Zwei „Dissidenten“: Chomsky Einreise in Westbank verweigert; Wilders Einreise nach Großbritannien verweigert

Robin Shepherd, 20. Mai 2010

Betrachten wir zwei Beispiele davon, dass eine westliche Demokratie einem Würdenträger aus dem Ausland den Eintritt in ihre Grenzen aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit seinen politischen Überzeugungen verweigert.

Im ersten Fall wurde dem fraglichen Mann die Einreise aus Angst davor verweigert einer muslimische Minderheit auf den Schlips zu treten. Er befindet sich wegen seiner Meinungen in ständiger Gefahr ermordet zu werden und er wird wegen ihnen von der Regierung seines Heimatlandes vor Gericht gestellt. Wenn dieses Verfahren (das im Oktober beginnen wird) erfolgreich ist, könnte er der erste politische Gefangene dieses Kontinents seit dem Ende des Kalten Krieges werden. Sicher, seine Ansichten sind umstritten und obwohl er nicht zu Gewalt oder Rassenvorurteilen anstachelt, ist er oft der Religion des Islam gegenüber ausfällig und beleidigend. Er hegt jedoch keinen Groll gegenüber dem Land, das ihm die Einreise verweigerte und hat niemals darüber gelästert.

Der Mann ist Geert Wilders, der niederländische Politiker, dem von der Labour-Regierung 2009 die Einreise nach Großbritannien verboten wurde. Ein Großteil der liberalen Intelligenzija in Großbritannien unterstützte die Entscheidung des Verbots weithin; es wurden Demonstrationen gegen ihn gestartet, nachdem die Regierung ihm schließlich 2010 die Einreise erlaubte.

Sehen wir uns nun den zweiten Fall an, den eines Mannes, dem diese Woche kurzzeitig von israelischen Beamten an der Grenze zu Jordanien die Einreise in die Westbank verweigert wurde.

Der fragliche Mann ist einer der weltweit prominentesten Apologeten des islamischen Extremismus. Genauer gesagt ist er der führende Evangelist des westlichen Selbsthasses in der amerikanischen und europäischen Klassen der Meinungsmacher. So absurd das ist: Er betrachtet sich als „Dissidenten“, lebt aber ein komfortables Leben frei von jeglicher Bedrohung. Er redet von der Kolonisierung der beiden Amerikas durch die Europäer als einem „hitlerischen“ Unternehmen. Er verkehrt mit Holocaustleugnern, einschließlich der Hisbollah. Was das Land angeht, das ihm die Einreise verweigerte, so hasst er es; er hat seine Karriere auf dessen Dämonisierung rund um die Welt aufgebaut und er ist fundamental gegen seine Existenz in seiner gegenwärtigen Form. Er ist – anders ausgedrückt – ein Linksextremer, der aus sich einen unversöhnlichen Feind des Landes gemacht hat, das ihm die Einreise verwehrte.

Dieser Mann ist Noam Chomsky; Die Entscheidung, ihm diese Woche die Einreise in die Westbank zu verweigern, wurde von Israel als Fehler anerkannt, der jedenfalls aufgehoben wurde. Die britischen und europäischen Medien sind zu Chomskys Verteidigung ausgerastet. Ein Held des liberalen Establishments ist mit einem (ziemlich vernünftigen) verdrossenen israelischen Bürokraten aneinander geraten. Die Empörung ist mit Händen zu greifen.

Ich glaube, wie die israelische Regierung, dass es ein Fehler war Chomsky die Einreise zunächst zu verweigern. Gleichwohl würde seine ständige Verunglimpfung Israels mit Sicherheit Gründe dafür liefern, ihn zur Persona non grata zu erklären. Wenn es je einen Fall gab, das in einer westlichen Demokratie zu tun, dann in diesem Fall. Doch wie ich sagte, ich betrachte das als einen Fehler. Mit keinem denkbaren Maßstab an Schaden für das nationale Interesse hätte aber Wilders aus Großbritannien verbannt werden können. In seinem Fall ging es um Zensur und Appeasement des militanten Islam. Nicht mehr und nicht weniger. Das nationale Interesse hatte damit nichts zu tun.

