„Wenn der nur ein bisschen Anstand hat, wird er nicht durch Wootton Bassett marschieren“

Wootton Bassett ist ein kleines, 1300 Jahre altes Städtchen im englischen Wiltshire mit einer Bevölkerung von etwa 11.000 Menschen. „Die Stadt ist berühmt für das informelle, öffentliche Trauern“, mit dem die Menschen seit 2007 den gefallenen Soldaten die letzte Ehre erweisen, wenn sie vom nahe gelegenen Militärflugplatz Lyneham zum Leichenbeschauer in Oxford überführt werden. Früher wurden sie vom Flugplatz Brize Norton über die Autobah nach Oxford gefahren; Brize Norten steht derzeit wegen Renovierungsarbeiten nicht zur Verfügung und es gibt keinen direkten Weg von Lyneham über die Autobahn nach Oxford.

Inzwischen gibt der Stadtrat die Termine bekannt, an denen eine solche „repatriation“ stattfindet. Mal ist es ein einzelner Sarg, mal eine ganze Gruppe. Egal, wie viele oder wenige, die Menschen bleiben am Straßenrand stehen oder verlassen die Geschäfte, um sich an die Straße zu stellen und lassen die langsam fahrenden Leichenwagen in aller Stille passieren. Am Denkmal der Britischen Legion salutieren Veteranen; sie waren die ersten, die das eher zufällig begannen, weil eine Überführung während eines ihrer Treffen vor dem Denkmal statt fand. Seitdem haben sich immer mehr Menschen dem angeschlossen. Und all das völlig unabhängig davon, ob sie mit den Kriegen in Afghanistan und dem Irak einverstanden sind oder nicht. Das ist eine berührende und hochanständige Haltung, würdevoll – „Ritual“ mag man das nicht mehr nennen. Die Menschen von Wootton Bassett werden derart hoch gehalten, dass es eine eigene Facebook-Gruppe mit fast 15.000 Usern gibt, die sich für die Ehrung bedanken. Die Regierung überlegt, der Stadt das George Cross zu verleihen, eine Ehrung, die z.B. Malta für sein Durchhalten im Zweiten Weltkrieg erhielt. Ein ehemaliger Soldat aus Newcastle hat eine Petition gestartet, dass High Street in „Highway of Heroes“ umbenannt wird. Der Bürgermeister spricht für seine Einwohner, wenn er beides ablehnt: „Das möchten wir nicht. Wir tun, was wir tun, nicht um des Ruhms wegen.“ Auch Veränderungen durch Regimentsstandarten oder Musik wollen die Menschen von Wootton Bassett nicht. Es soll einfach der Respekt der Menschen für die gefallenen Einzelpersonen bleiben, wie es jetzt ist. 2012 wird sich das wahrscheinlich endgültig ändern; die Basis Lyneham wird geschlossen, die Rückführung der Gefallenen wieder nach Brize Norton zurückkehren. Dann führt der Weg der Leichenwagen wieder einige Kilometer östlich über die Autobahn. Aber vielleicht braucht es dann ja auch keine Rückführungen mehr.

Natürlich gibt es Leute, die dafür keinen Sinn haben und gerne alle Soldaten grundsätzlich tot sehen würden. Aber selbst die sind (bisher?) nicht auf die Idee gekommen, da etwas zu unternehmen, mit dem man auf den Gefühlen der Verwandten der Gefallenen oder der Einwohner von Wootton Bassett herumtrampeln würde. Bis jetzt. Denn jetzt will eine Islamistentruppe namens „Islam4UK“ (etwa: Islam für Großbritannien) durch Wootton Bassett marschieren und demonstrieren.

Etwa 500 Menschen will der Initiator Anjem Choudary mit leeren Särgen durch den Ort paradieren lassen. Die Särge sollen die „von den Unterdrücker-Regimen Großbritanniens und der USA ermordeten Muslime“ repräsentieren. Der Marsch gelte „nicht der Erinnerung an das besetzende und gnadenlose Militär“, sondern der Muslime, von denen Choudary sagt, sie seien „im Namen von Demokratie und Freiheit ermordet“ worden. „Wach rütteln“, will der bekannte Islamist und üble Hetzer gegen alles nicht Islamische die britische Bevölkerung, aufmerksam machen auf die „wirklichen“ Gründe der Kriege gegen Muslime.

Wie sehr er mit seiner Meinung vor allem, aber längst nicht nur bei den Einwohnern von Wootton Bassett daneben liegt, zeigen Reaktionen von Einwohnern gegenüber Reportern nach den Überführungsfahrten. Da gibt es genügend, die sagen, sie seien mit den Kriegen in Irak und Afghanistan nicht einverstanden. Aber darum geht es ihnen nicht, wenn sie die Gefallenen ehren. Doch um das zu begreifen, ist Choudary offenbar zu gefangen in seiner islamischen Hass-Ideologie. Er begreift nicht, was die Menschen dort tun. Islam4UK erklärt auf ihrer Internetseite es sei „inakzeptabel“ Soldaten auf diese Weise zu ehren, die „direkt oder indirekt“ zum Tod von „weit über 100.000 Muslimen in Afghanistan beigetragen haben“. HaOlam fasst den geplanten Marsch so zusammen: Die Terroristen sollen durch die Protestaktion als Opfer verklärt, die Soldaten als Mörder hingestellt werden.

