Journalisten und HRW liegen bei Libyen falsch

Yaacov Lozowick, 21. Februar 2011

Omri Ceren schrieb gestern im Commentary-Blog, wie die Nahost- und Nordafrika-Direktorin von Human Rights Watch, Sarah Leah Whitson 2009 ganz gespannt darauf war, dass sich die Dinge in Libyen bessern. Ihr Artikel erschien in Foreign Policy und ist inzwischen kostenpflichtig. Offenbar stand darin der folgende Absatz:

Wofür Fathi al-Jahmi starb, beginnt sic him Land zu verbreiten. Zum ersten Mal, seitdem man sich erinnert, gibt es in Libyen eine Luftveränderung. Die morsche Atmosphäre der Unterdrückung ist angebrochen und macht Weg für ausgedehnten Raum zu Diskussionen und Debatten [und] Vorschläge für legislative Reform… Ich verließ mehr als ein Treffen verblüfft von der plötzlichen Offenheit gewöhnlicher Bürger, die die Regierung kritisierten und den Status quo mit neu gefundener Offenheit herausfordern. Eine Gruppe Journalisten, mit der wir uns in Tripoli trafen, beschwerten sich über Zensur… aber das hat ihre Zeitungen nicht aufgehalten… Quryna, eine der zwei neuen halbprivaten Zeitungen in Tripoli, brachte Seite um Seite an Kommentaren, die bürokratisches Fehlverhalten und Korruption kritisieren… Der Reformgeist hat sich, wenn auch langsam, in der Bürokratie verbreitet… der wahre Impuls für die Verwandlung liegt direkt bei einer quasi-Regierungsorganisation, der Gaddafi-Stiftung für Internationale Wohltätigkeit und Entwicklung.

Fast gleichzeitig schrieb der libysche Exilant Mohammed Eljahmi, dessen Bruder Fathi vor kurzem starb, eine beklemmende Kolumne zu seinem Tod und der Gleichgültigkeit der amerikanischen Regierung, aber auch über Amnesty International und Human Rights Watch:

Es sind nicht nur Politiker, die darüber nachdenken sollten, wie sie Fathis Fall behandelten. Der Tod meines Bruders sollte prominente Menschenrechtsorganisationen zum Nachdenken bringen. seit fast einem Jahr zögerten sowohl Amnesty International als auch Human Rights Watch sich für Fathi einzusetzen, weil sie fürchten, ihre Mitarbeiter könnten den Zugang zu libyschen Visa verlieren.
Erst am Tag von Fathis Tod gab Human Rights Watch eine Presseerklärung aus, in der angekündigt wurde, was wir zwei Monate lang schon wussten. Dass Fathi gebrechlich und abgemagert erschien, kaum sprechen konnte und seine Arme und Kopf nicht heben konnte. Als die Recherchierenden ihn am 25. und 26. April befragten, ob er das Gefängnis verlassen dürfe, sagte er nein. Als sie ihn fragen, ob er nach Hause wolle, sagte er ja.
Vielleicht weil sie immer noch Angst hatten Gaddafi zu verärgern, forderten sie bei Human Rights Watch in ihrer Erklärung vom 21. Mai keine unabhängige Untersuchung und schreckten davor zurück das libysche Regime für Fathis Tod verantwortlich zu machen.
Auch Amnesty International machte Kompromisse. Sie verlegten im April 2009 eine Demonstration, die ursprünglich vor der libyschen UNO-Botschaft stattfinden sollte, stattdessen vor die US-Mission, um Gaddafi nicht zu verärgern. Aus demselben Grund ignorierten sie Bitten um eine öffentliche Erklärung zur Verschlechterung von Fathis Zustand. Als die Amnesty-Delegation in Libyen war, als Fathi starb, verweigerte das libysche Regime ihm die Erlaubnis in Libyens zweitgrößte Stadt zu reisen.
Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass Länder-Ermittler in populären Menschenrechts-Organisationen anfällig für die Manipulationen durch Regime sind. Sarah Leah Whitson ist eine der Ermittlerinnen von Human Rights Watch, die Fathe als letzte Sahen, bevor er eilig nach Jordanien geschafft wurde. Sie schrieb nach ihrer Rückkehr aus Libyen einen Artikel für Foreign Policy. Dort beschrieb sie die Anstrenungen der Gaddafi-Stiftung für Internationale Wohltätigkeit und Entwicklung, die Saif al-Islam, dem Sohn des libyschen Führers, geleitet wird, als einen “Frühling”. Die Organisation bedroht aktiv die Familie meines Bruders. Einige Familienmitglieder erdulden weiterhin Verhörer, die Verweigerung von Staatsbürgerschafts-Papieren und Reisepässen, Beschattung rund um die Uhr und Bedrohung mit Vergewaltigung und physischer Liquidierung.
Nicht alle Organisationen kompromittierten ihre Prinzipien. Physicians for Human Rights ging keine Kompromisse mit dem Gaddafi-Regime ein und forderte eine unabhängige medizinische Untersuchung von Fathis Tod. Eines Tages, wenn freie Medien nach Libyen vordringen, warden die Freunde und Bewunderer meines Bruders erfahren, wie das American Jewish Committee danach strebt die Führer der Welt für Fathis Sache zu sammeln.

Wenn das American Jewish Committee sich aktiver für die Rettung des Lebens eines von seiner Regierung getöteten arabischen Menschenrechts-Aktivisten einsetzt als Human Rights Watch, dann weiß man, dass die Welt ein seltsamer Ort ist.

Wie auch immer – all das war vor langer Zeit, im Jahr 2009. Inzwischen ist es 2011 und die Menschen sehen anders auf Libyen, als sie es sonst machten. Besser gesagt: Uninformierte Menschen tun das – Journalisten bei CNN, Reuters und der Washington Post, Financial Times, der New York Times und anderen. Michael Totten andererseits hatte die ganze Zeit schon recht. Omri hat für uns die Recherche durchgeführt und einen absolut vernichtenden Eintrag, der an allen Journalistenschulen der gesamten Welt gelehrt werden sollte, was aber nie geschehen wird.

Vielleicht ist das der Grund, dass Michael Totten der einzige war, der recht hatte; er ging auf keine Journalistenschule. Er machte auch nie eine Ausbildung als Menschenrechtsaktivist.