Zweierlei Maß – überall, so auch hier

Christopher Hitchens beschreibt in der Daily Mail eine Szene aus dem Gaza-Krieg vom Jahreswechsel 2008/2009: Ein Mann im Gazastreifen bettelt Terroristen an, sie mögen bitte nicht aus seinem Viertel Raketen auf Israel abfeuern. Seine Frau stand kurz vor der Niederkunft. Die Terroristen schnaubten verächtlich. Sie wussten genauso wie er, dass die Israelis das Abschussgestell rasch ausfindig machen und beschießen würden. Das würde ihm und seiner Frau den Tod bringen. Also steckte er seine Frau schnell ins Auto und floh. Einige Augenblicke später schlug an der Stelle, an der sein Auto gestanden hatte, eine israelische Bombe ein. Die Folgen sind heute noch zu sehen: Das Gebäude dort sieht aus, als hätte ein Riese ein Stück herausgebissen, darauf herumgekaut und es dann zerschmettert – und wäre noch einmal draufgetreten.

Wer sich den Versuch vorstellen kann, seine schwangere Frau vor solchen Kräften schützen, der kann anfangen zu begreifen, wie komplex das Leben dort ist, wo diejenigen, die behaupten dich zu verteidigen, den Tod an deine Türschwelle holen.

Genau das ist der Punkt: Diese Terroristen rechnen damit, dass die Israelis das tun, was sie tun – die Quellen des Beschusses zu beschießen und die Terroristen auszuschalten. Sie wollen, dass die Israelis Erfolg haben – allerdings nicht ohne zivile Verluste anzurichten. Die Terroristen tun etwas, von dem sie genau wissen, was die Folge sein wird, für sie und vor allem für die Menschen drumherum.

Wie sieht es mit der Verantwortung aus, die diesen Leuten zugeschrieben wird?

Umgekehrt – nicht nur bei Israelis, auch bei uns – heißt es immer, es müsse unterlassen werden, was die Terroristen provoziert. „Wir“ dürfen nichts tun, was Unangenehmes bis Gewalttätiges zur Folge hat. Nur nicht provozieren, nichts unternehmen, das dafür sorgen könnte, dass etwas die Bösen etwas unternehmen. Wer nicht will, dass eine Bombe geworfen wird, darf nichts tun, was den Bombenwurf auslösen könnte.

Alles klar?

Wenn die Israelis oder irgendwelche Westler etwas unternehmen, was dafür sorgt, dass die Terroristen etwas tun, dann sind nicht die Terroristen schuld, sondern der Israeli (oder Westler).
Wenn die Terroristen etwas unternehmen, das für sie und/oder ihre direkte Umgebung unangenehmen Folgen hat, dann sind nicht etwa die Terroristen schuld, sondern diejenigen, die auf die Terroristen reagieren.

Egal, was passiert: Die Terroristen „dürfen“ alles, vor allem, wenn es „palästinensische“ sind – die Israelis, die Amerikaner, die Europäer sind immer schuld, wenn die Terroristen etwas tun. Schöne neue (?) Welt…

Ein Gedanke zu “Zweierlei Maß – überall, so auch hier

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