Choudary hat inzwischen nach Angaben des britischen Telegraph zugegeben, dass es sich bei der Demonstration nicht wirklich um ein objektives Anliegen handelt, sondern um eine PR-Maßnahme, die seinen extremistischen Ansichten Aufmerksamkeit verschaffen soll. Er will provozieren. „Wenn wir sie [die Demonstration] irgendwo anders abhalten, hätten wir nicht die Medienaufmerksamkeit wie hier.“

Wer Choudary ist, kann man u.a. aus seinen Äußerungen in diesem Interview erkennen: Der 42-jährige ehemalige Anwalt erkennt UN-Zahlen nicht an, die zeigen, dass die meisten der in Afghanistan getöteten unschuldigen muslimischen Zivilisten Opfer der Taliban sind, nicht der amerikanischen und britischen Soldaten. Er bezeichnet Osama bin Laden als „Scheik Obama“ – ein Begriff sehr großen Respekts. Außerdem setzt er die britischen Soldaten auf eine Stufe mit SS-Schergen. Und wer nicht seine Ansichten teilt, ist blind, geblendet von der Medienpropaganda, die Afghanistan nicht als den Muslimen, sondern den Briten gehörend darstellten.

Das Vorhaben hat in England zu heftigen Protesten geführt. Ganz vorne stehen natürlich die Einwohner von Wootton Bassett, denen es nie um Aufmerksamkeit ging. Der ehemalige Bürgermeister Chris Wannell sagte: „Wir tun, was wir tun, nicht aus politischen Gründen, sondern erweisen denen Respekt, die ihr Leben für unsere Freiheit gegeben haben… Wenn dieser Mann nur ein bisschen Anstand hat, wird er nicht durch Wootton Bassett marschieren.“

Die Proteste reichen bis in die Regierung. Praktisch jede politische und Verwaltungsebene von der Stadt bis zum Premierminister bezeichnete Choudarys Vorhaben als „unpassend“ und „völlig unangemessen“. Ein Parlamentarier fand deutlichere Worte: Die Demonstranten von Islam4UK seien „törichte Leute, die eine dumme Ansicht durchsetzen wollen“. Andere appellieren vehement an die Polizei, die Demonstration nicht zuzulassen. Diese hat bisher keinen Antrag vorliegen, würde aber vermutlich eine Genehmigung ausstellen müssen.

Auch im Internet regt sich heftiger Widerstand. Eine extra geschaffene Facebook-Gruppe gegen den islamistischen Aufmarsch hatte am Abend des 4. Januar schon fast 300.000 Einträge und soll innerhalb von drei Tagen 185.000 Mitglieder bekommen haben. Die Gründerin dieser Gruppe erklärte, ihre Mitglieder seien bereit in die Downing Street zu marschieren, sollte der der Premierminister nicht gegen diese Demonstration einschreiten; Gordon Brown solle mit seinen „Wischiwaschi-Äußerungen“ aufhören. Notfalls würden sie Wootton Bassett für die Demonstranten sperren, indem sie einen friedlichen Protest in der Stadt abhielten.

Inzwischen schließen sich muslimische Gruppen dem Protest gegen den Aufmarsch an. Sie sind zwar vor allem wegen Reaktionen gegen die Muslime besorgt, machen aber klar, dass das dann als Folge des unverantwortlichen Handelns Choudarys betrachtet und dieser von ihnen dafür verantwortlich gemacht würde.

Anstand wird für ihn kein Grund für einen Rückzieher sein. Sollte Choudary sein Vorhaben nicht durchziehen, dann einzig und allein aus dem Grund, dass ihm die erreichte Öffentlichkeitswirkung genügt.

5 Gedanken zu “„Wenn der nur ein bisschen Anstand hat, wird er nicht durch Wootton Bassett marschieren“

  1. Wir befinden ums im Jahre 2010 n.Chr. Ganz England ist von den Muselmanen besetzt…Ganz England? Nein! Ein von patriotischen und noch Selbstachtung habenden Engländern bevölkertes Städtchen im englischen Wiltshire hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten und den gefallenen Kriegern Englands die letzte Ehre zu erweisen…

    • Nö, nicht ganz. Diejenigen, die die Stadt für die Islamisten sperren wollen, sind andere. Und die Leute von Wootton Bassett wären sicherlich froh, wenn beide Gruppen nicht kommen würden. Sie möchten einfach nur in Ruhe ihr Leben leben.

      • Naja.
        Sicherlich wäre ihnen Ruhe lieber – aber anders als die meisten Briten zeigen sie Anstand gegenüber ihren Gefallenen.
        Und das begann ganz spontan, weil einige noch wissen was wichtig ist.
        Den Krieg in Afghanistan oder dem Irak kann man sehen wie man will, aber die Männer und Frauen die dort ihr Leben ließen, verdienen diesen Respekt.
        Ganz besonders wenn man Michael Yons (http://www.michaelyon-online.com/) Artikel liest und sieht mit welch teilweise ungeeigneter Ausrüstung und unter welchen widrigen Bedingungen und oft ohne die nötige moralische Unterstützung zu Hause, sie ihren Job erfüllen.
        Ich empfehle dafür besonders den Artikel „Kopp-Etchells Effect“ (http://www.michaelyon-online.com/the-kopp-etchells-effect.htm)
        Ich hab auch eine deutsche Übersetzung davon angefertig…

          • Nun ja – gerade diese Depesche von ihm lebt auch sehr von den Bildern dazu. Und ich habe deswegen, und weil ich nicht weiß in wie fern Übersetzungen eigene Werke darstellen, einige urheberrechtliche Bedenken das einfach zu tun.
            Immerhin ist der Mann ist ein Ex-Special-Forces 😉
            Er legt wohl viel Wert drauf die volle Kontrolle über seine Werke zu behalten und ihn zu erreichen ist nicht so einfach.

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