Zeit, Rabin loszulassen

Daniel Greenfield, Sultan Knish, 3. November 2010

Die jährliche Wiederkehr des Todes Rabins ist schon lange nicht mehr als ein trauriges Schauspiel. Sie ist eine Bühne für Linksaußen-Politiker, die im übrigen völlig irrelevant geworden sind, um wegen Frieden zu posieren und eine Chance dafür, dass die linken Medien atemlos Skandale über „Rechtsgerichtete“ ausgraben, die den geheiligten Tag des Todes Rabins nicht respektieren. Das ist die armselige Art und Weise, wie Israels degenerierende linke Elite ihre Zeit verschwendet – für hohle Reden über Frieden und wütende Artikel, die die fehlende Anerkennung ihres Personenkults beklagen.

Als Verkörperung der Irrelevanz der Linken schleppte sich der jetzt 89-jährige Peres hinüber zum Rabin-Platz in Tel Aviv, um zu erklären: „Wir sind entschlossener als die Feinde des Friedens und deshalb werden wir siegen.“ 1996, als die Linke die „Feinde des Friedens“ brandmarkte, meinten sie Netanyahu. Jetzt ist Netanyahu wieder im Amt und man kann das Los werfen, ob Peres ihn meint oder Lieberman oder die Hamas. Heute glauben wenige außerhalb der radikalen Linken überhaupt, dass das einzige Hindernis für den Frieden die israelischen Konservativen und Nationalisten sind. Die armseligen paar Tausend, die auf den Rabin-Platz trotteten, dokumentieren das.

18 Jahre, nachdem die Linke Israel illegal die Friedens-Zeitverschwendung aufdrängte, klingt ihr Gerede armselig hohl. „Sei haben nicht gewonnen und sie werden nicht gewinnen und uns unseren einzigen Besitz wegfangen. Ein Besitz, der unbezahlbar ist… Dieser teure Besitz heißt Hoffnung, er heißt Hoffnung“, deklamierte Peres. Es hat in dem Land seit langer Zeit keinen Frieden gegeben. Und für die meisten Israelis ist der kostbarste Besitz nicht der Mythos des Friedens, sondern ihr Haus, ihre Familie im Land Israel – die die Linke in ihrem fiebrigen Streben nach Frieden in Gefahr gebracht hat.

Neben der Denunzierung israelische Fernsehkanäle, weil die sich weigerten die Veranstaltung live zu übertragen, aus dem rationalen Grund, dass sie derzeit niemand sehen will, haben die Medien einen weiteren künstlich fabrizierten Skandal zusammengeschustert. Darin wir die Studentenvereinigung der Bar Ilan-Universität beschuldigt, weil sie es wagte zur Eröffnung des Studienjahres eine Party zu geben, am Datum der Ermordung nach dem gregorianischen Kalender. Klar, diese Rechtsgerichteten schmeißen eine Party, um sich über Rabins Tod an einem Kalendertag lustig zu machen, der nicht einmal für den Jahrestag genutzt wird. Der nächste Schritt besteht wahrscheinlich darin herauszufinden, was die Studenten der Bar Ilan am Jahrestag des Todes Rabins im chinesischen Kalender tun werden. Und dann geht es weiter zum aztekischen Kalender.

So wie Verschwörungstheoretiker nichts mehr lieben als Zusammenhänge zwischen der Ermordung Kennedys und Howard Hunt herzustellen, ist jede Erwähnung der Bar Ilan für die israelische Linke ein pawlowscher Pfiff, mit dem Yigal Amir mit der Bar Ilan und jedem rechts von ihnen selbst gleichgestellt wird. „Die Feinde des Friedens.“ Diejenigen, die Rabin töteten und dann auf sein Grab spuckten. Doch seitdem sind Premierminister von allen Seiten gekommen und gegangen. Rabins alte Arbeitspartei ist nur noch eine Hülle ihres alten Selbst. Kein Premierminister der Arbeitspartei oder der Kadima war in der Lage den Gordischen Knoten des Terrorstaates zu entwirren, den Rabin und Peres in die Grenzen Israels importierten.

Die israelische Linke ist inzwischen zerstückelt. Die radikale Linke nimmt die Frage der Verhandlungen nicht länger ernst. Stattdessen sind sie zu vollem Verrat übergegangen. Ihre Vorbilder sind Tali Fahima und Anat Kam. Sie arbeiten für NGOs oder Aktivistengruppen, die von der EU oder George Soros finanziert werden. Sie schwenken kommunistische Flaggen und leben Brände in Weinbergen jüdischer Bauern. Sie drängen Soldaten, sich der Wehrpflicht zu entziehen und machen Geheiminformationen öffentlich. Sei schmuggeln potenzielle Terroristen in ihren Autos nach Israel. Sie unterstützen internationale Boykotte gegen Israel.

