Feuergefecht an der libanesischen Grenze

(Live-Blogging bei Jameel – alle nicht verlinkten Informationen kommen von ihm)

Nachdem im nördlichen Galiläa eine aus dem Libanon auf israelische Soldaten abgeschossene Mörsergranate einschlug, waren an der Grenze zum Libanon Feuerwechsel zwischen IDF-Kräften und Kräften im Libanon zu hören. Die Israelis sollen mit Panzer-, Artillerie-, Kampfhubschrauber- und Gewehrfeuer geantwortet haben.

Die Umstände sind noch nicht klar, fest steht bisher: Ein Soldat und ein Libanese wurden bei dem Feuerwechsel verletzt, der bei al-Adeisa stattfindet. Die Libanesen sagen, ein israelischer Panzer eine Granate in den Libanon geschossen und die libanesischen Streitkräfte hätten darauf geantwortet. Von israelischer Seite wird (m.E. glaubhafter) angegeben, dass es Mörser- und Gewehrfeuer auf israelische Truppen gegeben hatte, die sich auf eine Routine-Patrouille befanden. Dabei waren sie anscheinend zwar jenseits des Grenzzauns, aber noch auf israelischem Territorium unterwegs.

Libanesische Nachrichten melden, eine Katjuscha sei nach Israel abgeschossen worden; dabei dürfte es sich allerdings um die Mörsergranaten handeln.

die Bevölkerung im Norden Israels wurde noch nicht aufgefordert die Schutzräume aufzusuchen, allerdings wurden diese geöffnet.

Die UNIFIL drängt die libanesische Armee und die Israelis zu Zurückhaltung.

Natürlich protzt der Präsident des Libanon: Michel Suleiman will sich „der israelischen Verletzung der Resolution 1701 entgegenstellen, egal, was es kostet“. (Die Aggression kam aus dem Libanon, die Resolution 1701 wird seit Jahren vom Libanon – einschließlich Iran und Syrien – zur Lachnummer gemacht, aber Israel muss wieder beschimpft werden. Mal ganz abgesehen davon, dass der Mann mit solcher Haltung wohl hauptsächlich die Bevölkerung des eigenen Landes gefährdet.)

Alles deutet darauf hin, dass die Soldaten sich auf der israelischen Seite der Grenze befanden; die Hisbollah sagt, sie hätten versucht Überwachungskameras anzubringen.

Bestätigt wird die Meldung, dass ein libanesischer Soldat getötet wurde; möglicherweise haben die libanesischen Streitkräfte noch einen zweiten Toten.

Die Kämpfe scheinen weiterzugehen. (Meldung von 14.27 Uhr Ortszeit) Al-Jazira berichtet ein libanesischer Truppentransporter bei Taybe sei getroffen worden. In diesem haben auch die beiden – inzwischen bestätigten – getöteten libanesischen Soldaten befunden.

Als nächstes tönt der libanesische Armeechef, man werde Israel mit allen Mitteln bekämpfen.

Jameel berichtet, dass wohl drei Libanesen bei den Kämpfen getötet wurden. Dazu gibt es dort ein AFP-Foto eines Rettungshubschraubers, in den ein verwundeter israelischer Soldat verladen wird. Außerdem erwähnt er, dass unbestätigte „Auslandquellen“ die Tötung eines israelischen Offiziers melden (unten erwähnte Hisbollah-Behauptung).

Interessanterweise waren internationale Fotojournalisten vor Ort, bevor die Kämpfe begannen. Sie konnten z.B. festhalten, wie ein Soldat mit einer Panzerfaust auf israelische Positionen zielt.

Außenminister Lieberman „schießt“ zurück: Israel macht den Libanon für den Zwischenfall verantwortlich; Israel Soldaten haben in Koordination mit der UNIFIL am Grenzzaun gehandelt. Sollte der Libanon weiter machen, wird das Folgen haben. Außerdem bereitet Israel eine Beschwerde bei der UNO vor.

Der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri drängt seine Regierung, sie solle eine Beschwerde über Israel beim UNO-Sicherheitsrat einreichen.

In Nahariya waren Explosionen zu hören, es konnten aber keine Einschläge oder ungewöhnliche Ereignisse festgestellt werden.

Der Dorfbürgermeister von Adaisseh im Libanon berichtet, dass in seinem Dorf Angst herrscht und die Einwohner begonnen haben, den Ort zu verlassen.

Ein libanesischer Journalist erlag seinen während der Kämpfe erlittenen Verletzungen. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer im Libanon auf vier.

Libanesische Quellen berichten gegen 16 Uhr (Ortszeit), dass die Kämpfe wieder aufgeflammt seien.

