Das Mysterium des Motivs eines Terroristen

Meryl Yourish, 5. Mai 2010

Der Dreh von heute ist natürlich: Wie konnte ein Mann, der so hart dafür arbeitete amerikanischer Staatsbürger zu werden und den amerikanischen Traum zu verfolgen, zum Terroristen werden?

Die AP-Schlagzeile qualmt vor Ratlosigkeit:

New York Autobomen-Verdächter kooperiert, Motiv mysteriös
Ein Mann, dem vorgeworfen wird am Times Square eine Autobombe zur Explosion gebracht haben zu wollen, hatte das stabile Vorortleben gefunden, für das er ein Jahrzehnt lang gearbeitet hatte; dann verließ er sein Haus in Connecticut und entschied sich seine Diplome mit einer Sprengstoff-Ausbildung in Pakistan zu ergänzen, sagen die Behörden.

Die Washington Post kann auch nicht ergründen, warum ein so netter junge Mann derart in die falsche Richtung losziehen sollte:

Die am schwersten fassbare Frage zu Shahzad – einem Mann ohne bekannter gewalttätiger Vergangenheit oder Verbindung zum militanten Islam – ist dieselbe, die oft bei Terror-Komplotten auftaucht: Warum?

Im Verlauf des Artikels stellt der Autor einige falsche Mutmaßungen auf:

Wie konnte jemand mit einem Computer-Abschluss , von dem die Behörden sagen, er habe in Pakistan eine Ausbildung im Bombenbau bekommen, eine so primitive und erfolglose Vorrichtung zusammensetzen?

Er hatte seinen Abschluss in Computerwissenschaften gemacht; der Fehler des Autors besteht darin zuglauben, dass ein solcher Abschluss notwendigerweise bedeutet, dass man schlau genug ist, die Feinheiten des Bombenbaus zu handhaben – selbst nachdem man einen Kurs dazu absolvierte. Ich habe vor Jahren einen XML-Kurs absolviert und kann immer noch keinen Javascript-Wrapper schreiben, um mein Leben zu retten. Der Direktor von Shahzads MBA-Programm sagte, er war ein „unscheinbarer“ Student gewesen. Das hätte für den Schreiber ein Hinweis auf die oben gestellte Frage gewesen sein können.

Reuters sucht nach Antworten, bringt aber zuerst die abgedroschene „Kind der Armut wendet sich dem Terror zu“-Theorie auf, bevor diese in der zweiten Hälfte des Artikels zerschossen wird.

Doch ich glaube, es gibt eine viel einfachere Antwort, nach der sie suchen.

Es ist der Jihad, Dummköpfe.

Man muss nicht jeden Tag in eine radikale Moschee gehen, um von einer Sehnsucht nach dem Jihad getroffen zu werden. Religiöses Erwachen, selbst das der radikalen Variante, kann von einem Moment auf den anderen kommen, wegen eines Vorfalls, den man nie erwartet hätte. Sah er die Nachrichten und sah, wie eine Gruppe Zivilisten von einem Predator-Bombenwurf getötet wurde? Surfte er im Internet und fand etwas, das einer seiner Glaubensbrüder sagte und das bedeutete ihm plötzlich alles? Sagte ein Freund etwas über den Krieg in Afghanistan oder dem Irak, das auf einmal in seiner Seele Widerhall fand?

Das könnte alles sein, was nötig war.

Warum wird ein Mensch radikal? Ich weiß es nicht. Man muss ihn selbst fragen. Ich bin sicher, er wird es uns letztlich sagen. Weil das noch so eine Sache mit den Fanatikern ist: Sie wollen, dass du weißt, warum sie dich töten.