Abbas geht auf elf

Vor knapp zwei Jahren habe ich bereits einmal über diese Strategie geschrieben. Sie ist ärgerlich, boshaft und muss entlarvt werden. Aber unsere gutmenschlichen Terror-Versteher und -Rechtfertiger werden sie weiterhin nicht sehen wollen.

David Hazony, Commentary Magazine contentions, 13. Juli 2009

Einer der klarsten Indikatoren dafür, ob man mit jemandem verhandelt, der tatsächlich einen Abschluss erzielen will, oder alternativ dazu keiner Absicht in dieser Richtung hat, sondern aus anderen Gründen verhandelt, ist, wie der Partner auf Zugeständnisse reagiert, die man macht. Sagen wir, Sie versuchen für 5 Dollar eine Baseballkarte zu kaufen und der Verkäufer will zehn. Wenn Sie ihm sieben anbieten und er wirklich einen Handel erreichen will, dann könnte er sein Angebot auf 9 Dollar senken. Wenn er auf zehn besteht, bedeutet das entweder, dass er ein harter Verhandler ist oder er glaubt, er könne die zehn woanders bekommen.

Was ist aber, wenn er damit antwortet, dass er den Preis erhöht? Was ist, um einen großartigen Film zu zitieren, wenn er „auf elf geht“?

So verrückt es klingt, dies ist das, was oft in Verhandlungen zwischen Israel und seinen Nachbarn geschieht. Nach weithin festgehaltenen Gerüchten ist der Hauptgrund, dass Netanyahu während seiner ersten Amtszeit keinen Erfolg damit hatte einen Handeln mit Syrien über den Golan zu erzielen, der, dass jedes Mal, wenn die Israelis ihr Angebot aufstockten, die Syrer ihre Forderungen erhöhten, indem sie die Definition des „Golan“ zunehmend westwärts schoben, bis er den See Genezareth traf. Auf Jordanien und Ägypten traf allerdings das Gegenteil zu: Eine Vereinbarung konnte erzielt werden, weil beide Seiten sie wollten.

Wie sieht es also mit den Palästinensern aus? Allzu oft scheint es so, dass, je mehr Israel gibt, um so größer werden die Forderungen. Jedermann scheint zu glauben, dass das Endergebnis ein Handel sein wird, der sich irgendwo zwischen dem ankommen wird, was Netanyahu sagt und was Obama sagt: ein souveräner Palästinenserstaat, der zwischen 97 und 100 Prozent der Westbank und des Gazastreifens einnimmt, vielleicht einen Teil von Jerusalem und eine Art Formel, die erfunden wird, um mit dem „Rückkehrrecht“, der Einheit Jerusalem usw. klarzukommen.

Jetzt, wo Netanyahu den größten Happen davon zugestanden hat – die Vorstellung von Eigenstaatlichkeit – könnten wir erwartet haben, dass Abbas ein wenig von seiner Position aufgibt. Statt dessen sind die Forderungen plötzlich hoch geschraubt worden. Der Palästinenserführer besteht jetzt auf „territorialer Kontinuität zwischen der Westbank und dem Gazastreifen“.

Gut, sehen wir uns eine Landkarte an. Die Israelis spielten einmal mit der Idee von Brücken und Tunneln, einem Weg sicherer Reise zwischen den beiden Teilen Palästinas. Aber etwas an der Formulierung „territoriale Kontinuität“ deutet auf mehr als das hin. Sie bedeutet tatsächlichen Landbesitz. Mit anderen Worten: Israel in zwei Hälften zu schneiden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Palästinenser die Frage einer Art von Landbrücke zwischen Westbank und Gazastreifen aufgebracht haben, aber es ist das erste Mal, dass wir etwas darüber hören, seit ein neuer amerikanischer Präsident den Chancen auf „Frieden“ neues Leben eingehaucht haben soll. Und das kommt zu einer Zeit, in der palästinensisches Land von zwei unterschiedlichen Regimen gehalten wird, von denen eines sich nicht nur prinzipiell jeder Friedensvereinbarung widersetzt, sondern sogar nicht einmal bereit ist eine Formel für palästinensische Einheit zu finden.

Warum könnte Abbas sich zu einem solchen Zeitpunkt entschieden haben auf elf zu gehen? Wir können zwei Möglichkeiten vorschlagen.

