Rache und Vergeltung – und die verquere Darstellung derselben

„Nach Angaben des israelischen Militärs wurde eine Militäraktion als Vergeltungsmaßnahme eingeleitet“, hieß es heute Mittag im Focus. Wie in diesem Fall „Vergeltungsmaßnahme“ gewertet werden soll, ist eindeutig. „Vergeltung“ und Israel, das ist immer negativ, immer böse und zeigt nur die „biblische“ Rachesucht der Zionisten.

Ganz abgesehen davon, dass die IDF mitnichten eine Militäraktion als Vergeltungsmaßnahme ankündigte, sondern nur sagte, dass nach den Tätern gefahndet wird und man alles unternimmt ihrer habhaft zu werden (inzwischen hat ein IDF-Sprecher die Vergeltungsbehauptung als „totalen Schwachsinn“ bezeichnet): Wie geht die Qualitätsjournaille eigentlich mit anderen Racheschwüren um, die wir regelmäßig zu hören/lesen bekommen?

Wenn sie bei den Terroristen vermerkt werden, dann kommt das immer als ganz natürlich und selbstverständlich rüber. Hat die IDF nach einem Terroranschlag eine Maßnahme gegen die Terroristen durchgeführt und diese geifern, die Tore der Hölle würden sich öffnen und die Zionisten würden sich wünschen nie geboren worden zu sein, weil die Mordbuben des Propheten an ihnen fürchterliche Rache nehmen werden, dann finden wir den missbilligenden Unterton (und/oder offene Missbilligung) nicht, der bei angeblichen israelischen Vergeltungsmaßnahmen immer vorhanden ist.

Ist also arabisch-terroristische Vergeltung in Ordnung und gerechtfertigt, israelische nicht?

Oder gilt das zweierlei Maß nur, weil unsere tollen Medien die arabischen Terroristen eben doch nur für unterentwickelte Barbaren halten, denen man dieses Verhalten einfach zugestehen muss, während die Israelis eben doch christlicher handeln müssen als alle christlichen Vorbilder zusammen, denen man das so nicht zumuten will?

Und während man den Israelis Rachegelüste unterstellt, werden die der Terroristen auch berichtet?

Nicht unbedingt. „Palästinenser nehmen Rache, töten 5 Siedler“, titeln die Hamas-Terroristen von den Al-Qassam-Brigaden. Diese Rache ist unseren Medienkonsumenten nicht mitgeteilt worden. Warum? Uninteressant, weil keine jüdische Rache?

Bände spricht auch eine Überschrift in der New York Times: „Israelische Streitkräfte jagen nach den Mördern von 5 Westbank-Siedlern, verdächtigt Palästinenser“ – ja, wer soll das denn sonst gewesen sein? Klar, die Morde hätten von anderen verübt werden können, aber wie hoch ist Wahrscheinlichkeit dafür? Dass es Marsmännchen waren statt Arabern, ist wahrscheinlicher, als dass es irgendwelche Geistesgestörten, Juden oder internationale „Aktivisten“ gewesen sind. Aber was soll’s? Es kommt ja noch besser: Wer wurde da ermordet? Nicht etwa „Israelis“, auch nicht Menschen, sondern nur „Siedler“. Wahrscheinlich macht das die Tat weniger verabscheuungswürdig oder weniger unmenschlich. Und übrigens: Wer sind die Handelnden hier? Nicht etwa die Mörder, nein: „Israelische Streitkräfte“ sind die Aktiven, diejenigen, die handeln – mit Verdächtigungen.

Schön, wie Stimmung gemacht wird: „Das Militär nennt die Tötungen einen Terrorakt, womit es andeutet, dass es die Palästinenser verantwortlich macht.“ Und auch „Premierminister Netanyahu zeigt mit dem Finger auf die PA, die er für das verantwortlich macht, was er als Hetze in den Moscheen und durch die von der PA kontrollierten Nachrichtenmedien beschrieb“. Muss alles Einbildung sein, was PMW und MEMRI so alles dokumentieren und übersetzen. Der Rest dieses Artikels ist auch mehr oder weniger ein Anklage Israels, nicht der Terroristen; es wird auf angeblichen israelischen Untaten, besonders Vorwürfen gegen Siedler herumgeritten. Die Racheschwüre der Terroristen finden nicht statt. Wie bei uns.