16 Jahre Güte

A Soldier’s Mother, 16. März 2011

Die älteste Waise der Familie Fogel, haben Sie vielleicht gehört, ist Tamar, die Zwölfjährige, di eihre Eltern, zwei Brüder und Schwester ermordet und die beiden verbliebenen Brüder sicher vorfand. Die jüngste der Waisen ist gerade zwei Jahre alt.

Shiwa ist die Zeit, in der die Juden zur Trauer um ihre unmittelbaren Lieben sitzen. Es handelt sich um eine Periode von sieben Tagen, die nur vom Sabbath unterbrochen wird; an diesem Tag trauern wir nicht. Während der gesamten Zeit kommen Freunde und Familie, um zu trösten, über die verlorenen Lieben zu sprechen, sich an sie zu erinnern, den unmittelbaren Schmerz zu erleichtern, sollte das denn möglich sein.

Nach der Schiwa-Zeit geht die Trauer in Abstufungen weiter. Zuerst gibt es Schloschim – die 30 Tage. Während der Schiwa-Zeit gibt es starke Einschränkungen. Man sitzt auf niedrigen Stühlen, ein Zeichen der Trauer. Man trägt ein in Trauer zerrissenes Hemd und die meiste Zeit verlässt man das Haus nicht. Die Schloschim stellt eine Erleichterung vieler der ersten Einschränkungen dar, aber es wird weiter getrauert. Man verlässt das H aus und kehrt an die Arbeit zurück, aber man geht nicht auf Partys und fröhliche Veranstaltungen; außerdem gibt es weitere Regeln, die einzuhalten sind.

Nach Schloschim gibt es weitere Regeln und Vorgaben zu erfüllen. Weniger als während Schloschim, aber weiterhin ist nichts normal. Man geht weiterhin nicht auf Partys, man gibt oder empfängt auch gewisse Geschenke nicht. Die Trauer bleibt und zwingt einen sich mit dem Verlust klarzukommen.

Mit der Aufhebung der Einschränkungen wird auch die Trauer in irgendwie erleichtert und man lernt, dass man leben, lachen, überleben kann. Es ist eine höchst heilige Methode der menschlichen Tauer – brillant, wie nur Gott sein kann. Die Einschränkungen werden gegen Ende der Zeit zu einer Last. Man sehnt sich danach das Haus zu verlassen, man sehnt sich danach mit anderen zusammen zu sein. Wenn der Zeitpunkt kommt, in die nächste Stufe der Trauer und Erholung zu gehen, ermutigt die Erleichterung der Einschränkungen Heilung.

Erst einmal sitzt die Familie Fogel Schiwa, der schwerste, intensivste Teil der Trauer. Menschen kommen zu Besuch und in der Regel wird von irgendwoher Essen auf den Tisch gestellt. Einige Menschen verbringen Stunden dort und reden – und viele versuchen die Familie dazu zu ermutigen etwas zu essen. Man spricht über die Lieben, man sieht sich Bilder an. Menschen kommen und erzählen nie gehörte Geschichten darüber, wie besonders sie waren. Das Herz bricht einem tausend Male und dann noch weitere tausend Male.

Still, im Verlauf der letzten Tage, ist ein Mann in das Haus gekommen und brachte Lebensmittel, füllte die Küche auf. Sein Name ist Rami Levy und ihm gehört eine Supermarktkette*. Ich habe früher schon erstaunliche Geschichten über ihn gehört, aber diese ist besser als alle, die mir je zu Ohren gekommen sind.

Jeden Tag kommt Rami Levy zum Schiwa-Haus der Familie Fogel und füllt Regale und Kühlschrank höchstpersönlich mit Essen für die Familie und die Gäste. Heute dankte ihm ein Verwandter für diese unglaubliche Güte und seine Antwort ließ mir die Tränen kommen: „Ihr werde euch an mein Gesicht gewöhnen“, sagte er dieser trauernden Familie, „denn ich bin fest entschlossen jede Woche Lebensmittel zu bringen und euer Haus damit zu versorgen, bis die jüngste Waise 18 Jahre alt wird.“

Die jüngste Waise dieser Tragödie ist ein zwei Jahre alter Junge, der in der Nacht aufwachte und zu seinen Eltern lief. Gott sei Dank waren die Terroristen zu diesem Zeitpunkt schon weg; sie hatten eine Szene unvorstellbaren Horrors zurückgelassen. Der kleine Junge lief zu seinen Eltern und begann sie zu schütteln, um sie aufzuwecken. Seine Schwester und ein Nachbar fanden ihn dort weinend vor.

Was Rami Levy getan hat, ist dies: Er hat sich zu 16 Jahren Güte verpflichtet. Wenn dies eine Woche war, in der die Palästinenser sich schämen sollten – und das war sie – dann ist dies auch eine Woche, in der wir Juden das Recht habe stolz zu sein.

* Zu Rami Levys Supermarktkette gehören auch Märkte in Judäa und Samaria, in denen sowohl Juden als auch PA-Araber einkaufen – sehr zum Verdruss der Terrorchefs, die deswegen gerne drohen und wüten.