Oh Palästina!

Moshe Dann, The American Thinker, 1. September 2010

Die Vorstellung eines palästinensischen Volkes und einer palästinensischen Identität hat, auch wenn sie heute als selbstverständlich gilt, weder eine lange noch eine angesehene Geschichte. Ihre Entstehung zu verstehen und was sie repräsentieren erklärt, warum der Friedensprozess zwischen Israel und den Arabern fehlgeschlagen ist und weiterhin fehlschlagen wird.

Zum Palästinensianismus gehörte von Anfang an die Ablehnung eines jüdischen Staates in jeglicher Form dazu. Diese Gegnerschaft ist nicht verhandelbar; sie ist für keinen Kompromiss offen; sie ist unerlässlich.

Der Palästinensianismus war niemals für etwas; seine Existenzberechtigung war es, die Gründung eines jüdischen Staates zu verhindern. Diese Aufgabe hat sich nie geändert.

Wie Professor Rashid Khalidi von der Columbia University in seinem Buch zum Thema zeigt, gab es bei den wenigen arabischen Intellektuellen kein Interesse an Palästina, bevor die Zionisten am Beginn des Jahrhunderts dort zu siedeln begannen. Die meisten von ihm untersuchten Wochenzeitungen aus dieser Zeit waren noch nicht einmal aus Palästina und zudem kaum verbreitet.

Die „palästinensische Identität“ war damals, wie sie es heute ist, negativ; sie konzentrierte sich ausschließlich auf die Gegnerschaft zum Zionismus, statt sich positiv selbst zu definieren. Arabisch-palästinensische Führer wie der Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini, der ein glühender Unterstützer der Nazis war, und Erzterrorist Yassir Arafat – beide „Väter“ des Palästinensianismus, die von Khalidi ignoriert werden – lehnten den Zionismus ab und förderten den Terrorismus.

Lokale arabische Erhebungen gegen die britische Herrschaft waren antikolonial und antizionistisch, nicht auf einen weiteren unabhängigen Palästinenserstaat gerichtet. Arabische Krawalle und Pogrome, wie z.B. die von 1929 und 1936, waren nicht von palästinensischem Nationalismus motiviert; es gab keine Forderungen nach einem palästinensischen Staat. Der Schlachtruf lautete: „Tötet die Juden.“

1937 sagte der Araberführer Auni Bey Abdul-Hadi der Peel-Kommissino: „So etwas wie ein Land ‚Palästina‘ gibt es nicht; ‚Palästina‘ ist ein Begriff, den die Zionisten erfunden haben!“

Die Krawalle von 1936 wurden vom neu geschaffenen „Arabischen [nicht palästinensischen] Hohen Rat“ aufgeputscht, dem zentralen politischen Organ der arabischen Gemeinde des Mandats Palästina, das von einer Gruppe der Elite, angeführt von Amin al-Husseini organisiert wurde. 1948 organisierte die Arabische Liga die Regierung Gesamtpalästinas, die erstmals versuchte einen unabhängigen Palästinenserstaat zu gründen. Angeführt von König Abdallah von Jordanien und nominell von Amin al-Husseini, der aus Berlin zurückgekehrt war, wo er den Krieg verbrachte, forderte sie die Vereinigung des arabischen Palästina mit Transjordanien. Husseini organisierte später Abdallahs Ermordung.

Ein 1948 in Gaza einberufener palästinensischer Nationalrat unter der Führung von Amin al-Husseini verabschiedete Resolutionen, die einen unabhängigen Staat in ganz Palästina mit Jerusalem als Hauptstadt forderte. Die von den arabischen Nationalisten genutzte Flagge der arabischen Revolte wurde übernommen und die Befreiung Palästinas gefordert. Doch fand er keine Anhängerschaft.

1946 sagte der arabische Historiker Philip Hitti vor dem Anglo-American Committee of Inquiry aus; er sagte: „So etwas wie ein Palästina gibt es in der Geschichte nicht.“ 1947 argumentierten gegen den UN-Teilungsplan protestierende Araberführer, Palästina sei Teil Syriens und „politisch waren die Araber Palästinas keine unabhängige, separate politische Einheit“.

1947 schlug die UNO einen „jüdischen“ und einen „arabischen – keinen palästinensischen – Staat vor.

Der Mutterleib des Palästinensianismus war Krieg, in der arabischen Erzählweise die Nakba (Katastrophe), die Gründung des Staates Israel. Fünf stark bewaffnete arabische Staaten marschierten in den entstehenden Staat ein; sie schlossen sich örtlichen arabischen Banden und Milizen in einem völkermörderischen Krieg zur Auslöschung der Juden an. Doch wurde das nicht als Krieg für palästinensischen Nationalismus oder Palästinensianismus angesehen; es war ein uneingeschränkter arabischer Krieg gegen die Juden, den Zionismus und die Zionisten.

