Würde Israel fallen zu lassen den US-Beziehungen zum arabisch-muslimischen Nahen Osten helfen?

Die überraschende Antwort lautet: Nein. Wieso, beschreibt Barry Rubin.

Eines der erstaunlichsten Dinge zu schlechten Ideen oder schlechten analytischen Märchen in Sachen Naher Osten ist, dass sie niemals sterben. Sie werden immer nur recycelt.

Hier ein einfaches kleines Gedanken-Experiment, das man privat Zuhause durchführen kann, ohne irgendwelche Sonderausrüstung oder den Gebrauch spärlicher natürlicher Ressourcen zu benötigen:

Stellen Sie sich vor, dass die USA Israel vollständig preisgibt – nicht, dass die Obama-Administration das tun wird [HE: wirklich nicht?], aber stellen Sie es sich vor. Keine Hilfe, deine diplomatische Unterstützung oder sagen wir einfach: eine ungeheuer reduzierte Beziehung. Welche Auswirkungen hätte das auf die US-Beziehungen mit der Arabisch sprechenden Welt und dem Iran?

Nehmen Sie sich Zeit. Denn Ihre unmittelbare Antwort könnte sein: Sie würden sich gewaltig verbessern.

Aber das stimmt nicht. Sicher, die Popularitätsrate Präsident Obamas und der Vereinigten Staaten würde vermutlich um ein Dutzend Punkte steigen, vielleicht auch mehr. Aber erinnern Sie sich: Die Popularität jeden Landes hat praktisch keine Bedeutung in internationalen Beziehungen, selbst in Demokratien. Einerseits machen Regierungen die Außenpolitik; andererseits bestimmen nationale und materielle Interessen in großem Umfang die Agenda.

Also selbst, wenn Sie sagen würden, dass ich die Veränderung unterbewerte, wäre sie deutlich weniger als eine unreflektierte Analyse – selbst von einem vorgeblichen regionalen Experten, vielleicht besonders durch einen regionalen Experten – es ausdrücken würde.

Lassen Sie uns also einen genaueren Blick darauf werfen.

Nehmen Sie eine Liste Arabisch sprechender Regime, die allgemein als den USA freundlich gesinnt gelten, jedenfalls nach den niedrigen Standards der Region: Algerien, Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, der Libanon, Marokko, Oman, Qatar, Saudi-Arabien, Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Wenn Sie wollen, können Sie auch den Jemen hinzufügen.

Was würden sie für die USA mehr tun, das von ihnen nicht als pro-Israel angesehen würde? Würden Sie den Ölpreis drastisch senken? Amerika stärker helfen dem Iran entgegenzuwirken? Wie genau würden die Regime auf eine Weise agieren, die der US-Politik nützen könnte?

Denken Sie daran, dass sie aus vielen Gründen in ihren Beziehungen zu den USA immer noch sehr eingeschränkt wären:

Amerika wäre immer noch eine westliche, nicht muslimische, nicht arabische, sehr starke Macht und als solche Misstrauen ausgesetzt und weithin unbeliebt. Es handelt sich um Gesellschaften, die – selbst in diesem „aufgeklärten“ Zeitalter – keine Angst haben ihrer Abneigung für „andere“ sehr klar zum Ausdruck zu bringen. Dann würde antiamerikanisch zu sein ihnen weiter sehr nutzen, da sie immer noch einen Sündenbock für ihr Versagen und Unzulänglichkeiten brauchen würden – ohne Israel bräuchten sie einen solchen noch mehr als mit Israel.

Gleichzeitig wäre das Gegenteil auch wahr: Die Regime wissen, dass eine positivere Haltung Amerika gegenüber (der westlichen, nicht muslimischen, nicht arabischen Supermacht, die sie ist), „Verräter“-Rufe ihrer islamistischen Gegner und aus einem Großteil ihrer eigenen Öffentlichkeit bringen würden, so wie diese durch Jahrzehnte an Antiamerikanismus konditioniert wurden.

