Zwei Staaten für zwei Völker – der Konsens-Plan der Linken

Ein Plan „Zwei Staaten für zwei Völker“, den die israelische Linke unterstützt

Steven Plaut, Zionist Conspiracy, 10. August 2009

Ich verstehe, dass es kaum zu glauben ist, aber es gibt da ein neues Friedensprogramm, das auf Grundlage des Prinzips „Zwei Staaten für zwei Völker“ vorgeschlagen wurde; und diesmal hat er beinahe einhellige Unterstützung der Parteien der israelischen Linken erhalten. Zu denen, die den Durchbruch feierten und den Plan begrüßten, befinden sich „Peace Now“, B’Tselem, Physicians for Human Rights, Meretz, Yesh Gvul und verschiedene andere Friedensorganisationen. Wegen der massiven Unterstützung für den Vorschlag haben einige europäische Regierungen sich entschlossen großzügig Geld für alle Gruppen zur Verfügung zu stellen, die unterschreiben, dass sie den Vorschlag gut heißen.

Der neue „Zwei Staaten für zwei Völker“-Vorschlag ist sehr einfach. Der Gazastreifen, die Westbank und große Teile Israels innerhalb der Grünen Linie (das heißt innerhalb der israelischen Grenzen von vor 1967) werden zu einem neuen palästinensischen Staat werden. Gleichzeitig wird den Juden erlaubt ihren eigenen jüdischen Staat in Mini-Israel zu behalten.

Für diejenigen, die Mini-Israel nicht kennen: Es handelt sich um eine Mini-Stadt, ähnlich dem Madoradam in Holland und anderen Mini-Städten in europäischen Ländern. Sie befindet sich in einem schönen Park nahe Latrun im Ayalon-Tal mit einfachem Zugang zu und von dem bald umzubenennenden Flughafen Yassir Arafat in Lod; es handelt sich um eine überaus spannende Touristenattraktion. Eröffnet 2002 bietet es mehr als 350 wunderschöne, von Hand gefertigte genaue Modelle historischer religiöser, archäologischer und moderner Stätten. Mini-Israel zeigt Ihnen eine Art Einführung nach Israel, alles an einem magischen Ort. Alles ist maßstabsgetreu, 4cm bilden einen vollen Meter des palästinensischen Territoriums vor der Befreiung. Die Stätten in Mini-Israel bilden unterschiedliche Traditionen und die ethnischen Gruppen ab, die mit dem Land verbunden werden, darunter unterschiedliche muslimisch-kulturelle, jüdische und christliche Gruppen, die im Land leben, aber auch Drusen, Beduinen und andere.

„Die Idee ist einfach überragend“, erklärt Yossi Beilin. „Immerhin umfasst Mini-Israel alle Aspekte Israels und all seine Kulturen und Traditionen. Es gibt religiöse und säkulare Themen, Kunst, Musik, Archäologie, Antiquitäten und so.“

„Wir haben seit Jahrzehnten darauf bestanden, dass Land in der modernen Welt keine wirkliche Bedeutung hat“, fügt Shulamit Aloni hinzu. „Mit diesem Friedensplan beweisen wir, dass Israels alle Aspekte ihres Erbes ohne die Besetzung von Land bewahren können, das eigentlich anderen gehört.“

Mini-Israel hat alles, was Juden brauchen, um ihren eigenen Staat zu betreiben. Lebensmittel und Versorgungsgüter sind in den Souvenir-Shops verfügbar. Das Gelände verfügt über 30.000 Figuren, 500 Tiere, Pflanzen und 15.000 echte Bäume, 4.700 Autos, 100 Motorräder, 14 Züge, 3 Hubschrauber, 32 Flugzeuge, 175 Schiffe und 230 Lastwagen. Alle Bäume sind echte Bonsais, gepflegt und gepflanzt von der Baumschule Agronoy. Der Park hat in etwa die Form eines Davidsterns, wobei jedes der sechs Dreiecke eine Region oder Stadt repräsentiert: Jerusalem, Tel Aviv, Haifa, Galiläa, den Negev, die Mitte. „Das muss natürlich geändert werden“, insistiert Zahava Galon von Meretz. „Immerhin wäre das unsensibel den arabischen Bürgern von Mini-Israel gegenüber, wenn sie in einem Park leben müssten, der die Form eines Davidsterns hat.“

Das diesem Plan zugrunde liegende Prinzip zur Erzielung von Frieden basiert auf egalitärer Gegenseitigkeit. alle Juden werden aus dem Gebiet ausgewiesen, das zu Palästina wird, während allen interessierten Arabern erlaubt wird, ihr Rückkehrrecht nach Mini-Israel auszuüben. Von Mini-Israel wird erwartet, dass es ein Staat für all seine Bürger ist; daher wird dort die Hatikva nicht gesungen und es werden keine jüdischen Abzeichen und Symbole geben.

Dem Vorschlag wurde mit enthusiastischer Unterstützung der meisten Teile der israelischen Linken begegnet. Progressive Gruppen von Juden in anderen Ländern wie J Street und das Religious Action Center der Bewegung der Reformsynagogen bekannten begeistert ihre Unterstützung. Sie drängten Präsident Obama und die Außenministerin diese Version des „Zwei Staaten für zwei Völker“-Plans zu übernehmen und zu offiziell unterstützter amerikanischer Politik zu machen.

