Irans Helfer im Westen

Caroline Glick, The Jerusalem Post, 13. April 2009

Die jüngsten Aktionen Ägyptens gegen die Hisbollah-Agenten sind ein Wendepunkt-Ereignis für das Verständnis der Art der Bedrohung, die der Iran sowohl für die regionale als auch die globale Sicherheit darstellt. Seit Jahren hat dieses Land an Ägypten appelliert etwas gegen die Hisbollah-Agenten auf seinem Gebiet zu unternehmen. Mit unwichtigen Ausnahmen hat Ägypten dies abgelehnt. Es glaubte, die Agenten bedrohten nur uns und so zog es das Mubarak-Regime vor wegzusehen.

Dann scheint es aber auch ein seltsamer Zeitpunkt dafür zu sein, dass Ägypten beweist, dass Israel recht hat. Hochrangige Minister der neuen Regierung Netanyahu sind seit Jahren ausgesprochene Kritiker Ägyptens gewesen, weil dieses sich weigerte gegen die Hisbollah vorzugehen und die von Hisbollah und dem Iran gesponserte Terrorgruppe Hamas unterstützte. Dadurch, dass man jetzt hinter der Hisbollah her ist, legitimiert Ägypten sowohl die Kritik als auch die Regierung Netanyahu selbst. Das scheint sich im Gegenzug gegen Ägyptens Grundinteresse zu richten Israel im Allgemeinen und rechtslastige israelische Regierungen im Besonderen zu schwächen.

Doch nichts davon schien letzte Woche die ägyptischen Beamten zu interessieren, als sie die Verhaftung von 49 Hisbollah-Agenten verkündeten und mit dem Finger auf Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und seine Bosse in Teheran zeigten, die sie offen beschuldigten sie versuchten Ägyptens nationale Sicherheit zu untergraben.

Die Frage ist: Was hat Ägypten auf einmal veranlasst zu handeln? Es scheint, dass zwei Dinge das Regime Mubaraks motivieren. Erstens ist das die Natur des aufgedeckten Hisbollah-Netzwerks. Nach Angaben des ägyptischen Justizministeriums beschränkten die verhafteten Agenten ihre Tätigkeit nicht auf den Waffenschmuggel in den Gazastreifen. Sie arbeiteten auch gegen Ägypten. Die ägyptische Staatsanwaltschaft behauptet, dass sie bei ihrer Arbeit als Agenten des Iran auch Ziele entlang des Suezkanals auskundschafteten. Das bedeutet, sie planten einen strategischen Schlag gegen die wirtschaftliche Nabelschnur Ägyptens.

Der zweite Aspekt des Netzwerks, der die ägyptischen Behörden eindeutig in Sorge versetzte, war, dass es die Breite der Zusammenarbeit zwischen dem wichtigsten Gegner des Regimes – der Muslimbruderschaft – und dem iranischen Regime aufzeigte. 41 der verhafteten Verdächtigen sind ägyptische Staatsbürger, offenbar der Muslimbruderschaft zugehörig. Diese Zugehörigkeit wird durch zweierlei signalisiert: Erstens haben viele von ihnen den Muslimbruderschafts-Aktivisten Muntaser al-Zayat als Anwalt angeheuert. Und zweitens prangerten Sprecher der Muslimbruderschaft die Verhaftungen an.

Zum Beispiel verteidigte letzten Donnerstag in einem Interview mit Gulf News Issam el-Erian, Sprecher der Muslimbruderschaft, die Hisbollah (und den Iran) gegen seine eigene Regierung und behauptete, dass Nasrallah und die iranischen Ayatollahs recht hatten Präsident Hosni Mubarak zu beschuldigen, er sei kaum mehr als ein Handlanger Israels. Sein Worte: „Die ägyptische Regierung muss ihre nationale Sicherheitspolitik neu ausrichten, um israelische Drohungen gegen arabische Länder wie Syrien und den Libanon einzuschließen und die Drohungen gegen Palästinenser durch Israel als Bedrohung der nationalen Sicherheit anzusehen.“

Ganz kurz gefasst decken sowohl die Ziele des Hisbollah-Netzwerks als auch seine Beziehung zu Ägyptens sunnitisch-islamistischer Opposition eindeutig die Gefahr, die das iranische Regime für Ägypten darstellt. Der Iran will die Gegner in aller Welt direkt durch militärische/terroristische und Sabotage-Operationen untergraben und besiegen, als auch durch ideologische Subversion. Es ist der Zusammenfluss beider Aspekte der revolutionären Ambitionen des Iran, die Ägypten zwangen jetzt zu handeln, ohne Rücksicht auf die Auswirkungen seines Tuns auf das politische Schicksal der Regierung Netanyahu. Und es überrascht nun gar nicht, dass Ägypten gezwungen war zu einer politisch so ungünstigen Zeit zu handeln.

