Verkraften Sie die Wahrheit? Umfragen zeigen die schockierende Realität der arabischen öffentlichen Meinung

Barry Rubin, 8. August 2010

Dies ist eine der Geschichten über den Nahen Osten, die total erstaunlich sind, aber nicht im geringsten überraschend. Sie fragen, was ich meine? Vom Standpunkt der Art, wie die Region im Westen dargestellt wird, ist diese Information unglaublich; aber wenn man die Gegend versteht, ist es genau das, was man erwartet.

Ich beziehe mich hier auf die jüngste Umfrage zur arabischen öffentlichen Meinung von 2010, die von Zogby International und der Universität Maryland für die Brookings Institution durchgeführt wurde. Beachten Sie, dass diese Umfrage nur in relativ moderaten Ländern durchgeführt wurde: Ägypten, Jordanien, dem Libanon, Marokko, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate. Hier einige der Ergebnisse:

– Die „hoffnungsvolle“ arabische Sicht zur Politik der Obama-Administration im Nahen Osten fiel von 2009 auf 2010 von 51 auf 16 Prozent, während „entmutigend“ von 15 auf 63 Prozent stieg. Warum? Weil zwar die Obama-Administration versuchte die Araber und Muslime zu umschmeicheln, die Palästinenser uneingeschränkt zu unterstützen, sich von Israel zu distanzieren und weitere Schritte ging, wurde das dennoch nicht als ausreichend angesehen.

Nicht, was die USA taten, überzeugte das Publikum wegen Faktoren wie: unterschiedliche Ideologien und Ziele, aufeinanderstoßende unterschiedliche Interessen, der Filter der Regierung und islamistische Propaganda, dazu übersteigert hoch Erwartungen. Während die jeweilige Bevölkerung im Großen und Ganzen wegen ihres Radikalismus bezüglich der Administration „entmutigt“ war, sind die Regime mit ihr nicht glücklich, weil sie das Gefühl haben, die US-Regierung ist nicht stark genug in der Gegnerschaft gegenüber Feinden wie dem revolutionären Islam und dem Iran.

Doch so lange die US-Politik sich nicht so ändert, dass sie der von Ägypten, Saudi-Arabien oder Jordanien ähnelt, werden viele oder die meisten Araber weiterhin verbittert oder wütend sein. Obamas Level an Unterstützung unter den Arabern unterscheidet sich nicht von dem seines Vorgängers.

– Wie sieht es mit der Wahrnehmung von Bedrohungen aus? Genau dasselbe. Diejenigen, die glauben, dass Israel eine riesige Bedrohung darstellt, liegen bei 88 Prozent (was leicht unter den 95 Prozent von 2008 liegt). Das zeigt, dass die GEsamtfeindlichkei8t einfach nicht weggeht. Glauben Sie, dass irgendeine denkbare israelische Politik diese Tatsache verändern könnte?

Beachten Sie: Während es nicht überraschen würde, dass die Araber Israel allgemein als Feind oder den Palästinensern gegenüber als schäbig betrachten, zeigt die Beschreibung Israels als größte Bedrohung für das eigene Land durch Jordanier, Saudis und Ägypter etwas, das mitwirkt, das jenseits rationaler Kalkulationen liegt. Die vorherrschende Vorstellung besteht darin, dass Israel den Nahen Osten erobern oder den Islam auslöschen oder die Araber vernichten will. Das macht einen dauerhaften Kompromiss, umfassenden und freundschaftlichen Frieden reichlich unwahrscheinlich.

– Was ist mit den Vereinigten Staaten? Auch hier sind Obamas Bemühungen fehlgeschlagen. Die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten die andere Hauptbedrohung für die arabischen Länder und Gesellschaften sind, ging von 88 Prozent unter George W. Bush am Ende seiner Amtszeit auf „nur“ 77 Prozent unter Obama im Jahr 2010 zurück. Angesichts der dramatischen Veränderung in der Persönlichkeit und Politik ist das nichts.

