Kombattanten, Zivilisten, Kinder und Erwachsene

Die BBC fuhr die nächste Missbrauchs-Attacke gegen die israelischen Verteidigungskräfte: Ein früherer Offizier hat angebliche Einzelheiten über regelmäßig Misshandlungen palästinensischer Kinder und Jugendlicher durch israelische Soldaten mitgeteilt. Die Misshandlungen bestehen letztlich in erster Linie darin, dass jugendliche Festgenommene genauso festgenommen werden wie Erwachsene: Handschellen, Augenbinde und dann abführen. Die darüber hinaus gehenden Vorwürfe, die Festgenommenen würden routinemäßig geschlagen, bespuckt usw. sind die üblichen Vorwürfe, wie man sie – m.E. wenig glaubhaft – ständig von den Terroristen zu hören bekommt.

Der Kronzeuge der BBC versucht an eigenen Angaben, sich seine Nachtruhe wieder herzustellen, indem er diese Vorwürfe erhebt. Er selbst hat die Kinder und Jugendlichen natürlich immer anders gesehen als alle anderen. Wie glaubwürdig ist das?

Es hätte und würde weiter ein ganz einfaches Mittel geben, sein Gewissen zu erleichtern: Der Mann müsste einfach die Vorkommnisse melden. Stattdessen lädt er bei einem Journalisten ab, was ihn plagt: dass diese Festgenommenen mit dem nicht umgehen können, was mit ihnen geschieht und viele sich dabei in die Hosen machen, ihre Beine schlottern oder gar der ganze Körper. Schuld sind die Israelis, wer sonst?

Könnte es vielleicht sein, dass die Schuldsuche etwas verfehlt ist? Könnte es sein, dass diejenigen, die sie in den Krieg schicken, ihr Kanonenfutter gezielt nicht auf die möglichen Folgen vorbereiten?

Sollen die israelischen Streitkräfte wirklich alle Sicherheitsmaßnahmen bezüglich festgenommenen Jugendlichen fallen lassen?

German Media Watch hatte den verlinkten BBC-Bericht in seinen Tagesmeldungen mit eingestellt und vorher in einer Yahoo-Group zur Diskussion gestellt. Dabei kam vom Journalisten Ulrich W. Sahm die folgende Stellungnahme:

1. Zu dem konkreten Fall kann ich nichts sagen.
Grundsätzlich gelten gemäß jordanischem und palästinensischem Recht 12 jährige nicht mehr als „Kinder“
Solche Kindersoldaten haben schon „wie Erwachsene“ Steine, Molotowcopcktails und sogar Bomben geworfen und dabei auch Autofahrer (nicht nur Siedler und Soldaten, die offenbar für BBC berechtigstes Freiwild sind) getötet.
Inzwischen sind solche Steinwürfe jedoch seltener geworden.
Ich weiß auch nicht, was Kinder bei Demos wie in Bilin zu suchen haben, wo am vergangenen Freitag mindestens 13 Soldaten von den „gewaltlosen“ Demonstranten verletzt wurden.

Autsch, Palästinenser – und autsch, BBC!

Das mit den Steinschleudern ist mir übrigens auch nicht erst jetzt aufgefallen. Sie werden immer so gerne verharmlost, wenn sie gegen Israelis eingesetzt werden, auch im BBC-Bericht wieder: Ein Bild mit zwei Schleuder-Jungs wird mit „Israel sagt, selbst Steine können tödliche Waffen sein“ unterschrieben. Die Zweifel daran triefen nur so aus dem Text. Nun, ich erinnere mich noch sehr gut an eine Reportage in einer Magazinsendung von RTL, die vor etwa drei Jahren lief. Weil irgendein Jugendlicher in Deutschland mit einer Steinschleuder und einer Zwille Steine geschossen hatte, wurde vom Kölner Sender demonstriert, wie gefährlich bis tödlich diese Waffen sind – was dann in der Nahost-Berichterstattung umgehend wieder „vergessen“ wurde.

