Wird der neue „Kulturkrieg“ der Hamas die historischen Verbindungen zum Nationalsozialismus zugeben?

Entscheidend an diesem Text ist der historische Aspekt: Die Rolle von palästinensischen Arabern in Sachen Shoah und Nazi-Kontakten sowie dem extrem antisemitischen Willen die Juden zu vernichten. Anders als Dershowitz sehe ich absolut keine Aussichten, dass die Hamas auch nur ansatzweise ihre Ideologie ändert und irgendetwas akzeptiert, was zu einem Ausgleich mit Israel führen könnte. In dieser Hinsicht kommt mir Dershowitz immer realitätsferner vor.
Ein weiterer Punkt, den Dershowitz nicht berücksichtigt: Während zwar Amin al-Husseini von einem eigenen Staat in Palästina träumte, war ein „palästinensisches“ Volk nicht existent, schon gar nicht im Denken der arabischen Bewohner des Mandatsgebiets.
(Am Ende ein Update mit einem weiteren Hinweis darauf, was an Dershowitz‘ Interpretation der aktuellen Lage nicht stimmt.)

Alan M. Dershowitz, Hudson New York, 25. Juli 2009

Hamas, die auf die Beschießung von Zivilisten spezialisierte Terror-Organisation, hat sich jetzt entschlossen, sagt eine Schlagzeile der New York Times, sich „von Raketen auf einen Kulturkrieg“ zu verlegen, um öffentliche Unterstützung für ihre Sache zu sammeln. Teil dieser PR-Kampagne ist es, die Israelis als die „neuen Nazis“ und die Palästinenser als die „neuen Juden“ darzustellen. Um diese Verwandlung hinzubekommen, muss sie eine Form der Holocaust-Leugnung betreiben, die jeden historischen Beleg weit verbreiteter palästinensischer Komplizenschaft mit den „alten Nazis“ bei der Durchführung des wirklichen Holocaust auslöscht. Es ist zu einem wichtigen des Mantras der Hamas-Helfer geworden, dass weder das palästinensische Volk noch seine Führung im Holocaust irgendeine Rolle spielte. Hören wir Mohammed Ahmadinedschad zu, wie er zu Studenten an der Columbia University spricht:

Wenn [der Holocaust] Wirklichkeit ist, dann müssen wir immer noch die Frage stellen, ob das palästinensische Volk für ihn bezahlen sollte oder nicht. Immerhin fand er ein Europa statt. Das palästinensische Volk spielte dabei keine Rolle. Warum ist es dann so, dass das palästinensische Volk den Preis für ein Ereignis zahlt, mit dem es nicht zu tun hatte? … Das palästinensische Volk hat kein Verbrechen begangen. Sie spielten im Zweiten Weltkrieg keine Rolle. Sie lebten mit den jüdischen Gemeinschaften und den christlichen Gemeinschaften damals in Frieden.

Die Schlussfolgerung, die aus dieser „Tatsache“ folgen soll ist die, dass die Gründung Israels im Gefolge des Nazi-Völkermords am jüdischen Volk für die Palästinenser unfair war. Zentraler Punkt dieser Behauptung ist, dass weder das palästinensische Volk noch seine Führung irgendeine Verantwortung für den Holocaust trug und wenn dem jüdischen Volk irgendwelche Entschädigungen zustanden, dann seitens Deutschlands und nicht seitens der Palästinenser. Die Vertreter dieses Geschichts-Arguments suggerieren, dass der Westen den jüdischen Staat aus Schuld wegen des Holocaust schufen. Es wäre verständlich gewesen, wenn ein Teil Deutschlands (oder Polens, Litauens, Lettlands, Frankreichs, Österreichs oder anderer Kollaborationsstaaten) für eine jüdische Heimstatt vorgesehen worden wären – aber warum Palästina? Palästina war, so diese Behauptung, genauso „Opfer“ wie es die Juden waren.

