Israel und der Apartheid-Vorwurf

Malcolm Hedding, ICEJ-Sonder-Newsletter (englisch), 5. März 2010

Tag für Tag strebt die Antiisrael-Allianz – traurigerweise in Zusammenarbeit mit großen Kirchenbewegungen, hauptsächlich aus der protestantischen Welt – danach, Israel das Etikett der Apartheid anzuheften. Wir sehen das derzeit in den vierzehn Tagen weltweiter Agitation, die als „Israel Apartheid Week“ bekannt ist. Hinter diesen Machenschaften steckt mehr, als es vordergründig zu sein scheint, denn die wirkliche Agenda dahinter Israel als „Apartheidstaat“ zu brandmarken besteht in der kompletten Beseitigung des jüdischen Staates.

Der wirkliche Apartheidstaat Südafrika wurde Ende der 1980-er/Anfang der 1990-er Jahre aufgelöst. Er wurde zuerst diskreditiert, dann delegitimisiert und schließlich zur Freude der Welt und der versklavten schwarzen Mehrheit, die unter seiner Brutalität gelebt und sie ertragen hatte, aufgelöst. Israel in diesen Begriffen zu beschreiben, ist jedoch – offen gesagt – unmoralisch und niederträchtig. Doch auf Universitäts-Campussen in der gesamten westlichen Welt wird dies zu einer sehr populären Sache.

Radikale linke Akademiker und Politiker tun sich mit extremistischen muslimischen Elementen zur Verfolgung dieses Ziels zusammen. Sie wollen Israel mit dem Original-Apartheidstaat gleich setzen und damit fordern, dass die Welt tu, was sie mit Südafrika tat – es auflösen! Die meisten dieser Leute wissen absolut nichts über Apartheid, aber das Wort ist extrem mächtig, da es Bilder von Hass, Diskriminierung, Brutalität, Rassismus und Vorurteil heraufbeschwören.

Es ist schon erstaunlich Zeuge zu sein, wie eine Lüge oft genug erzählt wird, dass sie schließlich als Wahrheit akzeptiert wird! Die meisten dieser Leute haben kein Wissen zu den „inneren Abläufen“ des Apartheidregimes und könnten nicht einmal die grundlegenden Fakten darüber erzählen. Apartheid ist nur eine sehr machtvoll einsetzbare Waffe, wenn sie ihren Hass auf Israel absondern.

Im Wesentlichen war die Apartheid ein totalitäres Regierungssystem – nicht unähnlich den Regimen in der heutigen arabischen Welt – durch die eine weiße Minderheits-Bevölkerung die überwiegende Mehrheit der schwarzen Bevölkerung unterjochte. Sie war ideologisch angetrieben und besessen von rassischer Überlegenheit. Die überlegenen Weißen konnten sich unter die minderwertigen schwarzen Menschen mischen oder auch nur auf einer Bank mit ihnen sitzen. Selbst das Niveau des Bildungssystems wurde für die Schwarzen „heruntergeschraubt“, weil man sie für mental unterlegen und nicht in der Lage hielt, ein höheres Lernniveau zu bewältigen, das Weiße erfassen konnten.

Die Städte und Gemeinden waren „nachts weiß“, da alle „Schwarzen“ – wie sie genannt wurden – in ihre Slumviertel weggeschafft werden mussten, die als billige Arbeitsghettos der Nation dienten. Die schwarzen Menschen konnten nicht wählen, eigenes Land besitzen oder sich in ihrem eigenen Land freier bewegen.

Verschiedene Instrumente des Staates wurden genutzt, um das System der totalen und vollständigen Trennung unbarmherzig anzuwenden; dazu gehörten die Polizei, das Militär und das Rechtssystem. Kurz gesagt war es ein Ariertum in neuer Form.

In dem Disput, der zwischen den Palästinensern und Israel heute tobt, gibt es absolut nichts Vergleichbares. In Israel selbst teilen Araber und Juden dieselben Einkaufszentren, Bänke, Krankenhäuser, Theater und i vielen Fällen die Vororte. Die Institutionen des Bildungssystems haben keine bewusst „heruntergeschraubten“ arabischen Lehrpläne und das Privileg des Wählens ist allen gegeben. Die israelische Knesset hat arabische Parlamentarier und Juden, Araber und Palästinenser arbeiten auf Baustellen, in Geschäften, Hotels und andernorts oft zusammen. Wichtiger als alles andere ist die Tatsache, dass Israel ein demokratischer Staat ist. Obwohl nicht perfekt, hat es demokratische Institutionen und wird definitiv nicht von einer totalitären Minderheit regiert!

