Araberstaaten, die Israel die Daumen drücken

Caroline Glick, Jerusalem Post, 27. April 2009

Es ist schon eine befremdliche Situation, wenn Ägypten und Jordanien es für nötig befinden Israel gegen amerikanische Kritik zu verteidigen. Das ist aber die Situation, in der wir uns heute befinden.

Letzten Freitag sagte US-Außenministerin Hillary Clinton dem Bewilligungsausschuss des Repräsentantenhauses, dass arabische Unterstützung für Israels Versuch den Iran vom Erwerb von Atomwaffen abzuhalten davon abhängig ist schnell einen palästinensischen Staat zu gründen. In ihren Worten: „Damit Israel die Art von starker Unterstützung bekommt, die es gegen den Iran haben möchte, kann es in Bezug auf die Palästinenser und die Friedensbemühungen nicht Zuschauer sein.“ Was Clinton angeht, so „gehen die beiden Hand in Hand“.

Aber in etwa zu dem Zeitpunkt, als Clinton sich so äußerte, sagte Jordaniens König Abdallah II. der Washington Post, er sei mit der Haltung der Regierung Netanyahu den Palästinensern gegenüber zufrieden. Seine Worte: Premierminister Netanyahu hat „eine Botschaft geschickt, dass er dem Frieden mit den Arabern verpflichtet ist. Alle Worte, die ich hörte, waren die richtigen Worte.“

Was Ägypten angeht: Trotz der hysterischen Berichte israelischer Medien, dass Ägypten keinen Umgang mit der Regierung Netanyahu führen wird und zu der Warnung der Obama-Administration, Israel könne nur von Ägypten Unterstützung für seine Haltung erwarten, dem Iran müssten Atomwaffen verweigert werden, wenn es Jerusalem der PLO übergibt, demonstrierte der Besuch des ägyptischen Geheimdienstchefs Omar Suleiman von letzter Woche klar, dass Ägypten mit der Regierung in einer ganzen Reihe von Fragen zusammenarbeiten will. Der Besuch Suleimans unmittelbar nach der Offenbarung Ägyptens, dass vom Iran kontrollierte Hisbollah-Agenten wegen der Planung strategischer Anschläge in Ägypten verhaftet wurden, war ein deutliches Zeichen, dass Ägypten genauso wie Israel darauf erpicht ist die Macht des Iran in der Region zu neutralisieren, indem man ihn der Anschaffung von Atomwaffen abhält.

Ägypten und Jordanien sind bei der Unterstützung der Entschiedenheit Israels, den Iran daran zu hindern zur Atommacht zu werden, nicht alleine. Amerikanische und andere westliche Quellen, die den Persischen Golf in den letzten Monaten besuchten, berichten, dass die Führer der Golfstaaten von Bahrain – das der Iran als seine 14. Provinz bezeichnet – bis zu Saudi-Arabien und Kuwait – und natürlich der Irak – dafür beten, dass Israel die Atomanlagen des Iran angreift und sich nur beschweren, dass es damit so lange wartet. Ein Amerikaner, der sich kürzlich mit Führern vom Persischen Golf traf, erklärte letzte Woche: „So weit es die Golf-Führer angeht, kann Israel den Iran nicht früh genug angreifen. Sie verstehen, was auf dem Spiel steht.“

Unglücklicherweise entzieht sich die Natur des Pokers der Obama-Administration. Während die Araber sich auf Israels Seite einreihen, operiert die Obama-Administraion unter der Illusio, dass die Iraner überzeugt werden ihr Atomprogramm aufzugeben, wenn Israel seine Gemeinden in Judäa und Samaria zerstört. Nach Angaben der Berichte, die letzte Woche in Yediot Aharonot und Ha’aretz veröffentlicht wurden, sagte Obamas hauseigener Postzionist, der Stabschef des Weißen Hauses Rahm Emmanuel dem Leiter einer amerikanischen jüdischen Organisation, dass Israel dafür, die Unterstützung der Administration zu erhalten, die Anschaffung von Atomwaffen durch den Iran zu verhindern, nur sagen muss, dass es die Gründung eines palästinensischen Staates in Judäa und Samaria, Jerusalem und dem Gazastreifen unterstützt, seine Bürger aus ihren Häusern und Gemeinden in Judäa und Samaria beginnen muss, um seinen guten Willen zu beweisen.