Arabische Banden griffen Juden 1948 an; sie setzten sich aus örtlichen Arabern der Region zusammen und wurden die „Arabische – nicht palästinensische – Befreiungsarmee“ genannt. Der Grund dafür ist, dass vor Israels Gründung die Idee eines „palästinensischen Volks“ schlicht nicht existierte oder irrelevant war, denn ihre Zugehörigkeit definierten die Arabern in erster Linie über Familie und Stamm – nicht über die Nation. Und weil „palästinensisch“ damals etwas anderes bedeutete.

Vor 1948 waren die, die „Palästinenser“ genannt wurden (und sich selbst nannten) Juden, nicht Araber, obwohl beide dieselben britischen Pässe besaßen. Fakt ist: Erst nachdem die Juden in Palästina sich ab 1948 Israelis nannten, konnten die Araber „palästinensisch“ als exklusiv ihres übernehmen.

Die Vorstellung eines „arabisch-palästinensischen Volks“ wurde in den UNRWA-„Flüchtlingslagern“ – heute große, entwickelte Städte – geformt und verankert, deren Einwohner mit Hass, dem Rückkehrrecht“ nach Israel und Israels letztendlicher Vernichtung indoktriniert werden. Außer in Jordanien, das ihnen die Staatsbürgerschaft gewährte, sind die Einwohner dieser UNRWA-Städte im Libanon und Syrien gravierend eingeschränkt und ihnen werden grundlegende Menschen- und Bürgerrechte verweigert.

Die kontroverse Definition „arabischer Flüchtlinge“ der UNRWA schließt jeden ein, der behauptete seit 1946 Einwohner Palästinas gewesen zu sein, ohne Rücksicht auf seine Herkunft; dieses Datum ist wichtig, denn es bildet den Höhepunkt eines massiven Zustroms an Arabern aus der Umgebung nach Palästina, der hauptsächlich den Arbeitsmöglichkeiten und einem höheren Lebensstandard zu verdanken war. Diese Kategorie „Flüchtlinge“ unterschied sich darüber hinaus von allen anderen dadurch, dass sie nicht nur diejenigen einschloss, die ihren Status 1949 beantragten, sondern auch alle ihre Nachkommen, für immer und mit vollen Rechten und Privilegien. Das ist eine der Kernfragen, die jede Lösung des arabisch-israelischen Konflikts verhindern. Die Existenz der UNRWA perpetuiert daher den Konflikt, verhindert, dass Israel anerkannt wird und züchtet Gewalt und Terrorismus.

Ironischerweise konnten sich die Einwohner der UNRWA-Städte erst, als Israel die Kontrolle über Judäa, Samaria und den Gazastreifen übernahm, frei bewegen und arbeiten, eine anständige Ausbildung und Gesundheitsversorgung bekommen und einen neu geschaffenen Palästinensianismus zum Ausdruck bringen – wenn dieser auch oft der Gewalt und der Vernichtung Israels gewidmet wurde.

Mit einem Jahresbudget von mehr als einer halben Million Dollar unterstützt die UNRWA rund eineinhalb Millionen „Flüchtlinge“ in 58 „Lagern“ und 5 Millionen „registrierte Flüchtlinge“ (weltweit) – die jederzeit ihre „Rechte“ als „Flüchtlinge“ einfordern können. Es wird erwartet, dass die Gesamtbevölkerung nächstes Jahr die 7 oder 8 Millionen erreicht und weiter wächst.

Ohne die Politik der arabischen Länder und der UNRWA hätten die „arabischen Flüchtlinge“ dem Beispiel der jüdischen Flüchtlinge folgen können, die aus den arabischen Ländern vertrieben wurden, nach Israel kamen und dazu übergingen ein normales Leben zu führen. Hätten sie dieselbe Chance bekommen, hätten die arabischen Palästinenser vielleicht einen eigenen Staat gründen können. Das Verlangen nach der Vernichtung Israels übertrumpft allerdings den Aufbau eines Staates und ist für den Palästinensianismus grundlegend.

