Knallchargen

Madeline Albright, Ex-US-Außenministerin – „Der Islam ist die demokratischste Religion überhaupt.“ Als Beweis führt sie die Türkei an. Aber abgesehen davon, dass das der einzige demokratische islamische Staat in 1400 Jahren Islam ist, ist die türkische Demokratie von der Gründung her säkular – und gerade wird von Islamisten daran gearbeitet, das zu beenden.

König Abdallah von Jordanien – „Al-Qaidas Programm ist das Leid der Palästinenser in Jerusalem unter der Besatzung.“ Und wenn der Konflikt zwischen den Palästinensern und Israel gelöst ist, dann werden auch alle anderen Probleme der arabisch-islamischen Welt sich in Wohlgefallen auflösen. Als wenn die Taliban auf einmal aufhören würden zu existieren, wenn die Israelis und die Palästinenser sich geeinigt haben. Oder der Iran der Terror-Mullahs sich auf einmal ganz zivilisiert benehmen würde. Oder die Terroristen auf den Philippinen ihre Tätigkeit einstellen würden. Oder die islamischen Mörderbanden in Thailand auf einmal nicht mehr gegen Andersgläubig vorgehen würden.

Yves Wegelin, WOZ – Die ideologische Hasstirade, die der iranische Präsident in Genf gegen Israel ritt, war gewiss nicht der Versuch, die Welt gegen den jüdischen Staat aufzubringen. Kommentar von Thomas von der Osten-Sacken (WadiNet): Gut, dass es alternativen Schweizer Qualitätsjournalismus gibt, der uns so famos erklären kann, warum der Mond eine beleuchtete Scheibe ist.

Dr. Wolfgang Benz (der Antisemitismus-Institutler) – Antisemitismus ist das älteste politische, kulturelle, soziale Vorurteil, das die Welt kennt, und Antisemitismus ist immer politisch instrumentalisiert worden, in der Regel fast immer natürlich gegen die Juden, aber es lassen sich auch andere Kreise vorstellen, gegen die man den Vorwurf erheben kann, und in Deutschland ist er auch zum Totschlagargument geworden, um jemanden mundtot zu machen.” Reaktion von Broder: Fast immer gegen die Juden? Und zwischendurch gegen wen noch? “Andere Kreise.” Oder können es auch mal Dreiecke sein?  Noch schöner ist die Feststellung, der Antisemitismus sei “zum Totschlagargument geworden, um jemanden mundtot zu machen”. Für Benz ist der Antisemitismusvorwurf ebenso schlimm wie der Antisemitismus selber, wenn nicht schlimmer. Er bekämpft den Antisemitismus, ohne sich mit den Antisemiten anzulegen. Ein Kriminalist, der die Kriminalität bekämpft und um die Kriminellen einen Bogen macht, wäre eine Lachnummer, in der Welt der “Vorurteilsforschung”, Abt. Antisemitismus, ist das der Nachweis höherer Weisheit. Und dann kommt hinterher noch ein Klopper, den man bitte selbst nachliest. (Hinweis, auch von Broder: Das zitierte Interview mit Benz ist fünf Jahre alt. Der Typ ist also nicht erst neuerdings so irre!)

Hakan Kivanc, türkischer Konsul – die Türken sind die Juden von heute, jedenfalls in Deutschland.

Christian Sedlmair, Direktkandidat der Partei Die Linke für Dachau – der Typ ist eigentlich schon weit über den Knallchargen-Status hinaus! Wer jede, aber auch wirklich jede Terrortruppe im Irak unterstützt, von „völkisch-zionistischem Siederfaschismus der ‚israelischen‘ Bourgeoisie“ faselt, die ein global gefördertes Projekt für europäischen „Lebensraum im“ nahen „Osten“ zur „Spaltung, Ausplünderung und Niederhaltung der arabischen Nation“ betreibt, der gehört auf das am weitesten entfernt liegende Abstellgleis. Die Partei, die das zulässt und ihn zum Kandidaten erhebt, ebenfalls.
Eine kleine, feine und vor allem treffende Spitze gegen den Knallkopp hat Michael Miersch von einem Leser erhalten und eingestellt. Sedlmair beschwert sich außerdem, Mierschs Eintrag sei „eine Frechheit“ und „grenzt an Rufmord“. Na, dann ist es noch keiner – und kann auch keiner sein, wenn man einfach die Fakten zum Jammerlappen anführt.