Ich höre dieses Argument oft an Universitäten überall in den Vereinigten Staaten und noch mehr in Europa.

Die Wahrheit ist, dass die Palästinenserführung, unterstützt von den palästinensischen Massen, eine erhebliche Rolle in Hitlers Holocaust spielten.

Der offizielle Führer der Palästinenser, Hadsch Amin al-Husseini, verbrachte die Kriegsjahre in Berlin bei Hitler, dem er als Berater zur Judenfrage diente. Er wurde zu einer Besichtigung von Auschwitz mitgenommen und gab seiner Unterstützung für den Massenmord an den europäischen Juden Ausdruck. Er versuchte außerdem „die Probleme des jüdischen Elements in Palästina und anderen arabischen Ländern zu lösen“, durch Anwendung „derselben Methode, die in den Staaten der Achse genutzt wird“. Er war nicht zufrieden damit, die jüdischen Einwohner Palästinas – von denen viele Nachkommen sephardischer Juden waren, die seit Hunderten, sogar Tausenden von Jahren dort lebten – als Minderheit in einem muslimischen Staat verbleiben zu lassen. Wie Hitler wollte er „jeden einzelnen Juden“ loswerden. In seinen Memoiren schrieb Husseini: „Unsere fundamentale Bedingung für die Zusammenarbeit mit Deutschland war eine freie Hand jeden einzelnen Juden aus Palästina und der arabischen Welt auszumerzen. Ich bat Hitler um eine ausdrückliche Vereinbarung, die es uns erlaubt das jüdische Problem in einer Art zu lösen, die sich unserem nationalen und rassischen Streben und entsprechend der von Deutschland eingeführten wissenschaftlichen Methoden zur Behandlung seiner Juden ziemen. Die Antwort, die ich bekam war: ‚Die Juden gehören Ihnen.‘“

Der Mufti plante offensichtlich für den Fall eines deutschen Sieges eine Rückkehr nach Palästina und bei Nablus den Bau eines Todeslagers nach dem Modell von Auschwitz. Husseini hetzte seine pro-Nazi-Gefolgschaft mit diesen Worten auf: „Erhebt euch, oh Söhne Arabiens. Kämpft für eure heiligen Rechte. Schlachtet die Juden, wo immer ihr sie findet. Ihr vergossenes Blut erfreut Allah, unserer Geschichte und Religion. Das wird unsere Ehre retten.“

Husseini ermahnte seine Anhänger nicht nur die Juden zu ermorden, er nahm auch eine aktive Rolle im Versuch ein, dieses Ergebnis herbeizuführen. 1944 zum Beispiel sprang eine Hussein unterstellte deutsch-arabische Einheit mit dem Fallschirm über Palästina ab; sie sollte die Brunnen Tel Avivs vergiften.

Husseini half auch einen nazifreundlichen Staatsstreich im Irak zu inspirieren und half Tausende Muslime im Balkan in Militäreinheiten zu organisieren, die man als Handselar-Divisionen kennt und die Gräueltaten gegen jugoslawische Juden, Serben und Zigeuner verübten. Nach einem Treffen mit Hitler hielt er Folgendes in seinem Tagebuch fest:

Der Mufti: „Die Araber waren Deutschlands natürliche Freunde… Sie waren daher mit ganzem Herzen vorbereitet mit Deutschland zu kooperieren und standen bereit an einem Krieg teilzunehmen, nicht nur negativ durch die Beauftragung von Sabotageakten und die Anstiftung von Revolutionen, sondern auch positiv durch die Formierung einer arabischen Legion. In diesem Kampf streben die Araber nach Unabhängigkeit und der Einheit Palästinas, Syriens und des Irak…“

