Warum spielt Deutschland den radikalen Islam herunter?

Benjamin Weinthal, The Weekly Standard, 13. Oktober 2010

Auf der Titelseite der Montagsausgabe der International Herald Tribune stand die Schlagzeile: „Deutschland ist vom US-Terrorwarnung verärgert“. Der Tenor des Berichts ist, dass Deutschland in die Offensive gegangen ist, um die Reisewarnungen der USA (wie auch Großbritanniens und Frankreichs) zu geplanten islamischen Terroranschlägen in Europa herunterzuspielen. Kurz gesagt: Deutschland sagt, die geplanten islamischen Terroranschläge in Europa sind ein Werbetrick Obamas wegen der Wahlen.

Nach Angaben von Michael Slackman’s Bericht in der Tribune „herrscht hier [in Deutschland] das Gefühl vor, die USA gaben die Warnung aus politischen Gründen aus, vielleicht als Versuch die Unterstützung für den Krieg in Afghanistan zu erhalten oder irgendwie Präsident Obama bei den Wahlen im nächsten Monat zu helfen“.

Antiamerikanisches deutsches Verschwörungsdenken ist nichts Neues, wenn es um die US-Außenpolitik geht. Nehmen wir das Beispiel der ehemaligen deutschen Justiziministerin Herta Däubler-Gmelin, die während des Wahlkampfs des jetzt ehemaligen deutschen Kanzlers Gerhard Schröder  2002 sagte, Präsident Bush plane einen Krieg im Irak, weil „Bush von seinen innenpolitischen Problemen ablenken will. Das ist einen klassische Taktik. Es ist eine, die auch Hitler nutzte.“

Ironischerweise katapultierte der Sozialdemokrat Schröder seine Partei durch Ausnutzung antiamerikanischer Stimmungen vorwiegend im ehemaligen Ostdeutschland zum nationalen Sieg und lenkte die Aufmerksamkeit von Deutschlands wirtschaftlicher Malaise und allgegenwärtiger Arbeitslosigkeit ab.

Schneller Vorlauf auf 2010 und der fortgesetzten Gegenreaktion auf US-Anstrengungen in globalen Konflikten zu bestehen.

Während Kanzlerin Angela Merkel ihre Wählerbasis nicht – wie ihr Vorgänger Gerhard Schröder – um Hass auf die USA mobilisierte, hat sie doch auch nicht das nötige Feuer, um sich dem radikalen Islam entgegenzustellen. Die lange Liste an Medienberichten, die Deutschland als eine Art Oase für jihadistische Aktivitäten ist die Story hinter der neuesten Bekundung Deutschlands, (die Wahrscheinlichkeit) radikalislamischer Anschläge zuzrückzuweisen. Kolumnist Jackson Diehl von der Washington Post formulierte diese scharfe Frage: „Haben Deutschlands Sicherheitsdienste im letzten Jahrzehnt nichts gelernt?“ Er beantwortete seine Frage damit, sie seien „gefährlich selbstgefällig“ geworden.

Ahmed Sidiqi, ein militanter Deutscher, der derzeit von den Amerikanern in Afghanistan festgehalten wird, ist die Quelle der jüngsten Warnungen über „Mumbai-artige“ Terroranschläge der Al-Qaida in Europa. Die Tageszeitung DIE WELT übertitelte vor kurzem wegen der steigenden Zahl einheimisch herangezogener deutscher Islamisten, die in der Region Afghanistan/Pakistan gegen die Amerikaner kämpfen, einen Artikel mit „Deutschland auf dem Weg zum Terror-Exportweltmeister?“ In dem Bericht heißt es, 40 ausgebildete radikale deutsche, islamische Sprengstoff-Experten operieren in Deutschland und bilden weitere zukünftige Jihadisten aus.

Deutsche Abgeordnete wie Jerzy Montag von den Grünen wurmen US-Drohnen, die gezielt (und gerechtfertigt) deutscher radialer Islamisten in Pakistan töten, die einen Terrorkrieg gegen den Westen führen, mehr als es ihn kümmert, den Export der Fußsoldaten „made in Germany“ gegen US-Streitkräfte zu stoppen. Montag, der Drohnenangriffe ablehnt, drängt auf einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den US-Maßnahmen gegen die radikalen Islamisten.

