Der Präsident und die Antisemiten

Schon kurz nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia Langer kam wieder Unmut auf, weil Bundespräsident Köhler in Osnabrück eine Laudatio auf Henning Mankell hielt, der sich kurz vorher bei der Generaldirektion Palästinas und im Interview mit (wundert’s?) Aftonbladet als Antisemit und Israelvernichter geoutet hatte. Daraufhin schrieb ich am 21.09.2009 eine E-Mail an unseren Präsidenten:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Köhler,

Sie werden (hoffentlich) schon reichlich Post und E-Mails zum Thema erhalten haben. Daher brauche ich nicht mehr die Belege dafür anzuführen, wie Herr Mankell sich immer wieder als Antisemit produziert und Israel jegliches Existenzrecht abgesprochen hat.

Dennoch möchte ich meine Bestürzung zum Ausdruck bringen, dass Sie – nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Frau Felicia Langer – jetzt die nächste Person ehren, die sich als derartig boshafter Hasser offenbart hat.

Ich weiß nicht, wer Ihnen zuarbeitet, aber vielleicht sollten Sie Ihre Mitarbeiter anhalten etwas genauer hinzusehen. Mankell mag einige gute Taten auf seinem Konto verbuchen können, aber rechtfertigt das die Verleihung eines Preises an ihn, wenn er in übelster Weise gegen einen Staat hetzt, der um sein Überleben kämpft und diesen dämonisiert?
Ich denke, Leute wie Herr Rieger von der braunen Fraktion könnten noch so viel positive Leistungen vollbringen, er würde niemals von Ihnen mit einer Laudatio geehrt werden (und da bekämen Sie meine volle Unterstützung). Warum ist das bei anderen Hass-„Predigern“ anders?

Mit traurigen Grüßen

Jetzt erreichte mich eine Antwort aus dem Bundespräsidialamt (offensichtlich ein allgemeines Rundschreiben an alle, die sich beschwerten):

Sehr geehrter Herr …,

Bundespräsident Horst Köhler hat mich gebeten, Ihnen für Ihre E-Mail vom 21. September zu danken und diese zu beantworten.
Wenn wir Sie richtig verstehen, wiegt die scharfe Kritik Henning Mankells an Israel so schwer, dass sie einer Ehrung für sein Afrika-Engagement im Weg steht. Henning Mankell bezieht in der Tat polarisierend Stellung in einer politischen Diskussion, die im europäischen Ausland und in Israel selber anders geführt wird als in Deutschland. Dennoch ist das Afrika-Engagement des schwedischen Schriftstellers weltweit anerkannt. Seine Bücher verkaufen sich übrigens auch in Israel. Der Bundespräsident hat sich in seiner Laudatio eindeutig auf dieses Engagement für Afrika bezogen.
Ebenso eindeutig bekennt sich der Bundespräsident zur besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel und sein Existenzrecht. Dazu gehört auch ein dauerhafter Friede für den Nahen Osten. In seiner Rede im Bundestag anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar 2009, hat er daher auch der Toten der Auseinandersetzung im Gaza-Streifen gedacht und gemahnt, dass der Teufelskreis der Gewalt im Nahen Osten endlich gebrochen werden muss. Die Bürger Israels müssen in sicheren Grenzen frei von Angst und Gewalt leben können. Und das palästinensische Volk muss in einem eigenen lebensfähigen Staat seine Zukunft finden können. Der Bundespräsident wird sich auch weiterhin nachdrücklich dafür einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Georg Schmidt
Leiter Referat 22 (Afrika, Asien, Entwicklungspolitik)

Eine enttäuschende Reaktion – pure Rechtfertigung und kein Eingehen auf das eigentliche Problem. Ich rechne das nicht dem Bundespräsidenten persönlich an, sondern den Mitarbeitern des Bundespräsidialamtes; entsprechend habe ich dem Leiter des Referats 22 zurückgeschrieben (Anmerkung vorab: der erwähnte Vergleich stammt in der Tat von Broder):

Sehr geehrter Herr Schmidt,

da hatte jemand im Umfeld von Herrn Broder – oder dieser selbst – einen passenden Vergleich:
Wenn ein gewisser Herr mit „deutschem“ Gruß vom Vorsitzenden des ADAC für Leistungen beim Autobahnbau geehrt würde – würden da nicht auch alle empört protestieren?

