Tanzende Soldaten

Yaacov Lozowick, 7. Juli 2010

Offenbar verbringen amerikanische Truppen im Irak und Afghanistan Zeit mit der Erstellung von Videos von sich selbst, wie sie an allen möglichen Orten tanzen. Hier ein Beispiel:

Und ihr eines mit einem amerikanischen Soldaten an einer Straßensperre, der einen einheimischen Autofahrer auffordert den Aufständischen zu sagen, sie sollten bitte innerhalb der nächsten Stunde zum Kämpfen kommen, bevor er duscht:

Hier mehr und es gibt noch viel mehr, wo das herkommt:

Sie werden also zu schätzen wissen, warum ich von diesem Clip von sechs Soldaten, die dasselbe in Hebron tun, nicht allzu beklommen, beschämt oder auch nur leicht angefressen bin, von dem so viele Leute in den letzten Tagen derart angespannt sind.


(Lozowick hat eine andere Version verlinkt, die aber in Deutschland nicht verfügbar ist.)

Es geht nicht darum, dass sie noch Kinder sind: Das sind sie nicht. Eine Gruppe von sechs IDF-Infanteristen, von denen zumindest einer ein Unteroffizier ist, sind keine Gruppe Heranwachsender. Sie sind Erwachsene; sie und ihrer Freunde schultern die Verantwortung für unser Leben; sie beweisen wiederholt, dass sie bereit sind, das eigene Leben zu riskieren, um uns zu schützen – und sie sind weit erwachsener – das als allgemeine Erklärung – als die meisten zivilen jungen Erwachsenen in der reichen Welt. Daher ist das kein kindischer Akt.

Es ist gutmütiger Blödsinn. Niemand wurde dadurch geschädigt, niemand wurde gedemütigt, es wurde überhaupt kein Schaden angerichtet. Ja, ich kann sehen, warum ihr Kommandeur deswegen sauer ist und ich erwarte, dass sie einen kleinen Preis dafür zu zahlen haben, aber das ist auch alles. Jedem, der darauf besteht, dass das ein gefühlloser Ausdruck einer brutalen Besatzung ist usw. usw., muss man das Hirn untersuchen. Andererseits zeigt sich bei den meisten Hirnuntersuchungen irrationaler Hass wahrscheinlich nicht. Leider.

PS: Mein Sohn, der Soldat, ist jetzt eine Woche lang Zuhause. Wir haben uns das gemeinsam angesehen, herzlich gelacht (es ist ziemlich lustig) und er sagte mir, dass das 50. Bataillon – von denen sind sie – für seinen Blödsinn bekannt ist.



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7 Gedanken zu “Tanzende Soldaten

  1. Was ist geschehen? Ach ja: ein paar Soldaten haben sich einen Jux erlaubt, tatsächlich sogar einen gelungenen. Obendrein einen, der das lädierte Image Israels und seiner Armee sehr aufpoliert, indem er die israelischen Soldaten als genau das zeigt, was sie sind: Menschen. Menschen, die gerne leben, die keine brutalen, hirn- und humorlosen Killer sind, die Spaß haben, lachen und tanzen wollen. Menschen, die bisweilen schlimme Fehler machen, obwohl sie eigentlich etwas anderes machen wollen und sich wünschen: Frieden!

    Keine offizielle israelische Pressestelle hat mit ihren letzten hundert Verlautbarungen ein so starkes Medienecho erzeugen können. Und diesmal ist es, vor Allem, endlich mal ein positives Medienecho. Eines, das diesen Konflikt kaum treffender charakterisieren könnte. Israelische Soldaten, die leben und tanzen wollen, und stattdessen gezwungen sind, ihr Leben mit Sturmgewehren und Splitterschutzwesten zu verteidigen. Tanzen in Uniform: kann man das Gezwungensein zum Überlebenskampf, seinen Friedenswillen denn deutlicher zeigen?

    Als Disziplinarvorgesetzter würde ich den Soldaten offen eins auf die Nuß geben (ein Wochenende Stubenarrest, Rödelbahn, Geländeausbildung, Wald- oder Häuserkampfbahn, etwas in dieser Art), und sie dann zuerst zur Pressestelle versetzen und danach (be-)fördern.

    Denken Sie das mal taktisch weiter. Wenn israelische Sodaten eine rote Pappnase und einen Clownshut oder eine

    • Na ja, so siehst du das mit dem positiven Echo. Was ich so gesehen habe, sind die üblichen Verdächtigen alle auf der Seite von B’Tselem und schimpfen, die Besatzer sollten sich nicht auch noch über ihre Opfer lustig machen.

  2. …entsprechende Mütze tragen, wird es für palästinensisch-arabische Eltern schwierig, ihre Kinder zum Djihad zu erziehen.

  3. Ich finde es auch lustig und denke das das halt gewisserweise mit dazu gehört. Soldaten sind keine Roboter wie ein Colaautomat, sie müssen den Druck und den Stress abbauen (und den Tag rumkriegen) und wenn es auf diese Weise geschieht finde ich das sehr gut.

    Zudem zeigt es dass die Trupps ein ausgezeichnetes Team sind.

  4. Ich dachte, das wäre jetzt die Standardausrüstung für jüdische Tanzgruppen nach dem Steinigungszwischenfall im Westen.

  5. heplev, dieses Video und LatmaTV gehören genau dazu, was ein PR Mann Israel geraten hat:

    Seid frech und laut!!!

    Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren. Auf allen Wegen. Schweigen hilft überhaupt nicht. Auch die falschen Töne, die lauten Töne, die schrillen Töne – Gruß an Henryk Broder – alle sind sie besser als Schweigen. Das Schweigen ist der Existenzboden des Ressentiments. Das Schweigen ist der Raum, in dem der andere schreit. Die Dschihad-Rufe finden in dem Schweigen der anderen statt.

    Israel schweigt viel.

    Ja, Israel schweigt viel. Auch die Juden im Ausland schweigen viel. Aber die Devise muss lauten: reden, reden, reden. Und zwar in allen Formen, die diese Zeit zulässt: Satiren auf YouTube, relativ schrille, auch böse, pro-israelische Videos, Kommentare, die das Thema berühren. Ich glaube, dass die halben Töne, die Höflichkeiten, die vermeintlichen Rücksichtnahmen und Political Correctness alle Unsinn sind in dieser Debatte. Wir haben einen Propagandakrieg gigantischen Ausmaßes da draußen. Die Gaza-Flottille war ein gigantisches PR-Unternehmen, in der Inszenierung Greenpeace ebenbürtig. Was wir im Moment erleben, das ist die Übermacht des islamistischen, kriegstreibenden, hasstreibenden Diskurses in sehr kreativen, modernen Formen. Vom Stand der Propaganda ist das fünf Klassen besser als das, was man sonst sieht. Handwerklich richtig gut. Und das darf man nicht alleine stehen lassen.

    Was setzt man dagegen?
    Ich glaube, dass auf einen groben Klotz ein grober Keil muss. Und ich glaube auch, dass man auf eine bestimmte Art von entwickelter PR nur mit genauso entwickelter PR antworten kann. Da nützt es nicht, wenn Sie einen israelischen Regierungssprecher, der aussieht wie ein Schülersprecher aus Dahlem, mit einem kleinen Zettel vor eine Kamera stellen und der da sein Ding abliest, was nicht mal CNN sendet.

    Das muss ankommen: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/8006

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