Da nur noch Monate den Iran davon trennen, entweder dem Atomclub beizutreten oder den Eintritt ins Clubhaus verwehrt zu bekommen, sagt uns die offensichtliche Besessenheit der Obama-Administration mit Judäa und Samaria, dass, anders als in Israel und der arabischen Welt, ihre Nahost-Politik sich auf willentliche Leugnung der Realität gründet. Die kalten, harten Fakten sind, dass der Nahe Osten ein sehr anderer Ort sein wird, wenn der Iran eine Atommacht wird. Heute vergleichen amerikanische Entscheidungsträger und andere Gegner des Gebrauchs militärischer Gewalt zur Verhinderung des Aufbaus eines iranischen Atomwaffenprogramms die derzeitige Situation mit dem, wie die Region nach einem israelischen Feldzug gegen die iranischen Atomanlagen aussehen würde. Sie warnen, die Hisbollah und die Hamas könnten massive Vergeltungsschläge mit Raketen gegen Israel, Ägypten, Jordanien und andere Staaten führen; US-Militärpersonal und –installationen in der Region werden wahrscheinlich gleichermaßen von Stellvertretern des Iran und Syriens angegriffen werden.

Und tatsächlich warnen Befürworter und Gegner eines israelischen Angriffs auf die iranischen Atomanlagen gleichermaßen, dass die Stationierung von iranischen Terror-Stellvertretern von Beirut bis nach Bolivien, von Managua bis Marseilles und von Gaza bis Gize bedeutet, dass die Dinge nach einem israelischen Angriff weltweit sehr übel werden könnten.

Aber all diese Unschönheit, all diese Instabilität und Tod werden wie ein Spaziergang im Park aussehen, vergleicht man sie damit, wie die Region – faktisch die ganze Welt – aussehen wird, wenn der Iran zur Atommacht wird. Das ist etwas, das die Araber begreifen. Und das ist der Grund, dass sie einen israelischen Schlag gegen die Atomanlagen des Iran unterstützen und dafür beten.

Wenn der Iran Atomwaffen anschafft, kann die Obama-Administraiton ihre Hoffnungen auf Frieden im Nahen Osten aus dem Fenster werfen. Heute, sogar ohne Atomwaffen, ist der Iran die Hauptkraft hinter dem fortgesetzten palästinensischen Krieg gegen Israel. Iranische Experten vervollständigen die Kontrolle über die Hamas und den Islamischen Jihad sowie die teilweise Kontrolle über die Fatah.

Die derzeitige iranische Kontrolle über die palästinensischen Terrorgruppen reicht an sich schon aus, um den Plan der Obama-Administration, Israel zu zwingen seine Gemeinden in Judäa und Samaria zu zerstören, als extremen Fehlgriff zu entlarven. Da der Iran bei den Palästinensern das Sagen hat, ist klar, dass alles Land, das Israel frei macht, unter iranische Kontrolle fallen wird. Das heißt, dass jedes Zugeständnis, das die USA Israel zu machen zwingt, direkt zum Vorteil des Iran gereicht. Das ist der Grund, dass die Behauptung von Premierminister Benjamin Netanyahu, es werde unmöglich sein den Konflikt mit den Palästinensern zu lösen, ohne zuerst den Iran zu neutralisieren, so richtig klingt.