Oh, und was ist mit all der Geschichte? Sei würden immer noch Reparationen und Zugeständnisse fordern – sogar lauter, weil sie amerikanische Schwäche spüren – für die vergangenen Jahre der US-Unterstützung für Israel und all mögliche andere amerikanische Politik in der Region.

Wie oben schon vermerkt gäbe es eine Stärkung einer Reihe von Faktoren, die zur Beibehaltung eines hohen Levels an Antiamerikanismus führen würde und zu einem Widerwillen sich den USA anzunähern.

Die radikalislamischen Kräfte würden zum Beispiel durch ihren Sieg über Israel oder zumindest über die amerikanische Unterstützung für Israel die Regime stärker unter Druck setzen. Wenn sie es schafften Israel von der Landkarte zu wischen, würden das ehemalige Territorium und reichliche Vermögen dieses ehemaligen jüdischen Staates in eine Operationsbasis und Ressourcen für diejenigen verwandelt, die versuchen die verbleibenden Amerika noch freundlich gesonnenen Regime zu stürzen.

Die bestehenden Regime würden sich der Aussicht ausgesetzt sehen gestürzt und durch energischer antiamerikanischere Regierungen ersetzt zu werden; oder sie müssten, im Versuch das zu vermeiden, Beschwichtigung versuchen, indem sie ihre eigene militante, nationalistische Legitimation zu beweisen. Das würde unter anderem bedeuten nicht mit den USA zu kooperieren.

Und ironischerweise sieht es so aus, als würden die USA dadurch, dass sie ihren Verbündeten Israel im Stich lassen, als weniger verlässlicher Beschützer der Arabisch sprechenden Staaten erscheinen. Wenn Washington Israel opfern kann, wie lange wird es wohl dauern, bis die USA auch sie verraten?

Was die Feinde angeht, nun, die würden Feinde bleiben. Zu dieser Liste gehören: der nicht arabische Iran, Libyen, der Sudan und Syrien. Sie würden nicht sagen: „Diese Amerikaner sind richtig toll! Endlich haben sie Israel fallen lassen!“ Sie würden sagen: „Amerika ist im Niedergang. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es unter geht. Lasst uns unsere Anstrengungen verstärken diese verräterischen Marionetten-Regime zu stürzen und den Einfluss der USA im Nahen Osten zu beseitigen!“

Moment mal! Sie sagen das ja schon. Aber sie werden es verstärkt sagen. Die Tatsache, dass Amerika von ihnen als das Haupthindernis für ihre Machtübernahme in jedem mehrheitlich muslimischen Staat angesehen wird – und wahrscheinlich von dort aus zur Eroberung der Welt weiterzugehen – ist immer noch genug ihre Feindschaft rot glühend zu halten. Ein atomar bewaffneter Iran würde sich als Führer dieser Kräfte brüsten, die zwar übertrieben, aber realistisch genug sind, um den Iran in die Rolle der stärksten Regionalmacht zu befördern.

Während es zwar auf den ersten Blick gut aussieht Israel fallen zu lassen, löst das nicht ein einziges begründetes Problem Amerikas in der Region. Ein solcher Zug würde eine Menge mehr Instabilität erzeugen. Was den arabisch-israelischen Frieden angeht, so würde das nicht mehr auf der Tagesordnung stehen. Warum sich darum kümmern Frieden mit einem Land zu machen, von dem man glaubt, dass es kurz davor steht ausgelöscht zu werden?

Nun, wenn Amerika Israel fallen lässt und das die Perspektiven der USA in der Region oder das Wohlergehen der Region allgemein nicht sonderlich verbessern wird, meinen Sie dann, dass der Stopp der Bautätigkeiten in Siedlungen das tun wird? Reden darüber zu halten, wie sehr man den Islam respektiert? Den „Krieg gegen den Terrorismus“ in „Krieg gegen Al-Qaida und ihre Verbündeten“ umzubenennen?

Machen wir uns nicht vor – auch wenn westliche Politiker das nicht so sehen: Es gibt keine einfachen Wege heraus den Problemen und Konflikten des Nahen Ostens.