Deutschland sourct seinen Israel-Hass jetzt aus

Benjamin Weinthal, The Jewish Chronicle, 18. November 2010

Die Entscheidung der Frankfurter Bürgermeisterin Petra Roth, den hardcore-antiisrealischen Akademiker Alfred Grosser einzuladen, letzte Woche die Schlüsselrede zur Erinnerung an die Kristallnacht zu halten – eine staatlich geförderte Gewaltwelle gegen Deutschlands Juden am 9. November 1938 – löste in Deutschland und Israel einen bitteren öffentlichen Streit aus. Mehr noch: Dieses Outsourcing des Hasses gegen den jüdischen Staat an antiisraelische Juden ist zur festen jährlichen Einrichtung geworden.

Letztes Jahr verlieh der damalige deutsche Präsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz, eine der angesehensten Auszeichnungen des Landes, an die israelische Rechtsanwältin Felicia Langer, die Israel mit Nazi-Deutschland und dem früheren südafrikanischen Apartheid-Regime gleich gesetzt hat.

Grosser, ein in eine deutsch-jüdische Familie geborener französischer Intellektueller, ist aus demselben Holz geschnitzt wie der verstorbene britisch-amerikanische Historiker Tony Judt, der argumentierte, der Antisemitismus sei durch Israel und die Juden verursacht. Grosser fehlen wie Judt in der Nahost-Diskussion die Referenzen (und ein Verständnis des modernen Antisemitismus), lässt aber deutsche Medienorgane eine These verbreiten, die, würde sie von einem nicht jüdischen Deutschen vorgelegt, als mit Antisemitismus infiziert etikettiert würde.

Durch den Vergleich der Behandlung der Palästinenser durch Israel mit der Verfolgung der Juden durch Hitlers Bewegung, argumentieren Kritiker, bedient Grosser Mehrheits-Ressentiments gegen Israel und hilft Deutschland seine Schuld wegen der Verbrechen des Holocaust zu reinigen. Grosser argumentiert weiterhin, dass „Kritik an Israel und dem Antisemitismus nichts mit einander zu tun haben. Es ist stattdessen Israels Politik, die weltweit den Antisemitismus vorantreibt.“

Der in Frankfurt lebende deutsch-jüdische Professor Michael Brumlik hat Grosser wegen der Einbettung der Gleichung „Israel gleicht Nazideutschland“ in das „populärhistorische Bewusstsein“ kritisiert.

Im Gegensatz dazu betrachtet Grosser sich selbst als „moralisches Vorbild“ in Deutschland und Frankreich.

Die unverhältnismäßige Aufmerksamkeit, die einer Randgruppe antiisraelischer Juden gewidmet wird, ist in Deutschland als eine erprobte und zuverlässige Methode der Impfung von Politikern, Akademikern und Journalisten gegen den Vorwurf des Antisemitismus aufgekommen, während man sagt, was die Deutschen hören wollen“, gibt Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland an.

In der Tat folgt die Tendenz, antiisraelische Juden mit Vortragsengagements und Auszeichnungen zu überschütten der Logik Korns und anderer Kritiker, eine kaum verborgene Tarnung für moderne antisemitische Haltungen gegenüber Israel.

Grossers langjährige Abscheu gegenüber Israel ist klar. 2008 gab ein B’nai B’rith-Offizieller in einer Anhörung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im Bundestag Zeugnis von Grossers kruden Ansichten. Gemäß der Anhörung können Grossers Äußerungen als solche gewertet werden, die die EU-Definition für zeitgenössischen Antisemitismus erfüllen.

Vor einigen Jahren sourcte die deutsche Tageszeitung FAZ (zusammen mit der regionalen Badischen Zeitung) die antiisraelische Feindschaft an eine obskure deutsche Jüdin, Evelyn Hecht-Galinski aus, die sich selbst als „antizionistische Jüdin“ bezeichnet und Kopie Grossers. Die intensive Berichterstattung über Hecht-Galinski veranlasste einen Kolumnisten der WELT zu schreiben: „Es ist eine Schande, dass es so wenige Nichtjuden gibt, die Hecht-Galinskis dümmliche Kritik an Israel angreifen.“

Wenn man vom überwältigenden pro-Grosserschen Zuspruch in den deutschen Medien ausgeht, dann scheint die Bundesrepublik die Tradition aufrecht zu erhalten.

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