Bereit für den eigenen Staat? (1. Teil)

This Ongoing War (The View from Ramot), 13. April 2011

Die BBC stellt heute einen Bericht heraus, in dem es heißt:

„Die Regierung in der Westbank ist weitgehend bereit einen palästinensischen Staat zu regieren, hat die UNO gesagt. Die Palästinensischen Autonomie (PA) hat erfolgreich einige Institutionen und öffentliche Dienste aufgebaut, die für einen zukünftigen Staat notwendig sind, sagte die UNO… In sechs Bereichen, in denen die UNO sich am stärksten engagiert, reichen die Regierungsfunktionen für die funktionierende Regierung eines Staates aus“, hieß es in dem von Robert Serry, UNO-Sonderkoordinator für den Nahost-Friedensprozess (UNSCO) herausgegebenen Bericht. Dieser besagt, dass die PA – sie eine begrenzte Selbstverwaltung in der Westbank ausübt – Bereich wie Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit, Gesundheits- und sozialer Versorgung und der Infrastruktur zu einer Ebene aufgebaut hat, die von einem Staat erwartet wird.“

Das ist interessant. Offenbar ist es wichtig, dass das Regime Abbas so wahrgenommen wird, dass es Gutes getan hat, damit die Nationen der Welt ihm die Anerkennung als Staat geben kann.

Gutes ist gut. Wir sind sicher, dass, wenn die palästinensischen Araber etwas Gutes und Konstruktives in ihrem Leben haben – etwas, das zu schützen sich lohnt – dann die Dinge für uns, ihre Nachbarn, viel besser sein werden. Dann, wenn sie von den Gangstern und Kleptokraten, die seit Jahrzehnten über sie herrschten (natürlich Arafat und diejenigen, die mit ihm und nach ihm kamen), um die guten Dinge betrogen werden, wird Terrorismus als legitime Antwort betrachtet.

Hier kommt, was wir an diesem BBC-Bericht und dem, was in der UNO geschieht, so beunruhigend finden.  Es gibt zwei konkrete Aspekte.

Erstens: Der Bericht Serrys mit dem Titel „Aufbau eines palästinensischen Staats: Eine entscheidende Periode“ spricht in höchsten Tönen vom Gesundheitssystem der PA:

„Das Gesundheitssystem in den oPt (besetzen palästinensischen Gebieten) entwickelte sich in den Gebieten unter PA-Kontrolle gut; die Reichweite, Qualität und Verfügbarkeit öffentlicher Gesundheitsdienste in den oPt und Gesundheits-Schlüsselindikatoren wie Babysterblichkeit und Lebenserwartung sind mit denen in den Nachbarstaaten wie Ägypten und Syrien vergleichbar.“

Das spiegelt sich in den Befunden eines ebenfalls diese Woche veröffentlichten Berichts der Weltbank mit dem Titel „Aufbau des palästinensischen Staates: Stützung von Wachstum, Institutionen und Dienstleistungen“ (online hier in Englisch). Um nur ein Beispiel zu liefern, wie gut ihre Gesundheitssystem funktioniert:

„Kinder im dem Alter von unter 5 Jahren leiden nur 11,5 Prozent unter für ihr Alter zu geringer Größe und lediglich 1,4 Prozent unter für ihre Größe zu niedrigem Gewicht. In den Ländern mit durchschnittlich mittleren Einkommen sind 3 von 10 Kindern zu klein für ihr Alter, d.h. mehr als dreimal so viele wie die Zahl für die Westbank und den Gazastreifen (WB&G). Was die Leistungen in Sachen Muskelschwund angeht, sind die Beispiele noch besser: 1 von 10 Kindern in Ländern mit mittleren Einkommen leiden unter Muskelschwund, d.h. die Rate ist in WB&G siebenmal geringer.“

Elder of Ziyon hat exzellent Informationen zusammengetragen, um uns daran zu erinnern, dass das, was heute als große Leistung einer „herausragendes Leistenden“ (das soll die PA sein) präsentiert wird, vor nur zwei Jahren genau das Gegenteil sein sollte. Es gibt keinen Preis dafür, dass man errät, wessen Fehler das damals war.

Die BBC-Analyse von 2009 hieß „Palästinensische Gesundheitsversorgung ‚marode‘“ (hier online). Als Meinungskommentar von einem Harvard-Forscher für die New York Times (hier online) verfasst, trug es den Titel Gazas verkrüppeltes Wachstumsproblem. Beide trafen überzeugt dieselbe Aussage und zitierten dazu das britische Medizinmagazin The Lancet, das behauptete: „Der Trend zu unterentwickelter Körpergröße unter palästinensischen Kindern nimmt zu und es gibt Sorge bezüglich der langfristigen Folgen…“

Die NY Times schreibt:

„Geringes Körperwachstum wird durch chronische Mangelernährung verursacht und beeinträchtigt die kognitive Entwicklung und die physische Gesundheit, stellt eine ernste Bedrohung der normalen kindlichen Entwicklung und kann für die Zukunft der Kinder schwere Gesundheitsprobleme verursachen. Die Schlussfolgerungen des Berichts, dass der Hauptgrund für das marode palästinensische Gesundheitssystem die Besatzung, der jüngste Konflikt im Gazastreifen und die innerpalästinensischen Kämpfe ist, streicht die Notwendigkeit einer ehrlichen Bewertung der Gesundheitslage innerhalb des Zusammenhangs der breiteren israelisch-palästinensischen Friedensgespräche heraus.“

Die BBC übernahm die Behauptung des Lancet, dass „10% der der palästinensischen Kinder jetzt eine unterwickeltes Körperwachstum haben“ und hinterließ bei den Lesern den klaren Eindruck, dass dies eine irgendwie furchtbare Statistik sie.

Das ist sie nicht. In dem eben erwähntenh Papier der Weltbank vom April 2011 heißt es: „Unter den Kindern unter 5 Jahren leiden nur 11,5 Prozent unter zu geringem Körperwachstum und lediglich 1,4 Prozent unter für ihre Körpergröße zu niedrigem Gewicht. In Ländern mit durchschnittlichem Einkommen sind 3 von 10 Kindern zu klein für ihre Alter, d.h. mehr als dreimal so viele wie in WB&G.“

Schon seltsam, wie das wirkt. Eine Rate von 10% zu geringes Körperwachstum ist 2009 eine Anklage der Israelis, die irgendwie für die Gesundheit und das Wachstum der palästinensisch-arabischen Kinder verantwortlich sind. Und eine Rate 11,5% derselben schlimmen Sache wird 2011 irgendwie ein klares Zeichen dafür, dass die PA-Behörden ihre Gesundheitssystem prima betreiben.

Wir müssen alle unsere eigenen Schlüssel ziehen – nicht so sehr über zu geringes Körperwachstum und die Gesundheit der Kinder (die sehr wichtig ist), sondern zu der zynischen Art, wie Reporter und Redakteure die Nachrichten drehen und verdrehen, damit sie in ihre ideologische Agenda passen.

Aber da gibt es noch mehr. So erbaulich es auch ist zu wissen, dass die palästinensischen Araber eine Regierung haben, die gut genug ist, um ihr zu erlauben (vielleicht) der Gemeinschaft der Nationen beizutreten, so gibt es doch einen anderen in dieser Woche veröffentlichten Bericht, der nahe legt, dass sie im selben selbst zugefügten schwarzen Loch stecken geblieben sind, das sie schon vor sechzig Jahren besetzten. Dazu werden wir einen eigenen Blogeintrag einstellen.