Die IDF betonte noch einmal, dass ihre Soldaten Routine-Operationen an der Grenze durchführten und sich auf israelischem Territorium befanden, als sie vom Libanon aus beschossen wurden. Dieser Beschuss wurde mit massivem Feuer erwidert.

Nach 16 Uhr Ortszeit wird gemeldet, dass die IDF Basis der libanesische Streitkräfte in Taybe angriff. Beide Seiten (IDF einerseits, libanesische Streitkräfte und Hisbollah andererseits) bringen weitere Truppen zum Ort der Kämpfe.

War auch zu erwarten: Syriens Assad stärkt dem Scharfmacher Suleiman den Rücken.

Der Libanon fordert eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.

In den letzten Stunden gab es Verhandlungen für einen Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon.

Bei dem Feuerwechsel wurden zwei israelische Offiziere verletzt, lässt der Oberkommandieren Nord wissen. Er hob noch einmal hervor, dass die libanesischen Streitkräfte die Israelis überfielen.

Gegen 18.00 Uhr Ortszeit veröffentlicht die IDF, dass ein 45-jähriger Oberstleutnant bei dem Feuergefecht getötet wurde. Ein weiterer israelischer Kommandeur (30-jähriger Zugführer) wurde schwer verletzt.

Die Hamas mischt sich ein: Der Libanon habe das Recht sich gegen israelische Aggression zu verteidigen. (Klar, auf welche Seite die Terroristen sich stellen.) Und „wenn Israels seine Finger gegen das libanesische Militär ausstreckt, wird man ihm die Hand abhacken“.

Israel hat die Beschwerde bei der UNO eingereicht: Die Libanesen eröffneten das Feuer, obwohl die IDF mit UNIFIL abgeklärt hatte, dass man einen Baum 80m südlich der „blauen Linie“ (also auf israelischem Territorium) fällen wollte.

Verteidigungsminister Barak warnte den Libanon vor weiteren Übergriffen auf israelische Soldaten „innerhalb unseres Staatsgebiets“ und forderte die internationale Gemeinschaft auf „die von der libanesischen Armee begangenen kriminelle Tat zu verurteilen“. Auch Premier Netanyahu griff den Libanon wegen der eklatanten Verletzung der Resolution 1701 an; er macht die Regierung in Beirut direkt für die gewalttätige Provokation verantwortlich.

Aus dem Libanon kamen wieder Vorwürfe, Israel sei der Aggressor und man werde sich „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen“.

Aus den USA kommen derweil Appelle: „maximale Zurückhaltung“ beider Seiten. (Das sollten sie vor allem mal den Libanesen klar machen. Nicht nur mit warmen Worten.)

Die UNIFIL-Truppen, die sich den Ort des Gefechts ansahen, stellten eindeutig fest, dass die Israelis auf israelischem Territorium operierten. (ausführlicher hier)

IDF-Sprecherin Leibovich: Die libanesischen Soldaten schossen nicht auf die am Zaun arbeitenden Soldaten, sondern gezielt auf die Offiziere, die die Arbeiten beobachteten – mit anderen Worten: das war klarer, gezielter Mord, kein Kampf.
Das meint auch der Oberkommandierende Nord: Es handelt sich um einen geplanten Angriff ohne jegliche israelische Provokation.

Von der UNO kam natürlich auch weiter die Aufforderung an beide Seiten sich zurückzuhalten.

Die Hisbollah macht natürlich das Gegenteil: Nasrallah tönt, dass seine Organisation die Armee unterstützen.

Frau Ashton ist inzwischen auch „sehr besorgt“ und unterstützt eine ausführliche und sofortige Untersuchung.

Mit Informationen der israelischen Armee kommt immer stärker zutage, dass es sich bei dem Gefecht um ein vom Libanon inszeniertes handelte, bei dem ein weiterer Hinterhalt gelegt worden war, der allerdings fehl schlug. Damit erinnert der Vorfall immer stärker an die den zweiten Libanonkrieg auslösenden Ereignisse. (Genaueres bei aro1 – runterscrollen bis „Update zu Hergang“.)

Aro1 hat Bilder von offenbar vorbereiteten Feiern in Beirut – dort feiern sie den „Sieg“ über Israel, weil sie es geschafft haben einen Offizier aus dem Hinterhalt zu ermorden. Wahrscheinlich sehen sie es auch deshalb als Sieg an, weil Israel nicht gleich mit aller militärischen Macht im Libanon einmarschierte…
Bei den Feiern versprachen die verlogenen Schreibtisch-Helden dann auch eine libanesische „militärische Antwort“. Wie war das noch mit den Aufforderungen „an beide Seiten“?