Draußen in den umstrittenen Gebieten lebt rund 98% der palästinensisch-arabischen Bevölkerung unter der Regierung ihrer eigenen palästinensischen Autonomie, in der sie das Recht haben zu wählen und ihre Führer auszutauschen – zumindest theoretisch. Es ist wahr, dass Israel Sicherheitsmaßnahmen getroffen hat, die ihre Bewegungsfreiheit einschränken, aber diese sind durch den ihm aufgezwungen Konflikt notwendig geworden und legitime Akte der Verteidigung, nicht solche von Rassendiskriminierung.

Wichtig ist ebenfalls, sich daran zu erinnern, dass es in der Region niemals einen palästinensischen Staat gegeben hat, da 1948 selbst die Juden „Palästinenser“ genannt wurden und als solche registriert waren! Die britischen Behörden hielten das Mandat über das Land und akzeptierten das Recht der Juden auf einen eigenen Staat in ihrer alt hergebrachten Heimat. Selbst die Vereinten Nationen akzeptierten das und stimmten für dieses Recht. Als Israel diese Entscheidung umsetzte, indem es seine Existenz erklärte, wurde es sofort von nicht weniger als fünf arabischen Armeen angegriffen!

Das bringt die wirkliche Natur dieses Konflikts ins Zentrum. Der hat sehr wenig mit Politik oder Friedensvereinbarungen zu tun, sondern alles mit Theologie! Damit meine ich eine radikale jihadistische Theologie, die das ganze Land Israel und nicht nur die Westbank als Teil des „Hauses des Islam“ betrachtet.

Diese Theologie diktiert, dass all dieses Land unter islamische Herrschaft zurückgeholt werden muss, ob mit friedlichen, politischen oder gewalttätigen Mitteln des Jihad. Also protestierten sie von 1948 bis 1967, als die Palästinenser alles hatten, von dem sie jetzt sagen, dass sie es haben wollen, weder gegen die illegale jordanische Besatzung der Westbank noch verlangten sie auch nur ansatzweise einen eigenen Staat. Die gründeten allerdings 1964 die PLO mit dem ausdrücklichen Auftrag der Vernichtung des Staates Israel. Danach begannen sie einen Terrorfeldzug, um dieses Ziel herbeizuzwingen; durch die gesamte Oslo-Ära hindurch lehnten sie es ab die berüchtigten Paragrafen aus ihrer Charta zu streichen, die die „Eliminierung“ Israels forderten!

Dieselbe jihadistische Theologie treibt die Hamas und die mit ihr verbundene Miliz der Al-Aksa-Märtyrerbrigaden an, wie sie es auch mit der Hisbollah, Präsident Mahmud Ahmadinedschad des Iran und all den Rest der „Widerstands“-Front tut.

Das hat absolut nichts mit Apartheid zu tun! Der Staat Israel erfreut sich einer jüdischen Mehrheit. Er ist eine Demokratie, die sich vor ihren Bürgern verantworten muss und daher seine Bereitschaft demonstriert hat, schmerzliche Kompromisse einzugehen, um für die Zukunft einen Frieden mit seinen Nachbarn sicherzustellen. In allen Fällen hat allein Israel den tatsächlichen Preis gezahlt, indem es Land abgegeben hat. Es zog sich sogar aus dem Gazastreifen zurück, um die Ernsthaftigkeit seiner Suche nach einer friedlichen Lösung des Konflikts mit den Palästinensern zu demonstrieren. Das Trauma, das dieser Abzug den Menschen des Gazastreifens und Israels brachte, wurde der gesamten Welt durch die internationalen Medien vorgeführt. Doch das reichte nicht! Das Ergebnis war daher ein „immer dasselbe noch einmal“. Soll heißen: Innerhalb einer kurzen Zeitspanne regnete es tausende Raketen, abgefeuert aus dem verlassenen Gebiet, auf israelische Zivilisten im westlichen Negev. Die Welt sagte und tat sehr wenig, außer Israel einen „Apartheidstaat“ zu nennen!