Den ersten Versuch Palästinensianismus zu definieren gab es 1964 im PLO-Vertrag, während Jordanien die „Westbank“ (ein jordanischer Verweis von 1950, um das Gebiet von der „Eastbank“ des Jordan zu unterscheiden) und Ägypten den Gazastreifen besetzt hielten. Im Namen des „palästinensisch-arabischen Volks“ erklärte der Vertrag sein Ziel: einen „heiligen Krieg“ (Jihad) zur Befreiung „Palästinas“, d.h. die Vernichtung Israels. Die in der „Westbank“ und dem Gazastreifen lebenden Araber wurden nicht erwähnt, da dies die arabischen Herrscher gefährdet hätte. Arabische „Flüchtlinge“ waren bequeme Erfüllungsgehilfen im Krieg gegen Israel, nicht gegen ihre Gastgeber; der Palästinensianismus wurde zum Ersatznationalismus für den Zionismus, ein gegen die Juden gerichteter Ruf zu den Waffen.

Dieser Balanceakt war nach 1967 nicht weiter nötig, nachdem Israel die ursprünglich vom Völkerbund und dem britischen Mandat für einen jüdischen Staat vorgesehene Gebiete – Judäa, Samaria, Ostjerusalem und den Gazastreifen – und die Golanhöhen erobert hatte, alle reichhaltig angefüllt mit jüdischer Geschichte und archäologischen Funden. Ein Jahr später wurde der PLO-Vertrag ergänzt, um beide „Besatzungen“ abzudecken – die von 1948 und die von 1967.

Dem bewaffneten Kampf verschrieben, hat sich sein Ziel nie geändert; nicht in der Lage Israel militärisch zu besiegen, besteht jetzt die arabische Strategie im Dämonisieren und Delegitimieren, um noch einen weiteren arabisch-palästinensischen Staat neben Jordanien zu schaffen. Um das zu erreichen, brüteten sie ein Narrativ aus, eine Identität und ein Ethos, um mit dem Zionismus und der jüdischen Geschichte zu konkurrieren: den Palästinensianismus.

Die Bestimmung des Palästinensianismus, wie er im PLO-Vertrag und der Hamas-Charta (1988) dargestellt wird, sind die „Befreiung Palästinas“ und die Vernichtung Israels; beide geben weder ausgleichende soziale oder kulturelle Werte wieder. Darüber hinaus bewegt sich der Palästinensianismus auf islamischen Extremismus zu.

Nach dem palästinensischen Grundgesetzt (Artikel 4), das von PA-Präsident Mahmud Abbas 2005 ratifiziert wurde, gilt:

1. Der Islam ist die offizielle Religion Palästinas. Respekt für die Heiligkeit aller anderen göttlichen Religionen soll gewahrt werden.

2. Die Prinzipien der islamischen Scharia sollen die hauptsächliche Quelle der Gesetzgebung sein.

3. Arabisch soll die offizielle Sprache sein.

Dem „Palästinensianismus“ fehlen die grundlegenden Voraussetzungen einer legitimen nationalen Identität: eine eigene, einzigartige linguistische, kulturelle, ethnische oder religiöse Basis. Er ist nicht mehr als ein politisch-militärisches Konstrukt, das derzeit von den Terrororganisationen Fatah und Hamas geführt wird. Dennoch wurde es von der UNO für legitim erklärt.

Trotz Megaterror-Anschlägen der PLO und unterstützt durch die Arabische Liga, muslimische und „blockfreie“ Staaten wurde die PLO 1974 von den Vereinten Nationen anerkannt. Im Jahr darauf verabschiedete die UNO ihre berüchtigte Resolution „Zionismus ist Rassismus“, mit der sie Israels Dämonisierung genehmigte und die UNO auf einen Kurs zur Vernichtung Israels brachte.

Der Mythos des Palästinensianismus funktionierte, weil die Medien die Behauptungen der Araber und der PLO und ihr Anliegen akzeptierten. Fast alle Medien nutzen z.B. den Begriff „Palästinenser“ oder „die von Israel besetzte Westbank“, was die palästinensischen Ansprüche stärkt, nicht aber die authentische Benennung Judäa und Samaria, die auf früheren Landkarten verzeichnet ist und auf die jüdische Geschichte der Region verweist. Die Benutzung von „Westbank“ ist eine politische, keine geographische Aussage.

Schließlich wurde der Palästinensianismus in den frühen 1990-er Jahren von einigen israelischen Politikern, dominant linken Medien, der akademischen Welt, der kulturellen Elite und einigen Juristen als Weg übernommen, ihrer Opposition zu den „Siedlungen“ und Hoffnung auf eine Art gegenseitiger Anerkennung mit der PLO Ausdruck zu geben. Ihre Anstrengungen gipfelten in den Oslo-Vereinbarungen (1993), die dem Palästinensianismus offizielle israelische Bestätigung gaben.