Sie befinden sich inzwischen jenseits des politischen Prozesses und statt den Staat zu nutzen, um Frieden herbeizuführen, versuchen sie Israel zu vernichten. In Rabins Erbe gibt es nichts davon. Und während einige von ihnen sich auf dem Kikar Rabin zeigen, haben sie wenig für die alten Linken übrig, die immer noch Israels Existenz in irgendeiner Form behalten wollen. Die neue israelische Linke ist nicht nur radikal, sie postisraelisch. Sie freut sich auf die Abschaffung des Staates. Ihre Gelder kommen aus dem Ausland. Ihre Reihen bestehen aus den fanatischen, den verblendeten und bezahlten Verrätern.

Die Linke, die eher dem Mainstream angehört, findet sich als isoliert und irrelevant wieder. Peres‘ Fantasien eines Neuen Nahen Ostens erscheinen in einer Umgebung armselig kindisch, in der Israel mehr als je zuvor gehasst wird und der einzig mögliche Frieden mit hohen Mauern und fortschrittlichen Waffensystem erzielt werden kann. Yossi Sarid gibt trauernd zu, dass der Rabin-Tag eine schlechte Idee war und verurteilt Peres und den Rest der Linken dafür Rabins „Traum“ im aufgegeben zu haben. Die Wahrheit ist allerdings, dass es nie einen Traum gab.

Die unschöne Wahrheit ist: Die Arbeitspartei war bereits zu Rabins Zeiten scheintot. Sie war zur Partei der Korruption ohne neue Ideen geworden. Während der Likud für wirtschaftliche Reformen und nationale Sicherheit eintrat, war die Avoda todgeweiht und irrelevant geworden. Als nochmal eine Chance auf die Macht kam, machten Rabin und Peres unter dem amerikanischen Druck dienernd eine Kehrtwende und verhandelten mit der PLO eine Art visionäre Errungenschaft. Sie begrüßten die Ideen der Linksextremen, schüttelten der PLO die Hände und zerstörten Israel.

Peres mag ein wahrer Gläubiger gewesen sein, aber Rabin war der Pragmatist. Er war bereit sich als Friedensheld Ständchen bringen zu lassen, aber sein Ziel war es nur, den Konflikt dadurch zu beenden, dass den Terroristen ein Autonomiegebiet geboten wurde. Und wenn dieses pragmatische Ziel auch dazu diente die Arbeitspartei als „Friedenspartei“ neu zu erfinden, ihre Basis zu aktivieren und ihr wieder Bedeutung zu geben – um so besser. Und das beste überhaupt: Die amerikanische Unterstützung würde die Arbeitspartei an der Macht halten.

Amerika zu trotzen hatte Shamir und Israels konservative Likud-Partei gestürzt. Der Druck mit der PLO zu verhandeln, war stetig gestiegen. Hätte Rabin sich dem widersetzt, wäre Arafat in Obskurität auf Zypern gestorben und der Terrorismus wäre eine kleine Fußnote in einem ansonsten friedlichen Israel gewesen. Stattdessen machte Rabin den Fehler sich dem Druck zu ergeben. Er schüttelte Clinton und Arafat die Hand. Und als er ermordet wurde, nutzten Clinton und Peres seinen Namen zynisch aus, um eine Politik zu fördern, der er bestenfalls skeptisch gegenüber stand.

Rabin und Peres waren das Schwanzende eines sozialistischen politischen Establishments, das sich Israel als persönlichen Jungs-Club vorstellte. Die Arbeitspartei war nie in der Lage ihre schmalbrüstige Sphäre der säkularen aschkenasischen Sozialisten irgendjemandem draußen zu vermitteln. Und selbst heute sind ihre Medienorgane wie Haaretz bitterlich außerstande sich mit einem Land zu versöhnen, das religiöser, sefardischer und eingewanderter ist. Die Jungs-Club simmert immer noch mit Hass gegen die „groß Ungewaschenen“, die Sefardim, die Siedler, die Haredim, die Russen, die Anglos und den ganzen Rest, der ihnen ihr utopisches sozialistisches Paradies genommen haben.

Die Linke hat das Land verloren, aber sie wollen einen mörderischen Todesgriff auf der Justiz, den Medien, den Universitäten und den Literaturzirkeln behalten, wo Type wie Amos Oz dafür gefeiert werden, dass sie ihren Spleen auf jeden ablassen, der aus dem Land etwas mehr als ein Café auf der Dizengoff-Straße machen wollen. Die alte Linke ist in Israel irrelevant geworden. Die neue Linke ist zu Monstern geworden, losgelöst vom Land, konzentriert auf seine Vernichtung. Die alte Linke könnte sie stoppen, aber sie entscheidet sich nicht länger dazu. Sie hat nur ihren Hass, den sie jetzt nähren kann. Ihre alten und zerbrochenen Träume.

