Wenn Ignoranz weh tun würde…

… dann wären die Schmerzensschreie von Tomas Avenarius wohl bis zu uns hier zu hören. Denn der Typ hat auch mindestens 24 Stunden, nachdem jeder wissen kann, dass die Israelis nichts Falsches oder Provozierendes unternahmen, immer noch den Nerv anderes zu behaupten. Kein klar denkender Mensch kann annehmen, dass wegen eines Baumes ein Krieg vom Zaun gebrochen werden soll – oder ein „schwerer militärischer Zwischenfall“. Doch Avenarius erzählt seiner Verdummungs-Zielgruppe genau das: Vier Tote wegen eines Baums im Grenzgebiet. Die sind alle gaga da unten, die Libanesen wie die Israelis. Assad ist eine Friedenshoffnung.

Wenn man genau hinsieht, dass erkennt man, dass Avenarius eigentlich alle Puzzleteile kennt: die Hetze der Hisbollah, ihre Kriegslüsternheit, die Unterstützung der Kriegstreiberei der Syrer und Iraner. Trotzdem wiegt das alles für ihn nicht genug – Israel wird auf dieselbe Stufe gestellt, mit den Terroristen und Kriegstreibern der Umgebung gleich gesetzt.

Wie hinterhältig muss man sein, um so zu denken? Was für einen miesen Charakter muss man sein, um alles auszublenden, was an Belegen vorliegt? Dass die Israelis eben nicht so sind, wie er behauptet; dass die Libanesen einen Hinterhalt gelegt haben; dass sie auf Israelis schossen, die sich eindeutig auf israelischem Gebiet befanden; dass selbst die UNIFIL das eindeutig sagt; dass Israel real bedroht ist. Und nebenher vermerkt er am Ende, dass die UNIFIL seit vier Jahren ihre Unzulänglichkeit unter Beweis stellt, setzt aber trotzdem israelische Aufklärungsflüge den Aktivitäten der Terroristen gleich. Mit anderen Worten: Israel soll sich aller Verteidigungsmöglichkeiten berauben, OBWOHL die UNO nichts auf die Reihe bringt. Israel soll sich als Zielscheibe beschießen lassen, ohne zu wissen, was wo ist und wie man das beantworten oder verhindern kann. Alles andere ist für einen Avenarius nicht hinnehmbar – Israel ist genauso Täter wie die anderen (wenn nicht mehr).

Ich habe lange geglaubt, dass unsere Nahost-Experten vor allem Scheuklappen haben. So wie ein gewisser Fredy Gareis, der von einem „Ramallah-Syndrom“ schreibt und ganz toll findet, wie in der „Hauptstadt“ Fatahstan junge Leute Freiheit zelebrieren. Der vom wirtschaftlichen Aufschwung dort berichtet und Israel – dessen Premier Netanyahu explizit Politik macht, die diesen Aufschwung möglich machte – dabei völlig außen vor lässt. Klar, wer von den Araber würde zugestehen, dass Israel das ermöglicht? Der Mann ist so ahnungslos, wie es ahnungsloer nicht geht. (Merkt das aber nicht einmal ansatzweise.)

Doch die Avenariusse dieser Welt sind anders. Die arbeiten gezielt. Die blenden bewusst aus. Sie wollen Israel negativ darstellen. Sie wollen verleumden. Und wenn das nicht richtig klappt, dann tun sie alles, um Fakten zu verschweigen und Israel wenigstens nicht Recht zu geben, sondern auf eine Stufe mit allem Üblen zu stellen, das dort sonst kreucht und fleucht.

Gibt es keine Möglichkeit, solche Typen zu verklagen?

(Über die SZ und Avenarius hat sich – ich hätte das eigentlich wissen müssen – auch Südwatch zu Wort gemeldet, gleich zweimal! Ein weiterer Kommentar findet sich bei Immer wieder Freitag.)

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16 Gedanken zu “Wenn Ignoranz weh tun würde…

  1. Yourish hat noch mehr Einzelheiten. Die Offiziere, auf die geschossen wurde (und die eindeutig auf israelischem Gebiet standen) waren mit schußsicheren Westen und Helmen geschützt. Trotzdem wurde der höchste Offizier mit Kopfschuß getötet – geradezu exekutiert. Dazu muß man Scharfschützen sorgsam postiert haben. Einer Klage gegen Avenarius würde ich mich glatt anschließen. Der Mann ist ein Hetzer.

    http://www.yourish.com/2010/08/05/11768

  2. Stimme dir vollkommen zu, man müsste einen findigen Abmahn – Anwalt finden, möglichst einen jüdischen, der sich vielleicht mal diesen Sachen annimmt und wenn es nur beim Presserat gemeldet wird. Gemäss des Pressekodex verstossen ja nicht nur Avenarius dagegen, wir kennen ja unsere Kandidaten.

    http://www.presserat.info/inhalt/der-pressekodex/pressekodex.html

    Auch Tagesschau und andere große Medien lernen es einfach nicht, aber wir sollten es wirklich nicht mehr hinnehmen, wie finde ich es denn, wenn der Focus, trotz besserem Wissen sollte man meinen, als Regierungssitz Israels immer noch Tel Aviv angibt? Finde den Artikel im Moment nicht mehr, aber verlesen habe ich mich gsnz bestimmt nicht. Und das sind ja nur Kleinigkeiten – die Süddeutsche kannste eh als Antisemtitenblatt abhaken.

