Knallchargen

Joe Klein, TIME Magazine – Weil Khaled Meschaal im Interview das Wort „Israelis“ gebrauchte, glaubt Klein, es gäbe etwas Neues und das sei positiv zu werten. Meschaal sagte ihm zwar sofort, dass er diese Schlussfolgerung nicht ziehen solle, aber das erschüttert den Journalisten nicht. Dass der Hamas-Chef die Israelis mit dem Begriff nannte, den „sie sich selbst geben“, ist ausreichend, um einen Klimawandel mit Sicherheit zu verorten (und deshalb müssen die USA sofort anfangen mit der Hamas zu reden). Fantasie und Wunschdenken triumphieren über Fakten.
Nach Kleins Maßgabe müsste Osama bin Laden auch bereit für eine sofortige Friedensvereinbarung sein – immerhin hat auch er das Wort „Israel“ verschiedentlich benutzt.

Dhimmi Jimmy hat wieder zugeschlagen: Am Samstag wurde er von der PA geehrt. Dabei gelobte er die Palästinenser in ihrer Kampagne für Unabhängigkeit „bis zum Ende seiner Tage“ zu unterstützen. Er erzählte, dass seine beiden Urenkel jetzt schon vom Leid der Palästinenser seit 1948 erfahren würden. (Natürlich nur dem Leid, das die Juden ihnen zufügen, nicht dem, das die arabischen Brüder ihnen antun.) Und zur notwendigen Akzeptierung Israels durch die Palästinenser meinte er, das sei für vertriebene Palästinenser schmerzlich. Was Meryl Yourish so kommentiert: Man sollte begreifen, dass er den Palästinenser sagt, er wisse, es sei „schmerzhaft“, dass sie die Tatsache akzeptieren der Existenz Israel akzeptieren müssen. Nicht die, dass Israel ein Existenzrecht hat. „Aber es muss eine Regelung geben“ – ich glaube, das ist Carter-Sprech für nicht in der Lage gewesen sein die Israelis 1948 zu besiegen.
Ein Schlag gegen Netanyahu darf natürlich auch nicht fehlen: Er habe mit seiner Rede „mehrere Hindernisse auf den Weg zum Frieden gelegt“, verkündet der senile Schwätzer. Klar, wer die Hamas hofiert, muss deren Propaganda auch gleich mit verbreiten.
Und die Erdnuss legt gleich nochmal nach, zu den Wahlen im Iran: „Ich glaube, diese Wahl hat eine Menge Opposition zu seiner Politik im Iran hervorgebracht und ich bin sicher, dass er diesen Meinungen zuhören und hoffentlich seine Haltung moderate gestalten wird.“ Bei WadiNet gibt es die lakonische Antwort: Wenn der iranische Präsident wirklich mit einer solchen Mehrheit wieder gewählt wurde und kein Wahlbetrug vorliegt, wird er diesen Sieg ganz sicher zum Anlass nehmen, seine Position zu mäßigen. Wenn sein Sieg herbeigetrickst worden ist, dann ganz sicher auch. Nichts aber auch gar nichts hat bislang Ahmedinejad dazu gebracht, eine seiner “Positionen” abzuschwächen.
Weiter geht’s mit der Hamas: Die soll Obama gefälligst von der Liste der Terrororganisationen nehmen. Vermutlich, weil er sich persönlich mitverantwortlich fühlt, dass Israel amerikanische Waffen im Gazastreifen einsetzte?

Christiane Hoffmann, FAZ – die Trulla findet, dass man A’jad zu sehr verteufelt hat, als dass jetzt mit ihm noch klarzukommen sei. Außer, der Westen (!) bewegt sich in der Atomfrage. Also muss der Westen sich „in der Nuklearfrage bewegen müssen“.
Udo Steinbach schlägt in dieselbe Kerbe: Der Dialog ist blockiert durch die Machtverhältnisse. Der Dialog kann nur dann hergestellt werden, wenn der Westen sich zurücknimmt. Klar, wenn Tyrannen, Despoten, Terroristen, Gewaltherrscher, Völkermord-Aspiranten stur sind, dann geben wir ihnen einfach nach. Irgendwann haben sie dann, was sie wollen und Ruh‘ is‘!

Clemens Höges, DER SPIEGEL – die Palästinenser befinden sich seit 3000 Jahren im Kampf mit den Juden Israelis. Wie das gehen soll, da die Palästinenser erst vor 45 Jahren erfunden wurden, wissen allein Höges und seine Redaktion.

Martin Gehlen, Tagesspiegel – der gute Mann war der Meinung, er müsse eine seltsame Studie des US-Akademikers in Diensten Saudi-Arabiens an der Columbia University nicht selbst lesen, sondern nur die Propaganda der Studie als wahr übernehmen und verbreiten. Recherche – nicht nötig.

