Evolution einer Propagandalüge ins Deutsche

Angefangen hatte es während der massiven Regenfälle Mitte Januar. In Israel und den Palästinensergebieten flossen riesige Mengen Regenwasser ab, so dass enorme Schäden entstanden.

YNet berichtete, dass Palästinenser im Gazastreifen Israel beschuldigten, die Überflutungen für sie noch verschlimmert zu haben, indem ein Damm zwischen Gaza Stadt und dem zentralen Gazastreifen geöffnet wurde. Das Regionalrat von Eshkol sagte, er wisse aber nichts von einem solchen Damm.

Zusätzlich zur Verwirrung des Regionalrats hätte jetzt eigentlich jeden verwundern sollen, dass Israel einen Damm mitten im Gazastreifen geöffnet haben sollte. Aber das juckt ja nicht, wenn es darum geht, Israel etwas vorwerfen zu können…

Außerdem wusste der Palestine Telegraph alles über diesen Damm:

Viele palästinensische Häuser standen im zentralen Gazastreifen unter Wasser, nachdem Israel am Dienstag einen geschlossenen Damm öffnete.
Israelische Behörden öffneten den „Al-Wadi“-Damm nach heftigen Regenfällen in der Region, ohne vorher darüber zu informieren.

Die müssen es ja wissen, sie sind die Leute vor Ort. Anders als Press TV im Iran, die diesen Namen nicht kennen, dafür aber einen anderen:

Die Leute vor Ort sagen, dass Israel die Fluten absichtlich verursachte, sagte der Korrespondent von Press TV.
Die Fluten aus dem Damm, der Tal von Gaza genannt wird, überfluteten Häuser im Dorf Johr al-Deek südöstlich von Gaza Stadt und Nusirat im östlichen Teil des Territoriums, in dem sich das Flüchtlingslager Al-Nusirat befindet.

Äh-hm, was also jetzt? „Al-Wadi“-Damm oder „Tal von Gaza“-Damm? Elder of Ziyon versucht es herauszufinden. Es gelang ihm aber nicht, irgendwo im Internet mit Eintrag vor dem 19. Januar 2010 einen „Al-Wadi“-Damm zu finden (was heißt übrigens einfach „Tal“). Das Gaza Wadi verläuft entlang der Mittelmeer-Küste, nicht von Ost nach West. Außerdem macht auch er darauf aufmerksam, dass es schon seltsam ist, dass Israel einen Damm kontrollieren soll, der sich komplett im Gazastreifen zwischen Gaza Stadt und dem Inneren des Strips befinden soll. Wahrscheinlich müssen die Israelis eine elektrische Verbindung zu diesem Damm behalten haben – nur aus dem Grund, pal-arabische Zivilisten foltern zu können, was natürlich das Hobby der Zionisten ist.

Wer Elder kennt, der weiß, dass ihm solche Sachen keine Ruhe lassen. Und so fand er „den Damm“ am 25. Januar, weil das Al Mezan Center for Human Rights auch behauptete, Israel habe ihn geöffnet, um die armen Gazaner zu überfluten. Dabei lieferte diese „Menschenrechts“-Organisation wertvolle weitere Informationen, denn es war nicht das erste Mal, dass die vermaledeiten Zionisten so ruchlos handelten. Im März 2001 „brach der so genannte Nahal Oz-Damm plötzlich und hunderte Dunam Agrarland, Hühner- und Kuh-Farmen und ländliche Häuser wurden beschädigt. Dieser Nahal-Oz-Damm also war es, den die Juden einfach öffneten. Und wozu dient er sonst? „Israel baute diese Hochwasserklappe, um den natürlichen Fluss des Regenwassers in den Gazastreifen zu verhindern und so den Grundwasser führenden Schichten im Gazastreifen ihre natürliche Quelle zu nehmen.“

Also klar: Die Juden enthalten den PalArabern das Wasser vor, mit einem Damm, der mitten im Gazastreifen liegt und den sie öffneten, um die Gazaner zu schädigen. Dumm nur, dass es Fakten gibt: Beim Nahal Oz-Damm handelt es sich um ein Reservoir beim Kibbutz Nahal Oz, in das nicht Regenwasser fließt, sondern in das gesäubertes Abwasser aus der Kläranlage der Region Dan gepumpt wird, um es landwirtschaftlich zu nutzen. Ist also nichts mit „mitten im Gazastreifen“. Ist auch nichts mit Wasserraub und –vorenthalt. Der Überlauf von 2001 war ein Unfall. Der Damm wurde 2010 nicht geöffnet. Es ist sogar fraglich, ob dieses Reservoir überhaupt einen Mechanismus hat, über den man es öffnen kann. (rechts ein Luftbild)

