Israel fing die türkische Flotte ab – der Kater am Morgen danach

Joel Fishman, Jerusalem, 1. Juni 2010 (per E-Mail)

Am frühen Morgen des 31. Mai fing die israelische Marine eine Flotte ab, die von der Türkei zum Gazastreifen unterwegs war und das bekundete Ziel hatte, den Gazanern humanitäre Hilfe und moralische Unterstützung zu bringen. Seit Anbeginn hat das Hamas-Regime gegen Israel Krieg geführt und tausende Raketen auf Bevölkerungszentren im Süden des Landes abgefeuert. Als Antwort auf diese Aggression belegte Israel den Gazastreifen mit einem Belagerungszustand und führte die Operation Gegossenes Blei aus. Angesichts der Tatsache, dass es sich im Kriegszustand befindet, halt Israel eine legale Blockade des Gazastreifens aufrecht, um zu verhindern, das ser eine militärische Infrastruktur aufbaut, fortschrittliche Flugkörper importiert und – nicht zu gutter Letzt – zu verhindern, dass von Außen neue Kräfte und gefährliches Know-How wie Bombenbau und die Vorbereitung von Sprengstoff hinein gebracht wird. Solche Notwendigkeiten wie Lebensmittel und Medikamente erreichen Gaza regelmäßig und sind ausreichend vorhanden. Deren Lieferung wird derzeit überwacht.

Die Hamas ihrerseits will die Blockade brechen, um einen Kanal zum Import von Waffen und Material ohne Überwachung zu bekommen. Um Krieg gegen Israel führen zu können, brauchen sie einen Zufluchtort, an dem sie frei agieren, Waffen importieren und neue Angriffe inszenieren können. Während des Vietnam-Kriegs dienten dazu Kambodscha und der Ho-Chi-Minh-Pfad. Kurz gesagt: Die Hamas will dringend ausbrechen. Obwohl die israelische Marine nicht völlig auf die Konfrontation vorbereitet war, behielt sie die Blockade bei und verteidigte so die Souveränität des Staates.

Es gibt eine weitere Dimension, die gewürdigt warden muss. Die Türkei hat eine neue strategische Vision ihres Platzes in der Welt entwickelt und strebt danach ihren Einfluss auszudehnen. Der türkische Außenminister Ahme Davutoğlu ist der Pionier dieser neuen Herangehensweise. Seine Idee war es, in dieser Region eine Pax Ottomana zu errichten. Er will nicht das Ottomanische Reich wieder aufbauen, sondern den Einfluss des islamischen Staates Türkei als Friedensmacher und Vermittler. In unserer Zeitkönnte die Ausdehnung von Einfluss beträchtlichen Nutzen einbringen. Das erklärt das intensive Verlangen der Türkei ihren Weg als Friedensmacher zwischen Syrien und Israel zu pushen. Breiter betrachtet kann man sagen, dass sich die Türkei, nachdem die Europäische Union ihr die Tür verschloss, entschied ein ähnliches Konstrukt mit der islamischen Türkei als zentralem Spieler zu schaffen, kombiniert mit verbesserten Beziehungen zum Iran, Syrien und der Hamas. Die Türkei hat Geld in die Verbesserung des Hafens von Gaza investiert; und wenn die Türkei in der Lage ware Ladungen an Personen und Material in den Gazastreifen zu schicken, würde sie automatisch eine Präsenz im östlichen Mittelmeer entwickeln. Wie Bernard Lewis es so pregnant ausdrückte: “Die Türkei ist ausgerastet.”

Man muss einen achtsamen Blick auf die Sponsoren der Hilfsflotte werfen. Oberst a.D. Jonathan Fighel vom Intelligence and Terrorism Information Center (IDC) schrieb einen Artikel, in dem er die türkische IHH Insani Yardim Vakfi untersuchte, den “Humanitären Untestützungs-Fond” (http://www.terrorism-info.org.il/malam_multimedia/English/eng_n/html/hamas_e105.htm). Diese 1992 gegründete radikalislamische Organisation war die prominente unter den Organisationen der Koalition der Hilfsflotte. “DieIHH hat ein breit gefächertes Programm wichtiger Aktivitäten in Not leidenden Gebieten. Dazu gehört, dass sie Lebensmittel und Unterstützung an Waisen schicken, Bildungsinstitutionen, Krankenhäuser und Kliniken einrichten, Programme zur Berufsbildung, die Lieferung von Medikamenten, der Bau von Moscheen udn die Verhinderung der Verletzung der Menschenrechte an verschiedenen islamischen Orten überall in der Welt. In den vergangenen Jahren hat sie angefangen ihre Aktivitäten in europäische Staaten auszuweiten, zum Teil durch die Gründung von Ablelgern, die ihren Namen tragen.” Fighel stellte auch heraus, dass “die IHH in der Vergangenheit logistische Unterstützung und Finanzierung globaler jihadistischer Netzwerke bereitstellte”. Zusätzlich berichtete er, dass es Beweise dafür gab, dass diese Gruppe mit Terrorismus, antiwestlicher Hetze und dem Transport von Waffen in Verbindung steht.

Das bringt uns zum Hauptpunkt. Die israelische Marine kannte den Feind nicht, obwohl sie ihn hätte kennen sollen. Jeder, der von den Aktivitäten der türkischen IHH wusste, hätte die deutliche Möglichkeit vorhersehen können, dass einige der Passagiere erfahrene Kämpfer waren, von denen einige bei Kämpfen auf dem Balkan dabei gewesen sein könnten. Es ist schockierend, dass, da die Identität und Aktivitäten der Sponsoren-Organisationen bekannt waren, die Marine ihre Kommandos mit Paintballs in die Schlacht schickte. Anzunehmen, dass diese Leute echte “Friedensaktivisten” waren, stellt ein ernstes Versagen der Geheimdienste dar.

In diesem Zusammenhang zitieren wir die SChriften des chinesischen Philosophen Sun Tzu, der in seinem Klassiker “Die Kunst des Krieges” im Jahr 500 v.Chr. Folgendes schrieb:

Kenne den Feind und kenne dich selbst
dann wirst du in hundert Schlachten niemals in Gefahr sein.

Wenn du vom Feind nichts weißt, aber dich selbst kennst,
sind die Chancen deines Sieges oder deiner Niederlage gleich.

Wenn du weder deinen Feind noch dich kennst,
dann ist sicher, dass du in jeder Schlacht in Gefahr bist.

Es liegt in der Verantwortung derer, die Soldaten in die Schlacht führen, dass sie den Feind kennen. Das Versagen, dieser Verantwortung nachzukommen – angesichts reichlich jedermann zugänglichen vorhandenen Informationen – erklärt, was wirklich schief lief.