Roger Cohen, New York Times – der Mann hat nun alles falsch gemacht (geschrieben, gedacht), was man in Sachen Iran falsch machen kann. Er hebt die Terror-Mullahkratie in den Himmel; sie ist zwar ein wenig unperfekt, aber das ist ja überall so. Dafür muss Israel vernichtet werden (noch nicht physisch), aber Obama muss Israel fertig machen, damit man mit den Mullahs kuscheln kann.

Christoph Schult, DER SPIEGEL (und hier) – Netanyahu stellt er als unbelehrbaren Apartheid-Fan hin, „der alle Araber in die Arme eines fanatischen Judenhassers nötigt“ – die Personifizierung des Bösen, noch schlimmer als Ariel Sharon.

Jürgen Elsässer (im verlinkten Text ganz unten) – die iranischen Demonstranten gegen A’jad sind „Jubelperser von USA und NATO“, „Discomiezen“, „Teheraner Drogenjunkies“ und „Strichjungen des Finanzkapitals“. „Gut, dass Ahmadinedjads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.“ Das ist Befürwortung und Rechtfertigung von Mord.

Chris Bryant, Labour Party (UK), Minister im britischen Außenministerium – der will das rote Kreuz als Zeichen der Hilfsorganisation(en) abgelöst sehen: Es sei eine üble Erinnerung an die Kreuzzüge. Vorauseilender Dhimmi-Gehorsam geht halt über alles.
Die Daily Mail können wir übrigens direkt mitzählen; sie schreibt zur Alternative – einen „roten Kristall“ (was an einem roten Quadrat mit weißem Innenfeld ein Kristall sein soll, weiß der Geier) – dies: „Ein Vertrag, der den roten Kristall als zusätzliches Schutzsymbol etablierte, wurde 2006 Teil des internationalen Rechts.“ Dass das eine Regelung war, die es dem israelischen Magen David Adom den Zugang zum Internationalen Komitee vom Roten Kreuz ermöglichte, verschweigen sie dort. Das macht den „Kristall“ zu einem Symbol der Diskriminierung der Juden. Und so etwas kann man ja der Leserschaft nicht sagen, die käme vielleicht auf falsche Gedanken!

Peter Scholl-Latour (schon wieder) – er relativiert die Schrecken der iranischen Diktatur. Schließlich sind es die Medien, die manipulieren.

Shlomo Sand – der Irre behauptet doch tatsächlich das jüdische Volk sei eine Erfindung. Hm, da müssen wir aber ganze Berge an Geschichtsschreibung seit den Römern verschrotten…

Christiane Schlötzer, Süddeutsche Zeitung – „Israels Regierungschef spricht erstmals von einem Palästinenser-Staat und erweckt so den Eindruck, er wolle sich bewegen. Bei genauem Hinhören wird klar: Er ist dazu nicht wirklich bereit.“ Über Mahmud Abbas, der ausdrücklich erklärt hat, dass er so handeln will, wie Frau Schlötzer es Netanyahu unterstellt, hören wir von der Trulla nichts.

Charles Landsmann, Tagesspiegel – beschwert sich, Netanyahu stelle Bedingungen, die für die Palästinenser „unakzeptabel“ seien (der DUDEN kennt das nicht, dort steht „inakzeptabel“); aber dass Israel etwas inakzeptabel (oder „unakzeptabel“) findet, könnte er nicht anerkennen. Doch der böse Premierminister geht einfach nicht auf die arabische Friedensinitiative ein, also kann er keinen Frieden wollen. Soso.

Thomas Avenarius, Süddeutsche Zeitung – die Schöpfung neuer Worte („Zwitterding“) kann nicht über den Blödsinn hinwegtäuschen, den er von sich gibt, um sich und anderen das Regime von Teheran schön zu reden.

Karin Schädler, Tagesspiegel – „Es ist nicht so, dass die Muslime ein Antisemitismusproblem hätten. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, zitiert sie ohne Nachfrage. Ein weiterer Experte kommt zu Wort: Es dürfe keine „Entlastungsstrategie“ der Mehrheitsgesellschaft geben, die selbst keineswegs frei von Antisemitismus und schon gar nicht Rassismus sei… Für die pädagogische Praxis warnt er davor, provokative Äußerungen „gleich mit dem Etikett des Antisemitismus zu belegen“. So muss es sein: Die „Mehrheitsgesellschaft“ ist verantwortlich und die „Jugendlichen“ können nichts dafür. Konsequent muss es also heißen: Weil die Mehrheitsgesellschaft Antisemitismus verurteilt, ist sie schuld, wenn muslimische Jugendliche sich antisemitisch äußern. Der verlinkte Eintrag auf die Achse des Guten liefert eine gute Antwort an die Schmierenkomödiantin.

