Amerikas funkelnagelneue palästinensische Miliz

von Daniel Pipes, National Review Online, 16. März 2010

„Das dümmste Programm, das die US-Regierung je durchgeführt hat“ – so bezeichnete ich letztes Jahr amerikanische Bemühungen, die Streitkräfte der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) zu perfektionieren. Leicht übertrieben, ja, aber die Beschreibung passt, weil diese Bemühungen die Kampfkraft der Feinde der Vereinigten Staaten und ihres Verbündeten Israel steigern.

Zuerst eine Einführung in das Programm, die auf eine kürzlich von David Bedein und Arlene Kushner für das Center for Near East Policy Research durchgeführte Studie zurückgreift:

Kurz nachdem Yassir Arafat Ende 2004 starb, gründete die US-Regierung das Office of the U.S. Security Coordinator, um die PA-Miliz (diese wurde Nationale Sicherheitskräfte genannt, Quwwat al-Amn al-Watani) umzubauen, für sie zu rekrutieren, sie auszubilden und auszurüsten und politisch rechenschaftspflichtig zu machen. Fast die gesamte Zeit seines Bestehens wurde dieses Amt von Generalleutnant Keith Dayton geleitet. Seit 2007 haben die amerikanischen Steuerzahler es mit jährlich 100 Millionen US-Dollar finanziert. Viele Behörden der US-Regierung sind an dem Programm beteiligt gewesen, darunter auch das Büro für Diplomatische Sicherheit des Außenministeriums, der Secret Service und Teile des Militärs.

Die PA-Miliz hat insgesamt 30.000 Angehörige; vier Bataillone mit 2.100 Mann haben die Sicherheitsüberprüfung durch fehlende kriminelle oder terroristische Verbindungen bestanden und 1.400 Trainingsstunden in einer amerikanischen Anlage in Jordanien durchlaufen. Dort studieren sie Themen von der Taktik für kleine Einheiten und Tatortermittlung bis Erste Hilfe und Menschenrechte.

Mit israelischer Erlaubnis sind diese Truppen in den Bereichen Hebron, Jenin und Nablus stationiert worden. Bisher ist dieses Experiment gut gegangen und löste weithin Lob aus. Senator John Kerry (Demokrat aus Massachusetts) nennt das Programm „extrem ermutigend“; Thomas Friedman von der New York Times erkennt in den von den USA ausgebildeten Truppen einen sich bildenden möglichen „palästinensischen Friedenspartner Israels“.

Im Blick nach vorne sage ich allerdings voraus, dass diese Truppen für Israel eher ein Kriegsgegner als ein Friedenspartner sein werden. Denken Sie über die wahrscheinliche Rolle der Truppen in einigen Szenarien nach:

Kein palästinensischer Staat: Dayton nennt die von den USA ausgebildeten Streitkräfte stolz die „Gründer eines palästinensischen Staates“, eines Staates, von dem er erwartet, dass er bis 2011 entstehen wird. Was aber – wie das oft schon passiert ist – wenn der palästinensische Staat nicht planmäßig entsteht? Dayton selbst warnt vor „großen Risiken“, was mutmaßlich bedeutet, dass seine frisch gebackenen Streitkräfte ihre Feuerkraft gegen Israel zu richten beginnt.

Ein palästinensischer Staat: Die PA hat bezüglich ihres Ziel der Eliminierung Israels nie gewankt, wie auch der kürzeste Blick auf die von Palestinian Media Watch gesammelten Dokumentationen zeigt. Sollte die PA zum Staat werden, wird sie mit Sicherheit ihr historisches Ziel weiter verfolgen – nur, dass sie dann mit nagelneuen, von Amerikanern ausgebildeten Soldaten und deren Arsenal ausgerüstet sein wird.

Die PA besiegt die Hamas: Aus demselben Grund wird es – in dem unwahrscheinlichen Fall, dass die PA sich gegen ihren islamistischen Rivalen im Gazastreifen, die Hamas durchsetzt – sie die Hamas-Truppen in die eigene Miliz eingliedern und dann den vereinten Kräften den Angriff auf Israel befehlen. Die rivalisierenden Organisationen mögen sich in Aussehen, Methoden und Personal unterscheiden, aber sie teilen das allumfassende Ziel der Auslöschung Israels.

Die Hamas besiegt die PA: Sollte die PA der Hamas unterliegen, wird sie zumindest einige von „Daytons Männern“ in die eigene Miliz übernehmen und sie bei dem Versuch den jüdischen Staat auszulöschen einsetzen.