Was weiter zu den „harmlosen“ Steinewerfern und –schleuderern zu sagen ist, schrieb ein weiterers Mitglied der Yahoo-Group:

Da illustriert der Redakteur seinen Artikel mit einem Bild zweier Steinschleuder schwingender Jugendlicher und textet darunter: Israel says even stones can be deadly weapons um dem Leser zu bedeuten, dass dem gerade nicht so sei, denn der BBC-Konsument weiß ja, dass Israel ohnehin lügt. Dass die Steinschleuder bis ins Mittelalter gebräuchliche Waffe der meisten Heere war, weil der menschliche Schädel nur sehr bedingt als Auffangfläche abgefeuerter Geschosse sich eignet, würde ansonsten wohl auch der verantwortliche BBC-Redakteur nicht bestreiten, aber in diesem Kontext geht’s um palästinensische Jugendliche und deren geschleuderte Steine sind wohl nur nach israelischer Auffassung deadly.

Wir haben es also mit zwei – sagen wir mal „Phänomenen“, die ein Kennzeichen für die produzierte Wahrnehmung des Konflikts darstellen: Zum einen die beschriebene Verharmlosung des Tuns der PalAraber, zum andere das Problem, wer denn nun noch Kind ist oder nicht. Der Eintrag von Ulrich Sahm sagt schon einiges dazu. Für Westler wird emotional hochgeputscht, dass alle unter 18 noch Kinder sind und als solche gefälligst gezählt werden sollen, völlig unabhängig davon, woran sie mit welcher Absicht und Wirkung beteiligen oder wie sie innerhalb ihrer Gesellschaft gesehen werden. Wenn die Terrorgruppen 14-jährige in die erste Reihe stellt und sie Sprengstoff transportieren oder sogar Selbstmord-Anschläge ausführen lässt, dann muss die Frage gestellt werden, inwieweit den Israelis angelastet werden kann, dass sie solche Terroristen bei der Festnahme wie Terroristen behandelt.

Ohnehin gibt es überall und von jedem immer wieder seltsam unterschiedliche Anwendung der Unterscheidungen von Jugendlichen und Erwachsenen, Kombattanten und Nichtkombattanten. Ein auffälliger Fall hierzu ist die UNRWA im Gazakrieg vom Jahreswechsel. Nach vier Tagen Krieg wollte die palästinensierte UNO-Organisation zeigen, dass die Israelis wissentlich und willentlich Zivilisten umbringen – und legten erst einmal fest, dass alle Frauen und alle unter 18 Jahre alten Personen auf jeden Fall Zivilisten sind. Um nicht ganz so idiotisch dazustehen, war der nächste Schritt, alle Toten zu Zivilisten und Nichtkombattanten zu erklären, die keine dunkelblaue Polizeiuniform trugen und von den Leuten vor Ort nicht als Kombattanten identifiziert wurden. Die erste Definition ist schlicht schwachsinnig, weil sie Kombattanten unter 18 und Nichtkombattanten über 18 auslässt; die nächste ist übel, weil sie sich auf Angaben verlässt, die notorisch unzuverlässig sind. Andere Israelhasser würden auch monieren, dass Polizisten grundsätzlich keine Kombattanten seien (was gerade bei den PalArabern eher umgekehrt ist).

Im Versuch die Idiotie etwas gerade zu rücken, versuchte die UNRWA dann in einer Pressekonferenz darzustellen, dass sie mit ihren „Frauen und unter 18“-Angaben lediglich eine glaubwürdig Minimalangabe hatte machen wollen. Aha, wir fangen erst damit an die Israelis zu diskreditieren! Dazu kam dann die Feststellung, dass es schwierig sei Zivilisten und Militante (!) zu unterscheiden, da die Hamas sich auch in zivilen Aktivitäten (wie dem Betrieb von Schulen) betätige. Ob das implizieren soll, dass ein Schulleiter der Hamas kein Terrorist sein kann, muss erst einmal dahin gestellt bleiben. Aber den UNRWA-Spitzfindern kommt anscheinend nicht in den Sinn, dass, wenn es schon für sie, die vor Ort sind, schwierig ist zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten zu unterscheiden, es für die IDF erst problematisch sein müsste.

Hat schonmal jemand eine Äußerung in dieser Richtung seitens der UNRWA oder der „Menschenrechtler“ mitbekommen?