Wenn der Iran Atomwaffen erwirbt, wird die Lage noch destruktiver werden. Ein atomar bewaffneter Iran bedeutet, dass jede Chance, diese iranisch kontrollierten Kräfte in der palästinensischen Gesellschaft zu marginalisieren, sich in Luft auflösen wird. Für Israel würde das Best-Case-Szeanrio im Zeitalter einer atomar bewaffneter Mullakratie ständigen Krieg mit den Stellvertretern des Iran bedeuten – eine Art ausgeweiteter Version des Zweiten Libanon-Kriegs und der Operation Gegossenes Blei – bei dem es wenige Optionen für einen Sieg hat, weil die Terror-Armeen unter dem Atomschirm des Iran kämpfen würden.

In der Region würde ein atomar bewaffneter Iran in kurzer Zeit sowohl Ägypten als auch Jordanien dazu zwingen ihre Friedensverträge mit Israel zu annullieren. Die Aufdeckung des iranischen Sabotagerings in Ägypten in der letzten Woche macht deutlich, dass der Iran anstrebt die arabische Welt entweder zu stürzen oder mit seinem Atomarsenal zu dominieren. Wenn der Iran zur Atommacht wird, werden Festnahmen iranischer Agenten wie diejenige in Ägypten unvorstellbar werden. Iranischen Agenten wird sowohl regional als auch weltweit freie Hand gegeben.

Für Israel würde die Annullierung seiner Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien die Gefahr eines regionalen Krieges auf die höchste Ebene aller Zeiten heben. Angetrieben vom Iran und in Zusammenarbeit mit dem von den USA und der Türkei bewaffneten iranischen Stellvertreter Libanon sowie Teherans syrischem Sklaven, könnten Ägypten und Jordanien sich gut und gerne entscheiden, dass die Zeit gekommen sein wird wieder nach Israel einzudringen.

Diese Szenarien sind natürlich wahrscheinlich, weil sie besser aussehen als die Worst-Case-Szenarien, bei denen ein atomar bewaffneter Iran sich entscheidet, einfach eine seiner Atombomben über Israel zu zünden – entweder in Form eines Angriffs als elektromagnetischer Impuls (EMP) oder in Form eines direkten Atomangriffs. Ein EMP-Angriff würde nicht sofort alles und jeden töten, sondern das Stromnetz des Landes zerstören und seine militärische und zivile Infrastruktur lahm legen, womit die Bevölkerung nicht nur seinen Nachbarn gegenüber wehrlos wäre, sondern auch gegenüber Seuchen und Aushungerung. Ein erfolgreicher direkter Atomangriff würde wahrscheinlich zwischen 50.000 und mehreren Millionen Israelis töten; das hinge davon ab, wie viele Sprengköpfe ihr Ziel erreichen.

Global würde ein atomar bewaffneter Iran natürlich gut positioniert sein, um die Ölmärkte der Welt unter Kontrolle zu bekommen. Da die wichtigen Ölanlagen Saudi-Arabiens in den vorwiegend schiitischen Ostprovinzen liegen, wäre der Iran in der Lage glaubwürdig mit der Zerstörung der saudischen Anlagen zu drohen und so die Kontrolle darüber zu übernehmen. Mit der strategischen Allianz mit Venezuela ist es schwer zu sehen, wie der Iran, wenn er einmal die saudischen Ölfelder kontrolliert, nicht zum uneingeschränkten Beherrscher der Öl-Wirtschaft werden sollte.

Sicherlich würde Europa keinerlei Widerstand leisten. Heute liegt bereits ein Großteil Europas in Reichweite der ballistischen Raketen des Iran; vom Iran kontrollierte Terrorzellen sind über den Kontinent verteilt und Europa hängt vom Öl des Persischen Golfs ab. Da gibt es wenig Zweifel darüber, welche Richtung seine Außenpolitik nehmen wird, gesetzt den Fall, dass der Iran zur Atommacht wird. Offensichtlich wird jeder Gedanke an Wirtschaftssanktionen verschwinden, sobald die europäischen Energieriesen sich anstellen, um iranische Gasfelder zu entwickeln und europäische Banken lärmen, dass sie die Projekte finanzieren wollen.