  3. schau mal hier, was die rausgefunden haben:

    Al Reuters hatte übrigens mindestens 5 Fotografen und weiteres Personal vor dem Anschlag vor Ort um über eine “Baumfällung” zu berichten.

    http://tinyurl.com/2g8kwaz

    Komisch, oder?

  4. „Wenn man genau hinsieht, dass erkennt man, dass Avenarius eigentlich alle Puzzleteile kennt: die Hetze der Hisbollah, ihre Kriegslüsternheit, die Unterstützung der Kriegstreiberei der Syrer und Iraner. Trotzdem wiegt das alles für ihn nicht genug – Israel wird auf dieselbe Stufe gestellt, mit den Terroristen und Kriegstreibern der Umgebung gleich gesetzt.“

    also die gleiche Methode, mit der man seit Jahrzehnten die USA und den Westen generell verunglimpft. Nutzniesser waren und sind stets Diktaturen und Terroristen. Das ist die Quintessence des Treibens westlicher Selbsthasser, die sich allesamt für besonders intelligent und moralisch überlegen halten. Exakt das Gegenteil ist der Fall.

  5. wir sollten einen Journalisten-Preis ins Leben rufen

    Den „Julius-Streicher-Gedächtnis-Preis“

    Wir alle sammeln die schlimmsten journalistischen Fehlleistungen zum Thema Israel, stellen sie auf einer Internetseite zusammen und wer sich angemeldet hat, darf mit abstimmen.

    Den Preis schicken wir mit mit „Würdigung“ an den „Gewinner. Wenn alle blogs, die unsere Sicht teilen und alle fabebooker, die so denken wie wir darüber schreiben und die Wahl somit medial begleiten, ist es für den Preisträger schon peinlich.

    Ich habe noch keine gute Idee, was als symbolischer Preis in Frage kommen könnte, habe aber Hoffnung, dass andere da kreativer sind als ich

  6. Eine vergoldete Nasenklammer – gegen den Gestank. Wahlweise eine Kotztüte. Wirklich, da fällt mir nur Symbolik aus der Ekelschublade zu ein, leider.

    Die Julius-Streicher-Gedächtnis-Preis-Abstimmung gefällt mir. Aber ich bin nicht imstande, sie auf meinem Blog zu beherbergen – mir wird schon so schlecht von der unermüdlichen Hetze. Wer einen starken Magen hat, sollte wohl zu diesem Behufe einen extra Blog aufmachen, den wir dann alle verlinken und mit Material versorgen. Freiwillige vor. Schmutzzulage wird bewilligt.

    Das war wirklich ein Meisterstückchen, diese Baum-Hysterie. Irgendwann wird man das vielleicht mal an Journalismusschulen lehren, als Beispiel dafür, wie Journalisten mit ein bißchen harmloser Verdrehung und Verschweigung echten politischen Schaden anrichten können.

  7. Der sitzt in Kairo und schreibt sich nicht um Kopf und Kragen, sondern fährt die Alle-Haben-Schuld-Nummer. Macht die Putz ja auch. Der linke Leserkreis ist zufrieden, das rechte Spektrum wird teilweise bedient, ebenso auch das Möllie-Niebel-Stinner-liberale Lager.

    Das dahinterstehende Ideengut ist wohl evangelischer Bauart, wenn zwei sich streiten, haben beide schuld, es kann nicht sein, dass nur einer Schuld trägt. Horscht-Eberhard Richter, Drewermann, Kässmann, dieses Gesocks halt.

  8. Ich bin leider ein absoluter Dau, weshalb ich das mit dem blog wahrscheinlich eher nicht auf die Reihe kriege.
    Ausserdem sollte das vielleicht auf einer plattform passieren, die von vielen gelesen wird, damit wir ein bisschen Aufmerksamkeit erregen.

    Die putzige Dreckschleuder dürfte immer unter den Anwärterinnen sein, das ist eine üble Propagandtante.

    Die Idee mit der Kotztüte finde ich genial, das wäre ein sehr schöner Preis.

    lieben gruss

    marlies

  9. Verklagen wird wohl sehr schwer sein. Das einzige ist wirklich, sich beim dt. Presserat zu beschweren, wenn der Typ so offen lügt und hetzt.

  10. @yael,

    ich denke, wenn man diese Artikel genauestens unter die Lupe nimmt, käme sehr wohl bei Verleumdungsklagen etwas heraus, diese Lohnschreiber sind ja nicht ungebildet, sie müssen also wissen, was sie schreiben, Antisemtismus ist nicht strafbar, Verleumdung und üble Nachrede aber schon, ich denke, für eine jungen, ehrgeizigen und aufstrebenden Anwalt wäre das schon eine Nische, die großes Potential beinhaltet.

    Wir würden ihm mit Material zukleistern 🙂

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