Hitler: Deutschland war fest entschlossen, Schritt für Schritt eine europäische Nation nach der anderen aufzufordern ihr Judenproblem zu lösen und zu gegebener Zeit einen gleichen Appell auch an die nicht europäischen Nationen zu richten. Deutschlands Ziel wäre dann einzig die Vernichtung des jüdischen Elements, das im arabischen Bereich unter dem Schutz der britischen Macht lebt. In dem Moment, in dem deutsche Panzerdivisionen und Luftflotten südlich des Kaukasus erscheinen, könnte das öffentliche Gesuch des Großmufti an die arabische Welt ausgehen.“

Hitler versicherte Husseini, was er nach einem Sieg der Nazis und „der Vernichtung des im arabischen Bereich lebenden jüdischen Elements“ gelten würde. In dieser Stunde würde der Mufti der mit der größten Autorität ausgestattete Sprecher der arabischen Welt sein. Seine Aufgabe bestünde dann darin die arabischen Operationen auszulösen, die er heimlich vorbereitet hatte.

Husseinis beträchtliche Beiträge zum Holocaust waren vielfältig: Erstens bat er Hitler inständig das europäische Judentum auszulöschen und beriet die Nazis, wie sie das tun sollten; zweitens besuchte er Auschwitz und drängte Eichmann und Himmler den Massenmords zu beschleunigen; drittens sorgte er persönlich dafür, dass 4.000 Kinder, die von 500 Erwachsenen begleitet worden, Europa nicht verließen, sondern nach Auschwitz geschickt und vergast wurden; viertens verhinderte weitere zweitausend Juden daran Rumänien und eintausend Ungarn in Richtung Palästina zu verlassen, die dann in die Todeslager geschickt wurden; fünftens organisierte er die Tötung von 12.600 bosnischen Juden durch Muslime, die er für die bosnische Division der Waffen-SS rekrutierte. Er war auch einer der wenigen nicht Deutschen, die in die Ausrottung durch die Nazis eingeweiht wurden, während sie stattfand. In seiner offiziellen Eigenschaft als Führer des palästinensischen Volks und seines offiziellen Repräsentanten schloss er seinen Pakt mit Hitler, verbrachte die Kriegsjahre in Berlin und arbeitete aktiv mit Eichmann, Himmler von Ribbentrop und Hitler selbst zusammen, um die Endlösung durch Auslöschung der Juden Europas „zu beschleunigen“ und Pläne zu entwickeln, die Juden Palästinas auszurotten.

Der Großmufti spielte nicht nur eine bedeutende Rolle bei der Ermordung der europäischen Juden, er strebte danach den Völkermord an den Juden in Israel während des Krieges zu replizieren, der die so genannte Nakba hervorbrachte. Der von den Palästinensern 1947 begonnene Krieg gegen die Juden und der von den arabischen Staaten 1948 gegen den Staat Israel begonnene Krieg waren beides genozidale Kriege. Ihr Ziel war nicht einfach die ethnische Säuberung der Region von den Juden, sondern ihre völlige Vernichtung. Die Führer sagten das und das Handeln ihrer Untergebenen spiegelte dieses völkermörderische Ziel. In ihren Anstrengungen wurden sie von Nazi-Soldaten – ehemaligen SS- und Gestapo-Angehörigen – unterstützt, denen in Ägypten Asyl vor der Strafverfolgung wegen Kriegsverbrechen gewährt wurde und die vom Großmufti rekrutiert wurden, um Hitlers Werk zu vollenden.

Ebenso ist es fair zu sagen, dass Husseinis Sympathie und Unterstützung der Nazis unters einen palästinensischen Anhängern weit verbreitet waren, die ihn selbst nach dem Krieg und der Aufdeckung seiner Rolle bei den Nazi-Gräueln als Helden betrachteten. Das berüchtigte Foto, das Husseinis mit Hitler in Berlin zeigt, wurde in vielen palästinensischen Häusern stolz aufgestellt, sogar noch, nachdem Husseinis Aktivitäten im Holocaust bekannt wurden; unter Palästinensern wurden sie gepriesen.

