Nutzt Obama Israel als Sündenbock für seine außenpolitischen Fehlschläge?

Moshe Dann,
Pajamas Media, 18. April 2010

Obwohl er es gleich mit einem Dutzend problematischer Themen weltweit zu tun hat, scheint Präsident Obama nur von einem besessen zu sein: dem palästinensisch-israelischen Konflikt.

Obamas Administration hat sich von Anfang an auf dem Kriegspfad gegen Israel befunden; er hat über Fragen Streit vom Zaun gebrochen, die schon sehr lange in der Welt waren. Dazu gehört, wo Juden in Jerusalem, Judäa und Samaria (der Westbank) wohnen und bauen können; die Entfernung von Straßensperren, die Terroristen aufhalten; und die Reduzierung der Restriktionen für das Hamas-Regime im Gazastreifen. Doch bezüglich der von der PA gesponserten antijüdischen und antiisraelischen Hetze und dem steilen Anstieg der Krawalle, Gewalt und Terroranschläge hat Obama geschwiegen.

Eine unverfängliche Ankündigung der Genehmigung von Bauanträgen in einem jüdischen Viertel Jerusalems während des Besuchs von Vizepräsident Joe Biden gab Obama die Gelegenheit, auf die er vielleicht gewartet hatte – er bombardierte Israel mit nie da gewesenem Zorn und Verachtung. Obamas in keinem Verhältnis stehende und ungewöhnlich schroff geäußerte Enttäuschung erscheint irrational.

Ein paar Wachen später zitierte David Sanger von der New York Times einen der außenpolitischen Berater Obamas:

Wenn Obama nicht die Parameter für unsere Verbündeten bestimmen kann, wie soll er den Mullahs welche setzen?

Sanger schrieb weiter:

Obamas Team scheint zu begreifen, dass sie, wenn sie diesen Wettkampf des Willens [mit Israel] verlieren, der Rest ihrer Außenpolitik ebenfalls bedroht ist.

Wenn man das als richtig annimmt, dann versucht Obama Israels Zugeständnisse an das Handeln der USA zu binden, um den Iran davon abzuhalten Atomwaffen herzustellen; und genauso an andere Probleme. Diese Politik macht Israel zum Sündenbock für Obamas Fehlschläge.

Es sind diese Juden, die in Jerusalem Häuser bauen wollen, die verhindern, dass die USA den Iran, Nordkorea und die Taliban stoppen! David Petraeus ist zitiert worden, er impliziere, dass Amerikas Unterstützung für Israel den alliierten Kriegsanstrengungen im Irak, Afghanistan und Pakistan schade. Es ist ein Wunder, dass die Juden nicht für die globale Erwärmung verantwortlich gemacht werden.

Die Gefahr der Attacke Obamas besteht nicht darin, dass er die Verantwortung für die Probleme, denen sich der Westen in seinen Kriegen gegen die Islamisten gegenüber sieht, auf Israel schiebt, sondern dass damit Israel für die Bedrohung aus dem Iran verantwortlich gemacht wird. Das ist eine Blutlüge; sie ist von Extremisten bereits seit einigen Jahren in Umlauf gebracht worden. Dass sie aus dem Weißen Haus kommt, gibt ihr jetzt Legitimität.

So haarsträubend dieser Vorwurf ist: er fördert die Art von Judenhass, die von Reverend Jeremiah Wright und einigen der Freunde Obamas gepredigt wird. Solche Vorwürfen, Andeutungen und Schlussfolgerungen schüren einen klassischen Antisemitismus, der nur darauf wartet entzündet zu werden.

Obamas Attacke gegen Israel ist nicht nur ein Angriff auf ein Land, sondern auf ein Land, dessen Regierung vorwiegend jüdisch ist. Indem er für Israel die Rolle als schuldige Seite vorsieht – und das zu einer Zeit, in der der Iran, die Hamas, die Hisbollah und Syrien sowie jede Menge anderer radikaler, islamitischer Jihadisten Israels Vernichtung anstrebt und deutlich mehr zu tadeln sind – hat Obama sich damit beschäftigt, die israelischen Juden zu dämonisieren.

Obamas Attacke gegen Israel erfolgt weder unwissend noch unbeabsichtigt. Sie ist das Ergebnis vo zwei Jahrzehnten Gehirnwäsche durch seine spirituellen und moralischen Mentoren. Und die Speerspitze der Strategie besteht darin, den israelischen Premier Bibi Netanyahu zu isolieren und Israel in die Knie zu zwingen.

Wenn Netanyahu sich Obamas Forderungen widersetzt, wird er als den Präsidenten beleidigend dargestellt, als die Konfrontation mit dem Iran verhindernd und als US-Militäraktivitäten schädigend. Er riskiert die amerikanischen Militärhilfe und die US-Unterstützung in der UNO zu verlieren. Widerstand seitens Netanyahus könnte also zu verstärkten Anstrengungen führen Israels Atomanlagen zu untersuchen und seine atomaren Kapazitäten zu vernichten.

Wenn Netanyahu Obama nachgibt, gefährdet er Israels Sicherheit und seine Ansprüche in Judäa und Samaria.

Indem er Israels Willfährigkeit zu einer persönlichen Sache machte, einen Maßstab seiner eigenen Stärke, hat Obama ein Lage geschaffen, in der Israel – egal, was es tut – verlieren wird.

In der Vergangenheit hat Mehrdeutigkeit, um direkte diplomatische Zusammenstöße zu vermeiden, sich oft zu Gunsten Israels ausgewirkt. Obama hat diesen Freiraum verkleinert – und Netanyahu verpflichtet klar und deutlich zu sagen, wie Israels Position aussieht; nicht nur zu Jerusalem, sondern zu allen umstrittenen Bereichen und dazu, Israels legitime Interessen und Bedenken vom Spieltisch zu nehmen.

Obamas dreister Zug, das Prestige seines Amtes und seine persönlichen Interessen als Demonstration von Autorität und Stärke gegen Israel aufs Spiel zu setzen, könnte sich als Beispiel von Fahrlässigkeit und Schwäche erweisen. Das wäre bedauerlich für Amerika, Israel und die Welt.