Dialog – unmöglich

Yaacov Lozowick, 4. November 2010

Vor rund sieben Jahren, nicht lange nachdem ich „Israels Existenzkampf. Eine moralische Verteidigung seiner Kriege“ fertig geschrieben hatte, begann die Idee für ein weiteres Buch aufzukeimen. In Jerusalem, fiel mir auf, befindet sich entweder der Hauptsitz oder ein Zweig praktisch jeder bedeutenden jüdischen Gruppierung innerhalb der jüdischen Welt; ein Buch, das diese vielen Stränge beschreibt, würde praktisch die volle Bandbreite vorstellen, aus der das jüdische Volk unserer Generation besteht. Es würde auch demonstrieren, dass Jerusalem die wahre Hauptstadt der Juden geworden ist, in einem Maß, das seit vor 2000 Jahren ohnegleichen ist.

Doch ein Drittel der Menschen Jerusalems sind Palästinenser. Es wäre eindeutig intellektuell unehrlich, die Geschichte der Stadt zu erzählen und dabei keinen Bezug zu ihnen zu haben. Also machte ich mich daran einen palästinensischen Partner zu finden. Es wurden bereits Bücher gemeinsam von Palästinensern und Israelis geschrieben, aber die Israelis scheinen sich immer für alles zu entschuldigen, was ihr Land falsch macht. Das Buch, das mir vorschwebte, sollte anders sein: Ich bin ein stolzer Zionist ohne die Absicht die Palästinenser für die Tatsache unserer Existenz um Vergebung zu bitten, auch nicht für unsere Bestehen darauf Jerusalem als das Zentrum der Welt anzusehen. Doch war (und bin) ich recht offen dafür, die palästinensische Seite der Geschichte zu hören; in der Tat war ich erpicht darauf ein bi-nationales Buch mitzuschreiben und damit für seinen gesamten Inhalt hinzunehmen und die Verantwortung dafür zu übernehmen, sowohl für die angenehmen als auch die weniger angenehmen Teile.

Der Akt des Teilens, sinnierte ich, könnte selbst eine Demonstration dafür sein, dass beide Seiten einen Weg hin zu einer Art Lösung gegenseitigen Respekts suchen. In der Tat war alles, was ich von einem palästinensischen Partner verlangte, dass er (oder sie) meine Seite der Geschichte respektierte, wie ich anbot seine zu respektieren.

Nun gut. Niemand bot sich je an sich mir anzuschließen. Ich wandte mich an alle möglichen mir bekannten Leute, die gute Verbindungen zu Palästinensern haben und bat um Hilfe beim Finden des richtigen Partners. Einige sagten mir, es gäbe keine Chance, andere sagten mir, es gäbe kein Problem; niemand von ihnen kam mit irgendeinem möglichen Partner zu mir zurück. So viel dazu, wie brauchbar unsere so genannten Friedensaktivisten sind.

Vor etwa drei Monaten fand ich selbst den Mann. Abed – so nenne ich ihn, weil das nicht sein Name ist oder diesem auch nur im Entferntesten gleicht – war sehr berit zu reden und offen für eine Zusammenarbeit. Wir begannen mit einer Reihe Treffen und Rundgänge, die wir allesamt beide faszinierend fanden; außerdem wurden wir gute Freunde.

Als der Augenblick der Wahrheit gekommen war, kamen Abed allerdings Zweifel. Er blieb willig unseren Dialog fortzuführen und wir betrachten uns weiter gegenseitig als gute Freunde, wie auch als wertvolle Informationsquellen. Doch er begann zu fürchten, dass seine Gesellschaft seine Mitautorenschaft an einem Buch mit einem halsstarrigen Zionisten nicht akzeptieren würde, selbst einem, der bereit war das palästinensische Narrativ in einem Buch mit seinem Namen zu präsentieren. Abed führte nie genau aus, wovor er Angst hatte, aber die Einzelheiten waren auch nicht besonders wichtig. Das Prinzip war: Ein Palästinenser kann nicht an einem gemeinsamen Projekt teilnehmen, das den jüdischen Anspruch auf Jerusalem anerkennt, selbst wenn das Projekt auch die palästinensische Ansprüche in gleich legitimer Weise anerkennt. Kann nicht.

Wie die Dinge stehen, akzeptiere ich den Fehlschlag. Ich könnte immer noch versuchen ein Buch über Jerusalem zu schreiben, eine Stadt, die immer faszinierender wird, je länger ich sie betrachte; Abed sicherte mir zu, dass er einen Weg finden wird mir zu helfen den Standpunkt seines Volks zu verstehen und ich erwarte, dass er mich anderen vorstellen wird, wann immer ich das wünsche, aber es kann kein gemeinsames Projekt sein.

Wenn irgendjemand da draußen jemand einfällt, den ich nicht kenne und der bereit wäre, werde ich ihn bereitwillig treffen. Leider fürchte ich – wie es mir schon immer gesagt wurde – dass es eine solche Person nicht gibt.