Wo die Hetze überall zu finden ist

In der Süddeutschen Zeitung (Printausgabe vom 28.10.2009, S. 14) wird ein Buch besprochen, in dem von „Mauern als Grenzen“ geschrieben wurde. Oder wird nur aus dem Inhalt zitiert? Das wird nicht klar.

Klar wird: Es geht um Mauern überall auf der Welt und überall in der Geschichte. Und welche Mauer sucht die SZ zur Illustration aus? Natürlich die der Israelis gegen die Palästinenser.

Und während der gesamte Artikel nicht einmal die Länge dieser Mauer bemüht, darf bei der Bildunterschrift natürlich nicht fehlen, wie lang sie angeblich ist: „Bethlehem im Westjordanland: Kinder spielen Fußball vor dem Haus an der Separation Wall. Rund 750 Kilometer ist die Betonmauer lang, an manchen Abschnitten innerhalb der Städte bis zu acht Meter hoch.“

So toll Englisch dort mit hinein gebracht werden muss, so falsch sind die Angaben. Wie üblich mit einem Stück Wahrheit, denn innerhalb von bebauten Gebieten ist die Mauer tatsächlich bis zu acht Meter hoch. Warum? Weil sie den Terroristen die Möglichkeit nehmen soll über die Anlage hinweg weiter auf israelische Zivilisten zu können. Und deshalb stehen Mauern nur und ausschließlich an solchen Stellen.

Womit die „rund 750 Kilometer“ eine glatte Lüge sind. Die von unseren Medien plakativ ständig gerne weiter verbreitet wird, wider besseres Wissen. Weil es so schön plakativ und kurz ist? Wäre es wirklich zu viel verlangt zu differenzieren? Oder wird „Differenzierung“ nur von denen verlangt, die Israel unterstützen?

Nun gut, vielleicht kann man nichts anderes erwarten von einer Zeitung, deren Mitarbeiter nicht einmal Fußball von Basketball unterscheiden können. Wobei auch das wieder verkürzt ist: Der Junge im Hintergrund spielt seinen Ball mit dem Fuß, der im Vordergrund wirft seinen in einer eindeutigen Basketball-Haltung. Platz war wohl nicht genug, sonst hätte die „Information“ über die 750 Kilometer Beton nicht mehr hinein gepasst…

Was das vorgestellte Buch angeht, so habe ich mit anscheinend zentralen Aussagen leichte Probleme:

Kaum eine Mauer erfüllte ihren ersten, den realen Verteidigungszweck, besonders lang. (Ansonsten waren Mauern böswillige Werke, die ausgrenzen und einzäunen und die Freiheit abwürgen sollten. Aha.) Die Mauer der Amurriter gegen umherziehende Nomaden aus dem späten dritten Jahrtausend vor Christus hielt offenbar gerade einmal 30 Jahre, der römische Hadrianswall gegen die Pikten 160 Jahre, der Wall der Sassaniden gegen die Hunnen 100 Jahre. Da erscheint die vor zwanzig Jahren gefallene Berliner Mauer mit gerade einmal 28 Jahren fast wie ein Detail – zumindest in der Geschichte der Mauern.
Nur haben die Menschen nicht viel aus dieser Erkenntnis gelernt. Immer noch werden neue Mauern errichtet – gegen den so genannten Terror, gegen illegale Einwanderer, gegen verfeindete Völker wie das eigene: zwischen Israel und dem Westjordanland, zwischen den USA und Mexico, in Belfast, Zypern, in Korea, 18 000 Kilometer weltweit. Für wie lange?

Noch einmal: Es wird nicht klar, ob das von der Rezensentin Petra Steinberger stammt oder aus dem von Astrid Nunn herausgegebenen Buch. Was aber letztlich egal ist, es stand in der Süddeutschen und die muss sich die Kritik gefallen lassen:

Dass keine Mauer ihren Zweck lange erfüllte, ist reichlich relativ. Die 28 Jahre in Berlin sind nur im Rückblick und in sehr großen geschichtlichen Zusammenhängen „fast wie ein Detail“. Warum dann aber die 30 Jahre Mauer der Amurriter mehr als ein Detail sein sollen, bleibt eine Frage, die sich vielleicht nur mir stellt. Aber 160 Jahre oder 100 Jahre Effektivität würden den Israelis sicherlich erst einmal reichen. Ganz abgesehen davon, dass sie selbst die Mauer gar nicht auf Dauer haben wollen. Anderes zu behaupten ist eine spekulative Unterstellung. Allerdings könnte es dennoch nötig sein, dass die Mauer „bis in alle Ewigkeit“ existieren muss, um die arabischen Terroristen an der Umsetzung ihrer Berufung des Massenmords an Juden zu hindern. Diese Notwendigkeit ist aber etwas ganz anderes als sie zu wollen.

Perfide ist die Formulierung „gegen den so genannten Terror“. Sollte sich das auf Israel beziehen, dann ist das grenzenlose Hetze. Denn in Abrede zu stellen, dass der Terror der PalAraber Terror ist, negiert nicht nur die Natur dieses Terrors, sondern delegitimiert auch Israel und seine Verteidigung. Es unterstellt Israel ein Handeln, das es nicht an den Tag legt. Aber was will man von jemandem erwarten, die weder die Motivation der Maßnahme, noch die Effektivität oder gar das wahre Ausmaß der Sperranlage auch nur ansatzweise korrekt darstellt?

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4 Gedanken zu “Wo die Hetze überall zu finden ist

  1. Gut gebrüllt. All das, was SZ, FAZ und ähnliche in diesem Stile schreiben, ist schon so dermaßen „common“ und der Stil so unauffällig, dass es dem Durchschnittsleser wohl kaum noch auffällt.

    Und die Journalisten pflegen und hegen diesen Stil, da er kaum eine echte Angriffsfläche bietet, sich relativ gut verteidigen lässt und trotzdem die Botschaft deutlich genug transportiert.

    Ich verstehe bei all dem – als Mensch – nicht, wie man als Journalist so arbeiten kann.
    Sie manipulieren und verbiegen die Wahrheit. Haben die kein Problem damit? Sehen die das nicht? Wollen sie es nicht sehen? Ist der Druck des AG so groß, dass sie sich beugen müssen, wenn sie ihren Job behalten wollen? Ist der Druck der Kollegen gegen Abweichler so groß?

    Ich kapier’s nicht.

    • Ach, du musst den verlinkten Artikel (pdf-Dokument) lesen! 🙂
      „Die“ Chinesische Mauer gab es nicht. Jedenfalls nicht wirklich. Und die Feinde abgehalten hat sie ja letztlich auch nicht; hier der Auszug:
      Eine andere berühmte Mauer, die Große Mauer von China, ist überhaupt nur ein gedankliches Konstrukt, „eine erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte Fiktion“ … Tatsächlich hatten unterschiedlichste Dynastien zu unterschiedlichsten Zeiten und aus verschiedensten Gründen hier und dort Teil dieses riesigen Walles errichtet. Das macht die Gesamtleistung nicht weniger bewunderungswürdig. Die restaurierten Teilabschnitte aus der Ming-Zeit zeugen ebenso von großer Baukunst wie die von Zeit und Wetter schwer mitgenommenen Ruinen aus der Han-Zeit – und dabei vielleicht auch von der ständigen Angst vor den Reitervölkern der innerasisatischen Steppen.
      Siehst du, es gab sie nicht. Nur Teilstücke, die nichts mit einander zu tun haben. Oder so…

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