In der gesamten Region und auch in großen Teilen der Welt steigt der Stern des Iran immer höher. Sein aufstrebendes Atomprogramm dient als zweiter Arm einer zangenartigen Kampagne gegen seine Gegner. Der asymmetrische und ideologische Krieg, den er über seine Terror- und staatlichen Strohmänner führt, sind der eine Arm der Kampagne. Zusammen erhöhen diese beiden strategischen Arme den Einsatz der Herausforderung des Iran zu seinen Nachbarn und zum Westen ins nie da Gewesene und Inakzeptable. Marokko ist so besorgt wegen der iranischen Subversion ihrer sunnitischen Bevölkerung, dass es letzten Monat die diplomatischen Verbindungen mit Teheran abbrach.

Irans großer Sprung vorwärts wurde durch die jüngeren Ereignisse offen gelegt. Der Gipfel der Arabischen Liga vom letzten Monat in Doha ist ein Beispiel dafür, wie der Iran erfolgreich die arabische Welt zwischen seinen Stellvertretern und seinen Gegner gespalten hat. Seit drei Jahren und besonders seit dem Krieg zwischen Israel und Irans Hisbollah im Libanon 2006 sind die Staaten der Arabischen Liga zunehmend um die Frage Iran polarisiert. Das Land hat seine Satellitenstaaten Syrien, Sudan und Qatar, dazu seine wachsenden Allianzen mit Zweigen der Muslimbruderschaft in Ägypten, Jordanien, den palästinensischen Autonomiegebieten und an weiteren Orten, um seine rasch eskalierenden Angriffe auf sunnitische Regime der gesamten Region zu legitimieren.

Obwohl Ägypten und Saudi-Arabien Qatar erfolgreich davon abhielten den Iran und die Hamas zum Gipfel einzuladen, waren die Iraner durch die guten Dienste des qatarischen Emirs Scheik Hamad bin Khalifa Thani und des syrischen Präsidenten Baschar Assad in der Lage ihre antisaudische/antiägyptische Plattform verabschiedet zu bekommen. Wie das Middle East Media Research Institute in einem Bericht über die Abläufe aufzeigte, annullierte Assad erfolgreich den so genannten saudischen Friedensplan, den die Arabische Liga 2002 übernahm. Nach Vorgabe einer neuen, von Syrien gestützten Resolution, würde jegliche arabische Annäherung davon abhängig gemacht werden, dass Israel zuerst sich selbst vernichtet, indem es auf nicht zu verteidigende Grenzen zurückzieht und von Millionen feindseliger arabischer Auslands-Einwanderern überwältigt wird.

Weil er fühlte, was ihn auf dem Gipfel erwartete, entschied sich Mubarak Zuhause zu bleiben und an seiner Stelle einen niedrigrangigen Emissär hinzuschicken. Der saudische König Abdallah sagte während des zweitägigen arabischen Liebesfestes mit dem Iran gar nichts. Beide Führer waren danach geschwächt und gedemütigt.

In den letzten Jahren hat der Iran seine Einflusssphäre zu strategischen Punkten in der Region ausgedehnt. Zwei neue Erweiterungen der Achse Irans sind Eritrea und Somalia. Der Iran und Eritrea unterzeichneten letztes Jahr eine strategische Allianz, die Einheiten der iranischen Revolutionsgarden Stationierungsrechte in der strategisch wichtigen Bab el-Mandab-Straße gewährt, die den Engpass kontrolliert, der den Indischen Ozean mit dem Roten Meer verbindet. Was Somalia angeht – dessen Lage entlang des Golfs von Aden ihm eine ähnlich entscheidende maritime Stellung bietet, so hat der Iran dessen Zustand als „failed state“ seit Jahren ausgenutzt.

2006 berichtete die UNO, dass etwa 720 somalische Jihadisten, die mit der Al-Qaida in Verbindung stehen, im Libanon mit der Hisbollah in deren Krieg mit Israel kämpften. Nach Angaben einer Analyse der Zusammenarbeit somalischer Jihadisten mit dem Iran, die im November 2006 im Online-Magazin Long War Journal veröffentlicht wurde, boten der Iran und Syrien im Tausch für die somalische Unterstützung militärisches Fortgeschrittenen-Training für die Somalier an, die gerade das mit der Al-Qaida zusammenhängende Regime der Islamic Courts Union im Land eingerichtet hatten. Teheran stattete die ICU mit Flugabwehr-Raketen, Granatwerfern, Maschinengewehren, Munition, Medikamenten, Uniformen und anderem Nachschub aus, sowohl bevor, als auch nachdem sie die Kontrolle über Somalia übernommen hatten.

Der UN-Bericht stellte auch die Verbindung der ICU zum iranischen Atomprogramm her. Er behauptete, dass iranische Agenten in Dusa Mareb, dem Heimatort des ICU-Chefs Scheik Hassan Dahir Aweys operierten, wo sie versuchten Uran zu kaufen.

Jenseits des Horn von Afrika hat der Iran natürlich ständig seinen Einfluss im Irak und Afghanistan ausgeweitet. In beiden Ländern finanzieren die Mullahs gleichzeitig die Aufstände und bieten sich den USA als unverzichtbarer Partner zu Stabilisierung der Länder an, die sie destabilisieren.