„Niemand kann mit der Arbeitspartei bezüglich Intensität und Hass konkurrieren. Manchmal verdecken sie das mit akademischen, literarischen oder philosophischen Verkleidungen, aber es ist immer derselbe Hass, der durch ihre Venen fließt“, schrieb Eitan Haber schon 2001. Der Hass ist seitdem nur stärker geworden. Je kleiner die Arbeitspartei wurde, desto mehr wurde sie zu einer Schlangengrube. Sie ist eine Partei, deren Überbleibsel nur von ihren internen und externen Feindschaften geeint ist. Bei all dem Gerede über Frieden gibt es nicht einmal in ihren eigenen Reihen Frieden.

Die Linke hat keine Zukunft mehr. Nur ihre Vergangenheit. Und ihre Verbitterung über das, was hätte sein können. Rabin-Erinnerungen sind eine zynische politische List, in echte Trauer verwandelt – nicht um Rabin, den die meisten von ihnen von Peres abwärts hassten, sondern um ihre eigene Bedeutung. Um ihre Träume von einem pariserischen Israel, einem Land der Kaffehaus-Debatten und künstlerischen Darbeitungen, der Viertage-Arbeitswoche und dem Ende der Religion. Während die Gedenkreden die schwindenden Massen auffordern in die Zukunft zu sehen, können ihre Teilnehmer nur in die Vergangenheit blicken.

Israels politisches Establishment ist zwischen dem sanften konservativen Likud und den apolitischen Karrieristen der Kadima aufgeteilt, deren einzige politische Strategie darin besteht an die Macht zu kommen, indem sie tun, was immer Obama sagt, du dann durch amerikanische Unterstützung an der Macht zu bleiben. Kadima hat Rabins Strategie wörtlich genommen, während alles und jeder sonst missachtet wurde, außer einem unverhüllten Streben an die Macht zu kommen, um das Land auszuplündern. Anders als die anderen Parteien, die allgemein das Land im Namen von irgendetwas plündern, hat die Kadima die ultimative Selbstsucht erreicht. Ihre Korruptheit ist von Ideologie losgelöst. Sie wollen gewinnen, um zu gewinnen. Und welch besseren Ruf könnte es bezüglich des gesamten Konstrukts des Erbes Rabins geben als dass die einzige große „Pro-Frieden-Partei“ nicht länger mehr an was auch immer glaubt.

„Das Problem mit Israel ist, dass seine politisch Rechten große Trottel sind und seine politischen Linken absolut böse“, sagte einmal Präsident Chaim Herzog. Und fasst damit die Situation nur allzu gut zusammen. Die Rechte ist dumm und die Linke böse. Aber wo es einst das Böse spießbürgerlicher Tyrannen war, ist es jetzt das Böse abgesetzter Könige, die proklamieren: „Nach mir die Sintflut!“ Und welches bessere Motto könnte es je für den gesamten Friedenswahn geben, als eine lange Aufforderung zum „nach mir die Sintflut“.

Es ist an der Zeit, dass Israel Rabin loslässt, womit ich meine, dass es Zeit ist, dass die Linke ihn loslässt. Das Land selbst hat das längt getan. Nur die Verbitterten, die Realitätsfernen, hängen diesem Personenkult noch an. Ihren zerschlagenen Träumen, die auf katastrophaler Politik, schlechter Wirtschaftspolitik und einer kompletten Geringschätzung für die nationale Sicherheit des Landes gründeten. Die israelische Linke ist ein Synonym für Verrat geworden. Sie ist einmal mehr zum Instrument von Auslandsinteressen geworden, die das Land vernichten wollen. Um das hinter sich zu lassen, muss sie eine realistische Zukunft für Israel formulieren.

Die Linke überbietet sich beim Schuld zuschreiben. Ihre Identität ist gänzlich negativ geworden, mit ein paar Pinselstrichen idealistischen Geredes, die über eine hässliche Leinwand geworfen wurden. Aber statt mehr Hass zu ziehen, könnte es an der Zeit sein, dass die Linke vollständig und gänzlich zugibt, dass sie falsch lag. Dass ihr Geschacher idealistische Wurzeln gehabt haben könnte, aber auf einer Vision der Welt gründeten, die nicht existiert. Die Linke kontrolliert immer noch die Kultur, aber die Rechte hat den Streit vor langem gewonnen. Es ist an der Zeit Rabin und das leere Gerede von Frieden loszulassen und tatsächlich anzufangen nach der Zukunft des Staates Israel zu suchen.