Der rituelle Mord-Vorwurf von Ha’aretz

Melanie Phillips, diary, 22. März 2009

In seiner namengebenden BBC-Fernsehsendung vom heutigen Morgen hörte ich mit offenem Mund zu, wie Andrew Marr den außenpolitischen Sprecher der Tories, William Hague, dazu einlud, seine Ansichten zu äußern über die

ziemlich entsetzlich aussehenden Berichte, die aus Israel kommen, wo Mitglieder der israelischen Verteidigungskräfte, die an der Operation im Gazastreifen beteiligt waren, davon erzählten, wie ihnen praktisch befohlen wurde auf Zivilisten zu schießen.

Nun, das sind absolut entsetzliche Geschichten. Das ist keine Frage. Wir kennen die Wahrheit über sie noch nicht. Ich denke, es ist sehr wichtig, das zu sagen. Das sind Beweise, die jetzt natürlich von Israels militärischer Ermittlungseinheit untersucht werden müssen; und es ist gut, dass Israel eine Einrichtung dafür hat, diese Dinge zu untersuchen und jeden festzuhalten, der verantwortlich ist sich derart verhalten zu haben. Aber wir werden erwarten… Ich denke, in der ganzen Welt werden wir erwarten, dass Israel entschieden mit jedem verfährt, der solche Verbrechen verübt hat. Es wird sehr wichtig für Israel sein das zu tun, wenn es eine moralische Autorität zukünftig in solchen Situationen behalten will. Wir sind also alle davon entsetzt und wir hoffen, dass das erledigt wird.

Natürlich achtete Hague darauf zu sagen, dass die Wahrheit bezüglich dieser Beweise noch nicht bekannt ist. Aber es gibt keine Beweise. Bisher gibt es in diesen Berichten über die letzte Woche in Ha’aretz hier und hier verbreiteten Diskussion der Soldaten schlicht nichts, das zu beweisen oder widerlegen ist – nur versteckte Andeutungen, Gerüchte und Hörensagen, nachweislich (man lese den zweiten Bericht) aus dem Zusammenhang gerissen und wieder zusammengesetzt durch die offenkundigen Vorurteile des Ausbilders der Soldaten, Danny Zamir, eines Ultralinken, der früher einmal wegen der Weigerung bei einer religiösen Zeremonie über Siedler zu wachen und der von den Soldaten, die bei dem Treffen sprachen, sagte, sie spiegelten eine Atmosphäre „der Verachtung für Palästinenser und des ungestümen Vorgehens gegen die Palästinenser“ innerhalb der Armee.

Was also sind diese

Ziemlich entsetzlich aussehenden Berichte

und

absolut entsetzlichen Geschichten?

Es gibt genau zwei Vorwürfe, dass palästinensische Zivilisten mit angeblich ausdrücklichem Befehl das zu tun grundlos getötet wurden. Der eine ist, was sogar Ha’aretz klar machte, eine unglückliche Tötung, als zwei Frauen den ihnen von israelischen Soldaten gewiesenen Evakuierungsweg falsch verstanden und dadurch ins Visier eines Scharfschützen liefen. Darüber hinaus hat der Soldat, der das erzählte, später zugegeben, dass er diesen Vorfall nicht sah – er war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal im Gazastreifen – und lediglich Gerüchte und Hörensagen berichtete.

Der zweite Vorwurf gründet sich auf einen angeblich wirklichen Vorfall, bei dem, als sich eine ältere Frau einer IDF-Einheit näherte, ein Offizier befahl auf sie zu schießen, weil sie sich der Frontlinie näherte und eine Selbstmord-Bomberin hätte sein können. Der Soldat, der diese Geschichte weiter gab, sagte nicht, ob tatsächlich auf die Frau geschossen wurde. Tatsächlich sagt er, „aus der Beschreibung dessen, was passierte“ würde es so scheinen, dass dies einmal mehr nur Hörensagen war. Und seine Interpretation wurde von einem anderen Soldaten unterbrochen, der sagte:

Sie hätte dort nicht sein dürfen, denn es gab Ankündigungen und es gab Bombardierungen. Die Logik sagt, dass sie dort nicht sein durfte. So, wie du es beschreibst, als kaltblütigen Mord, ist das nicht richtig.