Es geht nicht um Herrn Mankells Haltung zu Israel oder um Polarisierung, sondern um den von ihm darin zum Ausdruck gebrachten offenen Antisemitismus.

Antisemiten für irgendetwas zu ehren, was mit ihrem Antisemitismus vielleicht nichts zu tun hat, empfinde ich als obszön. Und da haben offensichtlich die verantwortlichen Mitarbeiter im Bundespräsidialamt versagt. Brandstiftern gehören keine Ehrungen verliehen – und nicht die Ehre einer Laudatio durch den Bundespräsidenten.
Ich empfinde es als empörend, dass nur bei Nazis/Neonazis alles abgelehnt wird, was solche Personen betreiben, bei sonstigen Antisemiten aber zwischen deren miesen Einstellungen, Äußerungen und Handeln und anderen Tätigkeiten unterschieden wird. Würden Sie dem Herrn Bundespräsidenten zuraten eine Laudatio auf einen Kinderschänder zu halten, der einen Literaturpreis verliehen bekommt?

Mit enttäuschten Grüßen

Nachtrag (24.10.09):
Ein wunderschönes Beispiel wie man üblicherweise verfährt, wenn jemand irgendetwas mit „rechts“ zu tun hat und diese Person dann als Ganzes von allem ausgeschlossen wird, ohne Rücksicht auf irgendwelche nicht vorhandenen oder herzustellenden Zusammenhänge, findet sich hier.

4 Gedanken zu “Der Präsident und die Antisemiten

  1. Ich bekam auch einen Brief mit gleichem Wortlaut. Mit individuellen Antworten war das Bundespräsidialamt wohl überfordert.

    Aber immerhin wissen wir nun, daß, wessen Bücher „übrigens auch in Israel“ gehandelt werden, kein wirklich schlechter Mensch sein kann und damit also qualifiziert ist, von Horst Köhler geehrt zu werden …

  2. Wir kennen einen Menschen nur so, wie er uns von den Medien vermittelt wird, oder wie er sich selbst der Öffentlichkeit darstellt.

    Horst Köhler macht, in dem bisher vermittelten Bild, nicht den Eindruck eines Menschen, der etwas ungesehen unterschreibt.

    Zunächst müssen sich Menschen finden, die eine Persönlichkeit vorschlagen. Dann wird das von Bundespräsidialamt geprüft. Dann dem Präsidenten vorgelegt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Bundespräsident „unschuldig“ an der Entwicklung des Vorganges.

    Wenn er seine Arbeit gewissenhaft macht, und davon wollen wir zu Gunsten Herrn Köhlers mal ausgehen, dann beschäftigt er sich mit dem Vorgang, also der vorgeschlagenen Persönlichkeit.

    Ich gehe nicht davon aus, dass er bei Felicia Langer nicht gewusst hat um wen es sich handelt. Und, sensibilisiert durch den Aufschrei bei ihr, nun alle weiteren Einreichungen besonders gründlich prüft, oder aber sich zumindest mit der Vita auseinandersetzt.

    Wenn er dennoch unterschreibt, dann ist die Unterschrift das Ergebnis eigener Recherche und des Nachdenkens darüber wie sinnvoll die Unterschrift ist. Und diese Absicht zu unterschreiben ist es, und die dann tatsächlich erfolgte Unterschrift, die Zweifel an seiner Reinheit aufkommen lassen wenn es um Israel geht. Auch auf Zufälligkeit kann er sich nicht mehr herausreden.

    Der Schluss, das Israel von unserem Bundespräsidenten nicht so gesehen wird, wie wir Israel sehen liegt nahe. Damit sind dann aber auch alle vollmundigen Solidaritätsadressen an Israel unlauter. Mit anderen Worten: Wer Antisemiten Medaillen umhängt ist nicht frei von dem Geruch, den diese verströmen.

  3. „Wer Antisemiten Medaillen umhängt ist nicht frei von dem Geruch, den diese verströmen.“

    Ich war gestern schon ein bißchen müde. Ich meine natürlich nicht, daß die Medaillen einen Geruch verströmen, sondern die Antisemiten….

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