Bischöfliches Vokabular

Man stelle sich vor, Michel Friedman oder ein anderer prominenter (echter) Israel-Freund hätte das Wort benutzt – die Empörung würde Wellen schlagen, die die Hamburger Sturmflug von 1962 wie eine kleine Windböe aussehen ließe. Aber wenn ein deutscher Bischof von „Lebensraum“ faselt und sich das gegen Israel richtet, ist die Nazi-Vokabel offenbar nicht sonderlich kritisierenswert.

Gemacht hat es Bischof Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier. Seiner Meinung nach nimmt „die Mauer“ den Palästinensern Lebensraum. Soso. Der Vorsitzende von „Justitia et pax“ befindet auch, dass die Mauer erschreckend ist. Aha. Dem wird wohl jeder zustimmen, mancher allerdings aus anderen Motiven als der Friedens-Bischof. Der hat sich deutlich geäußert. Nazi-Vokabular gegen Israel ist angebracht. Dass diese Mauer notwendig und erschreckend ist, weil die Lebensraum suchenden Araber ohne sie dafür sorgen würden, dass die Juden nicht nur keinen Lebensraum mehr haben, sondern auch kein Leben mehr, das „entfällt“ dem Friedenschef genauso, wie die Tatsache, dass es „die Mauer“ als solche nur auf einem äußerst geringen Teilstück der Sperre gegen die Terroristen gibt. Im Übrigen findet wohl jeder noch so „rechte“ und antiarabische Israeli die Mauer, wo sie als solche steht, ebenfalls nicht schön. Aber ich vermute außerdem, dass den Israelis das eigene Leben wichtiger ist (und sein sollte) als arabischer „Lebensraum“.

Die Nazi-Äußerung der gutmenschlichen Sorte reichte dem großen Friedensbringer aber nicht. Er musste den Juden dann noch ins Stammbuch schreiben, dass die Mauer nichts nutzt und nicht ewig stehen wird. Da hat er sich wohl an Berlin erinnert gefühlt, wobei zu sagen bleibt: Die Mauer in Berlin war leider sehr effektiv, die „Mauer“ im heiligen Land ist es zum Glück auch. Sie erfüllt ihren Zweck: Die Terroristen haben kaum eine Chance nach Israel zu kommen, um dort ihrem Hobby nachzugehen; und ganz nebenbei haben massive Diebstähle aufgehört, die vor Errichtung der Sperranlagen noch an der Tagesordnung waren. (Wenn ich jetzt behaupte, das zeige, wer die Israelis „westlich“ der Grünen Linie bestohlen hat, bin ich dann Rassist? Wir dürfen doch von Arabern/Muslimen immer nur das Beste annehmen, die Verbrecher sind die Westler…)

Noch eine Frage an den Bischof: Will er mit seiner „Anmerkung“ behaupten, die Israelis wollten „die Mauer“ auf ewig stehen haben? So weit kommt’s noch. So ziemlich jedem Israeli wäre es lieber, man könnte dieses Monster schnellstmöglich wieder aus der Welt schaffen. Die Frage ist einzig und alleine die: Kann Israel sich das leisten? Israel kann es sich erst leisten, wenn die so genannten Palästinenser bereit sind den jüdischen Staat anzuerkennen und in Frieden mit ihm zu leben. Dieser Gedanke ist Bischof „Gerechtigkeit und Frieden“ aber offenbar so fremd, dass er nicht einmal ansatzweise konkrete Schritte in dieser Richtung von den Arabern in den besetzten bzw. auch nicht mehr besetzten Gebieten fordert.

Mit diesem üblichen Geschwätz westlicher Möchtegern-Friedensbringer geht es weiter: Beide Seiten müssen, beide Seiten sollten… Dass seine Konkretisierungen sich ausschließlich an Israel richten, merkt dieser Bischof Lebensraum wohl gar nicht. Er bezieht wie angekündigt Stellung und das geht nirgendwo gegen den Terror oder die Terroristen. Natürlich alles nur mit Einfühlungsvermögen und Umsicht, damit kein Mangel an Respekt da ist – vor allem vor dem Hintergrund der deutsch-israelischen Geschichte. Er nennt das „Kritik an der israelischen Politik“ Nochmal: Kritik an pal-arabischer Politik ist offenbar Fehl am Platze, vielleicht wäre es an der Zeit, dass Deutschland auch da so einen Hintergrund schafft wie bei den Israelis, damit Kritik möglich wird?

Ich vermute aber mal, den Israelis geht es am Allerwertesten vorbei, wie viel Einfühlungsvermögen und Umsicht der Bischof bei seiner „Kritik“ walten lässt – ob einer sagt „Ihr müsst den Palästinensern Lebensraum schaffen“ oder „Lasst euch gefälligst von denen widerstandslos umbringen“: Es kommt aufs Selbe raus. Und wie einfühlend und umsichtig die Vokabel „Lebensraum“ dabei ist, bedarf wohl kaum näherer Erörterung.

Dass es immer wieder Führungspersönlichkeiten deutscher Kirchen sind, die sich mit salbungsvoll verkündeten Unsäglichkeiten und falscher „Kritik“ gegen Israel und für die Judenmörder einsetzen, finde ich besonders erschreckend. Wenn von solchen Kirchenvertretern dann gleichzeitig vor evangelikalen Israelfreunden gewarnt wird, dann sollte sich niemand wundern, wenn Israelis daraus ihre Schlüssel ziehen.

