Zu Aufgeschnapptem zu Libyen

Jetzt sind sie alle mächtig aktiv: Ab nächster Woche soll ein Waffenembargo gegen Gaddafi gelten. Hm, nächste Woche? Heute und morgen wird noch fleißig geliefert? Oder was?

Die Herrschaften im Westen haben lange genug gebraucht, um überhaupt auf die Morde zu reagieren, die es laut eines Gaddafi-Sohns gar nicht gibt: „Wir Libyer lachen über solche Behauptungen, es habe hunderte Tote gegeben oder Söldner.“

Man wand sich im Westen in den kuriosesten Verrenkungen. Gerüchte, die NATO würde eingreifen, wurden dementiert, von anderen aber nicht. In den Medien lässt man wieder Experten orakeln, die zu Libyen Sachen behaupten, die sie sonst anders sehen.

Bei n-tv tat einer von der Stiftung Wissenschaft und Politik sein Wissen kund: Sanktionen funktionieren nicht, haben nur langfristig Erfolg, wie man am Beispiel anderer Länder sehen kann – Iran und China. Bitte, was haben Sanktionen langfristig bei diesen beiden Staaten erreicht? Wo haben diese beiden Staaten auch nur irgendwo diesen auf die so genannten Sanktionen positiv reagiert? Welche Erfolge meint der Mann?

Nun, der befindet auch kategorisch, dass eine „No-fly-Zone“ in Libyen gar nicht eingerichtet werden kann. Wer sollte die anordnen? Das könne nur der UNO-Sicherheitsrat [der sich ja ohnehin schwer tut irgendetwas zu unternehmen]. Und selbst wenn, dann seien da ja immer noch die libysche Luftwaffe und Luftabwehr, die sich wehren könnten! Ja, wozu wäre die Einrichtung dieser Zone denn da, wenn die Gaddafi-Luftwaffe sich nicht mehr „wehren“ könnte? Der Mann legt nahe, dass die „internationale Gemeinschaft“ nur Wehrlose bekämpfen soll!

Ähnlich gut informiert ein weiterer Experte bei n-tv, diesmal Samstagmittag (inhaltlich wiedergegeben): „Wenn sich ein Helikopter einem amerikanischen Kriegsschiff nähert und sich nicht identifiziert oder seine Friedlichkeit beweisen kann, dann kommt ganz schnell der Befehl ihn abzuschießen.“
Was für ein amerikanisches Kriegsschiff sollte das sein? Die Briten haben die Cumberland vor Ort, die Bundesmarine ist mit drei Schiffen dort unterwegs, die Italiener haben auch einige dort, die Chinesen schickten eins, jede Menge anderer Staaten haben einzelne Kriegsschiffe geschickt, um Ausländer aus Libyen herauszuholen. Andere schickten neben den Schiffen oder statt dieser Militärtransportflugzeuge (Kanada, Griechenland, Türkei,…). Nur die USA machten keins von beidem. Herr Obama wollte nicht „kriegslüstern“ rüberkommen [aber andererseits sagen, zu Libyen halte man „alle Optionen offen“!] und falsche Assoziationen wecken. Also charterten die USA (für viel Steuergelder) eine „Fähre“ – einen Katamaran, der dann wegen des problematischen Wetters Tage lang im Hafen von Tripolis feststeckte!

Welches US-Kriegsschiff sollte sich also angegriffen fühlen können, Herr Experte? Könnte es sein, dass hier vor allem eins am Werk ist: Vorurteil? Wenn es irgendwo knallt, sind die Amis immer mit dabei und man muss sich gar nicht informieren, ob das auch stimmt? Warum muss es ein US-Kriegsschiff sein, das sich gegen mögliche Angriffe wehrt, warum nicht das chinesische?

Die arabischen Revolutionen offenbaren eine ganze Menge. In erster Linie allerdings Stereotype, imaginäres Wissen, das mit der Wirklichkeit oft wenig zu tun hat und eine Ignoranz von unangenehmen, weil nicht ins Weltbild passenden Fakten.