Wir haben also zwei Nicht-Gräueltaten. Was gibt es sonst noch?

Soldaten, die die Klappe aufreißen – in einer Unterhaltung fast nicht durchschaubarer Zusammenhanglosigkeit – dass Anweisungen jedermann zu töten, der in Gebäuden verblieb und als terroristisches Ziel bezeichnet wird, nachdem die IDF alle dort gewarnt hatte das Gebäude zu verlassen, läuft auf kaltblütigen Mord hinaus. Es kann keine Armee in dieser Welt geben, die unter solchen Umständen nicht genau solche Anweisungen ausgeben würde – nachdem die Hamas geprahlt hat, sie habe das gesamte Gebiet mit Sprengfallen versehen.

In den Häusern von Terror-Verdächtigen angebrachte Graffitis.

Geschmacklose T-Shirts geschmückt mit Sprüchen, die über Töten frohlocken und sofort von der IDF verurteilt wurden.

Rabbis, die an die Soldaten Psalmen und religiöse Ansichten zum Konflikt verteilen.

Das ist alles. Nicht ein einziger verifizierbarer Vorfall absichtlicher Tötung von Zivilisten. Kein noch so geringer Beweis irgendeines solchen Schurken-Vorfalls – geschweige denn ein Befehl der IDF ihr tatsächlichen Einsatzregeln zu zerreißen, die die gezielte Beschießung von Zivilisten verbieten. Gerede eines Soldaten davon, die IDF habe eine Menge Leute getötet, aber dem wurde von einem anderen Soldaten widersprochen, bevor die übrigen näher darauf eingingen; dieser sagte:

Sie haben Flugblätter über Gaza abgeworfen und manchmal schossen sie mit einem Hubschrauber eine Rakete in die Ecke eines Hauses, nur um das Haus ein wenig durchzurütteln, damit alle drinnen flohen. Diese Dinge funktionierten. Die Familien kamen raus und echte Leute [d.h. Soldaten] gingen in die Häuser, die ziemlich leer waren, jedenfalls ohne unschuldige Zivilisten. [Hervorhebung durch die Autorin]

Eine amüsierende Art unethischen militärischen Verhaltens, das alles Mögliche unternimmt die Zivilisten aus den Häusern zu holen, bevor diese gestürmt werden. In der Tat beinhaltet die Diskussion der Soldaten mehr solchen Materials, das dem Eindruck krasser Verletzung der Ethik total widerspricht. Solches wie dieses:

Ich bin Unteroffizier des Zugs einer Kampfeinheit der Fallschirmjäger-Brigade. Wir waren in einem Haus und entdeckten drinnen eine Familie, die nicht dort sein sollte. Wir sammelten sie alle im Keller, stellten zu jeder Zeit zwei Wachen davor und stellten sicher, dass sie keinen Ärger machten. Stück für Stück brach die emotionale Distanz zwischen uns weg – wir rauchten mit ihnen Zigaretten, wir tranken mit ihnen Kaffe, wir unterhielten uns über die Bedeutung des Lebens und die Kämpfe im Gazastreifen. Nach sehr vielen Gesprächen sagte der Hausbesitzer, ein Mann über 70, es sei gut, dass wir in Gaza seien und dass die IDF tut, was sie tut.

Am nächsten Tag schickten wir den Hausbesitzer und seinen Sohn, einen Mann zwischen 40 und 50, zur Befragung. Am Tag danach erhielten wir eine Antwort: Wir fanden heraus, dass beide politische Aktivisten der Hamas waren. Das war etwas ärgerlich – dass sie dir erzählen, wie toll es ist dass du da bist und gut für dich und bla-bla-bla; und dann findest du heraus, dass sie dir die ganze Zeit ins Gesicht logen.