Aluf Benn, Ha’aretz – Netanyahu ist besessen von der iranischen Bedrohung und Obama wird uns (Israel) nie im Stich lassen. Deshalb bringt uns Netanyahu dem „zweiten Holocaust“ näher, den er als Folge der iranischen Atombombe beschreibt. Wie viel Desillusionierung wird es brauchen, um einen solchen Journalisten in die Realität zu bringen?
Der sechste Kommentar ist auch gut: Wenn ich Premierminister wäre, würde ich dem Iran eine Botschaft schicken, die wissenschaftlich beweist, dass der gesamte Iran vernichtet werden könnte und würde, würde er seine Bedrohung Israel zu vernichten ausführen. Dann würde ich auf diplomatischem Weg daran arbeiten ein Friedensabkommen zwischen dem Iran und Israel herbeizuführen. Ah, so geht das! Problem: Die Mullahs haben keine Hemmungen den Iran vernichten zu lassen (wobei sie noch davon überzeugt sind, dass Israel das nicht schafft und ein paar Millionen Opfer die gute Tat wert sind). Sie haben ihren Mahdi, auf den sie warten; Ahmadinedschad etwas heftiger als die anderen, aber warten und ihn herbeisehnen tun sie ihn alle (die Mullahs, nicht die gesamte Bevölkerung, bitte). [Unter den weiteren Kommentatoren befinden sich haufenweise ähnlich Bekloppte, die Israel die Schuld für alles Böse im Nahen Osten geben und die Araber und Antisemiten rechtfertigen: Nr. 10 – Israel muss endlich anfangen sich Freunde zu schaffen, statt Feinde. Nr. 13 – beschwört die Vernichtung des lydischen Königreichs durch Persien im 6. Jahrhundert v.Chr. als Mahnung an Netanyahu. Nr. 20 – Ahmadinedschad hat nicht viel zu bestimmen im Iran und die wirkliche Führung ist pragmatisch und realistisch, deshalb wird der Iran nichts gegen Israel unternehmen. So einfach ist das. Nr. 23 – Die Wurzel allen Übels sind die israelischen Siedlungen. Nr. 25 (Damian aus Verdun) – Nicht vor dem Iran muss die Welt sich fürchten, sondern vor Israel, das tatsächlich Atomwaffen hat, Waffen, die sich in den Händen der paranoidesten Kriegstreiber der Welt befinden. Nr. 30 (David aus Paris) – Ein atomar bewaffneter Iran wird Israel nicht vernichten; Atommächte vernichten einander nicht. Das Riksio, das Israels Führung sieht, ist, dass sie eines Tages ohne strategische Überlegenheit würden verhandeln müssen. Und das macht Führern Angst, die nie vor hatten mit den Palästinensern oder den Syrern zu einem fairen Abschluss zu kommen. Nr. 36 – Die ganze iranische Bedrohung ist eine Farce. Der Iran würde die Waffen nie einsetzen, weil er nicht riskieren wird vernichtet zu werden. Das ist alles emotionaler Quatsch.
Merke: Man darf weder Ahmadinedschad noch die Mullahs beim Wort nehmen, die reden nur. Alles nur auf die innenpolitischen Probleme abgestellt, hat außenpolitisch nichts zu bedeuten. Aluf Benn schreibt darüber, dass Politiker nicht mehr aus dem rauskommen, was sie sagen, quasi zum (negativen bis katastrophalen) Handeln gezwungen sind, weil sie vorher so wüst geredet haben. Das scheint aber für Benn wie für die Kommentatoren wieder nur für den Westen zu gelten, für den Iran ausdrücklich nicht!

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