Unsere Knalltüten übernehmen verlogene Argumentationsmuster

Manchmal schreibt eine Knalltüte etwas sehr Wahres, ohne zu merken, wie entlarvend das ist – sowohl für die Beschriebenen wie auch für die Knalltüte selbst. Und so hat Christoph Bertram in der ZEIT etwas sehr Richtiges geschrieben:

Den Mut dazu wird vor allem die Regierung in Washington aufbringen müssen, deren Politik in der gesamten Region vor dem Scheitern steht, macht Israel seine Drohung wahr.

„Dazu“ ist die Drohung an Israel ihm die Unterstützung seiner Sicherheit zu entziehen, sollte es die iranischen Atompläne nicht akzeptieren.

Die Drohung ist die, die iranischen Atomanlagen zu zerstören.

Vor dem Scheitern stünde die ganze Anbiederungspolitik des Supermannes mit dem Messias-Anspruch bei den Arabern/Muslimstaaten.

Mal völlig unabhängig davon, ob diese Politik nun in irgendeiner Weise sinnvoll sein könnte: Es spricht Bände dafür, wie im Nahen/Mittleren Osten gedacht und gehandelt wird, welches verquere Denken dort vorherrscht. Da können die Amerikaner noch so viel reden und tun, um Israel von einem Schlag gegen die Atombomben abzuhalten – sollte das nicht wirken, sind die USA gescheitert. Sie sind schuld, sie sind verantwortlich, sie müssen gestraft werden. Für etwas, das sie verurteilen, das sie nicht wollen, das aber trotzdem geschieht. Weil ein anderer Staat seine Souveränität wahrnimmt.

Das ist das Schema, von dem Bertram ausgeht. Es könnte sehr realistisch sein, auch wenn mit Sicherheit viele dieser arabischen Staaten erlöst aufseufzen werden, wenn Israel zuschlägt. Bertram scheint nicht dagegen zu haben oder etwas Anstößiges daran zu finden. Die Perversität dieses Denkens geht ihm nicht auf. Er findet, dass der Westen da mitspielen muss.

Wie passt das eigentlich zusammen? Ist es wirklich „mutig“ den Israelis den staatlichen und kollektiven Selbstmord aufzuzwingen? Der „Mut“ besteht wohl in der damit zusammenhängenden Gewissenlosigkeit.

Oder – ich spekuliere mal – soll der „Mut“ der „Widerstand“ gegen die „Israel-Lobby“ darstellen? Wie sollen eigentlich die Amis nicht nur diesen Mut haben können, sondern auch die Stärke dazu aufbringen, wenn doch die Zionisten/Juden/Israelis die US-Regierung im Sack haben? Wer bestimmt denn nun, der Große Satan oder der Kleine Satan? Wann bekommen die Verschwörungs-Araber das mal auf die Reihe? Sind die USA jetzt Befehlsempfänger der Juden oder die Israelis Befehlsempfänger der USA?

Wie eigentlich immer machen sich die Herrschaften die Welt so, wie sie gerne wollen – unabhängig von der Realität. Will man Israel ans Bein pinkeln, sind sie die Über-Untermenschen (die den USA sagen, wo’s lang geht). Will man die USA dran kriegen, dann sind sie diejenigen, die Israel zu sagen haben, wo der Hase lang läuft. Wie bei der Shoa: Sie hat (so) nicht statt gefunden, ist eine Erfindung der bösen Zionisten, die sie instrumentalisieren. Außer, wenn sie Hitler wieder mal bestätigen, dass sie ihm vorwerfen das Richtige gewollt, es aber nicht konsequent zu Ende geführt zu haben.

Diese Widersprüchlichkeiten werden von den Irren aus den Qualitätsmedien nicht wahrgenommen. Im Gegenteil: Sie betrachten sie als Evangelium. Der Westen und besonders Israel hat sich danach zu richten, welche Empfindlichkeiten die Israelvernichter an den Tag legen. Und alle müssen davor kuschen. Hoch leben die Bertramisierung der Medien, Deutschlands, Europas – und der Untergang Israels, dessen Freund sich Bertram nennt.

(Was sonst noch zu Christoph Bertrams Geschmiere zu sagen ist, findet sich bei der Zeitung für Schland.)