1. Abbas ist politisch durch sein eigenes Regime gezwungen gegen Frieden zu arbeiten. Die PLO wurde aus einer revolutionären Idee heraus geboren, die behauptete, alle Probleme der Palästinenser würden nur mit der Vernichtung Israels gelöst. Jeder friedfertige Schritt, den ihr Führer Yassir Arafat unternahm, wurde mit Erklärungen aufgewogen, warum das in Wahrheit näher an das Endziel führen würde – der berüchtigte „Stufenplan“, die Verdoppelung der Festlegung auf Terrorismus und „Widerstand“ und die ständige Erhöhung der Forderungen, die die Unmöglichkeit jeglicher Vereinbarung garantierte, darunter die Repatriierung palästinensischer Flüchtlinge innerhalb der Grenzen Israels. Dieses Spiel spitzte sich im Jahr 2000 zu, als Arafat auf Ehud Baraks sehr großzügige Angebote mit dem Beginn der Zweiten Intifada antwortete. Die Annahme, dass Abbas nicht gleichermaßen genötigt ist die Revolution fortzuführen, ist aus Hoffnung und Bequemlichkeit geboren, aber weit davon entfernt sich auf Fakten zu gründen. Nach dieser Theorie gibt es keine tatsächliche Möglichkeit zu Frieden, nicht nur, weil es keine einheitliche palästinensische Institution gibt, mit der man reden kann, sondern weil selbst die „moderatere“ lediglich in ihrer Rhetorik moderat ist.

2. Abbas nutzt den Vorteil der neuen amerikanischen Regierung, um sich in eine bessere Verhandlungsposition zu bugsieren. Abbas ist für die Möglichkeit eines Handels offen. Aber er hat die wechselnden Winde in Washington und Europa sorgfältig beobachtet und herausgefunden, dass alles, um das sich alle kümmern, israelische Siedlungen sind. Der Fokus und der Druck liegen jetzt auf Israel. Warum also die Verhandlungen für Jerusalem oder Washington einfach machen? Es ist alles andere als klar, dass die Palästinenser der Westbank tatsächlich wollen, dass die Leute aus dem Gazastreifen frei in ihr Gebiet einreisen können – aber wen kümmert das? Dies ist eine Forderung, die niemals erfüllt werden wird, also könnte er sie prima stellen, um etwas zu haben, auf das er später verzichten kann. Vom Verhandlungsstandpunkt aus ist das genau der richtige Augenblick neue Forderungen aufzustellen, die auf den ersten Blick vernünftig erscheinen, aber keine Chance auf Akzeptierung haben – wie die Vorstellung von Flüchtlingen nach Tel Aviv. Er kann nichts verlieren.

Was die westliche Diplomatie angeht, so scheint die erste Theorie nicht in Betracht zu kommen. Egal, dass sie stimmen könnte; die gesamte diplomatische Welt füttert ihre Jugend mit ihrer mutmaßlichen Ablehnung. Aber die zweite lässt die Dinge nicht viel besser aussehen. Das Ergebnis von Druck auf Israel, so scheint es, war nicht, die Parteien irgendwie einander näher zu bringen. Jedes Mal, wenn Bibi sein Angebot für die Baseball-Karte erhöht, schraubt Abbas seinen Preis weiter hinauf.

Abbas hat dieses Spiel bis jetzt ziemlich gut betrieben. Seit Monate hat sich Israel einem Level internationalen Drucks ausgesetzt gesehen, den es seit den Tagen Jimmy Carters oder vielleicht George H. W. Bushs nicht erlebt hat. Pflichtgemäß hat er die aus der Westbank kommenden Terrorflammen vorerst heruntergedreht. Objektiv jedoch hätte Abbas absolut keine Verhandlungsposition haben dürfen. Es ist seine Regierung, die jede Gelegenheit zu nationaler Wiederbelebung vereitelt hat, die ihm die Israelis und der Westen gaben; er hat Hunderte Millionen westliche Dollar für Korruption statt für Entwicklung verschwendet, hat weiter den Terrorismus unterstützt und jetzt jegliche Glaubwürdigkeit in seine Fähigkeit verloren irgendeine Vereinbarung durchzusetzen, so lange die Hamas im Süden herrscht. Doch trotz alledem scheinen die Westler sich lediglich dafür zu interessieren, ob es „illegal“ oder ein „Kriegsverbrechen ist, wenn eine Familie in Efrat oder Ariel ein Haus für ihren frisch verheirateten Sohn baut. Ja, diese Leute sind wirklich die zentralen Hindernisse für den Frieden.

Wenn Abbas wirklich ernsthaft Frieden wollte, würde er Netanyahus Angebot annehmen, sich mit ihm direkt zu treffen, um die wirtschaftliche Entwicklung zu diskutieren – genau das, auf dem die Theoretiker der neuen Weltordnung bestehen, es sei der Schlüssel für eine Zukunft nach dem Krieg.

Ein Gedanke zu “Abbas geht auf elf

  1. seit 1922 hat das ehemalige ‚Britische Mandat Palästina‘ einen 77% grossen, ‚100% judenreinen‘ Teil. Es gibt also in Praxis bereits seit 1922 die Zweistaatenlösung.
    ‚War is the remedy that our enemies have chosen, and I say let us give them all they want.‘ William T. Sherman

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