Birgit Rommelspacher, Psychologin – „Judenfeindlichkeit unter muslimischstämmigen Jugendlichen hängt zwar stark mit dem Nahostkonflikt zusammen, möglicherweise aber auch mit dem Rassismus ihnen gegenüber hier in Deutschland.“ Dass Judenhass nicht unbedingt rational ist, ist ja klar. Aber dass Kultur bereichernde Drittgenerationalisten Juden hassen, weil sie seitens der Mehrheitsgesellschaft (eingebildeten bzw. sich selbst eingeredeten) Rassismus erleben, das ist nun selbst hier übertrieben.

Ulrich Pick, ARD, Teheran – lest selbst, es ist einfach irre.

PETA, „Tierschutz“-Organisation – Sie haben wieder ein Tierschlächter, der unbedingt zur Räson gebracht werden muss: US-Präsident Obama hat nach einer Fliege geschlagen! La_Mia fragt dazu: „Haben wir eigentlich keine anderen Probleme?“ Ich finde, die Frage geht einen Hauch am Ziel vorbei – schließlich haben nicht „wir“ das Problem mit der bedrohten Fliege, sondern die PETA-Idioten.

Mohammed el-Baradei, IAEAerst hat er mit seinem Verein absolut keinen Ansatz von Ahnung, dass es in Syrien eine Atomanlage gibt. Dann macht Israel das Teil platt und el-Baradei beschuldigt die Zionisten hätten dafür gesorgt, dass es schwer zu finden sei und außerdem hätten sie damit die Beweise vernichtet, die zur Untersuchung der Anlage hätten dienen können. Womit er gleichzeitig den Syrern den Hintern ableckt, die behaupten, die vorgefundenen Spuren nuklearen Materials seien von den Israelis über ihre Waffen gelegt worden. (Der Herr der Inkompetenz beschwert sich also, Israel mache ihn inkompetent…)

Deutschlandfunk (Deutschlandradio), Redaktion „Hintergrund“ – Freitag um 18.40 Uhr gab es eine „Hintergrund“-Sendung zum Nahost-Konflikt. Darin wurde Obama über den Klee gelobt, Netanyahu als das friedensfeindliche Arschloch hingestellt, Mahmud Abbas etwas unwillig und vielleicht so hartnäckig friedensresistent wie Netanyahu. Aber die Hamas, die ist friedensbereit! Habe Khaled Meschaal gerade erst bei einem Besuch in Ägypten deutlich gemacht. Und wer Obama im Weg steht, ist der Teufel. Ob allerdings den Schwätzern der Sendung selbst vielleicht aufgefallen ist, wie viel sie im Konjunktiv rede und mit der Vokabel „Hoffnung“ beschreiben, welche Folgen Obamas Heilswirken haben wird, kann dahingestellt bleiben – die halten das offensichtlich für Fakten.

5 Gedanken zu “Knallchargen

  1. Apropos Deutschlandfunk. Der hat sich die Freudsche Fehlleistung des Jahres erlaubt (gehört von Thatcher):

    „Vor wenigen Tagen streckte Obama der islamischen Hand die Welt entgegen.“

  2. zu El-Baradei:

    er hat höchstpersönlich im Zusammenspiel mit Larijani dafür gsorgt, dass der gewissenhafteste Mitarbeiter des IAEA, Chris Chalier, abserviert wurde:

    http://castollux.blogspot.com/2009/05/el-baradeis-unruhmlicher-abgang-und-die.html

    Bis Mitte 2006 hat das niemenden interessiert. Und warum bis jetzt auch nicht?

    Kurzinformation:

    Chris Chalier befindet sich im vorgezogenen Ruhestand und sagt nichts mehr. Und ich kann ihn sogar verstehen, weil El-Baradeis und Larijanis stinkende Häscher ihm jetzt nach dem Leben trachten. Der bringt den Mund nicht mehr auf.

    Ich fände es besser, wenn man El-Baradei und Larijani enddgültig aus denm Verkehr zieht.

  3. Der Titel Knallchargen ist viel zu humorvoll und harmlos, um das Verhalten dieser Medien-Leute zu beschreiben. Der Hintergrund ist zu schrecklich. Auch Begriffe wie Lügner und Heuchler fassen nicht, was diese MSM Leute mit ihren Lügen und Beschönigungen tun. Denn diese MSM Vertreter sind ganz offenbar ehrlichen Gewissens Befürworter und Anhänger von Terror-Regimen und Terroristen. Offen gesagt, mir fällt kein passender Ausdruck ein, es sei denn, man nennt Unterstützer von Mördern selbst Mörder.

    • Ich habe das Wort mal übernommen, nachdem Broder es öfter gebraucht hatte. Das ist so nicht mehr aktuell, aber ich kann auch nicht alle als Hetzer bezeichnen, nur weil sie so bescheuert sind. Also bleibe ich bei den Knallchargen, denn alle Tassen im Schrank haben die alle nicht – die einen willentlich, die anderen, weil sie es nicht besser wissen oder können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s