Den Islam missverstanden?

Robert Spencer, FrontPageMagazine, 6. August 2009

Es ist ein unbestrittenes Dogma amerikanischer politischer Entscheidungsträger und der Mainstream-Medien besteht darin, dass islamistische Jihadisten die authentischen, friedlichen Lehren des Islam „entführt“ haben und nicht islamischen Geboten motiviert sind, sondern von Armut, durch Ignoranz und andere Faktoren verschärfter wird. Doch aus dem Worten der islamischen Jihadisten erhält man den entgegengesetzten Eindruck: Die jüngsten Äußerungen einer ganzen Reihe islamischer Jihadisten bekräftigt die Tatsache, dass die Jihadisten innerhalb der großen islamischen Gemeinschaft Rekruten gewinnen und ihr Handeln rechtfertigen, indem sie den Mantel der islamischen Authentizität für sich beanspruchen. Und während praktisch alle westlichen politischen Entscheidungsträger und Analysten überzeugt sind, dass sie tatsächlich keinen Anspruch auf diese Authentizität haben, haben die selbst erklärten moderaten muslimischen Gruppen nie auch nur eine islamische Antwort gegen diese Ansprüche formuliert, die umfassend un überzeugend genug ist, um der jihadistischen Herausforderung unter den Muslimen weltweit entgegenzuwirken.

Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit sind reichlich vorhanden. Neue Bänder sind in dieser Woche aufgetaucht, auf denen der als Jihad-Führer des Komplotts in North Virginia beschuldigte Daniel „Saifullah“ Boyd sagt: „Das Blut der Muslime ist auf dem Markt billig geworden. Es ist billig geworden, weil die Muslime den Jihad preisgegeben haben… Ich liebe den Jihad. Ich liebe es dort zu stehen und für die Sache Allahs zu kämpfen.“

Zwischenzeitlich erklärte ein Junge in Pakistan – einer von einer großen Gruppe Zehn- bis Zwölfjähriger, die die Taliban dafür rekrutierten Selbstmord-Bombenanschläger zu werden – dass der Reiz für sie rein islamisch war: „Sie sagten uns, dass die Armee gegen den Islam ist, gegen den Koran. Sie sagten, wir sollten Jihad gegen sie führen; wir führen den Jihad für den Koran.“

Und auf Al-Jazira äußerten sich am 21. Juli zwei Repräsentanten des libanesischen Zweigs der islamische Vorherrschaft anstrebenden Gruppe Hizb al-Tahrir* (die vor kurzem eine Konferenz in Chicago abhielt) zum Jihad, der sich scharf von dem Jihad absetzt, „der ein spiritueller Kampf oder bestenfalls ein Verteidigungskrieg ist“, auf der islamische Apologeten des Westens bestehen. Salah al-Din Adhadhda vom libanesischen Pressebüro der Hizb al-Tahrir erklärte: „Wir sind hierher gekommen, um über den Inbegriff des Islam zu sprechen – Jihad für die Sache Allahs.“ Er sagte, der Jihad sei „wie andere Grundsätze der Scharia Verdrehung und Perversion unterworfen worden, wegen der ideologischen und kulturellen Invasion, unter der unsere Nation weiter leidet“. Aber damit meinte er nicht, dass seine wahre, friedliche oder spirituelle Bedeutung verschleiert würde. Im Gegenteil, er erklärte, dass die Muslime auf „die Eroberung der Hauptstädte der Welt durch die Botschaft des Islam“ hinarbeiten müssten, „um die Menschheit dadurch zu retten und zu befreien, dass sie aus der Dunkelheit und der Tyrannei des Kapitalismus ins Licht und die Gerechtigkeit des Islam gezogen werden“.

Mit anderen Worten: Er forderte die Durchsetzung der islamischen Scharia. Mohammed Ibrahim, Mitglied des libanesischen Beraterstabs der Hizb al-Tahrir, machte das klar, als er in derselben Sendung erklärte: „Es gibt zwei Arten des Jihad im Islam. Die erste Art ist der offensive Jihad, in dem die Muslime die Ungläubigen bekämpfen, um ihnen die Botschaft des Islam zu bringen und sie aus der Dunkelheit ins Licht zu ziehen.“ Diese Kampagne zur Aufzwingung eines Systems von Gesetzen, das die Redefreiheit auslöscht und die Unterdrückung von Frauen und Nichtmuslimen institutionalisiert, muss, sagte er, auch im Westen weiter gehen: „Der Westen hat seine Pfeile intensiv gegen den Jihad gerichtet, weil er erkannte, wie gefährlich der Jihad für die westliche Zivilisation und Kultur ist.“

Das hat zum Ergebnis, sagte er, dass der Westen „die wahre Bedeutung des Jihad zu verzerren“ – was, so weit es ihn angeht, Krieg gegen die Ungläubigen bedeutet, keinen geistigen Kampf. Er beschwerte sich, dass einige Muslime sogar „so weit gingen die Behauptungen vieler Orientalisten zu wiederholen – dass der Jihad nur ein defensiver Krieg ist und dass keine Wahrheit in dem liegt, was über offensiven Jihad oder offensiven Krieg verbreitet wird. Damit haben sie sich auf die Seite der westlichen Kultur gestellt. Noch schlimmer sind die, die wie die Feinde des Islam jammern und den Jihad als Aggression und Terrorismus betrachten.“ In der Wirklichkeit, behauptet er, „ist der Jihad ein offensiver Jihad, der eingesetzt wurde, um den Islam in die ganze Welt auszubreiten.“

Doch nach Angaben islamischer Sprecher im Westen, wie auch nicht muslimischer Gelehrter und Analysten, gibt es kein Gebot „den Islam in der ganzen Welt zu verbreiten“ und sicherlich keinen „offensiven Jihad“. In der Tat werden die, die wie der niederländische Politiker Geert Wilders etwas anderes herausstellen, regelmäßig als „Fanatiker“, „Hassprediger“ und „islamophob“ abgelehnt. Die kognitive Dissonanz ist immens. Während amerikanische islamische Jihadisten wie Daniel Boyd weiter aktiv sind, wird es für Regierung und Gesetzeshüter zunehmend unumgänglich die Fakten ehrlich anzugehen. Sie müssen sich der Tatsache stellen, dass islamistische Jihadisten für sich in Anspruch nehmen den wahren und reinen Islam zu repräsentieren und dass „moderate“ Muslime diesen Anspruch in muslimischen Gemeinden nicht effektiv kontern. Dann müssen sie ihre Politik entsprechend formulieren. Je länger sie dies als unbedeutend abtun oder sogar leugnen, dass es geschieht, desto länger wird das weiter gehen und wenn die islamischen Jihadisten erst einmal ein paar weitere Jahre bekommen, um ihre Agenda voranzutreiben, wird es für Offizielle um so schwieriger die Schritte zu unternehmen, die unternommen werden müssen, um freie Menschen zu verteidigen.

* Bei uns wird in der Regel Hizb ut-Tahrir genannt und geschrieben