Klartext – Michael Freund: Kümmern die Palästinenser die arabischen Staaten wirklich?

Michael Freund, Fundamentally Freund, 30. November 2009

Mit all ihrem Gerede davon, den Palästinensern beizustehen, haben die arabischen Regierungen eine wahrlich seltsame Art das zu zeigen. Obwohl sie letztes Jahr einen vom Öl eingetriebenen Riesengewinn ungekannten Ausmaßes einheimsten, scheinen nur wenige arabische Staaten bereit zu sein tief in ihre eigenen Taschen zu greifen, um ihre Sorge mit Geld zu untermauern.

In der Tat wurde die Hohlheit ihrer propalästinensischen Ankündigungen letzte Woche in Amman eindeutig zur Schau gestellt, auf dem Treffen der Beraterkommission der United Nations Relief and Works Agency, die durch ihre Abkürzung UNRWA bekannt ist. Unter den zentralen auf der Versammlung diskutierten Themen war die wachsende Finanzkrise, der sich die Organisation gegenüber sieht; sie ist freiwillige Beiträge von Regierungen angewiesen, um ihre Aktivitäten zugunsten der palästinensischen Flüchtlinge zu finanzieren.

In ihrer Ansprache beklagte Karen Abu Zayd, Generalbeauftragte der UNRWA, den finanziellen Zustand der Gruppe, den sie als „die mir die meisten Sorgen macht“. Sie sagte den Versammelten, dass die Organisation sich dieses Jahr einem Defizit von $84 Millionen gegenüber sieht und dass für 2010 Mindereinnahmen von $140 Millionen angenommen werden. „Die schwache Finanzlage der UNRWA“, sagte Abu Zayd, „behindert unsere Möglichkeiten unsere Verantwortung in dem Maße erfüllen zu können, das die palästinensischen Flüchtlinge verdienen.“

Es scheint, dass die UNRWA im Verlauf der vergangenen Jahre in eine zunehmend schwierigere Lage geraten ist. Dienstag letzter Woche streikten die 16.000 Beschäftigten in Judäa, Samaria und dem Gazastreifen für einen Tag, mit dem sie höhere Löhne verlangten.

Wieso, könnte man fragen, haben sich die Probleme der UNO-Organisation in letzter Zeit so aufgetürmt? Immerhin gingen die Treibstoffpreise letztes Jahr heftig in die Höhe, der Ölpreis ging im Juli 2008 auf den Höchststand von $150 pro Fass, den Kassen der arabischen Finanzminister der gesamten Region fehlten kaum die Gelder, mit denen sie ihren palästinensischen Brüder hätten helfen können.

Ich fragte mich das auch, also unternahm ich ein wenig Recherche und entdeckte in paar überraschende Fakten zu der kolossalen Lücke zwischen arabischem Reden und der palästinensischen Wirklichkeit.

Denken Sie mal hierüber nach: 2008 kamen 19 der 20 Top-Geberländer für den allgemeinen Fundus der UNRWA aus dem Westen, wobei die EU mehr als $116 Millionen beitrug, die USA mehr als $94 Millionen. Ander, so Schweden und Großbritannien, gaben jeweils mehr als $35 Millionen. Nur ein arabisches Land – Kuwait – erschien bei den 20 größten Spendern. Die Kuwaitis kamen auf den letzten Platz dieser Liste; sie hatten rückten gerade einmal $2,5 Millionen heraus.

Angesichts der Öl-Einnahmen Kuwaits, die letztes Jahr um 44 Prozent auf fast $78 Milliarden hochschossen, sollte man glauben, dass sich, würden sie sich wirklich um die Palästinenser sorgen, dies in der Höhe ihrer Spenden an die UNRWA spiegeln würde. Gleichwohl, vergleicht man sie mit den anderen fünf arabischen Staaten, die den Golfkooperationsrat (GCC) bilden – Bahrain, Oman, Qatar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – dann sehen die Kuwaitis richtig großzügig aus.

2008 betrugen die gesamten Einnahmen der GCC-Staaten aus der Ölproduktion kolossale $575 Milliarden. Doch ihr gemeinsamer Beitrag zum planmäßigen Budget der UNRWA wenig mehr als $3,6 Millionen, was weniger als ein Tausendstel eines Prozents ihres Petroleum-Gesamteinkommens bedeutet! Bahrain gab knauserige $50.000, Oman berappte nur etwas über $25.000, während Saudi-Arabien gar nichts herausrückte.

Ich bin auf Hadassah-Spendenessen gewesen, auf denen innerhalb einer Stunde mehr aufgebracht wurde, als das, von dem die arabischen Staaten in einem ganzen Jahr zu trennen bereit zu sein scheinen. Fakt ist, dass im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte die arabischen Regime einen stetig abnehmenden Prozentsatz der Gelder der UNRWA zur Verfügung stellten. In den 1980-er Jahren betrugen ihre Beiträge ganze 8% des Jahresbudgets der Gruppe, während sie heute kaum 3% betragen.

Das Ergebnis ist, dass die westlichen Staaten derzeit mehr als 95% der Gelder zur Verfügung stellen, die hinter den aktuellen Programmen stehen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – ich vergieße keine Träne wegen der Probleme der UNRWA. Die Organisation ist schon lange Vehikel der Verewigung des palästinensischen Flüchtlingsproblems als Hebel zur Ausübung von Druck auf Israel gewesen; und sie ist nicht davor zurückgeschreckt, eng mit der Hamas im Gazastreifen zusammenzuarbeiten oder als Vehikel antiisraelischer und antiwestlicher Indoktrination zu dienen.

Die Leiden der UNRWA legen die atemberaubende Heuchelei der arabischen Staaten offen. Sie prügeln wegen der Lage der Palästinenser bei jeder Gelegenheit auf Israel ein, während sie selbst reichlich wenig tun, um das Problem zu verringern.

Sicher, einige arabische Staaten haben bei verschiedenen UNRWA-Notrufen Gelder beigesteuert, während andere den Palästinensern über andere Kanäle Hilfe zur Verfügung stellten. Aber die Zahlen oben führen dazu, dass man sich fragt: Kümmern die arabischen Staaten wirklich, was mit den Palästinenser ist?

Wenn das Kassenbuch der UNRWA eine Richtschnur ist, dann ist die Antwort ein klares und schallendes „Nein“.

(aus der Jerusalem Post vom 26. November)

Ein Gedanke zu “Klartext – Michael Freund: Kümmern die Palästinenser die arabischen Staaten wirklich?

  1. „Die Palästinenser sind ein erfolgloses Volk, das zerrissen ist und von den arabischen Bruderstaaten nur als Spielball eigener Interessen angesehen wird. Die Erklärung für das eigene Schicksal liefern die klugen Köpfe des Volkes: Die Araber lieben Palästina, aber nicht die Palästinenser.“
    (http://wp.me/pi0jo-m)

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