Knallchargen

Clemens Verenkotte, ARD-tagesschau/Bayrischer Rundfunk – der Mann schafft es Israel die Verantwortung für hohe Schrottkarren-Autopreise im Gazastreifen in die Schuhe zu schieben, ohne ein einziges Mal zu erwähnen, weshalb die „Blockade“ besteht. Nebenher sei noch erwähnt, dass Sätze wie dieser durchaus negativ gemeint sind: „Früher wurden in Gaza-Stadt Waffen gehandelt, inzwischen werden hier vor allem Autos verkauft.“ Besser wäre es natürlich, wenn die Gazaner Waffen handelten statt Autos, nicht wahr?

Associated Press – in Malaysia werden Kirchen abgefackelt. Schlimm. Aber genauso schlimm ist es, dass Vandalen eine Flasche Rum an einer Moschee zerschellen lassen, denn das sind „gleiche Angriffe“. (Aber vielleicht waren die auf die Kirchen geworfenen Molotowcocktails ja aus Rumflaschen gefertigt…)

Eigentlich schon Hetze vom Vatikan: Einen Sonderfall bildet das Heilige Land. Die israelische Besatzung in den Palästinensergebieten behindert das Alltagsleben; dass fundamentalistische christliche Gruppen die Besetzung auch noch mit der Bibel rechtfertigen, macht laut dem Vatikan-Dokument die Lage für palästinensische Christen unter ihren Landsleuten noch schwieriger. Eine Frage an die Kuttenträger: Ist es möglich, daß “fundamentalistische christliche Gruppen” bei allem “Fundamentalismus” doch mehr Ahnung haben vom schweren Alltagsleben in den “Palästinensergebieten” als ihre progressivere (?) vatikanische Konkurrenz, die schon nicht mehr wagt, auch nur zu erwägen, daß für der Christen Probleme der konkurrierende Islam verantwortlich sein könnte und nicht die “Besatzung”? (Dem folgt noch ein Beispiel der „Leiden“ der PalAraber unter den „fundamentalistischen Christen“ und den Juden.)
Dieselben freundlichen Bischöfe schreiben auch etwas, das man so sehen muss: Mit Saddam wären wir besser dran. Und Israels Besetzung von palästinensischem,  syrischem und libanesischem Land die Ursache von Feindseligkeit zwischen den Palästinensern und den Arabern auf der einen und Israel auf der anderen Seite sei. Abgesehen davon, dass libanesisches Land nicht besetzt ist: Was kam zuerst, die israelischer Besatzung oder der arabische Hass und Terror?

Till-R. Stoldt, DIE WELT – ist mir zum ersten Mal aufgefallen, aber ein heißer Kandidat für die Hetzer-Liste. Mr. Moe hat kurz über ihn referiert. Der Typ sagt es nicht offen, aber auch nicht wirklich durch die Blume: Für ihn sind Islamkritiker dumpfe Nazis. Markus ist ausführlicher. Dabei zitiert er Henryk M. Broder.

Birgit Rommelspacher, Psychologie-Professorin (schrieb in der taz) – auch sie will Islamkritikern einen Maulkorb verpassen und rückt sie unvermeidlich (wohin sonst) in die Nazi-Ecke. Aber interessant schon, dass so etwas in der FAZ abgedruckt wird. Fazit: Rommelspacher haut in die gleiche Kerbe wie kürzlich die „Süddeutsche Zeitung“, nur noch gröber. Ja, das soll tatsächlich möglich sein.

Hilal Sezgin, DIE ZEIT – Bernd Zeller diagnostiziert ihre „Kompetenz“, indem er sich auf das stürzt, was die Dame gelesen und vor allem, was sie nicht gelesen hat. Richard Wagner holt ein wenig weiter aus, kommt aber auch zu dem Ergebnis, dass die Dame Stuss schrieb.

Sylvia Ortlieb, Kulturtrainerin – die Verherrlichung Hitlers ist bei uns ein Tabu. Bei den Arabern nicht. „So ein blödes Tabu, wo Hitler doch eigentlich ein großer Mann war, der Probleme, mit denen auch so viele Araber sich herumschlagen müssen, also etwa die Existenz von Millionen Juden, so einfach gelöst hat“, interpretiert Thomas von der Osten-Sacken die Aussagen der Dame – und macht klar, was das nach ihren Angaben heißt: Aber die Verherrlichung Hiltlers ist nicht etwa Teil des Problems, sondern ein kultureller Fehltritt. Gut, dass es Kultutrainerinnen gibt, die den Herren vor ihrer Geschäftsreise zuflüstern können: Jungs, das mit Hitler ist ja schön und gut, aber ein kulturelles Tabu, also passt mal ein bisschen auf.