Kleine Nebenbemerkung: Montag ist Vorsitzender der „Deutsch-israelischen Parlamentariergruppe“, die Israels Sicherheitsinteressen vertreten soll, aber in Wirklichkeit dazu dient einseitige deutsche Sanktionen gegen Irans illegales Atomwaffenprogramm dienst und zur Untergrabung der nationalen Sicherheit Israels beiträgt. Mit Freunden wie diesen… kann man sich vorstellen, wie die Israelis sich fühlen.

Das akute Geheimdienstproblem besteht in einer überholten deutschen Strategie für das Durchgreifen gegen die zunehmenden deutschen Jihadisten. Der deutsche Inlands-Geheimdienst, der Verfassungsschutz, hat sich auf eine laxe und antiquierte Strategie zur Bekämpfung des radikalen Islam verlassen. Der Kontrollmechanismus besteht in Passivität und das bedeutet, dass man einfach fanatische Islamisten beobachtet, die sich in der Bundesrepublik eines großen Spielraums erfreuen.

Die deutschen Behörden brauchten neun Jahre, um die Al-Quds-Moschee in Hamburg zu schließen, die als organisatorisches Zentrum für die islamischen Terroranschläge vom 9/11 diente. „Jihadisten-Tourismus“ war der von einem deutschen Geheimdienstler verwendete Begriff zur Beschreibung der Rolle der Al-Quds-Moschee beim Ausbrüten von Ehrfurcht und Inspiration unter deutschen Muslimen.

Die Hisbollah bleibt in Deutschland eine legale Organisation und ihre 900 Mitglieder werben aktiv für den revolutionären Islam des Iran. Wenn Deutschland auf der Bühne der Welt ernst genommen werden soll, muss es die Tätigkeiten der Hisbollah auflösen und aggressiv Moscheen schließen, die für den revolutionär-islamischen Terror werben. Kurz gesagt: Die Phase des Beobachtens muss ergänzt werden durch die Nutzung der deutschen Sicherheitspeitsche, um den einheimischen radikalen Islam zu stoppen.

5 Gedanken zu “Warum spielt Deutschland den radikalen Islam herunter?

  1. „Herta Däubler-Gmelin, die … 2002 sagte, Präsident Bush plane einen Krieg im Irak, weil „Bush von seinen innenpolitischen Problemen ablenken will. Das ist einen klassische Taktik. Es ist eine, die auch Hitler nutzte“

    das wiederum ist die praktische Anwendung eines klassischen Deutungsmusters vulgär-linker Herkunft auf das Irakproblem und vielleicht erklärt die erstaunliche Überlebensḱraft solcher primitiven linken Deutungsmuster in der politischen Kultur eines Landes, welches legitimerweise sowohl für Marxismus als auch Nationalsozialismus sozusagen die Urheberrrechte für sich beanspruchen kann, wieso die politische Kaste dazu neigt, den radikalen Islam herunterzuspielen.

  2. Weil seine Repräsentanten weder Charakter, Wissen, noch Anstand haben. Und natürlich haben sie Angst.

      • Vor den Muslimen, die den Islam nicht verstanden haben, der ja Frieden, religiöse Toleranz und Kritikfähigkeit bedeutet. Sie haben zwar Bodyguards und Polizei und Bundeswehr, aber auch die Hose vollgeschissen.

        • Furcht vor den radikalen Muslimen auch im eigenen Haus ist in der Tat ein nicht zu unterschätzendes Motiv, da hat Genoss_in Karl Eduard zweifellos Recht. Auch die Abhängigkeit von der Ressource Erdöl und – gerade im Hinblick auf die „Geschäftstüchtigkeit“ gewisser Kreise der BRD im Irangeschaft – die wirtschaftliche Abhängigkeit, bilden mit das Fundament.

          Neben der Furcht und dem blanken Mammon bestimmt allerdings die von Links geschürte Furcht als „Hardliner“ in die rechte Ecke abgestellt zu werden und damit die auch noch auf Israel in seiner prekären Situation angewandte infantile Friedfertigkeit, neben dem ebenfalls von Links vermittelten selbsterhöhende Glauben an die historische Mission als elitärer Volkserzieher, der ein für weitgehend islamophob gehaltenes Volk in Schach halten muss, das eigene falsche Selbstverständnis. Genau diese Tendenz bewirkt von Innen heraus den ausgeprägten Willen, nicht sehen zu wollen, denn niemand zwingt diese Leute, aus einem A ein O zu machen und die Gefährlichkeit des radikalen Islams herunterzuspielen.

          Es gibt sicher noch eine Reihe anderer Gründe. Es handelt sich also um ein ganzes Bündel von Wirkursachen.

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