine Urheber erkennen. Wenige sprechen Klartext. Aber die Mehrzahl nicht mit aggressiven Palästinenser und schon gar nicht mit Terroristen. Die offensichtlichen Täter werden nicht genannt, vermutlich auch deshalb, weil noch niemand offiziell die Verantwortung übernommen hat (inzwischen haben die „Jihad und Tawhid-Brigaden“, eine mit Al-Qaida in Verbindung stehende Gruppe, den Anschlag für sich reklamiert). Interessant ist, dass bei einigen sehr gerne der Bruch der Waffenruhe erst nach dem israelischen Gegenschlag festgestellt wird.

Den Vogel schießen allerdings zwei linke Kampf-Postillen ab, die noch nie Hemmungen gezeigt haben Vorgänge im Nahen Osten völlig verzerrt und natürlich zu Ungunsten von Israel darzustellen:

taz: Israeli in Gaza getötet – glatt gelogen, weil die Patrouille sich auf der israelischen Seite befand. Der Artikel strotzt vor Israel, vor der Reaktion, vor angekündigter weiterer Reaktion; die Terroristen werden erstens nicht so genannt und spielen eine winzige Nebenrolle, sind völlig unerheblich. Es wird gezielt der Eindruck erzeugt, dass die vermaledeiten Juden Israelis mal wieder völlig unverhältnismäßig überreagieren.

Junge Welt: Palästinenser von israelischen Soldaten im Gazastreifen erschossen
Die Bombe wird angezweifelt, nicht offen, nur über die Wortwahl; aber ansonsten die Vorgeschichte völlig unerheblich, alles im Konjunktiv, gekürzt und noch mit dem Hinweis auf die Vorlage bei der israelischen Militärzensur versehen. Quintessenz: nur ja nicht glauben. Dafür gibt es alle Einzelheiten zum „getöteten palästinensischen Bauern“ und ein Foto des „Leichnams des Getöteten im Kreise seiner Angehörigen“. Mit anderen Worten: Die volle Übernahme der Pali-Propaganda als Fakten und der (israelischen) Fakten als unglaubwürdige Behauptung.

4 Gedanken zu “Journalistische Prinzipien-(Aus)Bildung

  1. Prima, dass du verlinkst!
    Gut, ich hatte die österreichischen und schweizerischen Medien extra ausgelassen – wäre zu viel geworden. Mal sehen, vielleicht hat Der Lindwurm auch noch was.

  2. Soll hier ein Präzendenzfall geschaffen werden?

    Der Nationale Gerichtshof Spaniens hat eine Klage wegen Bombardements in Gaza im Jahr 2002 zugelassen.
    (…)
    Die spanische Justiz vertritt die Auffassung, dass sie Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Völkermord verfolgen kann, egal in welchem Land sie begangen wurden.

    Tages-Anzeiger

  3. Ich weiß nicht, was dieser Kommentar in diesem Eintrag soll, aber ich lass‘ ihn mal stehen…
    Es hat schon andere gegeben, die sich angemaßt haben überall in der Welt das Sagen haben (Belgien, Großbritannien). Die Spanier sind also nicht die ersten. Aber wir werden sehen, ob sie die ersten sind, die einen Israeli tatsächlich vor Gericht stellen bzw. festnehmen lassen. Dass sie keine Hamas-Leute vor Gericht stellen werden, davon können wir allerdings schonmal ausgehen…

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