Antiisraelische Akademiker weltweit fördern „palästinensische“ Archäologie, Gesellschaft und Kultur als Markennamen und politische Botschaft. Die Werbung funktioniert; jedes Mal, wenn jemand den Begriff „Palästinenser“ benutzt, wird damit dieser Mythos anerkannt und verstärkt. Der Palästinensianismus ist, ungeachtet des Fehlens von historischen, kulturellen und sozialen Wurzeln, inzwischen gut etabliert und von Dauer als politische Identität, die souveräne Rechte und eine territoriale Basis einfordert. Die Frage scheint keine des ob, sondern des wann zu sein.

Die Lösung ist regional. Die arabischen Palästinenser haben ein Anrecht auf Bürger- und Menschenrechte in ihren Gastgeberländern, in denen sie seit Generationen leben. Ein zweiter arabisch-palästinensischer Staat, zusätzlich zu Jordanien, das 1921 aus Palästina herausgeschnitten wurde – dessen Bevölkerung zu zwei Dritteln aus „Palästinensern“ besteht – wird keine der Kernfragen im Zentrum des Konflikts lösen. Der Konflikt ist keiner territorialer, sondern ein existenzieller; die Anerkennung eines jüdischen Staates – d.h. Israel – ist für die palästinensische Sache Anathema. Das erklärt, warum die palästinensisch-arabischen Führer es in jeglicher Form ablehnen ihn zu akzeptieren.

Das Problem des Palästinensianismus ist nicht „die Besatzung“ von 1967, sondern Israelis Existenz; Palästina wird als exklusiv arabische Heimstatt betrachtet und damit als integraler Bestandteil der arabischen Welt, vollständig unter arabischer Souveränität. Das ist axiomatisch; es gibt keine Ausnahmen und keine Kompromisse.

Per Definition ist der Palästinensianismus, gefördert in den Medien, Moscheen und Schulen, mit antijüdischer Hetze, Leugnung von Holocaust und jüdischer Geschichte und der Ablehnung des Rechts auf jüdische nationale Selbstbestimmung, das größte Hindernis für den Frieden.

2 Gedanken zu “Oh Palästina!

  1. Sehr schön herausgearbeitet: Die sog. palästinensische Bewegung ist ein künstliches Konstrukt als Antwort gegen den Staat Israel. Die Intention ist negativ besetzt (ähnlich der Aussage „Atomkraft? Nein Danke“) und bietet dadurch nur einen Zusammenhalt im Kampf gegen Israel aber keinerlei positive (sinnstiftende) Identität. Im Übrigen – entschuldige meine naive Herangehensweise – sind Palästinenser doch eigentlich sämtliche Bewohner Palästinas, also Juden, Araber und andere, oder verstehe ich da etwas falsch?

  2. Heplev, wenn du mir gestattest auf einen Punkt in diesem Zusammenhang noch aufmerksam zu machen: Bei allem Respekt halte ich eine Zwei-Staaten-Lösung entgegen der Obama-Präferenz für nicht möglich, denn es müsste sich dann ja um einen souveränen Palästinenserstaat handeln. Jeder souveräne Staat möchte sich aber eine Armee zulegen. Armeen erfüllen nur zwei Gründe. Zum einen dienen sie der Landesverteidigung und zum anderen werden sie zur Interessenvertretung eingesetzt (Krieg als Mittel der Politik). Darüber kann man nun unterschiedlicher Meinung sein, in der Realität verhält es sich so. Israel würde aber verständlicher Weise keine hochgerüstete Armee eines Palästinenserstaates dulden, das wäre ja so als reichst du deinem Mörder das Messer. Würde nun auf internationaler Basis dem Palästinenserstaat eine Armee verweigert werden, wäre es kein souveräner Staat und fände daher sicher keine Zustimmung. Ich kann nirgendwo etwas zu diesem Problem der Armee erfahren, jedoch schließt dieser eine Grund bereits einen souveränen Palästinenserstaat neben dem Staat Israel aus. Demnach wäre es viel sinnvoller, internationale Anstrengungen dahingehend zu fördern, dass als oberstes Ziel die Eingliederung der Palästinenser und das noch zu bestimmende Land in die umgebenden bereits existierenden Staaten stünde. Wie du ja dankenswerter Weise gut verständlich und logisch schreibst, gibt es schließlich keine palästinensische Identität als Volk oder Religion und ist die Forderung nach einem eigenen Staat im Grunde nur ein Schritt im Kampf gegen Israel. Wie siehst du das?

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.