Im Verlauf der Jahre und selbst als Antwort auf Israels großzügigsten Friedensangebote während der Olso-Ära haben die Palästinenser sich für die Gewalt entschieden. Sie nannten das eine „Intifada“. Welle um Welle Selbstmord-Bombenattentäter griffen Israel über die porösen Grenzen um die Westbank an. Männer, Frauen und Kinder wurden willkürlich in Bussen, Restaurants, Hotels und Einkaufszentren ermordet. Um sich vor diesem mörderischen Eindringen zu schützen, baute Israel eine Sicherheitsbarriere, die in einigen der verletzbareren bebauten Gebiete aus einer Mauer bestand. Sie wurde nicht gebaut, um Menschen auszugrenzen oder zu diskriminieren, sondern um seine Staatsbürger vor Anschlägen zu schützen. Diesbezüglich ist der Sicherheitszaun enorm erfolgreich gewesen, wenn auch selbst die Israelis zugeben, dass er eine bedauerliche Maßnahme ist. Aber was würde jeder andere demokratische Staat mit Selbstachtung tun? Trotzdem lieben es Israels Gegner über die „Apartheid-Mauer“ zu höhnen, um ihre Beschuldigungen voranzubringen.

Nach allem, was Israel in seinen 62 Jahren moderner Eigenstaatlichkeit durchmachen musste anzunehmen, dass der jüdische Staat keine legitimen Sicherheitsbedenken hat, ist aberwitzig. Die Palästinenser haben immer und immer wieder demonstriert, dass ihre Strategie sich seit 1964 nicht geändert hat. 1994 in Johannesburg, ein Jahr, nachdem Handschlag mit dem israelischen Führungspolitiker Yitzhak Rabin auf dem Rasen vor dem Weißen  Haus, erklärte PLO-Chef Yassir Arafat genau das. Genaue Beobachter der palästinensischen Medien haben wiederholt ebenfalls die Aufmerksamkeit auf diese Tatsache gelenkt. Die liberale Linke und ihre Sympathisanten ignorieren diese Tatsache bequemerweise. Nein, mein Herr, Apartheid ist nicht das Problem; die Vernichtung Israels ist es.

Erst vor kurzem stand der Hamas-Führer mit Sitz in Syrien Schulter an Schulter mit Ahmadinedschad und gemeinsam prahlten sie, dass Israel sehr bald – in seiner Gesamtheit – von der Landkarte der Welt verschwinden würde. Sie führen einen heiligen Krieg, aber für die liberale Linke ist es Apartheid von Israel; die Wahrheit ist, dass ihre radikalen Positionen sie zu Verbündeten gemacht haben!

Dieselben radikalen Linken befürworten die Demokratie, aber in der Praxis verweigern sie sie. Sie wollen israelischen Akademikern, Führern und Politikern nicht erlauben ihr demokratisches Recht der freien Meinungsäußerung auszuüben. Ihre Intoleranz kennt keine Grenzen; sie drohen und stören Veranstaltungen in Bildungsinstitutionen in westlichen Ländern, die angeblich da sind, um innerhalb des Kontextes demokratischer Werte zu erziehen. Das ist genau das, was die Apartheid-Strolche des südafrikanischen Regimes taten. Sie beendeten öffentliche Treffen mit Gewalt, wenn jemand sich gegen ihre Weltsicht stellte. Sie waren zu Tode verängstigt, dass jemand wahrere und überzeugendere Argumente haben könnte als sie. Die demokratischen Rechte, die sie für sich selbst reklamierten, verweigern sie anderen.

Sicher, die Palästinenser haben gelitten und leiden weiter; aber die Verantwortung dafür voll Israel zuzuschreiben, ist Unsinn. Ihre gescheiterte und korrupte Führung, die verpassten Gelegenheiten und die Bereitschaft Gewalt und Terror zu unterstützen, sind ebenfalls zentrale Gründe für ihr Leiden. Israel ist kein Apartheidstaat. Es ist ein demokratischer Staat, der unter ständiger Bedrohung der Auslöschung lebt und daher danach strebt sein Bedürfnis, einen dauerhaften Frieden mit seinen Nachbarn zu finden, gegen das seiner Sicherheit abzuwägen. Immerhin wird von ihm bei all den so genannten Friedensplänen, die für die Region vorgelegt werden, erwartet, all das Geben zu erledigen und dafür nur mündliche Garantien zu bekommen, die ihm von seinen Gesprächspartnern gegeben werden. Diese haben nie sonderlich viel ergeben.

Die Wahrheit ist: Der Vorwurf der Apartheid ist nur eine weitere Nebelwand im Krieg gegen Israel! Ich muss das wissen, denn ich wuchs in der düsteren Zeit der Apartheid Südafrikas auf und riskierte mich dagegen aufzulehnen.