Hamas und PA arbeiten zusammen: Während Dayton sich einbildet, er bereite eine Miliz auf den Kampf gegen die Hamas vor, beteiligt sich die PA-Führung an von Ägypten geförderten Gesprächen mit der Hamas über die Teilung der Macht – was das Gespenst aufziehen lässt, dass von den USA ausgebildete Streitkräfte und die Hamas ihre Angriffe auf Israel koordinieren werden.

Das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen bietet einen zeitlich begrenzten Trost: Während Washington die PA-Kräfte fördert und Teheran die der Hamas, sind die palästinensischen Kräfte ideologisch stärker gespalten; das schwächt vielleicht ihre Gesamtfähigkeit Israel zu schaden.

Zugegeben, Daytons Männer benehmen sich derzeit gut. Aber was immer die Zukunft bringt – Staat, keinen Staat, Hamas siegt über die PA, die PA besiegt die Hamas oder die beiden arbeiten zusammen – diese Milizmänner werden am Ende ihre Waffen gegen Israel richten. Wenn das geschieht, werden Dayton und die Genies, die mit Idealismus diese Streitkräfte der Feinde Israels aufbauen, wahrscheinlich mit den Schultern zucken und sagen: „Diesen Ausgang hätte niemand vorhersehen können.“

Falsch: Einige von uns sehen es voraus und warnen davor. Tiefer gehend: Einige von uns begreifen, dass der Oslo-Prozess von 1993 den Drang der Palästinenserführung Israel zu beseitigen nicht beendete.

Der Auftrag Daytons muss gestoppt werden, bevor er weiteren Schaden anrichtet. Der Kongress sollte sofort alle Gelder für das Office of the U.S. Security Coordinator streichen.

(auch hier: http://de.danielpipes.org/8098/amerikas-funkelnagelneue-palaestinensische-miliz)

7 Gedanken zu “Amerikas funkelnagelneue palästinensische Miliz

  1. Ist das nicht soooo beruhigend?
    Ähnlich wie die endlich wieder ausgeteilten Gasmasken…ich fühle mich schon viel viel sicherer!

    Man darf gespannt sein was dieses Wochenende passiert. Selten habe ich ein Freitagsgebet mit dieser Spannung erwartet…

  2. Mal was ganz anderes:

    Gibts inzwischen eigentlich einen Generalimporteur für die Kaffiyah Y’Israelit?
    Das ist doch mit ausländischen Bestellungen, Kreditkarten, PayPal und Zoll immer so ’ne Sache.
    Was meinst Du, sollte ich mal schauen ob man jemanden dafür in Dtl. findet?

    • Gibt es meines Wissens nicht. Wäre toll, gäbe es jemanden. Bei der Keffiyeh von Magic Wand habe ich nie irgendwelche Probleme gehabt; die Bestellung von TheKef (3 Stück) kam ganz schön spät – und dann hat die Deutsche Post AG (oder wie die sich sonst jetzt schimpfen) das Päckchen von sich aus an den Zoll gegeben und die wollten noch Steuern und Gebühren, weil der Wert der Ware (incl. Verpackung und Versand usw.!) 25 Euro überstieg.

  3. Sagt Bescheid, wenn Ihr da was gefunden habt! Der Winter war doch ziemlich kalt und im Sommer würde es gut meinem Rucksack stehen! (-;

    In leichter Abwandlung:
    „Ist Dir kalt oder bist Du etwa für Israel?“ – „Ja und auf jeden Fall!“

  4. PS: Die zu kaufenden T-Shirts passen mir leider nicht, ich möchte mir deshalb welche bedrucken lassen.
    Wer kann mir gute Grafiken oder Fotos von IDF-Wappen, Israelfahnen usw. schicken? Was man so im Netz findet, ist meist nicht so besonders.
    Dankeschön!

    • Da man diese für den Druck optimalerweise in Vektorgrafik wandelt, müssen sie gar nicht so toll und groß sein.

      Was viel kritischer ist: Finde mal einen Laden der in Dtl. hier *problemlos* Dir so etwas druckt – Israel-Symbolik ist inzwischen fast so heißes Eisen wie NS-Zeug…

      Aber hey, ’ne Ttragetasche mit Hamas-Logo oder Free Palistine, kriegt man problemlos
      Siehe: http://www.zazzle.de/pal%C3%A4stina+taschen
      Deutschland ein Wintermärchen…

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