Knallchargen

Martin Klingst, DIE ZEIT – Zum auf der Zunge zergehen lassen: Martin Klingst räumt ein, was in Anbetracht der nackten Zahlen kaum zu leugnen ist – die bisherige Afghanistan-Strategie des Friedensnobelpreisträgers Obamas hat zu einer höheren Anzahl getöteter Zivilisten geführt als diejenige George W. Bushs. Gleichwohl hindert dies Klingst nicht, auf der Titelseite der ZEIT zu behaupten, dass der Unterschied zwischen Obama und Bush sei, dass Obama „die Moral“ nicht „über Bord“ werfe. In Deutschland nennt man das Ganze im Übrigen „Qualitätsjournalismus“ und nicht etwa Ideologie.

Margot Käßmann, EKD-Vorsitzende – vordergründig aus demselben Grund wie neulich schon. Nur hat sie vorher schon ein Interview gegeben, in dem sie ziemlich abstruse Dinge von sich gibt, die selbst Hardcore-Friedensbewegten ein paar Haare zu Berge stehen lassen.

Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung – Bernd Zeller befindet die Meinung des Feuilletonisten als Unsinn, dass Islamkritiker „die sozialen und moralischen Einrichtungen, die man zu verteidigen vorgibt“, zerstören. Islamkritiker sind nicht besser als die von ihnen kritisierten. Dazu muss man dann allerdings „westliche Werte“ in Anführungszeichen setzen (und sie somit als Nicht-Werte charakterisieren). Und dann gibt es noch eine Frage zu Toleranz und Intoleranz, die sich der Knallkopp stellen sollte – denn er wird ja mit seiner Haltung denen viel zu ähnlich, die er kritisiert.
Auch tw_24 hat einen Kommentar zu diesem Qualitätsjournalisten.

Radio Vatikan (bzw. die Bischofstruppe, die sich Anfang des Monats in Israel und Fatahstan aufhielt) – Israel will sich mit einem Zaun von illegalen Einwanderern und „Terroristen“ schützen. Ja, die haben das T-Wort in Anführungszeichen gesetzt. Offensichtlich meinen die katholischen Hirten, dass kein Terrorist ist, wer versucht Massenmord an Zivilisten zu verüben. Und sie beklagen, dass Israel sich weiter isoliert, schon jetzt eine abgeschlossene Enklave darstellt. Das Problem ist natürlich Israel, nicht seine Nachbarn… Ach ja: Alle Jahre wieder, wenn die Bischofsdelegation aus dem Westen ins Heilige Land kommt, steht dort wieder eine neue Mauer oder Sperranlage. Warum nur machen die vermaledeiten Juden das bloß? Obwohl wenigstens einer der Bischöfe anerkennt, dass die Sperranlagen die Zahl der Terroranschläge gewaltig verringert haben, wird doch Israel vorgeworfen den Palästinensern das Leben schwer zu machen. Und es wird bedauert, dass der Nuntius nicht mit der Hamas plauscht. Oi wey!
Oh, nicht vergessen: Israel ist schuld, dass die Zahl der Christen im heiligen Land abnimmt! (Keinesfalls kann man die Christenverfolgung durch die Muslime verantwortlich machen…)

Dafna Bayraq, die Ehefrau des jordanischen Selbstmord-Mörders, der in Afghanistan 7 CIA-Agenten tötete – sie behauptet, die USA, Jordanien und Israel seien verantwortlich für den Angriff ihres Mannes auf die CIA. Natürlich nicht der Mörder selbst oder seine Hinterleute. Geht nicht.

DIE ZEIT (Redaktion sowie Florian Illies) – die Verleumdung von Claude Lanzmann versucht Illies zu korriegieren; das geht ziemlich schief und entlarvt Blatt und Autor als solche, die weder wissen, was eine Woche vorher in ihrer Publikation stand, noch zur Selbstkritik fähig sind.