Die einzig hörbare Opposition gegen den Vorschlag kommt von einigen Gruppen, die glauben, dass der Plan immer noch nicht weit genug geht. „Der Vorschlag löst die fundamentale Ungerechtigkeit nicht, dass Mini-Israel ein Apartheid-Regime ist, in dem den Arabern die Gleichberechtigung verweigert wird“, behauptet steif und fest Uri Avnery. Einige Kommentare in Ha’aretz stimmen ihm zu. Auf Initiative der Fakultät für Politikwissenschaften der Ben Gurion-Universität und der Universität Tel Aviv haben 637 Professoren und Unterrichtende an israelischen Universitäten eine Erklärung unterschrieben, mit der sie fordern, dass Mini-Israel boykottiert wird, weil nicht alle Schilder in Arabisch beschriftet sind; sie forderten außerdem die EU und die USA auf in dem Konflikt zu intervenieren und Truppen nach Mini-Israel zu schicken, um zu verhindern, dass Juden dort von Arabern Eintritt für ihre Tickets fordern.

Update (März 2013):

Direkt nach der Umsetzung des Planes „Zwei Staaten für zwei Völker“ war die Universität York die erste von 27 Universitäten in Nordamerika, die wissenschaftliche Konferenzen zu Ungerechtigkeiten und Diskriminierung in Mini-Israel abhielt. Die Regierung von Mini-Israel hatte eine Sicherheitsmauer errichtet, um Besucher draußen zu halten, die keine Eintrittskarten gekauft hatten. „Reißt diese Apartheid-Mauer ein“, brüllten die Mitglieder der „Anarchisten gegen die Mauer“ und der International Solidarity Movement. Taayoush, HADASH und Gush Shalom demonstrierten auf dem Rabin-Platz, natürlich dem kleinen in Mini-Israel, nicht dem großen im befreiten Palästina. Unter Transparenten mit den Sprüchen „Wir haben jetzt einen Friedenspartner“ und „Es ist nicht vorbei, bis wir verhandeln“ protestierten sie gegen Gerede in der Mini-Knesset von Mini-Israel über Vergeltung gegen Palästina wegen der Mörser und Raketen, die aus dem nahe gelegenen befreiten Latrun nach Mini-Israel abgefeuert wurden.

Der Ayatollah des befreiten Palästina antwortete auf eine Dringlichkeits-Anfrage von Einwohnern Mini-Israels, dass ihnen freies Geleit zum Arafat-Flughafen in Lod gewährt werden möge, um nach Übersee zu fliegen. „Nutzt euren eigenen Flughafen in Mini-Israel“, kam die interesselose Antwort. „Aber fliegt nicht durch unseren Luftraum.“

6 Gedanken zu “Zwei Staaten für zwei Völker – der Konsens-Plan der Linken

  1. “Jeder fünfte Bewohner des Westjordanlandes ist ein israelischer Siedler”, greint die Generaldelegation Palästinas heute auf ihrer Homepage.
    Und jeder fünfte Bewohner Israels ist ein palästinensischer Araber.
    So what?

    das ich nicht lache! schon kein wunder ist jeder fünfte bewohner Israels ein palästinensischer Araber, es ist ja schliesslich auch ihr verdammtes Land, welches die Israelis einfach ihr eigen nennen!!
    würde Deutschland plötzlich Holland heissen, wäre auch jeder zweite Bewohner in Holland ein Deutscher!!

    • Hätten die Sowjets, mit massiver Hilfe der Amerikaner und Briten, die Deutschen nicht 1945 besiegt, dann wäre kaum ein Einwohner Russlands heute Russe…
      Sie vergessen etwas ganz massiv, Madame: Die Juden/Zionisten/Israelis hatten das Land, das sie 1947/48 besaßen, legal erworben. Und dann sollten sie ins Meer getrieben werden – die Araber haben den Krieg angefangen, einen Vernichtungs- und Völkermordkrieg, den ein Teil von ihnen schon weit über 20 Jahre betrieben. Es war nicht „ihr Land“, von dem sie die Juden vertreiben wollten. Und hätten die Araber gewonnen – Palästinenser war damals ein abschätziger Begriff für Jude – dann sähe die Lage heute nicht umgekehrt aus, denn das Land zwischen Jordan und Mittelmeer hieße erstens nicht Palästina und zweitens wäre es voll in Hitlers Sinn judenrein.

  2. Von (wahrer!!!) Geschichte nicht die geringste Ahnung. Das komplette Wissen nur aus den MSM und dann rumpöbeln. Bei diesen Ursulas dieser Welt wird mir immer schlecht. Es gibt aber leider zu viele Ursulas 😦

  3. Bei den typisch deutschen Namen wie Ursula und andere, die hier immer wieder auftauchen, muss man nicht mal lesen, was sie von sich geben, man ahnt es schon vorher.
    Es ist nicht ihr Land, Madame oder ist der Teilungsplan der UNO, den die damaligen Araber abgelehnt haben, eine Lüge?
    Viel Spaß beim Nachhilfeunterricht in Geschichte, Frau Teutonin.

    @heplev

    wahrscheinlich gefällt der Dame der Gedanke des „judenrein“, haben den doch schon ihre Vorfahren angestrebt. Geschichte setzt sich immer wieder fort. Heute auf Kosten Israels, denn profaner Judenhass ist ja dessen Hitler nicht mehr so beliebt.

    • Yael, die automatische Verbindung von echt toitschen Namen mit dem Vokabular der Vorfahren ist nicht sonderlich schlüssig – schließlich sind solche Vorfahren auch „meine“ Vorfahren.

  4. Ich muss Heplev rechtgeben. Die Geschichte der Toitschen (Teutonen, Alemannen, Byowaren, etc…) fängt nicht erst 1933 an! Es gab auch ein Davor, was vielleicht auch nicht immer rosig war, aber eben nicht erst mit dem berühmtesten Österreicher (berühmter als Mozart?) angefangen hat.
    Was aber kein Plädoyer für Ursula und Konsorten jetzt darstellt.

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