Schließlich gibt es Amerika. Mit einem kaum überlebenden oder vernichteten Israel; mit der arabischen Welt und Europa, die sich vor den Mullahs beugen; mit dem voll in die iranische Achse integrierten Großteil von Mittel- und Südamerika würde Amerika sich wohl selbst weit größerem Risiko der wirtschaftlichen Vernichtung und katastrophaler Angriffe ausgesetzt sehen, als zu irgendeinem Zeitpunkt in seiner Geschichte seit dem Krieg von 1812. Ein EMP-Angriff, der die USA eventuell ins vorindustrielle Zeitalter zurückschicken könnte, würde zu einer realen Möglichkeit. Eine vom Iran kontrollierte Öl-Wirtschaft, finanziert mit Euros, würde drohen den Dollar und die US-Wirtschaft als Rückgrat der Weltwirtschaft zu ersetzen. Die militärischen Optionen der USA – insbesondere angesichts der erklärte Absicht Obamas, US-Raketenverteidigungsprogramm praktisch zu beenden und einen Großteil seines bereits alternden Atomarsenals zu verschrotten – wären mehr Schein als Sein.

Was aber Clintons Äußerungen vor dem Kongress, Emmanuels Äußerungen gegenüber diesem amerikanischen jüdischen Leiter und Obamas nicht nachlassender Hinwendung an Teheran und seine syrischen und türkischen Verbündeten allesamt klar machen, ist dies: Keines dieser vernünftigen Szenarien hat dem Denken der Administration auch nur eine Delle beigebracht. So weit es das Weiße Haus Obamas betrifft, werden dem Iran seine Pläne zur regionalen und globalen Domination in der Minute ausgeredet werden, in der Israel zustimmt sein Land den Palästinensern zu geben. Die Tatsache, dass keinerlei Belege dafür existieren, die das möglicherweise unterstützen, ist irrelevant.

Am Sonntag behauptete Jim Hoagland, Kolumnist der Washington Post, dass Obama die Politik seiner Administration zum Iran nicht veröffentlichen wird, bis er sich am 18. Mai mit Netanyahu im Weißen Haus getroffen haben wird. Es wird, schreibt Hoagland, bei diesem Treffen sein, dass Obama Netanyahu zu überzeugen versuchen wird, dass es keinen Grund gibt den Iran anzugreifen.

Die Tatsache, dass Obama eine solche Argumentation überhaupt aufbringen könnte, wenn der Iran nach Israels Berechnungen in den nächsten 180 Tagen entweder zur Atommacht wird oder man ihm das verweigert, zeigt, dass seine Argumente sich auf der Leugnung der Gefahr gründen, die ein nuklearer Iran für Israel und die weltweite Sicherheit insgesamt bedeutet.

Es stimmt, dass man nur ein seltsames Gefühl bekommen kann, wenn man sieht, dass Araber Israel gegen amerikanische Kritik verteidigen. Da aber die Nahost-Politik der Obama-Administration sich fest in La-La-Land gründet: Welche Wahl haben sie? Sie begreifen, dass heute alles, das zwischen ihnen und der Versklavung durch die Mullahs steht, die israelische Luftwaffe und Benjamin Netanyahus Mut ist.

3 Gedanken zu “Araberstaaten, die Israel die Daumen drücken

  1. Da kann man hoffen das herr Netanjahu stark und mutig bleibt,und nicht auf Obama reinfällt.Land zurück zu geben wäre Selbstmord!

  2. beim eifrigen Übersetzen gabs nen Flüchtigkeitsfehler: statt Golan bei „dass es die Gründung eines palästinensischen Staates in Judäa und Samaria, Jerusalem und auf dem Golan unterstützt“ sollte es wohl Gaza heissen 🙂

  3. Das stand da doch – nicht! Ich sollte demnächst doch immer noch zweimal hinsehen, wenn mir etwas komisch vorkommt. 🙂 – Ist richtiggestellt, danke!

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