Was mich ärgerte, war, dass am Ende, nachdem wir begriffen, dass die Mitglieder dieser Familie nicht gerade unsere guten Freunde waren und sie ziemlich verdienten dort hinausgeworfen zu werden, unser Zugführer vorschlug, dass wir im Haus, wenn wir es verlassen, alles sauber machen, alles aufheben und in Müllsäcken sammeln, fegen und den Boden wischen, die von uns benutzten Decken zusammenlegen, die Matratzen stapeln und dann wieder auf die Betten legen sollten.

… Da war ein Tag, an dem eine Katjuscha, eine Grad in Be‘er Sheva einschlug und eine Mutter und ihr Baby leicht und mittelschwer verwundet wurden. Sie waren Nachbarn eines meiner Soldaten. Wir hörten die ganze Geschichte im Radio und das war für ihn nicht leicht – dass seine Nachbarn ernsthaft verwundet wurden. Er war etwas zappelig und man kann ihn verstehen. Einem Menschen etwas zu sagen wie „Komm schon, lass und den Boden des Hauses einen politischen Aktivisten der Hamas wischen, die gerade eine Katjuscha auf deine Nachbarn geschossen hat die einem von ihnen die Beine abgerissen hat – das ist nicht leicht zu tun, besonders, wenn du damit überhaupt nicht überein stimmst. Als mein Zugführer sagte: „Okay, sag allen, sie sollen die Decken zusammenfalten und die Matratzen aufeinander legen“, konnte ich das nicht leichten Herzens tun. Es gab eine Menge Geschrei. Am Ende war ich überzeugt und erkannte, dass es wirklich richtig war das zu tun. Heute schätze und bewundere ich ihn, den Zugführer, für das, was dort geschah. Letztlich glaube ich nicht, dass irgendeine Armee, nicht die syrische, nicht die afghanische Armee, den Boden des Hauses ihrer Feinde wischen würde und sicherlich würde sie keine Decken zusammenlegen und zurück in die Schränke räumen.“

Das ist es, was der Ausbilder Danny Zamir so beschreibt:

„Verachtung für Palästinenser und ungestümes Vorgehens gegen die Palästinenser“

Davon wird in den Medien der Welt nichts erwähnt, nicht wahr? Glauben Sie Andrew Marr oder William Hague lesen diese Kleinigkeiten? Dass ich nicht lache. Alles, was sie gemacht haben, war die faulen und gehässigen Klischees aufzunehmen, die von Ha’aretz sorgfältig verdreht wurden: Gerüchte und Hörensagen zu zwei Fällen, die von zwei Soldaten weitergegeben wurden (von denen einer nicht einmal im Gazastreifen war) – einer eine versehentliche Tötung, der andere überhaupt keine Tötung – dazu etwas wilde Großmäuligkeit von Soldaten, einige unangenehme Graffitis, dasselbe an T-Shirts, weiterhin einige Flugblätter von nicht identifizierten Rabbinern, auf denen Äußerungen stehen, die nichts mit der IDF zu tun haben oder in irgendeiner Weise israelische Politik spiegeln.

Auf dieser Basis ist es allerdings ein positiver Beweis dafür, dass Typen wie Andrew Marr, William Hague, die New York Times, der Guardian, der Independent, die BBC und Onkel Tom Israelbasher und all anderen sagen: „Ja!! Von Israel ist jetzt gezeigt worden (außer es wird gesondert widerlegt – und wie soll man etwas widerlegen, für das keinerlei Beweise vorgelegt wurden?), dass es im Gazastreifen doch Gräueltaten begangen hat und damit verwirkt hat, was von seiner moralischen Autorität verblieben ist, die bereits wegen all der Blutschuld-Vorwürfe an einem dünnen Faden hing. Gleiches gilt natürlich auch für sein Recht überhaupt zu existieren.

Das ist nicht nur bigott. Es ist eine mittelalterliche Hexenjagd. Und zwar weltweit.

Weitere Lesetipps:  Beer7 hat nicht nur die Ansicht von Yaakov Lozowick übersetzt und bei den FdoG eingestellt, sondern auch ein paar Fakten und Untersuchungsergebnisse, die bei Ma’ariv standen, auf ihrer eigener Seite veröffentlicht.