Ach ja, trug er Tallit oder eine Keffiyeh?

Andrew Silow-Carroll, Jerusalem Post, 4. April 2009

Wann überschreitet Kritik an Israel die Grenze und wird zu Antisemitismus? Wenige andere Fragen werden so heiß diskutiert. Drohte der ehemalige CIA-Agent Michael Scheuer den Juden oder war er einfach nur dramatisch, als er vor kurzem schäumte: „Die Israel-zuerst-Leute sind ohne Frage Feinde des republikanischen Experiments Amerika und müssen vernichtet werden.“

Und was ist mit Pal Oliphants Karikatur zum Gazastreifen, in dem ein kopfloser, im Stechschritt marschierender Soldat eine Mutter und ihr Kind aus Gaza mit etwas bedrohte, das Jeffery Goldberg als „Haifisch-Einrad in Form eines David-Sterns“ beschrieb? Wurde Oliphant unfair beschimpft oder stand er nur unter den falschen Medikamenten?

Mancher sagt, der Antisemitismus liege im Auge des Betrachters und kann nicht objektiv gemessen werden. Andere sagen, auch Bindehautentzündung liege im Auge des Betrachters, kann aber genau diagnostiziert werden. Um die Lücke zwischen diesen beiden Lagern zu füllen, biete ich den folgenden Test an:

A. Welcher Begriff wird vom Autor benutzt, um Israel zu beschreiben?
1. Israel
2. Palästina
3. Isratine
4. Upper West Side

B. Mit wem vergleicht der Kommentator Israels Militär?
1. mit der Rebellen-Allianz aus Star Wars
2. mit den Vereinigten Staaten in Vietnam
3. mit den Franzosen in Algerien
4. mit der Gestapo in der Hölle

C. Wie schnell erscheint der Begriff „Holocaust“ in dem Kommentar oder Aufsatz?
1. überhaupt nicht – vorzugsweise wird „Schoah“ verwendet
2. im ersten Satz, direkt vor „Früher wurden die Juden unterdrückt, jetzt sind sie…“
3. im ersten Absatz, eingeschlossen von Anführungszeichen
4. im Absatz über die palästinensischen Verluste, aber klein geschrieben [Anmerkung heplev: im Englischen besteht ein Unterschied zwischen dem groß geschriebenen, einzigartigen Ereignis „Holocaust“ und dem hyperventilierenden Propagandisten verwendeten, allgemeinen „holocaust“ an Arabern überall durch die Juden]

D. Bei welchem Sender wird der Kommentar am ehesten erscheinen?
1. Fox News
2. CNN
3. NPR [Anmerkung heplev: dass öffentlich-rechtliche Radio in den USA]
4. Al-Jazira

E. Mit wem vergleicht der Kommentator die pro-israelische Lobby?
1. Der National Rifle Association [Waffen-Lobby]
2.
Skull and Bones [eine Studentenverbindung an der Yale University]
3. The Trilateral Commission
4. den Weisen von Zion

F. Wie bezeichnet der Schreiber die Hamas?
1. „eine islamische Terrorbande“
2. „Gazas demokratisch gewählte Regierung“
3. „ein unfair verleumdeter sozialer Dienstleister“
4. „meine guten Freunde Khaled und Ismail“

G. Wer wird in den Fußnoten angeführt?
1. Alan Dershowitz und Ed Koch
2. Jeffery Goldberg und Thomas Friedman
3. Stephen Walt und John Mearsheimer
4. Noam Chomsky und Jimmy Carter

H. Wo wohnte der Schreiber während seiner Recherche?
1. im King David Hotel
2. im Intercontinental Hotel Jerusalem
3. an einem geheimen Ort im Südlibanon
4. im Harvard Square Hotel

I. Wie sieht die vom Schreiber bevorzugte Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts aus?
1. ein Staat, jüdisch, ohne Autonomie für palästinensische Araber
2. zwei Staaten, israelisch und arabisch, die Seite an Seite in Frieden leben
3. ein Staat mit gemeinsamer israelischer und palästinensischer Staatsbürgerschaft
4. zwei Staaten, einer für Araber in Palästina, einer für Juden in Osteuropa – oder vielleicht Brooklyn

J. Was betrachtet der Kommentator als größtes Hindernis für den Frieden im Nahen Osten?
1. palästinensische Unnachgiebigkeit
2. israelische Unnachgiebigkeit
3. den „Kreislauf der Gewalt“
4. ein Haifisch-Einrad in Form eines Davidsterns

Punktewertung: Messen Sie ihren Blutdruck vor und nach dem Lesen des Leitartikels oder dem Hören einer Rede zum Nahen Osten. Steigt er steil an, rufen Sie den Arzt – und die Anti-Defamation League.

2 Gedanken zu “Ach ja, trug er Tallit oder eine Keffiyeh?

  1. Wäre es nicht absolut dramatisch,
    könnte man darüber lachen –
    so, wie es zur Zeit in der Welt läuft, bleibt einem das Lachen eher im Halse stecken!

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