Knallchargen

DER SPIEGEL (kgp/dpa/Reuters) – „Israel entfernt arabische Ortsschilder“ titelt die „BILD für Intellektuelle“ und erweckt damit, wie auch einem großen Teil des Berichts, den Eindruck, dass die Dreisprachigkeit der Ortsschilder in Israel beseitigt werden und alles nur noch auf Hebräisch zu lesen sein soll. Das ist Schwachsinn: Der Verkehrsminister plant „lediglich“, dass die arabischen und englischen Schreibweisen hebräisisert werden sollen, so dass auf Englisch nicht mehr „Nazareth“ sondern „Nazrat“ und auf Arabisch nicht mehr „Al-Quds“, sondern „Yerushalayim“ (wie im Englischen auch). Zudem ist noch nichts beschlossen. (Ob Israel sich einen Gefallen tun würde, wenn es alle Namen nur noch entsprechend der hebräischen Aussprache anbringt, steht auf einem anderen Blatt – SPON, und mit ihm wohl auch die Agenturen, hat schlicht unwahrhaftig berichtet.)

Javier Solana, EU-„Außenminister“ – er fordert, man solle eine Frist setzen und wenn die Beteiligten (sprich: Israel) nicht dafür sorgten, dass ein Palästinenserstaat entstand, dann macht das eben die UNO: legt mal eben die Grenzen fest und erklärt „Palästina“ für unabhängig und zum Staat. Außerdem würde dieser Staat sofort in die UNO aufgenommen werden, diese festlegen, wie die „Flüchtlingsfrage“ geklärt wird und wie die Kontrolle über Jerusalem aussieht und wie die Sicherheitsfragen geklärt werden würden. Vermutung von Ulrich Sahm: „Vielleicht hat Solana zu viel Harry Potter gelesen.“ So ganz nebenher erinnert Sahm aber auch daran, dass dem Chef-Terroristen Yassir Arafat immer abgeraten worden war den Palästinenserstaat einseitig auszurufen, weil damit jeder Terroranschlag der Palästinenser gemäß UNO-Charta als Kriegserklärung definiert werden könne und Israel das Recht gibt den palästinensischen Staat wieder zu zerschlagen.

Martin van Crefeld, Militärexperte (ohne jegliche militärische Erfahrung, was aber nichts heißen muss) – „Israel überhöht die Bedrohung durch den Iran aus strategischem Interesse“, verkündet er. Und lässt dabei völlig außen vor, was iranische Politiker seit Jahren verkünden, dass Israel von der Landkarte verschwinden müsse, er konzentriert sich auf die israelischen Reaktionen auf die vermeintliche iranische Gefahr, die nur dazu dient, aus ihr Kapital zu schlagen, und zwar „Hunderte Billionen Dollar“ (Zitat Henryk M. Broder). Die Zionisten und dann die Israelis hätten eine lange Geschichte des Alarmschlagens, würden sich als die Kleinen und Bedrohten geben usw. War natürlich alles unberechtigt oder was? Und die Araber und Mullahs sind vermutlich allesamt Opfer der Juden und haben sie nie angegriffen.

Martin Walser, Schriftsteller – in der ZEIT hat er mal wieder ein paar „Weisheiten“ von sich gegeben, die ihn als völlig abseits der Realität zeigen.

George Galloway und seine „Viva Palestina“-Truppen – sie haben „die israelische Blockade durchbrochen“, indem sie nach 10 Tagen mühsamen Schacherns mit den Ägyptern für 24 Stunden über den Grenzübergang Rafah einreisen durften. Merke: Der Jude ist immer der Böse, auch wenn die Araber oder sonstwer blockieren!

Frank Walter Steinmeier, deutscher Außenminister – er ist stolz darauf, dass die deutsche Nahostpolitik Syrien wieder gesellschaftsfähig gemacht hat. Wen er da gesellschaftsfähig gemacht hat, kann man unter dem Link genauer nachlesen. Aber was will man von einem Windbeutel erwarten, der im Januar steif und fest überzeugt war, dass (1) die Beschießung zweier terroristischer Schmuggeltunnel vor seiner Nase ein von Israel persönlich gegen ihn gemeinter Affront war und (2) die Tunnel nicht zum Waffenschmuggel genutzt werden, schließlich hätten ihm das die Ägypter versichert?

Arne Hoffmann, Blogger (vielleicht aber auch noch was anderes) mit zwei Sternzeichen und einem Hang zu Kotzbrocken – er behauptet, die Achse des Guten arbeite nicht nur mit „antideutschen Dogmatikern wie Lizas Welt“ zusammen, sondern auch mit PI. Dazu hebt er alles in den Himmel, was an Irrwesen die antiisraelische Szene bevölkert, u.a. einen abgedrehten Dortmunder Renten-Künstler; in seiner Blogroll tummelt sich alles, was an Müll und Hetze bekannt ist und einen grausigen Namen hat. Und jetzt hat er den endgültig durchgeknallten Alan Posener entdeckt, der dem Freitag ein Interview gewährte und über alles herzog, was ihn lange erduldet hatte, bis es nicht mehr ging. Was Hoffmann natürlich „klar erkennen und analysieren“ erkennt. Na ja, wer „Die Geschichte der O“ zu einem seiner Lieblingsfilme erklärt…

Erwähnten Alan Posener können wir auch gleich wieder eintragen: Der begibt sich auf die Schiene der Verschwörungs-Witterer – anders kann es ja nicht sein, dass die Achse des Guten sich von ihm getrennt hat.

András Szigetvari, Der Standard – „Israel muss“, „Jerusalem will verschweigen“ (oh hoppla, der hat NICHT „Tel Aviv“ geschrieben!) und die „dritte renommierte NGO“ hat veröffentlicht“ – dass die erste Veröffentlichung als pure Propaganda erwies und AI derart einseitig „recherchiert“ hat, dass man es ihnen um die Ohren hauen müsste, kümmert den Österreicher nicht. Und auch „die dritte renommierte NGO“ hat nur eine einzige Agenda: Israel mies zu machen. Egal, es passt ja in die geistige Vorbildung des Mannes, also muss es stimmen.

Die taz – ideaSpektrum (27/2009, S. 7) zitiert den Kinderstürmer: „Muslime haben keine Kirche. Das macht ihre Religion fortschrittlich. Der Glaube verwirklicht sich im Zwiegespräch mit Gott. Die Auslegung der Regeln sollte keiner wie immer gearteten religiösen Instanz überlassen werden. Das hat überall nur Elend gebracht.“ Aha. Die Al-Azhar-Universität gilt nicht als Autorität. Die Mullahs oder das türkische Religionsministerium haben absolut nichts zu sagen. Oh, das ist ja der Grund, dass Osama bin Laden und die Taliban so seltsame Auslegungen begonnen haben, nicht wahr? Und was kam dabei heraus? Friede (samt Freude und Eierkuchen)!