Husseini wird von vielen immer noch als „der George Washington“ des palästinensischen Volkes betrachtet; und wenn die Palästinenser einen eigenen Staat bekommen sollten, würde er geehrt, wie unser Gründungsvater geehrt wird. Er war ihr Held, trotz – oder eher wegen – seiner aktiven Rolle im Völkermord am jüdischen Volk, den er offen unterstützte und bei dem er mithalf. Husseinis Biograph schreibt: „Große Teil der arabischen Welt teilten Husseinis Sympathie für Nazideutschland während des Zweiten Weltkriegs… Hadsch Amins Popularität unter den palästinensischen Arabern und in den arabischen Staaten nahm während nahm sogar mehr zu als je zuvor in seiner Zeit bei den Nazis.“

1948 wurde Husseini zum Präsidenten des Nationalen Palästinenserrats gewählt, obwohl er ein gesuchter Kriegsverbrecher war, der in Ägypten im Exil lebte. Und Husseini wird heute noch von vielen Palästinensern als Nationalheld verehrt. Yassir Arafat nannte Husseini in einem 2002 durchgeführten und von der palästinensischen Tageszeitung Al-Quds am 2. August 2002 abgedruckten Interview „unseren Helden“, wobei „unser“ das palästinensische Volk heißt. Arafat prahlte auch damit „einer aus seiner Truppe“ gewesen zu sein, obwohl er wusste, dass Husseini „als Verbündeter der Nazis galt“. Heute wollen viele Palästinenser in Ostjerusalem sein Haus in ein Heiligtum verwandeln. (Die Ironie daran ist, dass dieses Haus von einem Juden gekauft wurde, der das umstrittene Bauprojekt in Ostjerusalem durchführen will.)

Es ist daher ein Mythos – ein weiteres Märchen, das von Irans Chef-Märchenerzähler, wie auch von der Hamas und vielen anderen harten Linken verbrochen wird – dass die Palästinenser „keine Rolle“ im Holocaust spielten. Angesichts der aktiven Unterstützung durch die Palästinenserführung und die Massen für die Verliererseite eines völkermörderischen Krieges war es mehr als fair, dass die Vereinten Nationen ihnen einen eigenen Staat auf mehr als der Hälfte des landwirtschafltich nutzbaren Landes des britischen Mandats anboten.

Die Palästinenser lehnten dieses Angebot und mehrere weitere ab, weil sie lieber wollten, dass es keinen jüdischen Staat gibt, als dass sie ihren eigenen Staat haben wollten. Das war Husseinis Haltung. Die Hamas nimmt diese Haltung immer noch ein. Vielleicht wird ihr neuer „Kulturkrieg“ sie am Ende dazu bewegen umzudenken – und die Zweistaatenlösung zu akzeptieren.

Update: Ted Belman kommentiert Dershowitz‘ Artikel so:

Dershowitz leistet einen unschätzbaren Dienst damit, dass er die Details über die Verbindung der Palästinenserführung zu Hitler und dem Holocaust herausstellt. Unglücklicherweise schließt er mit diesen Sätzen:

Die Hamas nimmt diese Haltung immer noch ein. Vielleicht wird ihr neuer „Kulturkrieg“ sie am Ende dazu bewegen umzudenken – und die Zweistaatenlösung zu akzeptieren.

Das ist aus zwei Gründen falsch. Erstens: Warum beschränkt er seinen Kommentar auf die Hamas? Die Fatah-Charta sieht immer noch die Vernichtung Israels vor und die Fatah hat weit mehr Juden getötet als die Hamas. Er kümmert sich nicht um eine Begründung, dass er sich auf die Hamas beschränkt. Zweitens: Eher friert die Hölle ein, als dass die Hamas einen dauerhafte Zweistaaten-Lösung und eine Vereinbarung zum Ende des Konflikts akzeptiert. Dasselbe gilt für die Fatah.