Der mit Fotobeschreibungen überforderte AP-Fotograf

CAMERA snapshots, 15. November 2009

Erinnern Sie sich an Bernat Armangue, den AP-Fotografen, dessen fehlerhafte Fotobeschreibung fälschlich erklärte, ein palästinensischer Demonstrant sei ohnmächtig geworden, obwohl der seine rechte Hand in die Luft streckte? (CAMERAs Mitarbeiter veranlassten eine Richtigstellung.)

Einmal mehr ist Bernat Armangue von einer Fotobeschreibung herausgefordert. Denken Sie über das folgende Foto und die Bildunterschrift nach:

Ein ultraorthodoxer Jude pausiert for der Al-Aqsa-Moschee, der drittheiligsten Stätte des Islam, die den Juden als Tempelberg bekannt ist, in der Altstadt Jerusalems, Mittwoch, 11. Nov. 2009

Hier sind die Probleme dieser Fotobeschreibung, beginnend mit der fundamentalen Unwahrheit, gefolgt von zwei zweitrangigen Punkten:

1) Diese Fotobeschreibung vermittelt den falschen Eindruck, dass der Mann tatsächlich vor der Moschee steht, auf dem Tempelberg. Angesichts der Spannungen, die es in den letzten Wochen im Umfeld des Tempelbergs gab, könnte die Anwesenheit eines ultraorthodoxen jüdischen Mannes, der vor der Moschee steht, ausreichen, um weitere arabische Krawalle auszulösen, sowohl auf dem Berg als auch in nahe gelegenen Vierteln Ostjerusalems.

In Wahrheit steht er anscheinend am oberen Ende der Stufen, die hinunter zur Westmauer führen. Er stützt seinen linken Arm auf etwas, am wahrscheinlichsten die Mauer am Aussichtspunkt oben an den Stufen. Von dort, wo er steht, ist er vom Tempelberg durch den Platz vor der Westmauer getrennt. Besonders angesichts der Sensibilität des Ortes besteht ein großer Unterschied zwischen einem ultraorthodoxen Mann, der auf den Stufen zum Eingang zur Westmauer steht – einem Bereich direkt am Tempelberg und vollständig unter israelischer Kontrolle – und einem ultraorthodoxen Mann, der vor der Al Aqsa-Moschee steht, auf dem Tempelberg selbst, der sich unter der tagtäglichen Kontrolle der islamischen Waqf befindet.

Das wäre nicht das erste Mal, dass eine PA-Fotobeschreibung einen Vorfall fälschlich auf den Tempelberg verlegt.

2) Warum wird der Tempelberg als drittheiligste Stätte des Islam angeführt, aber nicht gesagt, dass es die heiligste des Judentums ist?

3) Die Al Aqsa-Moschee ist den Juden nicht als Tempelberg bekannt, die Juden kennen sie als auf dem Tempelberg stehend.

AP stellte im September 2000 und Mai 2009 Bildunterschriften richtig. Wir erwarten auch im November 2009 eine Richtigstellung.

(h/t: Yisrael Medad, der dieses Foto auf der Internetseite der BBC bemerkte.)

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Das Foto zeigt nicht die Al Aqsa-Moschee, sondern den Felsendom – also noch ein weiterer Fehler des Fotografen.)

7 Gedanken zu “Der mit Fotobeschreibungen überforderte AP-Fotograf

  1. Erinnert mich an das Foto eines blutenden (Student aus den USA?) Israeli, welcher von einem schreienden Israelischem Polizisten vor einem wütendem moslemischem Mob beschützt wird.
    Ich glaube es war CNN, welche behauptete, dieser junge Mann sei Palästineser und der Polizist habe in blutig geschlagen.
    Also Business as usual (leider)

    • Auf genau dieses Foto (amerikanischer jüdischer Student) greift CAMERA auch zurück, September 2000 (muss mal sehen, ob das nicht verlinkt war und ich vergessen habe den Link zu übernehmen.)

    • Danke,

      kleiner Nachtrag; was mich auch immer wieder stört ist die Titulierung „ultraorthodoxer“ Jude.

      Warum sagen sie dann nicht ultrafanatischer Moslem?

      • Weil sie „ultraorthodoxer Muslim“ sagen oder einen Euphemismus für „fanatisch“ finden müssten – und das schaffen sie nicht, sind nicht in der Lage es zu erkennen oder zu unterscheiden. Schon gar nicht an Äußerlichkeiten. Das wäre außerdem politisch nicht korrekt und würde böse Reaktionen hervorrufen. Bei den Juden geht das. Die killen nicht gleich jeden, der sowas sagt.
        Außerdem könnten sie Islamist sagen – aber das sieht man denen auch nicht an. Die Steigerung – entsprechend „ultraorthodox“ – wäre dann „fanatischer Islamist“. Und einen solchen so entspannt vor dem Petersdom stehen zu sehen ist ohnehin ziemlich unwahrscheinlich.

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