So weit also der Humbug aus Nahost. Das war so schwachsinnig, dass der Blödsinn es nicht einmal in die deutschen Mainstream-Medien schaffte. Da muss er auch gar nicht ankommen, es reicht, wenn die Araber und die deutschen Antiisrael-Kanaillen es finden und glauben. Radio Utopie zum Beispiel. Dort titelte man am 28. Januar (Mann, das sind Schnellmerker!): Gaza überflutet, nachdem Israel Schleusentore öffnete. Und auch bei den Utopisten liegt der Damm IM Gazastreifen. Das Tal verläuft bei ihnen NICHT entlang des Mittelmeeres. Und der Hinweis auf das schwere Leben der Araber im Gazastreifen infolge des Krieges vom Jahreswechsel 2008/09 darf natürlich auch nicht fehlen, schon gar nicht, dass die israelische Blockade den Wiederaufbau verhindert.

Nun, die Utopisten verlassen sich natürlich auf eine der vertrauenswürdigsten Personen, die es gibt: Ellen Rohlfs, die „deutsche Stimme“ von Uri Avnery (Links zu mehr über sie gibt es hier und hier). Sie hat es übersetzt. Von wo, steht auch dabei: AlethoNews, einen Blog (anscheinend) aus Griechenland. Warum eigentlich von da? Alethonews gibt als Quelle den o.g. Eintrag von Press TV an. Nicht nur das, der Artikel wurde wortwörtlich übernommen. Könnte es sein, dass Frau Rohlfs und Radio Utopie wissen, wie glaubwürdig Press TV ist und sie deshalb lieber die Kopie verlinken, um zu verschleiern, wer da dummes Zeug in die Welt setzt?

Wir dürfen also Radio Utopie zu denen zählen, die nur allzu gerne Lügen verbreiten, um Israel zu verleumden. Und sie tun es inzwischen so, dass man ihre wirklichen Quellen erst nachrecherchieren muss, um feststellen zu können, woher die Hetze kommt.

Allerdings: Wenn man sich – wovon Rohlfs und die Utopisten (ich hätte beinahe „Utopisser“ geschrieben) nicht auszugehen scheinen – mal ein wenig bei AlethoNews umsieht, stellt man fest, dass das ein „antiimperialistischer“ Verein ist, der die grün beflaggten Propheten-Imperialisten hofiert und ihnen Persilscheine ausstellt – und natürlich Zionisten (Juden) für die schlimmsten Verbrecher der Menschheit hält. Da wird dann schnell mal israelischer Tränengaseinsatz bei einer „Demonstration“ so betitelt: „Village children gassed while taking refuge from military“ – Dorfkinder vergast, als sie Zuflucht vor dem Militär suchten. Wobei das wahrscheinlich nicht Militär, sondern Grenzpolizei war. Aber das ist eine bedeutungslose Randnotiz angesichts des antisemitischen Geschreibsels dieser Seite, die jedes Gerücht, das im Propagandakrieg gegen Israel aufkommt, als Fakt veröffentlicht.

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4 Gedanken zu “Evolution einer Propagandalüge ins Deutsche

  1. Die Gefahr eines Deichbruches wurde schon 1933 verfilmt, Der Schimmelreiter.
    Von Evolution kann keine Rede sein, es ist nur ein Abklatsch vom Abklatsch … kein Dammbuster!

  2. Soweit ich gehoert hab, haben einige die Version jetzt darin abgeschwaecht, dass sie behaupten, dass dieser Damm in frueheren israelischen Luftangriffen zerstoert wurde… Wahrscheinlich war man ueber die eigenen frechen Luegen erschrocken…

  3. da dies der Bestseller und Lieblingslektüre die „Palästinenser“ ist, braucht man sich weiter nicht zu wundern

  4. Ich warte auf die Protestnote der israelischen Regierung bei der UNO, dem Anzeigen der „Schriftsteller“ – Journalisten sind es ja nicht – wegen Volksverhetzung, Verleumdung und Anstachelung zum Völkerhass.

    Wissentliche Fehlinformation, unterlassen der Prüfung von Quellen und konkreten Faktenlage muss Konsequenzen haben!

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