– Was den Iran als Bedrohung angeht, wuchs diese Ansicht unter den Arabern der Umfrage von 7 Prozent im Jahr 2008 auf „kolossale“ 13 Prozent im Jahr 2009 und ging 2010 auf 10 Prozent zurück. Mit anderen Worten: Die arabischen Massen glauben die USA seien achtmal mehr bedrohlich als der Iran. Und wenn man die Werte für Großbritannien dazu nimmt, dann sehen 96 Prozent Washington und London als die größte Bedrohung für sich selbst. Wieder haben die herrschenden Eliten eine andere Sichtweise, aber es verwundert nicht, dass sie so vorsichtig damit sind sich gegen den Iran oder auf die Seite der USA zu stellen.

– Danach gefragt, welchen Auslandsführer sie am meisten bewundern, nennen fast 70 Prozent einen Islamisten oder einen Unterstützer der Kräfte dieser Bewegung: Premierminister Erdogan aus der Türkei (20), Venezuelas Präsident Hugo Chavez (13), Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad (12), Hassan Nasrallah von der Hisbollah (9), den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad (7), Osama bin Laden (6) und den toten irakischen Präsidenten Saddam Hussein (2).

Kein relativ moderater arabischer Führer hat eine signifikante internationale Gefolgschaft. Und beachten Sie, wie hoch die Wertung für zwei nicht arabische Nahostler (Erdogan und Ahmadinedschad) ist, was eine Abnahme des arabischen Nationalismus zeigt, die in der Zeit von 1950 bis 2000 undenkbar gewesen wäre.

Unglücklicherweise reflektieren diese und andere Ergebnisse die Realitäten der arabischsprachigen Welt: Die Hegemonie des Radikalismus bei den Massen, leidenschaftlicher Hass auf Israel und den Westen und das Fehlen von Verständnis für Demokratie und Liberalismus. Und der übergreifende Trend besteht darin die Dinge noch schlechter zu machen, da es so viel positive Gefühle für den revolutionären Islamismus gibt, sogar anstelle des militanten arabischen Nationalismus.

Vorausgesetzt natürlich, die Saudis, Jordanier, Ägypter und andere würden Unterstützung für ihre eigenen Regime zum Ausdruck bringen; daher sollte diese Umfrage nicht unbedingt so gelesen werden, als würden sie Revolution im eigenen Land unterstützen. Mit Sicherheit aber deutet sie – wie andere derartige Umfragen – Rückendeckung für Terrorismus, Extremismus und Anti-Westlertum in regionalen Begriffen an.

Die Vorstellung, dass Appeasement, Konzessionen und Schmeicheleien eine große Veränderung herbeiführen wird, hat sich faktisch und praktisch als falsch erwiesen, wenn auch zweifellos die Mythologie, Obama habe Amerikas Position in der Region verwandelt, unter genau den Eliten und „Experten“ fortbestehen wird, die es besser wissen sollten. In der Tat ist das genau die Art, in der die Umfrage bei ihrer Veröffentlichung gedreht wurde. Es wird sich klar bemüht, das Problem als eines der US-Politik darzustellen, die selbst unter Obama zu israelfreundlich ist, als wenn es in der Region keine anderen Probleme gäbe.

Wenn die Araber so leidenschaftlich glauben, dass die USA und Großbritannien eine Bedrohung ihrer Länder sind, in großer Zahl die islamistische Verwandlung großer Teile der Region unterstützen, glauben, dass Israel so ungemein gefährlich ist und dem abenteuerlichen, expansionistischen iranischen Regime gegenüber so freundlich, kann jemand dann wirklich so naiv sein zu glauben, das auf Israel einzudreschen oder einen nicht islamistischen palästinensischen Staat zu schaffen diese tief und leidenschaftlich vertretende Sichtweise entschärfen wird?

Und doch ist das genau das, wie die Umfrage von der Brookings Institution hingedreht wurde: als zeige sie, dass die USA sich nicht genügend von Israel distanziert. Vergessen Sie Islamismus  versus Nationalismus, Armut, Ungleichbehandlung von Frauen, Korruption, Unterdrückung, den Krieg im Irak, das iranische Streben nach Atomwaffen, die fast durchgängig vorhandenen Diktaturen, Kurden und Berber, die wachsende Kluft zwischen der Arabisch sprechenden Welt und dem Westen oder gar den schneller vorankommenden Staate Lateinamerikas und Asiens, terroristische Gewalt und jede andere Frage der Region. Uns wird ständig erzählt, dass das Einzige von Bedeutung die Palästinenserfrage ist.

