Ägyptische Verschwörungstheorien zu israelischer Beteiligung breiten sich aus

Elder of Ziyon, 4. Februar 2011

Aus Al Masry al-Youm:

Mittwochabend strahlte der ägyptische Fernsehsender al-Mehwar ein Live-Interview mit Shaimaa aus, einer ehemaligen Journalistin, die behauptet von Juden in den USA ausgebildet worden zu sein, um das politische Regime in Ägypten zu destabilisieren. Shaimaa sagte ins Mikrofon, dass viele der Protestler gegen Mubarak am Tahrir-Platz hätten ein ähnliches Training erhalten und dieses die letzte Woche hindurch über organisierten Demonstrationen eingesetzt.

Gerüchte darüber, dass Israel das Hirn hinter dem ägyptischen Aufstand sei, verbreiteten sich auf der al-Qasr-Aini-Straße. Heute Morgen behauptete ein Apotheker aus der Straße, er habe ägyptische Truppen gesehen, wie sie bie den Tahrir-Demonstrationen zwei Israelis verhafteten.

Nah dem al-Qasr al-Aini-Krankenhaus weigerte isch ein Saftverkäufer zwei Al-Masry Al-Youm-Reportern Wasserflaschen zu verkaufen; diese wollten sie mit medizinischer Hilfe den Verletzten am Tahrir-Platz bringen. „Die Israelis töten unsere Kinder und zerstören unser Leben. Ich werde nicht helfen sie zu unterstützen“, rief er.

Dennoch bleibt es unklar, wie viele Ägypter wirklich glauben, dass Israel der Drahtzieher hinter den jüngsten Ereignissen ist.

Der Historiker Sherif Younis schreibt die Ausbreitung der Gerüchte einer Gruppe von Mitgliedern aus den nationalen Sicherheitsdiensten, der Geheimpolizei, NDP-Mitgliedern, Geschäftsleuten und (sowohl regierungseigenen wie selbst erklärten unabhängigen) Medienleuten zu, deren Interessen mit dem bestehenden politischen Regime verbunden sind.

Die Medien haben in der ägyptischen Öffentlichkeit eine Kultur der Angst verbreitet; dabei wurden Vandalismus, Plünderungen und Gewalt infolge der Abwesenheit von Sicherheitskräften hervorgehoben. „Schützt Ägypten“ ist eine immer wiederkehrende Losung der unterschiedlichsten Fernsehsender geworden.

Letzte Woche wurde der Muslim-Bruderschaft vorgeworfen die Proteste zu organisieren. Als diese Darstellung keine Unterstützung aus dem Volk gewann, kam das Szenario mit Israel wieder auf.

Seit Jahrzehnten ist Israel in Ägypten als Wurzel allen Übels beschuldigt worden. Trotz des Friedensabkommens von 1979 nimmt die Öffentlichkeit es weiterhin als „Symbol des Bösen oder gar Satans“ wahr, erklärte Younis. Die Ägyptischen Medien haben dieses Narrativ seit Jahren genährt; wobei das ägyptische Kino und Fernsehen zeigten Israelis dabei völlig unabhängig von Genre des Films in verschiedenen Szenarien als Verbrecher.

Verschwörungstheorien werden in Ägypten gemeinhin akzeptiert, sagte Younis. Vorwürfe mit Israel zu konspirieren sind unter gegeneinander opponierenden Parteien wie durch das Regime üblich, fügt er hinzu. Die Anschludigung wurde sogar während konfessioneller Konflikte Anfang des Jahres benutzt.

„Israelophobie“ ist zu einem Charakteristikum der nationalen ägyptischen Identität geworden, und wurde vom Staat über die vergangenen Jahrzehnte hinweg aufgebaut, sagte Younis.

Friedliche Beziehungen zu Israel bleiben für die Mehrheit in der ägyptischen Öffentlichkeit inakzeptabel – etwas, das von der israelischen Regierung in den im letzten Jahr an die Jerusalem Post gegebenen WikiLeaks-Dokumenten zugegeben wurde. Doch obwohl Israel in Ägypten derart unbeliebt ist, war Mubaraks Regime einer seiner wichtigsten Unterstützer.

Ein Gedanke zu “Ägyptische Verschwörungstheorien zu israelischer Beteiligung breiten sich aus

  1. das ist Antisemitismus pur: Regimetreue Kräfte behaupten, das vom grossen Satan in den USA ausgebildete kleine Satansjuden das politische Regime in Ägypten destabilisieren wollen, während die Europäer, allen voran die Deutschen, dem jüdischen Staat ein Desinteresse an der angeblichen Demokratiserung des islamischen Nachbarn und weiss der Teufel, was sonst noch Böses unterstellen. Das erinnert an 1933, als die Deutschen davon überzeugt waren, dass Jüdische sowohl Kapitalisten, als auch Kommunisten wären. Kapitalistische Kommunisten und kommunistischen Kapitalisten sozusagen. Egal wie rum man es dreht, Juden sollen auf jeden Fall immer dran schuld sein. Zum Kotzen ist das!

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