In den scharf kontrastierenden Reaktionen auf das, was wie zwei anscheinend gleiche Fälle aussieht, haben wir hier eine bemerkenswerte Fallstudie dafür, wie die dominanten Meinungsmacher in den westlichen Medien die Welt betrachten. Chomsky – ein Extremist, der völlige Verachtung für vernunftgesteuerten Diskurs zur Schau stellt und der totalitären Bewegungen und deren Apologeten überall auf der Welt zu Hilfe kommt – wird als gejagter Held bejubelt: ein Dissident, der auf eine Art unterdrückt wird, die dazu führte, dass die Times hämisch von einem israelischen Autor berichtete, er habe gesagt: „Wir könnten zu Faschisten werden.“

Der fragliche Artikel der Times begann mit der Beschreibung Chomsky als „einem führenden linken politischen Denker“. Die BBC ging weiter und beschrieb ihn bewundernd als den „angesehenen US-Gelehrten Noam Chomsky“. Wilders wird immer als „der rechtsradikale holländische Politiker Geert Wilders“ beschrieben. Der Ton von Artikeln über ihn ist verurteilend; der Subtext stellt ihn durchweg als Rassisten ohne Platz in der höflichen Gesellschaft hin.

So sehen die Werte und der Glaube aus, die das Denken eines liberalen Establishments in Europa leiten, das eine fast monolithische Dominanz über den politischen Mainstream ausübt. Ein Sturm im Wasserglas, in den einer seiner Helden an der jordanischen Grenze verwickelt ist, wird empört zu einem grotesken Beispiel der Fürchterlichkeiten aufgeblasen, die einem freundlichen und brillanten Intellektuellen von einem unterdrückerischen jüdischen Staat zugemutet werden. Ein mit Fehlern behafteter, aber mutiger niederländischer Politiker, ein wahrer politischer Dissident, der sich wegen seiner Ansichten Todesdrohungen und Gefängnis ausgesetzt sieht, wird niedergemacht und zum Paria gestempelt, obwohl der keinen Groll gegen den Staat hegt, der ihm die Einreise verweigerte.

So weit…

5 Gedanken zu “Zwei „Dissidenten“: Chomsky Einreise in Westbank verweigert; Wilders Einreise nach Großbritannien verweigert

  1. Das ist eben der sicht- bzw. lesbare Ausdruck dessen, was man Deutungshoheit nennt. Wilders hat ja in Israel gelebt und war auch in muslimischen Ländern, weiß also worüber er spricht. Sein Antrieb ist Sorge, nicht persönlicher Hass.

    Chomsky dagegen ist ideologieverbohrt. Klar, dass ihm seine linken Freunde, selbst ideologisch auf der Einbahnstraße, medial zur Seite stehen.

    Überraschen tut das alles nicht.

  2. Hi,

    ich bin ehrlich, Chomsky ist ein angesehenen US-Gelehrten. Ich denke aber, dass er sich diesen Titel nicht durch sein politisches Engagement verdient hat, sondern durch seine Forschung in der Linguistik. Ich denke, dass man ihm diese Aussage durch die Chomsky-Hierarchie zukommen lassen kann.
    Obwohl ich ihn dafür schon bewundere, so kann ich seine politische Einstellung nicht verstehen und hatte mich schon ein paar mal gefragt, wie man überhaupt zu solchen Aussagen kommen kann.

    Gruß
    Alex

    • Mal ehrlich: Würde hier irgendjemand den Namen Chomsky kennen, wäre er nicht der laute Israelhasser, als der er seit Jahrzehnten durch die Welt tourt?
      Ich denke: Nein.

      • Ja – ich denke schon. Ich konnte zu Beginn nicht mal Chomsky (den Wissenschaftler) mit dem Israel-Hasser Chomsky zusammenbringen. Ich war schwer entsetzt, als ich hörte was er dazu von sich gab.
        Jeder Informatiker müsste aber seinen Namen kennen…, wie auch jeder Sprachwissenschaftler und Mathematiker.

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