Das vielleicht Bitterste am ständig wachsenden Einfluss des Iran sind die grundverschiedenen Antworten, die das von Israel und sunnitischen Regimen wie Ägypten und Saudi-Arabien einerseits und dem Westen andererseits hervorruft. Während Israel und die sunnitischen arabischen Staaten täglich wegen des Iran warnen, wenn auch weit davon entfernt diese ständig wachsende iranischen Bedrohung zuzugeben oder sich ihr zu stellen, sind die USA und die Europäer abwechselnd dabei sie zu ignorieren oder Appeasement zu betreiben. Würden die USA die iranische Bedrohung ernst nehmen, würde die Obama-Administration den Iran nicht anbetteln mit ihr zu verhandeln, nachdem Teheran demonstrierte, dass es den atomaren Antriebskreislauf komplett kontrolliert.

Wären die USA daran interessiert mit der Gefahr fertig zu werden, die der Iran für die globale Sicherheit darstellt, würde Außenministerin Hillary Clinton nicht so absurd argumentieren, dass die USA nicht verifizieren könnten, ob die Ankündigung des Iran, er betreibe jetzt 7.000 Zentrifugen und eröffne eine weitere Atomanlage eine Zunahme seiner atomaren Kapazitäten bedeute.

Würden die USA den Iran ernst nehmen, würden sie ihn nicht auffordern in Afghanistan und im Irak auszuhelfen. Sie würden das somalische Piratentum nicht als strategisch unbedeutende Unannehmlichkeit behandeln. Sie würden Eritreas neu gefundene Unterwürfigkeit dem Iran gegenüber nicht ignorieren. Sie würden das Hauptquartier des Central Command nicht in Qatar belassen. Und natürlich würden sie dem Iran nicht erlauben mit seinem Atomprogramm weiterzumachen.

Dann ist da Großbritannien. Letzte Woche berichtete Michael Ledeen von der Foundation for Defense of Democracies, dass Großbritanniens Entscheidung die Hisbollah anzuerkennen Teil eines Deals ist, den es mit dem Iran und der Hisbollah im Tausch für fünf Briten abschloss, die im Irak von mit der Hisbollah und dem Iran verbundenen Terroristen seit zwei Jahren als Geiseln gehalten wurden. Mit diesem Handel zum Austausch der britischen Geiseln stimmte London der Anerkennung der Hisbollah zu und die USA stimmten zu eine Reihe schiitischer Terroristen freizulassen, die die Streitkräfte im Irak gefangen genommen hatten.

Tariq Alhomayed, der Herausgeber von Asharq al-Awsat, vermerkte in Reaktion auf diese Nachricht, dass der Handel Nasrallahs Behauptung ein Ende setzt, die Hisbollah operiere nicht außerhalb des Libanon, außer um Krieg gegen Israel zu führen. Aber der zeigt auch ein ernstes Problem mit dem Westen auf.

Wenn Großbritannien bereit wäre, die schwer wiegende Bedrohung, die der Iran für die globale Sicherheit darstellt, anzuerkennen und mit ihr fertig zu werden, würde sie nicht die Autorität der Hisbollah oder des Iran akzeptieren über die Freilassung britischer Geiseln im Irak zu verhandeln. Statt dessen würde es die Verantwortung zur Erreichung der Freilassung der britischen Geiseln der souveränen irakischen Regierung zuweisen und alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um diese Regierung gegen die Agenten des iranischen Einflusses im Land zu stärken.

So sollten auch die USA, statt sich an dem Handel zu beteiligen, die Vernichtung der iranisch kontrollierten Agenten anstreben, die die Geiseln festhalten und die politischen irakischen Kräfte zu diskreditieren und zu besiegen, die unter iranischer Kontrolle agieren. Würden die USA die iranischen Bedrohung ernst nehmen, würden sie sicherlich verkünden, dass jeder Rückzug amerikanischer Kampftruppen aus dem Irak mit einer vollständigen Niederlage der Agenten des iranischen Einflusses im Irak verbunden wäre.

Die Weigerung des Westens mit der wachsenden iranischen Bedrohung fertig zu werden hat ohne Zweifel etwas mit der physischen Entfernung des Westens zum Iran zu tun. Während Länder des Nahen Ostens keine Wahl haben als sich mit dem Iran zu beschäftigen, glauben die USA und ihre europäischen Verbündeten offensichtlich, dass sie die Gefahr immer noch wegwünschen können. Das können sich natürlich nicht.

Von den somalischen Piraten im Golf von Aden bis zu den Hisbollah-Zellen vom Irak bis nach Kanada; von den iranischen Agenten an britischen Universitäten bis zu Militärberatern der Hisbollah und des Iran in Süd- und Zentralamerika, ist der Westen, wie der Mittlere Osten infiltriert und umzingelt.

Der offene Angriff Ägyptens auf die Hisbollah ist nur eine weitere Warnung, dass konzertiertes Handeln gegen die Mullakratie erfolgen muss. Unglücklicherweise signalisiert die Abwesenheit westlicher Entschlossenheit, dass auch diese Warnung unbeachtet bleiben wird.