Was sind die wahren Probleme der Arabisch sprechenden Welt?

– Das Versagen der statischen arabischen Diktaturen und der arabischen nationalistischen Ideologie, die so viel versprach und so wenig brachte. Zu den Ergebnissen gehören Unterdrückung, Korruption und weit niedrigere Lebensstandards (außer in den gering bevölkerten Golfstaaten mit hoher Öl-Produktion), als es sie woanders gibt.

– Eine erstickende traditionelle Kultur, die auf die Moderne prallt, ohne eine Hybrid-Lösung zu finden. Dies lässt attraktive Parolen aufkommen wie „Der Islam ist die Lösung“; dieser wirbt für Anstrengungen, die Uhr so zurückzudrehen, wie es in der Vergangenheit in westlichen Gesellschaften (Gegenreformation, antidemokratische Reaktionen nach 1815, Faschismus) und Japan (Wiederbelebung der feudal-militärischen Ideologie, die zu Pearl Harbor führte) geschah.

– Die Bemühungen der Regime Gewalt zu benutzen, den Westen und Israel zum Sündenbock zu machen, Elemente der islamistischen Ideologie und Unnachgiebigkeit beim Gewinn der Unterstützung der Massen. (Obwohl: Wenn man die Umfrageergebnisse sieht, ist das verständlich.)

– Interne Gruppenkonflikte zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden, zwischen verschiedenen Gruppen und regionale Auseinandersetzungen.

– Das Versagen beim Erreichen voll integrierter Staaten, die zudem von panarabischen und panislamischen Doktrinen sabotiert werden.

Diese Liste ist recht unvollständig. Doch eines ist klar: Ob mit Gewalt oder mit Appeasement, mit dem Streben nach Beliebtheit oder durch Werbung für den eigenen Lebensstil – westliche Länder können diese Probleme nicht lösen. Die einzige Lösung ist eine interne und wird bestenfalls Jahrzehnte brauchen. Was der Westen tun kann, ist sich zu verteidigen, den meisten relativ modernen Kräften (sowohl Regierungen, als auch oppositionellen Massenbewegungen wie im Libanon und dem Iran) zu helfen und für die eigenen Werte einstehen.

Das Schlimmste, was man üben kann, ist Appeasement, eine Politik, die zu beweisen scheint, dass die Radikalen bezüglich westlicher Feigheit und zugegeben Sündhaftigkeit Recht haben, womit sie zu mehr Aggression und einer stärkeren Grundlage der Unterstützung durch die Bevölkerung inspiriert. Entschuldigungen und Rückzug scheinen die gestörten revolutionären Ideologien zu bestätigen und die revolutionären Kräfte zu begünstigen. Angesichts des radikalen Vorteils und westlichen Rückzugs beeilen sich demoralisierte Moderate günstige Kapitulationsbedingungen zu erhalten oder schließen sich dem Mob an.

Wandel zu etwas Besserem kann nur kommen, wenn die Araber und Iraner zu dem Schluss kommen, dass der Weg der Revolution nicht funktioniert und falsch ist. Sie zu lehren, dass er funktioniert und dass sie im Recht sind, wenn sie ihn gehen, wird die Zeit der Veränderung in die Länge ziehen und Hunderttausende Leben kosten.

So lange es eine riesige Kluft zwischen dem tatsächlichen Nahen Osten und dem Fantansie-Nahen Osten gibt, der vielen westlichen Akademikern, Journalisten und Diplomaten so lieb und teuer ist, wird die Region unbegreiflich bleiben und westliche Politik wird sich nicht mit der Realität beschäftigen.

3 Gedanken zu “Verkraften Sie die Wahrheit? Umfragen zeigen die schockierende Realität der arabischen öffentlichen Meinung

  1. Davon das Toleranz, Apecement, Schutzgeld ( Entwicklungshilfe ), Bildung, Reisefreiheit………. nichts aber überhaupt nichts an
    den Wunsch der Muselmanen den Großen (USA&Westen) und Kleinen Satan(Israel) zu vernichten geändert hat.
    Ist es wirklich so das „die“ Araber nur mit Angst und Schrecken zu
    Zivilisieren sind, das sie einen strengen Effendy brauchen?
    Und das ich so abgestumpft bin mich nicht zu wundern. 🙄

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