6 Gedanken zu “Bischöfliches Vokabular

  1. Was? In der Kirche gibt es Nazis, Militaristen und ewig Gestrige? Das überrascht mich jetzt aber!

    Ich meine ok, das segnen von Kanonen kann man ja noch verstehen, auch das die Gürtelschnallen der Wehrmacht „Gott mit uns“ zu lesen gaben, natürlich auch das man einigen „Flüchtigen“ mit Papieren und Reisehilfen, nach dem verpatzten Endsieg, aushalf…

    Ich meine, man muss da schon ein wenig rücksichtsvoll sein, wenn die Gegen Israel und die Juden wettern – immerhin haben die Juden ja ihren Messias ermorden lassen…ach Moment, der war ja selber Jude und warte das waren die Römer…

    Nun bin ich vollends verwirrt und bitte um Aufklärung!

    Als nächstes kommt noch einer und will mir erzählen der Papst war in der HJ und der Wehrmacht…oder man hätte die Exkummunion eines Holocaust-leugnendem Bischofs zurückgenommen.

    Tztztz!

  2. Die Logik des Bischofs Ackermann ist seltsam. Bei der von ihm präferierten Zwei-Staaten-Lösung bliebe eine Grenze zwischen diesen beiden Staaten, die auch irgendwie befestigt sein könnte. Zäune oder Mauern würden also weiterhin „Lebensraum“ einschränken. Weshalb, nebenbei, schränkt das derzeitige Grenzregime eigentlich nur „Palästinenser“ „massiv“ ein? Wie sieht es aus, wenn beispielsweise ein jüdischer Bürger Israels touristische Anwandlungen bekommt und Beirut besuchen möchte?

    Aber zurück zur Zwei-Staaten-Lösung und der „Mauer“. Dem Bischof fällt der Antifaschistische Schutzwall ein:

    „Auch aus den Erfahrungen der deutschen Geschichte könne man den Konfliktparteien sagen: ‚So hoch und so bewacht die Mauer auch sein mag, sie wird letztlich nichts nützen, und: Sie wird nicht ewig stehen.'“

    Die „Mauer“, die in Deutschland, fiel, es folgte die (Wieder-)Vereinigung, eine Ein-Staaten-Lösung. Aber aus dem Bischof spricht es, „dass es zu einer Zwei-Staaten-Lösung im Heiligen Land keine realistische Alternative gebe“. Und das paßt irgendwie so gar nicht zum Bild fallender Mauern und „den Erfahrungen [aus] der deutschen Geschichte“, die der Bischof auch noch ersthaft als Standortvorteil in Anschlag zu bringen sucht.

    Will er die Zwei-Staaten-Lösung vielleicht nur als Zwischenschritt zur Ein-Staaten-Lösung unter dem Grünen Banner?

    Es gibt einen Zweijahresplan des „Ministerpräsidenten“ der PA. Salaam Fayad schreibt über Jerusalem:

    „Jerusalem is our people’s religious, cultural, economic and political center. It is the Flower of Cities and Capital of Capitals. It cannot be anything but the eternal capital of the future Palestinian state. Jerusalem.“

    Es könnte, wird das Wahrheit, nicht nur für Juden schwierig werden im Heiligen Land, sondern wohl auch für Christen. Aber wenigstens die „Palästinenser“ müßten dann wohl nicht mehr über Probleme mit dem „Lebensraum“ klagen …

  3. Jeder Vergleich mit der Berliner Mauer verbietet sich. Ich bin froh für Israel, dass es diese Mauer gebaut hat, möge sie lange stehen und Israel vor durchgeknallten Suizidattentätern schützen. Es erscheint mir schwierig hier durchzukommen. Die Ein-Ausfahrt ist so eng, dass es zwischen sich begegnenden Autos kaum eine Lücke gibt sich durchzuquetschen. Stahlzacken im Boden verhindern, dass Autos auf der falschen Spur durchbrettern können. Die diensthabenden jungen israelischen Soldaten sind schwer bewaffnet. Ob das große Stahltor nachts geschlossen wird weiß ich noch nicht.

    Wer nicht möchte, dass unschuldige Israelis sterben, kann diese Mauer nur begrüßen.

    Das Problem ist, dass zu viele Menschen meinen Israel Vorschläge machen zu müssen, wie es seine Zukunft gestaltet. Wir sagen ja auch keinem Urologen wie er eine Prostata operieren muss, schreiben keinem Ingenieur vor wie er die Turbine zu konstruieren hat. Nur bei Israel kommt jeder Eierkopp mit seinen Vorschlägen und Besserwissereien und glaubt mitquatschen zu können. Besonders Deutsche haben mal wieder Lebensraumpläne für andere.

    (Ach ja, in der bildenden Kunst quatschen auch alle mit.)

    Schönen Gruß aus Jerusalem, direkt von der Mauer!

    • „zu viele Menschen meinen Israel Vorschläge machen zu müssen“
      Ach, wenn es doch nur Vorschläge wären – sie wollen Israel vorschreiben, was es zu tun und zu lassen hat.

      „direkt von der Mauer“ – gibt’s das ein offenens WLAN-Netz????

    • Ich erinnere mich: Es gibt so eine Art „Stadt-Netz“ in Jerusalem, das fast überall Internet-Zugang ermöglicht.

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