Die IDF belegt jetzt auch mit Luftbildern, dass die israelischen Soldaten sich auf israelischem Territorium befanden.

Es wird immer stärker die Vermutung geäußert, dass sich UNIFIL-Soldaten bei den libanesischen Soldaten aufhielten, die das Feuer auf die Israelis eröffneten. Einige sehen das inzwischen als sicher an.

Bei YouTube wurde ein Video eingestellt, das den Beginn des Gefechts zeigen soll. Darin ist zu sehen, dass UNIFIL-Soldaten „stop, stop“ rufen und versuchen etwas zu verhindern. Wahrscheinlich richten sich die Rufe an die israelischen Soldaten, die sich – auf der „israelischen“ Seite des Grenzzauns befindlich – mit Hilfe eines Kranwagens auf der „libanesischen“ Seite Arbeiten vornehmen. Dann beginnt das Schießen. Begleitet wird der Ausschnitt vom Kommentar eines arabischen Reporters.

Unsere Medien zum Vorfall:

Die Berichterstattung in den deutschen Medien spricht mal wieder Bände. Einzig das ZDF hat im Fernseh-Text eine Meldung, die allerdings ist unter aller Sau: Unter der Überschrift „Offenbar Schusswechsel an israelisch-libanesischer Grenze“ schreibt man dort:

Bei einem Schusswechsel zwischen libanesischen und israelischen Soldaten ist nach Angaben aus Beirut ein libanesischer Soldat leicht verwundet worden. Der Zwischenfall ereignete sich offenbar in dem Grenzort Aadassi, als israelische Soldaten einen Baum auf libanesischer Seite zu entfernen versuchten.

Nach dem Schusswechsel habe ein israelischer Panzer eine Granate abgefeuert, die ein Haus im Dorf getroffen habe. Seit dem Krieg Israels gegen die Hisbollah im Jahr 2006 ist es an der israelisch-libanesischen Grenze relativ ruhig.

Das ZDF verlässt sich (wieder mal) nur auf arabische Quellen. Damit Israel schlechter da steht?
Und was heißt eigentlich „Israels Krieg gegen die Hisbollah“? Hat da nur Israel Krieg geführt? Wissen sie beim ZDF immer noch nicht, dass die Hisbollah diesen Krieg wollte und angefangen hat?

Hübsch die Scheuklappen auflassen, damit das Weltbild nicht durch Fakten gestört wird!

Im Internet gibt es beim ZDF ausführlichere Angaben, die aber ebenfalls eher spekulativ und nicht ordentlich recherchiert sind.
Bei der ARD (tageschau.de) überwiegt durch Ausführlichkeit ebenfalls die libanesische Darstellung.
SPON wie ZDF verbreiten, dass die Hisbollah angibt ein hochrangige israelische Soldaten sei erschossen worden.

In den Nachrichten im WDR2 (14 Uhr) war von dem Vorfall nichts zu hören.

Um 15 Uhr war in den heute-Nachrichten weiterhin nichts zu vernehmen.

Im WDR2 Radio kommt kurz vor 20 Uhr ein Beitrag über das Gefecht. Äquidistanz der seltsamen Art. Die arabische Sicht kommt besser weg als die israelische, obwohl der Korrespondent sich bemüht nicht nur bei den Israelis im Konjunktiv zu reden.

Reuters verbreitet die arabische Version der Ereignisse.

Die tagesthemen der ARD (22.25 Uhr) verwirren ihre Zuschauer. Was die in der kurzen Erwähnung des Vorfalls bringen, kann man getrost als Desinformation bezeichnen, weil in keiner Weise deutlich wird, was da überhaupt passiert war. (Auf diese Weise können sie aber auf jeden Fall dem Vorwurf parteilicher Berichterstattung aus dem Weg gehen…)

Derweil hatte der Focus zwar auch die israelische Sicht dargestellt, aber den Ton ganz eindeutig mit der ausführlichen Schilderung der arabischen Propaganda gesetzt, die am Anfang des Artikels steht und von „Augenzeugen“ berichtet wird, während zu Israel „Sicherheitskreise“ zitiert werden. (Augenzeugen sind natürlich glaubwürdiger.)

Da muss man RTL fast schon loben, dass sie im „Nachtjournal“ sagen, der Auslöser der Kämpfe seien „diese Baumfällarbeiten“ gewesen, die die Israelis „angeblich“ auf libanesischem Gebiet durchführten.

2 Gedanken zu “Feuergefecht an der libanesischen Grenze

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